Erste Tonfilmversuche 1903 in Berlin

  • Über die Aufnahmen bin ich auch schonmal gestolpert. Ich glaube sogar durch einen Wikipedia-Artikel über einen der Künstler. Schon interessant, dass man das damals nicht flächendeckend gemacht hat, denn prinzipiell war das ja möglich. Aber so "richtig synchron" hat man es offensichtlich auch nicht hinbekommen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Über die Aufnahmen bin ich auch schonmal gestolpert. Ich glaube sogar durch einen Wikipedia-Artikel über einen der Künstler. Schon interessant, dass man das damals nicht flächendeckend gemacht hat, denn prinzipiell war das ja möglich. Aber so "richtig synchron" hat man es offensichtlich auch nicht hinbekommen.

    Das Hauptproblem war, wie im Film oben erwähnt, dass die Lautstärke nicht für die Kinosäle ausreichte. Auch als 1925 der elektrische Verstärker aufkam gelang es nicht richtig mit Trichterlautsprechern eine ausreichende Lautstärke zu erzeugen, bzw. man brauchte riesige Trichter. Erst durch die Erfindung des Rice-Kellogg-Lautsprechers war es dann ab 1929 möglich auch große Kinosäle zu beschallen.


    Das Nadeltonverfahren erlebte 1929 für ein paar Jahre eine Renaissance, da es preiswert war und auch für kleine Kinos am Land oder in der Vorstadt leistbar. Hierfür wurde der Filmton auf Schallplatten mit 40 cm Durchmesser umgeschnitten.

  • Vielen Dank für die interessanten Ausführungen! Im kleinen Rahmen hätte man es aber schon veranstalten können, ähnlich wie die öffentlichen Fernsehstuben in den 1930er/40er Jahren. Das hätte sich aber wirtschaftlich dann ggf. zu wenig gelohnt.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Mir tun noch heute jene ziemlich leid, die plötzlich aufhören mussten, weil sie per Ton Stimmen hatten, die nicht tragbar waren. Zu piepsig oder Ähnliches. Was "heute" kein Problem mehr wäre, da es genügend Rollen gäbe, sie zu besetzen.

    " Wenn etwas welttragisches passiert,

    so frage dich, wer davon profitiert,

    profitiert wirklich keiner, trotz Widerhall,

    dann war es wirklich nur ein Unfall.


    Ob es dich persönlich berührend interessiert oder nicht,

    es gibt noch andere Menschen, für die hat es Gewicht."

  • Mir tun noch heute jene ziemlich leid, die plötzlich aufhören mussten, weil sie per Ton Stimmen hatten, die nicht tragbar waren. Zu piepsig oder Ähnliches. Was "heute" kein Problem mehr wäre, da es genügend Rollen gäbe, sie zu besetzen.

    Heute könnte man sie zudem synchronisieren. Bei einigen Schauspielern wird das ja sogar gemacht. Sie synchronisieren sich selbst nach, aber dann mit Soundcard, so dass ihre Stimmlage anders wird.


    Viel krasser fand ich früher die Ansprüche an den Gesang. Von Lilian Harvey hieß es ja früher, sie würde gewissermaßen als Naturtalent voll lieblich singen. Wenn man sich diesen Gesang heute anhört, klingt das voll grausam. Zuweilen traf sie nicht mal den Ton.

  • Heute könnte man sie zudem synchronisieren. Bei einigen Schauspielern wird das ja sogar gemacht. Sie synchronisieren sich selbst nach, aber dann mit Soundcard, so dass ihre Stimmlage anders wird.


    Viel krasser fand ich früher die Ansprüche an den Gesang. Von Lilian Harvey hieß es ja früher, sie würde gewissermaßen als Naturtalent voll lieblich singen. Wenn man sich diesen Gesang heute anhört, klingt das voll grausam. Zuweilen traf sie nicht mal den Ton.

    Dubbings hat man schon im ersten deutschen Ton-(Spiel-)Film gemacht. In "Ich küsse ihre Hand Madam" bewegt Stummfilmstar Harry Liedtke beim Gesang nur die Lippen. Der Gesang stammt von Richard Tauber.


    Zu den Ansprüchen an den Gesang: Der "Sänger" Erwin Hartung hat unzählige Aufnahmen (es sollen bis zu 5000 sein) gemacht die auf auf kommerziell herausgegeben Tonträgern veröffentlicht wurden.

    Er hat übrigens auch in einigen Filmen als Schauspieler mitgewirkt ("Husarenliebe", "Kind, ich freu’ mich auf Dein Kommen", "Heiratsinstitut Ida & Co.")

