Der erste Weltkrieg in Farbe: 14-18 - Europa in Schutt und Asche

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Datum: 10.01.2011 | VÖ: 16.11.2010 | Herausgeber: Ascot Elite | Kategorie: Dokumentation

Dass die Weltgeschichte voller Grausamkeiten ist, steh auer Frage. Ebenso ist es mittlerweile eine Selbstverstndlichkeit zu wissen, dass der Krieg zu den grausamsten Dingen gehrt, die von der Menschheit jemals verbrochen wurde. Dieses Wissen war vor hundert Jahren leider noch nicht vorhanden. Damals wurde der Krieg noch als etwas Gottgewolltes verklrt und die Soldaten zogen als Helden in die Schlacht. Nach ber 40 Jahren Frieden hat sich bis zum Ersten Weltkrieg, der 1914 ausgebrochen ist, an der althergebrachten Kriegsfhrung jedoch viel gendert. Die moderne Technik brachte viele neue Waffen und somit auch viel neues Leid in den Krieg. Anders als erwartet, dauerte diese Schlacht nicht ein paar Wochen oder Monate, sondern mehrere Jahre. Unzhlige Menschen mussten mit ihrem Leben daran glauben und wer als Krppel wieder nach Hause kommen durfte, konnte sich noch glcklich schtzen. Die Grausamkeiten des Krieges wurden in dieser Zeit erstmals der Masse bewusst, was auch mit den damaligen Medien zusammen hing, die den Krieg nicht selten zu Propagandazwecken durch Photographie und Lichtspielhuser erstmals in die Heimat brachte.

Wie es schon mit den Filmaufnahmen des Zweiten Weltkriegs oftmals der Fall ist, besteht auch bei den deutlich selteneren Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg das Problem, dass durch die Schwarz-Weiss-Aufnahmen die damaligen Geschehnisse nicht richtig real wirken und dadurch fr eine gewisse Distanz gegenber den Zuschauer gesorgt wird.
Durch die moderne Technik ist es heute mglich, diese alten Aufnahmen nicht nur zu restaurieren, sondern auch zu kolorieren. Wie es schon bei groartigen DVD-Verffentlichungen wie "'33 '45 in Farbe" der Fall war, wirken die damaligen Geschehnisse eben durch diese Farbaufnahmen pltzlich viel authentischer, was die Folge hat, dass der Betrachter viel einfacher in diese Zeit eintauchen kann und damit das, was damals geschehen ist, besser versteht.

Die Dokumentation "14-18 Europa in Schutt und Asche" ist nun erstmals auf DVD erschienen. Das Besondere an dieser Dokumentation ist, das man smtliche Original-Aufnahmen aus der damaligen Zeit in Farbe zu sehen bekommt. Mein Interesse an dieser Verffentlichung war sofort sehr gro, auch wenn ich meine Vorfreude erst einmal ein wenig bremsen musste, da es sich hier um eine franzsische Dokumentation handelt. Whrend es hierzulande Tradition geworden ist, sehr negativ ber die eigene Geschichte zu berichten, ist mir gerade in englischen Dokumentationen aufgefallen, dass auch hier geschichtliche Themen sehr subjektiv aufgearbeitet werden. Da liegt die Befrchtung natrlich nahe, dass es bei franzsischen Dokumentationen ebenso ist. Doch ich war sehr positiv berrascht. hnlich wie bei deutschen Dokumentationen geht der franzsische Regisseur Jean-Francois Delassus sehr kritisch mit den Vorfahren seiner Landsleute um und ber die Deutschen wird verhltnismig wenig negatives gesagt. Es wirkt mir sogar schon fast zu selbstkritisch, was es mir nicht leicht macht, hier von einer objektiven Dokumentation zu sprechen. Da ich kein Geschichtsprofessor bin, kann ich dies aber nicht beurteilen. Jedenfalls war es schn, eine Dokumentation zu sehen, die nicht voller Seitenhiebe gegen Deutschland ist. Stattdessen wird z.B. auf die Art der franzsischen Propaganda hingewiesen und am Ende auch auf die Art und Weise, wie man mit dem Deutschen Reich umgegangen ist. In einer Filmaufnahme wird ein Franzose gezeigt, wie er einen Deutschen schlgt. Zwischen den Zeilen wird auch noch einmal darauf hingewiesen, dass dieser Umgang mit den Deutschen die Saat war fr den Nationalsozialismus.
Lediglich kleine Fehler bzw. politisch korrekte Anpassungen sind mir aufgefallen. So wird beispielsweise sterreich als "Cousin von Deutschland" betitelt und nicht als "Bruder" des Deutschen Reichs, wie es in diesem Zusammenhang korrekt heien msste.

