Meister Eder und sein Pumuckl - Staffel 1

Es gibt Themen an die ich mich kaum ran wage. Was einfach daran liegt, dass mir klar ist, dass ich dem Thema und das was ich damit verbinde niemals gerecht werden kann. Wenn ich aufzählen müsste, welches künstlerische Werk aus meiner Kindheit mich am meisten geprägt hat bzw. mit was ich am meisten verbinde, würde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Fernsehserie „Meister Eder und sein Pumuckl“ nennen. Es gibt sicher auch andere Produktionen, die ähnlich auf mich gewirkt haben, z.B. die Filmreihen Die Lümmel von der ersten Bank und Lausbubengeschichten, die TV-Serie Löwenzahn, die Lurchi-Hefte oder auch die Hörspielreihe von Benjamin Blümchen. „Meister Eder und sein Pumuckl“ steht aber zweifelsohne an erster Stelle. Warum ist das so? Das werde ich wohl kaum genau aufschlüsseln können. Es ist die Gemütlichkeit, der Witz und das „Flair“, das die Serie ausstrahlt. Ich erinnere mich noch gut, wie ich an manchen Tagen Stundenlang den Videorecorder laufen ließ und als Kind „Meister Eder und sein Pumuckl“ schaute. Ich inhalierte die Serie direkt und konnte nicht genug davon kriegen. Wie sehr das der Fall war zeigt, dass ich als Jugendlicher mindestens zweimal von Pumuckl geträumt habe, obwohl ich die Serie schon lange nicht mehr intensiv geschaut habe. Mit 16 Jahren habe ich dann mit der damaligen Freundin die Serie wieder heraus geholt und meine Begeisterung war sofort wieder da – mehr noch! Sie hat sich gesteigert ins unermessliche. Denn in meiner späteren Kindheit war der Zauber der Serie ein wenig verschwunden, weil ich mich mehr darauf konzentriert habe, dass der Pumuckl doch nur gezeichnet ist und dass ein normaler Mensch ihn gesprochen hat, als dass ich mich auf die Serie eingelassen habe. Außerdem wurde in Pumuckl TV, in den 1990er Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, die Serie normal im TV sehen zu können, die Folge mit dem „rätselhaften Hund“ recht oft gezeigt (so war jedenfalls mein Eindruck), sodass ich mich ein wenig satt gesehen hatte. Als ich die Serie dann 2001 wieder für mich entdeckte war die Faszination aus der Kindheit sofort wieder da, eine Nostalgie kam noch mit hinzu und die Tatsache, dass ich Witze, Anspielungen und einige weitere Dinge in der Serie plötzlich verstehen konnte, die ich als Kind nicht verstanden habe. So kam es, dass ich nicht nur eine Internet-Seite zum Thema „Meister Eder und sein Pumuckl“ gestaltet habe, sondern mich auch dafür interessiert habe, wo das alles gedreht wurde und wie das alles gedreht wurde. Dank weiterer Mitstreiter wurde herausgefunden, wo die Werkstatt stand (die schon 1985 abgerissen wurde), es gab 2004 ein Fan-Treffen in München (zu Gast war der Hausmeister-Schauspieler aus der Serie: Werner Zeussel) und ein Gespräch mit dem Spielleiter der Serie, Ulrich König, konnte arrangiert werden. Im Jahr 2006 führte mich dann der Weg nach München und als ich mich 2009 selbstständig gemacht habe, kam die Idee auf, Drehort-Führungen zu Münchner Serien zusammenzustellen, was ich auch machte und was ein großer Erfolg wurde, der bis heute anhält. Pumuckl begleitet mich also schon große Strecken meines Lebens und die Faszination ist ungebrochen, auch wenn ich die Serie in den letzten Jahren nur noch selten schaue. Das ändert sich in den letzten 1-2 Jahren langsam, da ich inzwischen Vater geworden bin und ich meinen zwei Töchtern immer mal wieder Folgen der Serie zeige. Das war in aller Kürze mal meine Verbindung zu dieser Serie. Über die Serie selbst könnte ich Romane schreiben, aber das lassen wir an dieser Stelle mal.


