Dazlak

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Datum: 22.06.2007 | VÖ: 08.06.2007 | Herausgeber: Sunny Bastards | Kategorie: Film

Das Thema Skinhead wurde ja schon sehr oft in den deutschen Medien aufgegriffen. In der Zeit vor der Wiedervereinigung eher weniger (z.B. in Filmen wie das Fernsehspiel "Zagarbarta") und wenn, dann meist noch mehr oder weniger authentisch. Als nach der Wende und der gewonnenen Fuball Weltmeisterschaft in Italien die nationale Euphorie wieder anfing, abzuschwappen, und der allgemeine Frust sich breitmachte, suchte sich der kleine Brger einen Schuldigen fr vorhandene Mistnde und uneingelste Versprechen. Man fand diesen im "Fremdartigen", also in Auslndern im Allgemeinen, aber konkret auch in in dieser Zeit vermehrt vertretenen Asylanten. Die Folge hiervon waren die Anschlge auf Asylantenwohnheime in Stdten wie Mlln, Rostock-Lichtenhagen, Lbeck oder Hoyerswerda. Da hier neben zahlreichen "Normalbrgern" auch viele junge Menschen dabei waren, die offenkundig rechte Parolen nach auen trugen und sich gleichzeitig das Stigma "Skinhead" auf die Fahne schrieben, wurde diese Jugendbewegung schlagartig prsent in den Medien. Da es fr die breite Masse nicht relevant war und man die schrecklichen Taten natrlich in den Vordergrund stellen mute, ging man nicht auf die eigentliche Bedeutung der Vokabel "Skinhead" ein, sondern nutzte sie pauschal fr "Boneheads". Somit wurde das Wort "Skinhead" zum Synonym fr "rechte Schlger". Dumpf und prollig, so stellte man sie immer wieder dar. Sei es im allabendlichen Kriminalfilm, in Kinohits wie "Go Trabi Go 2" oder in den Nachrichten. Dieses Vorurteil ist bis heute noch in vielen Kpfen der Bevlkerung vorhanden, wenn auch schon sehr viel Aufklrung betrieben wurde. In den Medien ging dieses Vorurteil auch etwas zurck. 2000 kam sogar ein Indie Film in einige deutsche Kinos, der komplett in eine andere Richtung ging Es war der Film "Oi!Warning". Zwar wird der Hauptdarsteller dort auch dumpf und prollig dargestellt, dafr aber "unpolitisch".

Ich habe mich sehr gewundert, als ich erfahren habe, da es schon 1997 einen Film gab, der nicht nur gegen die gngigen Klischees anging, sondern sie sogar nutzte, um dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. "Dazlak" heit der Streifen, der damals sogar ffentlich gefrdert wurde. Ursprnglich sollte er auch in die Kinos kommen. Am Ende war nur eine einmalige Ausstrahlung in der ARD drin, danach hrte man zehn Jahre nichts mehr von diesem Film. Dieses Jahr hat das Label "Sunny Bastards" den Streifen aus den Archiven geholt, um ihn auf DVD zu verffentlichen. Das Ergebnis ist eine liebevolle DVD Verffentlichung die dem Film sehr gerecht wird. Neben einem angemessenen Artwork, findet man im Beiheft zahlreiche Bilder, einige Zeitungsberichte, die whrend des Drehs in Franken verffentlicht wurden, und ein ausfhrliches Interview mit Susanne Schlaepfer, der damaligen Produzentin des Films. Gerade das Interview bietet zahlreiche Hintergrundinformationen. Auf dem Silberling selbst kann man neben einigen Sunny Bastards Trailern auch eine Setfoto-Diashow begutachten und auch ein Live-Mitschnitt des Songs "Gewalt" von "Troopers" (United Voices Festival, Hamburg) ist vorhanden. Denn Troopers sind musikalisch auch in diesem Film verewigt.

Inhaltlich geht es um eine junge Frau namens Jenny, die auf einer nchtlichen Autofahrt einen Skinhead im Straengraben findet, der gerade einen Unfall hatte. Nach der Rettung beginnt er, das Auto von Jenny zu demolieren. Nur kurze Zeit, nach dem sie ihn ins Krankenhaus gebracht hat, nimmt sie ihn wieder mit, weil sie den Skinhead als Beweismittel braucht, um ihre Arbeit nicht zu verlieren. Er war ja schlielich der Grund, warum das Auto kaputt ist und sie nachts ins Krankenhaus gefahren ist. Auf der Fahrt zu ihrem Arbeitgeber gabeln sie noch den Neger Kola auf. Dieser fhlt sich mit einem Skinhead in einem Auto zuerst nicht sehr wohl. Scheinbar eine brisante Konstellation, die aber noch viel berraschungen in sich trgt.

"Dazlak" ist einmalig. Dieser Film ist fr seine Zeit etwas Auergewhnliches. Noch nie habe ich einen Streifen gesehen, der mit dem Thema Skinhead so offen und leicht umgeht wie "Dazlak". Vorurteile werden hergenommen, um den Zuschauer sehr direkt den Spiegel vorzuhalten. Dialoge wie Jenny: "Du sprichst ziemlich gut deutsch." Kola: "Das ist normal in Wiesbaden." sind immer wieder zu finden. Der Kleinbrger kriegt hier sein Fett weg, der Punk auch, sogar die Skinheads selbst. Denn "Dazlak" wird keineswegs smart dargestellt. Oberflchlich ist er. Brutal, engstirnig und einfach dumpf, wie viele Skinheads - egal welcher Couleur - es nun mal leider viel zu oft sind. Er hat seine Probleme und das merkt man. Doch es schimmert immer wieder durch, da in ihm etwas schlummert, was entdeckt werden will. Und das scheint Jenny immer mehr zu schaffen im Laufe des Films.

Der Film "Dazlak" hat sicher auch viele Schwchen, doch die Strken gleichen das wieder aus. Neben Florian Lukas als Dazlak sind auch weitere bekannte Schauspieler wie Peter Rappenglck oder Cleo Cletschmer mit von der Partie, was den Film in meinen Augen auf dieselbe Ebene wie "Superstau" oder "Go Trabi Go" stellt. Ein Roadmovie der Spa macht, oft zum schmunzeln anregt, vielen wird der ein- oder andere Lacher aber auch im Hals stecken bleiben. Eine Komdie mit Hintergrund. In jedem Falle sehenswert! (sk)

Wertung: 7 von 10 Punkten (7 von 10 Punkten)

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