  • Viel krasser fand ich früher die Ansprüche an den Gesang. Von Lilian Harvey hieß es ja früher, sie würde gewissermaßen als Naturtalent voll lieblich singen. Wenn man sich diesen Gesang heute anhört, klingt das voll grausam. Zuweilen traf sie nicht mal den Ton.

    Damals waren die SängerINNEN auch noch vom Chanson und den Soubretten der Vergangenheit beeinflusst. Dieses "falsche" Intonieren worum es hier wohl geht, würde ich im Kontext der damaligen Zeit nicht als negativ bewerten. Auch nicht aus heutiger Sicht: Gerade das macht zB oft den Charme der alten Schellacks aus.

    Selbst namhafte Opernsänger der 60er Jahre nahmen das während ihrer Studioaufnahmen noch nicht so ganz genau...;)

    Siehe Sutherland, Tebaldi, Callas...

  • Damals waren die SängerINNEN auch noch vom Chanson und den Soubretten der Vergangenheit beeinflusst. Dieses "falsche" Intonieren worum es hier wohl geht, würde ich im Kontext der damaligen Zeit nicht als negativ bewerten. Auch nicht aus heutiger Sicht: Gerade das macht zB oft den Charme der alten Schellacks aus.

    Selbst namhafte Opernsänger der 60er Jahre nahmen das während ihrer Studioaufnahmen noch nicht so ganz genau...;)

    Siehe Sutherland, Tebaldi, Callas...

    Viele der heute als weniger gut empfundenen Sänger wurden von der damaligen Kritik besonders für die Deutlichkeit und Verständlichkeit des Vortrags gelobt. Man hatte andere Ansprüche und Erwartungen. Heute ist die Verständlichkeit Nebensache solange es schön klingt.

  • Damals waren die SängerINNEN auch noch vom Chanson und den Soubretten der Vergangenheit beeinflusst. Dieses "falsche" Intonieren worum es hier wohl geht, würde ich im Kontext der damaligen Zeit nicht als negativ bewerten. Auch nicht aus heutiger Sicht: Gerade das macht zB oft den Charme der alten Schellacks aus.

    Selbst namhafte Opernsänger der 60er Jahre nahmen das während ihrer Studioaufnahmen noch nicht so ganz genau...;)

    Siehe Sutherland, Tebaldi, Callas...

    Lilian Harvey‘s dünnes Stimmchen würde ich jetzt aber nicht mit der Callas vergleichen! Da liegen ja Welten dazwischen!

  • wirklich sehr interessant. Wunderbares altes Tonmaterial... Viele Stummfilmstars schafften ja damals 1929/1930 den Sprung zum Tonfilm nicht...


    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)


  • Lilian Harvey‘s dünnes Stimmchen würde ich jetzt aber nicht mit der Callas vergleichen! Da liegen ja Welten dazwischen!

    Das ist ja auch ein Vergleich von Äpfel und Birnen. Man vergleicht ja auch nicht Johann Sebastian Bach mit Zez Confrey. Beide haben höchst anspruchsvolle Kompositionen verfasst, trotzdem fallen sie eben nicht unter die selbe musikalische Gattung...

  • Das ist ja auch ein Vergleich von Äpfel und Birnen. Man vergleicht ja auch nicht Johann Sebastian Bach mit Zez Confrey. Beide haben höchst anspruchsvolle Kompositionen verfasst, trotzdem fallen sie eben nicht unter die selbe musikalische Gattung...

    hahaha ja das kann man wirklich nicht. Das wäre ein trauriger Vergleich... :/


    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)


  • Wurde eigentlich dieser Ausschnitt schon hier gepostet? Diesen frühen Soundie hat Christian Zwarg restauriert und synchronisiert. In der Regel entstanden ja die Aufnahmen vor den Filmen. So konnten die Interpreten zu ihren eigenen Aufnahmen mimen. Das Problem bei der Synchronisation lag schlichtweg daran, dass zum einen Schallplatten in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg noch nicht mit 78 Umdrehungen standardisiert waren und es so häufig nicht gelang, Film und Grammophon synchron zu bekommen. Beim späteren Nadelton waren Film und Platte gekoppelt. Außerdem geht auf eine 25 cm Schellackplatte eine Spielzeit von max. ungefähr 3,5 min pro Seite, die späteren Nadeltonplatten hatten 40 cm im Durchmesser und waren die ersten, die mit 33 Umdrehungen liefen, die Spielzeit war also so lang, wie eine Filmrolle. https://youtu.be/cSJ90Flr-t4

  • kenne das Lied aber die Restaurierung noch nicht. Schön gemacht. Das Problem mit dem synchronen Ton bekamen sie erst später dann langsam in den Griff


    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)