Ist das Internet langweilig und nervig geworden?

  • Ich bin seit 1995 online (als 17 jähriger), damals noch auf BBS/Mailboxen, dass die jungen Leute heute gar nicht mehr kennen, und ab 1996 das Word Wide Web, umgangsrachlich auch einfach das Internet - damals war das Internet noch schön klein, "ordentlich und aufgeräumt". Geeks und Nerds, Fachleute und Experten zu bestimmten Themen waren damals online, fast alle männlich, jung und technikinteressiert/orientiert/begeistert (behaupte ich mal). Das Surfen hat Spass gemacht, es war aufregend, ein Abenteuer, und man hat sich "zur Elite gehörend" gefühlt!

    Für mich war es damals etwas Besonderes, im Mediamarkt für ein paar Minuten (kostenlos) erstmals das World Wide Web zu betreten, das war aber erst so 1999, das Jahr darauf hatten wir es dann daheim. Somit habe ich die Frühphase natürlich nicht erlebt, aber wie mit allem war es zu meiner Anfangszeit viel aufregender und schlicht unmöglich, alle interessanten Ecken in der begrenzten Zeit (wg. der Kosten) und mit nur 7 kb/s zu erkunden.
    Selbst Chatten hatte da noch seinen Reiz, etwas, was ich heute überhaupt nicht mehr mache.
    Auch mir fällt auf, wenn ich mir Seiten/Foren aus den 90ern anschaue, dass vor allem technikaffine, gebildete Männer von ca. 18 bis 48 unterwegs waren, also kein Vergleich zu heute.


    Das Bild mit der Kneipe, die mit der Zeit von "Kiddies" oder Massen- statt dem ursprünglichen Zielpublikum bevölkert wird, finde ich sehr passend und das erlebt man echt fast überall.


    Früher war ich übrigens viel auf Bandseiten unterwegs und diese waren damals fast ausnahmslos um einiges aufwendiger/kreativer gestaltet. Viele wurden später wahrscheinlich aus Kostengründen durch irgendwelche vorgefertigten Schablonen ersetzt oder auf Myspace ausgelagert und oftmals komplett eingestampft. Heute sehe ich nur simple Startseiten mit Links zu Facebook/Twitter/LastFM/iTunes...in dem Punkt hat die Vielfalt beispielsweise sehr gelitten.

    Ich fand das frühe Internet 1999/2000 damals als Jugendlicher sehr spannend - gewissermaßen hatte es die Anmutung einer gesetzlosen Zone, was jugendgefährdende Inhalte angeht. Das hat sich heute wohl geändert, aber ich suche auch nicht mehr unbedingt nach solchen Inhalten, weil sie zum großen Teil aufgehört haben, mich zu interessieren. Zum "elitären Charme" kann ich nichts sagen, da ich mich nie als Techniker gefühlt habe. Sehr, sehr wohl habe ich mich in den themenbezogenen Foren zwischen ca. 2000-2005 gefühlt. Mit den "sozialen Netzwerken", die danach kamen, konnte ich nichts mehr anfangen. Ich verstehe bis heute nicht, was Facebook, Twitter und der ganze andere Sch**ss eigentlich soll...

    Das kann ich nur komplett unterschreiben.

    Bzgl. Internet finde ich halt großartig, dass sich ein Forum bis heute halten kann. Dass eine Webseite, die noch immer technisch und optisch wie aus den 90er Jahren daher kommt, erfolgreich sein kann, bei google aufgrund der guten Inhalte hoch gelistet wird usw.

    Im Vergleich zu den sogenannten "sozialen Netzwerken" finde ich ein Forum wie dieses viel "sozialer", also sind Foren dieser Art, die es schon lange gibt, für mich die "wahren sozialen Netzwerke", weil man darin wirklich miteinander kommuniziert.

    Foren wie dieses haben für mich, selbst bei niedriger Frequentierung, auch etwas Beständiges und Gemeinschaftliches und können in dieser Form theoretisch auch noch in zehn Jahren existieren, da sie thematisch wie auch internettechnisch keinen Trends unterliegen.


    Auch bezeichnend für den Wandel finde ich ja die Internetverweise im Fernsehen: Wo es früher noch hieß "Rufen Sie uns an unter **** oder schreiben Sie uns per Fax oder E-Mail" oder "Sie finden uns jetzt auch im Internet unter www.", höre ich heute nur noch "Folgen Sie uns über Facebook/Twitter/Whatsapp und schreiben Sie Ihre Meinung".
    Ich bin schon so langsam geneigt zu schreiben: "social media killed the internet star"


  • Auch bezeichnend für den Wandel finde ich ja die Internetverweise im Fernsehen: Wo es früher noch hieß "Rufen Sie uns an unter **** oder schreiben Sie uns per Fax oder E-Mail" oder "Sie finden uns jetzt auch im Internet unter www.", höre ich heute nur noch "Folgen Sie uns über Facebook/Twitter/Whatsapp und schreiben Sie Ihre Meinung".
    Ich bin schon so langsam geneigt zu schreiben: "social media killed the internet star"


    Ein Zeichen für diesen Wandel ist auch, dass in Sendungen für Jugendliche oder ein junges Publikum inzwischen auch Tweets live als Bauchbinde eingeblendet werden oder dass in Sendungen Facebook-Posts zitiert werden.

