Posts by Fritz Schulz

    Es handelt sich bei dem Stück in diesem Clip um eine Variante des Black and White Rag (1908)

    Sicher, dass es der Black and White Rag ist? Also melodisch ist es streckenweise durchaus ähnlich, aber irgendwie hört sich das Stück für mich doch anders an ;-)

    Es gibt Neuigkeiten in der Angehörigenfrage :-) Das Züricher Stadtarchiv hat mir eine Kopie der Todesanzeige und Auszüge aus dem Melderegister geschickt. Hierraus geht hervor, dass Schulz keine Kinder hatte (zumindest Stand 50er Jahre). Allerdings hat er 1948 ein zweites mal geheiratet. Wenn seine zweite Gattin noch leben sollte, würde sie dieses Jahr ihren 105. Geburtstag feiern. Dazu geht aber nichts aus den Unterlagen hervor. Ich setze mich morgen aber mit dem Personenmeldeamt von Zürich in Verbindung und schaue, was ich noch herausfinden kann. Was aus dem Nachlass geworden ist, weiß ich nicht. Aus der Todesanzeige geht hervor, dass er "von langem schweren Leiden erlöst" und kremiert wurde. Ich forsche weiter!

    Ich stimme Dir voll und ganz zu, mit Ausnahme bei Aljoscha Zimmermann. Seine Kompositionen waren ( er ist leider schon verstorben) nicht experimentell, er hat schon auf Geige und Klavier sehr passende Begleitungen z.B. zu den Fritz Lang Filmen gespielt, wie ich finde.

    Aber es handelte sich dabei eben auch nicht wirklich um eine zeitgenössische Begleitung. Jede Harmonie musste zumindest einen dissonanten Störton enthalten, wie auch jede musikalische Phrase nicht aus dem Notenmaterial der zugrundeliegenden Tonart bestehen durfte. Natürlich, Strawinsky, Hindemith, Schulhoff und so weiter haben damals auch so komponiert. Aber diese Musik hat man sich halt für den Konzertsaal aufgehoben. Bei der Begleitung von Stummfilmen folgte man zumindest musikalisch noch der Spätromantischen Tradition.

    Ja, Christian hat auch schonmal versucht mir das zu erklären, allerdings halte ich es für schwierig, dass es ganz automatisch geht, immerhin wurde und wird ja in der Musik mit unterschiedlichen Stimmungen gearbeitet. Der Kammerton lag ja nicht immer bei 440 hz und selbst heute, werden zB Symphonieorchester zwischen 442 und 443 hz eingestimmt. Im 19. Jahrhundert war die Intonation von Klavieren zB deutlich tiefer. Aus einer Partitur bzw. einem Klavierauszug kann man nur ablesen, in welcher Tonart ein Stück notiert ist, wenn aber die Instrumente von vornherein tiefer oder höher eingestimmt werden, hat man trotzdem nur einen Richtwert, den man manuell optimieren muss. Außerdem sind ja gerade im Bereich des deutschen Kunstliedes die Klavierauszüge für alle Stimmlagen herausgekommen. An sich ist die Unterscheidung von hohem, mittleren und tiefen Register ja einfach, aber wenn die Transpositionen nur um einen Ganzton nach oben bzw. unten abweichen, muss man doch wieder überlegen, in welcher Tonart das Lied vom Künstler gesungen wurde ;-)

    Das Problem mit dem synchronen Ton bekamen sie erst später dann langsam in den Griff

    Ja, aber so richtig dann eben erst in den 20er Jahren, als Tri-Ergon den Lichtton entwickelte. In den 10er Jahren wurden die Experimente mit dem Tonfilm ja schon wieder verworfen. Die Filme wurden länger, schließlich abendfüllend und die ohnehin schon unausgereifte Technik ergab dan einfach keinen Sinn mehr. Heutzutage können übrigens die meisten dieser frühen Tonfilme nicht rekonstruiert werden, weil Film oder Platte fehlen. Oftmals gelingt es auch einfach nicht die Platte einem Film zuzuordnen, da wie gesagt die meisten davon Platten sind, die man sich normal im Handel kaufen konnte, auf denen also nicht ihre Verwendung für einen Film vermerkt war. Manche Interpreten haben auch den selben Schlager für verschiedene Plattenfirmen in unterschiedlichen Versionen aufgenommen. Da müssten sich also wirklich mal Filmsammler mit Schellackplattensammlern zusammensetzen und Hand in Hand arbeiten.