Der Fokus dieser Dokumentation liegt natrlich in erster Linie in den Kmpfen zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich. Um dem 100-mintigen Film einen Rahmen zu verleihen, hat man sich dazu entschlossen, aus dem Erzhler einen kleinen franzsischen Soldaten zu machen, was gut funktioniert. Denn unabhngig davon ob es sich hier um einen fiktiven Soldaten handelt, bekommen die Bilder und die Geschehnisse von damals noch mehr Authentizitt. Der tolle Erzhler in der deutschen Fassung trgt einiges dazu bei, dass dies gut funktioniert. Der Zuschauer vertieft sich leicht in diese Zeit und es wird ihm ohne Rcksicht gezeigt, wie grausam dieser Krieg war. Schon zu Beginn bekommt man viele Aufnahmen von verwundeten und entstellten Soldaten zu sehen. Ohne dabei bestimmte Personen oder Lnder zu verurteilen, wird im Laufe der Dokumentation, die chronologisch vorgeht und jedes Kriegsjahr einzeln behandelt, sehr anschaulich die Absurditt dieses Krieges aufgezeigt und die bis dahin noch nicht vorhandenen Grausamkeiten, wie das gefrchtete Giftgas und seine Folgen. Als Zuschauer ist man gebannt von dieser Dokumentation. Denn whrend man subjektive Dokumentationen ber den Zweiten Weltkrieg reichlich zu sehen bekommt, wird der Erste Weltkrieg, der nicht weniger grausam und fr die Weltgeschichte wichtig war, ein wenig stiefmtterlich behandelt. Umso spannender ist es, einen solchen bislang nicht da gewesenen Einblick in die damaligen Geschehnisse zu bekomme. Nicht wenige werden dadurch einen ganz neuen Blick auf die Geschichte des letzten Jahrhunderts bekommen.

Seit November des letzten Jahres ist diese Dokumentation aus dem Jahr 2008 nun auch auf DVD erhltlich. Auf dem ersten Blick macht diese Verffentlichung einen sehr guten Eindruck. Die DVD befindet sich in einer durchsichtigen Hlle, die wiederum in einem Pappschuber aufbewahrt wird. Sowohl der Pappschuber als auch die Plastikhlle haben jedoch den Selben Aufdruck. Wenn man die Hlle ffnet, kriegt man noch einmal diesen Aufdruck zu sehen. Denn es handelt sich hier um ein Wendecover, das in meinen Augen in dieser Form wenig Sinn macht. Denn wenn man das Titelblatt gewendet hat und man die Plastikhlle wieder in den Schuber setzt, bekommt man weiterhin das groe FSK-Logo des Schubers zu sehen. In meinen Augen wre es sinnvoller gewesen die Innenseite des Einlegeblattes mit weiteren Informationen oder Impressionen zu fllen, um den Kunden weiter auf den Hauptfilm einzustimmen. So bekommt man dagegen ein und den Selben Aufdruck ganze dreimal zu sehen. Eine Alternative gibt es nicht, denn auf ein Beiheft mit weiterfhrenden Informationen ber den Film oder ber den Ersten Weltkrieg (Texte, Bilder, Landkarten) hat man leider komplett verzichtet. Gerade bei einer so hochwertigen Dokumentation htte sich das wunderbar angeboten.

Wenn man die DVD dann in seinen Spieler einlegt, kriegt man als erstes einige Filmtrailer zu sehen. Dies ist gerade fr all diejenigen nervig, die kein Interesse haben, sich die Trailer anzuschauen. Eine Mglichkeit, die Trailer auf einfachen Wege weg zu klicken, ist nicht vorhanden. Mit Ausnahme der Trailerschau als eigene Rubrik mit vier Filmvorstellungen findet man kein Bonusmaterial auf dieser DVD, was bei einer Dokumentation nicht weiter schlimm ist. Dafr gibt es eine bersichtliche Kapitelunterteilung, sowie eine "Einstellungen"-Rubrik. Hier kann man zwischen der deutschen, der franzsischen und der englischen Tonspur whlen, sowie auf Wunsch deutsche Untertitel aktivieren. Dass die Dokumentation in drei Sprachen vorliegt und man auch an Untertitel gedacht hat, ist sehr lobenswert und leider alles andere als selbstverstndlich. Die Bild- und Tonqualitt ist sehr gut, gerade wenn man das Alter der meisten Filmaufnahmen beachtet.

Die Dokumentation "1418 Europa in Schutt und Asche" ist ohne Einschrnkung sehenswert. Gerade auch fr den Einsatz im Geschichtsunterricht eignet sich dieser Film hervorragend. Die DVD-Verffentlichung ist leider nicht perfekt, kann aber mit einer schnen DVD-Gestaltung und einigen tollen Features auftrumpfen. (sk)

Wertung: 8 von 10 Punkten (8 von 10 Punkten)

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