  • Ihr redet vom Fernsehen? Fernsehen wird doch heute im Netz schon gemacht, und das zum Brechen! :cursing: Sog. YouTuber bevölkern das Netz nun auch schon eine kleine Weile wie bspw. Dagi Bee o.a. http://www.deutschlandreporter…ltung/das-youtuber-leben/ Diese "YouTuber" sind so ein Phänomen auf das ich heute sicher schnell verzichten kann! Sogar ein Kinofilm kam da gerade drüber raus. Aber schlecht ist es eben auch nicht, wenn du Dir Anleitungen, Walkthroughs, Dokumentationen oder Filme im Netz eben mal so und legal auf YouTube überhaupt anschauen kannst. Für eine ordentliche visuelle Darstellung vieler Infos hast du dir damals noch ein ganzes Bein ausgebrochen.


    Was mir nicht so gefällt ist, dass die Kommunikation insgesamt viel schneller geworden ist. Nun wo jeder einen Netzzugang hat, wird von dir erwartet auf Nachrichten schneller zu reagieren, ein Mensch ohne Facebook-Profil wird schräg von der Seite angeschaut und Konzerne haben gelernt mit unseren Nutzerdaten Milliarden zu verdienen. Alles nicht so toll wenn ihr mich fragt. :(

  • Aber schlecht ist es eben auch nicht, wenn du Dir Anleitungen, Walkthroughs [...] im Netz eben mal so und legal auf YouTube überhaupt anschauen kannst.

    Also wenn es um Anleitungen wie etwa Schminktipps oder Kochrezepte geht, steht da sicherlich nicht so sehr der Rat im Vordergrund, sondern die jeweilige Person und auch bei diesen Walkthroughs vermute ich, dass viele Zocker eher mit ihren "Skills" angeben wollen. Aber gut, das ist nicht meine Welt, deswegen halte ich mich mit Urteilen besser zurück.

    Quote

    Was mir nicht so gefällt ist, dass die Kommunikation insgesamt viel schneller geworden ist. Nun wo jeder einen Netzzugang hat, wird von dir erwartet auf Nachrichten schneller zu reagieren, ein Mensch ohne Facebook-Profil wird schräg von der Seite angeschaut und Konzerne haben gelernt mit unseren Nutzerdaten Milliarden zu verdienen.

    Ich finde es gar nicht schwer, sich dem vermeintlichen Gruppenzwang zu entziehen und seine Netzaktivitäten weitgehend auf das Sinnvolle/Notwendige zu beschränken, wobei ich mir keineswegs wie ein Hinterwäldler vorkomme. Und es ist fast schon ein befreiendes Gefühl, als einer der Wenigen (je nach Umfeld) nicht bei jeder Gelegenheit mit dem Smartphone herumsurfen zu müssen.

  • Und es ist fast schon ein befreiendes Gefühl, als einer der Wenigen (je nach Umfeld) nicht bei jeder Gelegenheit mit dem Smartphone herumsurfen zu müssen.


    Dem kann ich absolut beipflichten :) Ich fühle mich sauwohl mti meinem Tasten-Taschentelefon :) Und bin stets drin bestätigt, wenn ich Leute an meiner Seite habe, die es nicht packen, sich auf das Gespräch oder etwas anderes zu konzentrieren, weil sie immer irgendwas noch an ihrem Mobiltelefon machen müssen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Internet ist mit Sicherheit nicht langweilig geworden.
    Kommt auch die Interessen an.....


    Im Gegenteil.- mehrere Nachrichtenquellen
    - viele interessante Videos
    - online einkaufen
    - online Banking
    - in solche Forum schreiben
    - TV livestream




    auch u. s. w................

  • Ich auch, nur läuft da meistens viel mist und die Sendungen die gut sind (besonders im Informationsbereich) gibts ausschließlich bei YouTube bzw. im Netz

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Das Surfen hat Spass gemacht, es war aufregend, ein Abenteuer, und man hat sich "zur Elite gehörend" gefühlt

    Zu "meiner Zeit" von 2006 bis 2012 war das auch der Fall. Wenn es heute keine Foren zu schreiben gäbe, könnte ich die Kiste aus dem Fenster werfen.....


    Das meiste, was die anderen Schreiber als "Inhalte" erwähnt haben, interessiert mich alles nicht. :) (Filme im Netz, war früher halt Bibliothek & Videothek - das könnte auch bald wieder kommen, wenn die Zensur noch stärker eingreift - Terrorfilter & Co)

  • Ja, wenn die Leute wieder zu Büchern greifen und in die Biblio-/Videotheken gehen, dann sehen sie sich auch wieder in Natura und nicht nur virtuell, ist also auch was gutes. :)

    - Oh Jegerl, gut dass mich dran erinnerst! - An wos? - Nojo, na was kommt nach dem 31. März? - Der 1. April! - Richtig! Er weiss wieder besser! Jetzt derfst weiterschnupfern!

  • Die Suchmaschine "Yandex", die ich bis jetzt bevorzugte, ist einen großen Schritt weiter gegangen. Sie ändert ein unerwünschtes "Stichwort", wonach gesucht werden will, "automatisch" in ein anderes Stichwort um, wonach nicht gesucht wird.


    Wenn alle anderen ebenfalls auf diesen Zug aufspringen, ist absolut Ende im Gelände....