Neben der TV-Ausstrahlung von „Meister Eder und sein Pumuckl“ gab es seit den 1980er Jahren bereits VHS-Veröffentlichungen einzelner Folgen. Im Jahr 2002 gab es die erste Pumuckl-DVD-Veröffentlichung mit dem 1991er Kinofilm Pumuckl und der blaue Klabauter. Noch im selben Jahr kamen einzelne DVDs auf den Markt mit jeweils 2-3 Folgen der ersten Staffel „Meister Eder und sein Pumuckl“ - ausgenommen die Weihnachtsfolgen, denn die wollte man anderweitig veröffentlichen. Dazu kam es aber nie, denn kurz danach gab es viele Rechtsstreitereien in Bezug auf die Figur Pumuckl. Zwar wurde gerade noch der letzte Kinofilm Pumuckl und sein Zirkusabenteuer fertiggestellt, danach war aber erst einmal Feierabend, was das Veröffentlichen von weiteren Pumuckl-Themen angeht. Wer also Pumuckl auf DVD haben wollte, konnte sich lediglich die zwei jüngsten Kinofilme kaufen, sowie die erste Staffel, diese jedoch nicht ganz vollständig, sehr übertreuert und in schlechter Qualität. Das war natürlich äußerst ärgerlich, besonders, weil „Meister Eder und sein Pumuckl“ zu den ganz großen Kinderklassikern in Deutschland gehört. Einziger Trost für viele Fans und Eltern: Man kann seit vielen Jahren die Folgen der Serie auf YouTube anschauen. Bemerkenswert bei der Sache ist, dass die zweite Staffel aus den Jahren 1984 und 1985 niemals auf VHS oder DVD erschienen sind, was auch wieder rechtliche Gründe hat.


Lange schon war eine DVD-Box zur Serie „Meister Eder und sein Pumuckl“ geplant. Erstmals gab es dazu Ankündigungen im Jahr 2009 und die Freude war groß. Doch das Projekt wurde immer wieder verschoben, bis es dann am 30. September 2016 endlich soweit war und die erste DVD-Box zu „Meister Eder und sein Pumuckl“ auf den Markt kam. Leider nur die erste Staffel, aber immerhin vollständig inklusive den Weihnachtsfolgen.


Mir war von Beginn an klar, dass nicht viel von der Veröffentlichung zu erwarten war. Außer eben, dass man alle Folgen kompakt in einer Box vorliegen hat. Aber zu dem, was möglich wäre, möchte ich später mehr schreiben. Erst einmal ein paar Worte zur DVD-Box, die genau so ausgefallen ist, wie ich es mir gedacht habe: Für die Rahmengestaltung hat man keine Pumuckl-Zeichnungen aus der Zeit der 1. Staffel genommen, sondern den verkitschten Pumuckl aus den 1990er Jahren. Immerhin hat man unten rechts einen kleinen Fernseher abgebildet, auf dem ein Bildschirmfoto aus der Serie zu sehen ist, damit man weiss, worum es geht. Die Rückseite wird dann wieder von einen hässlichen 1990er Jahre Pumuckl präsentiert, daneben kriegt man dafür zehn weitere Bildschirmfotos aus der Serie zu sehen, sowie eine Auflistung aller 26 Titel der ersten Staffel. Eine Inhaltsangabe ist nicht vorhanden.