    Wurde eigentlich dieser Ausschnitt schon hier gepostet? Diesen frühen Soundie hat Christian Zwarg restauriert und synchronisiert. In der Regel entstanden ja die Aufnahmen vor den Filmen. So konnten die Interpreten zu ihren eigenen Aufnahmen mimen. Das Problem bei der Synchronisation lag schlichtweg daran, dass zum einen Schallplatten in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg noch nicht mit 78 Umdrehungen standardisiert waren und es so häufig nicht gelang, Film und Grammophon synchron zu bekommen. Beim späteren Nadelton waren Film und Platte gekoppelt. Außerdem geht auf eine 25 cm Schellackplatte eine Spielzeit von max. ungefähr 3,5 min pro Seite, die späteren Nadeltonplatten hatten 40 cm im Durchmesser und waren die ersten, die mit 33 Umdrehungen liefen, die Spielzeit war also so lang, wie eine Filmrolle.


    Lilian Harvey‘s dünnes Stimmchen würde ich jetzt aber nicht mit der Callas vergleichen! Da liegen ja Welten dazwischen!

    Das ist ja auch ein Vergleich von Äpfel und Birnen. Man vergleicht ja auch nicht Johann Sebastian Bach mit Zez Confrey. Beide haben höchst anspruchsvolle Kompositionen verfasst, trotzdem fallen sie eben nicht unter die selbe musikalische Gattung...

    Wenn auch die Originalpartituren nicht mehr erhalten sind, warum verwendet man nicht andere Kompositionen, die vor 1930 geschrieben wurden?

    Das ist eine Möglichkeit, aber es ist auch nicht schwer im damaligen Stil zu komponieren, schau dir amerikanische Stummfilmveröffentlichungen an, da gehts doch auch! Hier mal ein kleines Beispiel einer richtig guten Vertonung: Die Foxtrot-Szene aus der "Austernprinzessin". ich bin mir in dem Fall nicht sicher, ob es nicht vielleicht sogar eine authentische Komposition ist, ich kenne die Melodie jedenfalls nicht und sie ist perfekt auf die Handlung getimet. Daher wäre es möglich, dass es eine neue Komposition ist. Jedenfalls hat man durch diese geniale Vertonung den Eindruck, dass es sich um den Vorgänger eines Busby Berkeley Revue-Film handelt. Und dann hör dir mal alle anderen Vertonungen an, die Komponisten sollten Latrinen putzen, statt Notenpapier vollzukritzeln!

    Und E. A. Duponts Varieté scheint durch eine grauenvolle Musik unerträglich geworden zu sein.

    Tja, "Herr von Wangenheim", das mit der Musik ist wirklich das größte Problem bei der Wiederveröffentlichung von Stummfilmen in Deutschland. Sofern die Originalpartituren noch erhalten sind, gelingt die Rekonstruktion auch wunderbar und wer zB die Musik von Gottfried Huppertz zu manchen Fritz Lang Filmen kennt, wird die Filme kaum noch mit anderer musikalischer Begleitung sehen wollen. Meistens ist die Originalmusik ja nicht mehr erhalten, oder es gab nie eine (sondern es wurde einfach irgendwas aus dem Orchesterfundus für die Begleitung herangezogen), aber ich frage mich, warum für DVD Projekte offensichtlich immer die experimentellsten der Experimentellen herangezogen werden müssen? Ich hatte mir zB mal "Das Kabinett des Dr. Calligari" auf VHS gekauft, mit irgendeiner Synthesizer Musik, nach 5 minuten hab ich den Ton abgestellt, mich ans Klavier gesetzt, einen Spiegel oben drauf gestellt, um den Film zu sehen und selbst begleitet. Oder die Musiken, die immer dieser Ajoscha Zimmermann für die Murnau-Stiftung schreibt. Es ist zum davonlaufen! Musiken dieser Art wären selbst im tiefsten Expressionismus nie für die Begleitung von Filmen herangezogen worden. Ich frage mich, warum für diese Projekte nie Musiker herangezogen werden, die sich musikwissenschaftlich mit dem damaligen Stil auskennen. In der ernsten Musik wird immer von historischer Aufführungspraxis gesprochen, aber beim Stummfilm wird in Deutschland alles unternommen, um eben den Film zu erhalten, aber durch die Musik dem Interesseirten den Genuss zu vermiesen...

    Hier mal aktuelle Informationen zum Stand der Ermittlungen :-) Morgen werde ich mit dem Stadtarchiv Zürich Kontakt aufnehmen, die haben die Archivbestände des Opernhauses (früher Statdttheater), wo Schulz von 1940 bis 1952 engagiert war. Vielleicht lässt sich da was herausfinden. Ansonsten habe ich noch einen guten Tipp bezüglich Wien bekommen, wo Schulz nach seiner Emigration gelebt hat. Heute habe ich mit Jutta Günther telefoniert, die 1953 mit ihm in "Ich und meine Frau" spielte. Sie meinte, sie könne sich noch an einige Schauspieler erinnern, vor allem noch an Jane Tilden, allerdings hat sie an Fritz Schulz keine Erinnerungen mehr (erstaunlich, zumal er im Film Jane Tildens Mann spielte). Es gibt noch zwei weiter Zeitzeugen, die in den 50er Jahren mit ihm zusammengearbeitet haben, die eventuell weiterhelfen könnten: Ingrid Pan (Film: Ein tolles Früchtchen, 1953) und Nicole Heesters (Filme: Ich und meine Frau, 1953, Kabarett, 1954). Zu Frau Heesters wird es bestimmt schwer sein Kontakt aufzunehmen, aber wie sieht es mit Ingrid Pan (geb. Pankow) aus? Ich hab es mal bei den zwei im Telefonbuch registrierten Ingrid Pankows probiert, allerdings handelte es sich hier nur um eine Namensgleichheit. Hat sie später geheiratet und einen anderen Namen angenommen? Weiß jemand was?

    Kitschig klingt für mich so negativ. Gab es diesen Begriff damals bereits in DIESER Art? In den 30er Jahren wurde es auch so empfunden? Die Plattenverkäufe der 30er Jahre sprechen eine andere Sprache. Ich respektiere das Empfinden der Menschen von früher. Bei dir hab ich irgendwie so meine Zweifel. :?:

    Meine Großeltern haben sich immer darüber beklagt, dass ihre Kinder die Operette als kitschig/schmalzig empfinden würden. Für mich ist der Begriff "Kitsch" kein positiver, sondern ein rein negativer.

    Ich meine schon, dass es den Begriff damals gab, aber selbst wenn nicht, kann ich mir gut vorstellen, dass es das damit verbundene Gefühl zumindest gegeben haben muss. Und das mit dem Erfolg kitschig/schnulziger Filme und Lieder kann ich dir erklären. Schau mal, heute würde auch kein vernünftiger Mensch freiwillig zugeben, dass er Helene Fischer hört, trotzdem verdient sie Millionen. Also scheinen rein statistisch viele der Menschen, die sie angeblich nicht mögen, heimlich doch ihre Platten zu kaufen ;-) Ansonsten nimm es nicht so tragisch, dass ich die Szene als kitschig bezeichnet habe, wie gesagt, sie hat es ja geschafft mich mitfühlend zu machen, also kann sie ja nicht schlecht gemacht gewesen sein. Trotzdem schämt man sich natürlich als Mann schon einwenig, wenn man an einer Stelle heult, die eigentlich älteren Damen vorbehalten sein sollte :-D

    Warum hat die Esterhazy-Familie denn abgeblockt bzw. waren nicht hilfreich? Sie haben doch bestimmt noch das meiste Material aus der Zeit oder nicht? Wenn die Oma Schauspielerin war, sowas hebt man doch auf

    Naja, erstmal war es nicht so einfach herauszufinden, welchem Zweig dieses Adelsgeschlechtes Agnes Esterhazy angehörte, also fing ich an Briefe zu schreiben, an alle Esterhazys, die ich durch Internet und Telefonbuchrecherche ausfindig machen konnte. Die meisten antworteten nicht, also ging ich dazu über auch direkt telefonisch zu "nerven", man muss ja leider manchmal aufdringlich sein. Meistens landete ich telefonisch nur in irgendeinem Vorzimmer und wurde garnicht erst mit dem ach so wichtigen Fürsten verbunden. Nur zu einer Dame bin ich dann doch vorgedrungen, schilderte ihr höflich und kurz mein Anliegen, woraufhin sie mit unhöflicher Intonation "In unserer Familie gibts keine Schauspieler!" sagte und bevor ich was erwidern konnte, auflegte... Danach hab ich mir gedacht, mit dieser bornierten Familie will ich nichts mehr zu tun haben...

    Der Schauspieler Fritz Schulz ist mir durchaus bekannt. Ich habe ihn vor einiger Zeit mal in dem Film "Die schwebende Jungfrau" (1931) gesehen, in dem er die Hauptrolle spielte.

    Erstmal danke für die ermutigenden Worte :-) "Die schwebende Jungfrau" kenne ich natürlich auch und das ist auch einer meiner Lieblingsfilme mit Schulz, zumal ja auch Szöke Szakall mitspielt, irgendwie zumindest optisch der Heinz Erhardt der Weimarer Zeit :-D Neulich hab ich sogar die originalen Orchesternoten des Filmschlagers "Einbisschen Mondschein, einbisschen Liebe", wird demnächst auch ins Repertoire meiner kleinen 20er Jahre Tanzkapelle aufgenommen ;-) Bitte halt mich auf dem Laufenden, wenn du interessante Neuigkeiten zu Schulz hast, ich bin über jede Hilfe dankbar :-)