Wenn man die Plastikhülle öffnet, findet man innen vier DVDs, die – wie zu erwarten – wieder mit dem 1990er Jahre Pumuckl geschmückt sind. Diese Zeichnungen werden auch für die Hörspiel-CDs verwendet. So ist auf DVD 2 das Bild drauf, auf dem Pumuckl auf einer Plastikente sitzt (diese Geschichte wurde in Staffel 2 verfilmt). Auf DVD 4 ist Pumuckl mit einem Brief zu sehen in Bezug auf die Folge „Die geheimnisvollen Briefe“ - und tatsächlich befindet sich auf dieser DVD auch diese besagte Folge. Jedoch vermute ich sehr, dass es sich um einen Zufall handelt. Ich denke nicht, dass man dabei sonderlich viel gedacht hat bei der Zusammenstellung. Positiv ist, dass das Plastik der Hülle durchsichtig ist und die Rückseite des Einlegeblattes ebenfalls bedruckt ist. Wenn man die DVDs aus der Hülle nimmt, kriegt man auf der linken Seite nochmal zu sehen, auf welchen DVDs welche Folgen zu sehen sind und auch ein paar Daten (Stabliste, Angaben zu den Rechten und in welcher Zeit die erste Staffel im Bayrischen Rundfunk ausgestrahlt wurde – immerhin!). Auf der rechten Seite ist ein kurzes Portrait zu Ellis Kaut zu sehen und eine Erklärung, wer eigentlich Pumuckl ist. Die untere Hälfte besteht aus Werbung für die Hörspiele. Ein Beiheft mit weiteren Informationen (die es MASSIG! gibt), vielleicht ein Portrait zu Gustl Bayrhammer, zu Hans Clarin, zum Kameramann Horst Schier, zum Regisseur Ulrich König oder zu ähnlichen Dingen sucht man leider vergebens. Auch weitere physische Extras wie Aufkleber, ein Poster, ein Ausmalbild oder Ähnliches hätte diese Veröffentlichung enorm aufgewertet. Möglich wäre es gewesen, erwartet habe ich es aber nicht, dazu weiss man einfach zu sehr, wie viele (zum Glück aber nicht alle) DVD-Veröffentlichungen ausfallen.


Die Gestaltung des DVD-Menüs hat mich dagegen erstmal positiv überrascht. Sie hat mich nicht vom Hocker gehauen, aber immerhin hat man sich etwas Mühe gegeben und sich Gedanken gemacht. Man bekommt natürlich die Titelmelodie um die Ohren gehauen, außerdem sieht man eine unscharfe Ansicht der Werkstatt und genau im Werkstatt-Fenster werden Ausschnitte der Folgen gezeigt, die auch tatsächlich auf der DVD zu finden sind. Wie wichtig das ist, kann ich als Familienvater nur betonen. Bei der Diskussion mit den Kindern, welche Folge man schaut, ist es praktisch, wenn sie ein bisschen was sehen können und dann sagen können „Das da mit dem Pullover will ich sehen!“.

Die Folgen selbst bestehen wohl aus den selben Aufnahmen wie die DVDs aus dem Jahr 2002. Und das ist enorm ärgerlich. Denn schon diese Aufnahmen unterscheiden sich stark in der Qualität. Während manche Folgen ein ganz gutes Bild vorweisen können, sind andere sehr körnig, mit vielen Schmutzstellen usw. usw. usw. Dass es gerade bei dem Thema wohl recht schwer und teuer ist, die originalen Filmrollen abzutasten (man muss dazu anmerken, dass „Meister Eder und sein Pumuckl“ als Fernsehserie komplett im 35mm Kinoformat gedreht wurde damals, weil es so ein Mammutprojekt war! Eine gute Qualität ist also vorhanden!), muss man schon betonen. Nicht zuletzt habe ich erst letzte Nacht einen Artikel gelesen, der davon handelt, in welch katastrophalen Zustand sich das Filmarchiv des Bayrischen Rundfunks befindet – es dort u.a. Schimmelprobleme gibt.


Ja das war alles, was ich zur DVD-Box schreiben kann. Der Vorteil ist, dass man zu einen einigermaßen vernünftigen Preis (für das was man serviert bekommt, wären jedoch 20 EUR angemessen, nicht 30 EUR) zumindest die komplette erste Staffel vorliegen hat. Und so etwas physisch in einer kompakten Form vorliegen zu haben ist schon eine feine Sache. Eine DVD bewusst auszuwählen, in den DVD-Spieler zu legen und sich dann eine Folge anzuschauen ist einfach ein intensiveres TV-Erlebnis, als am PC (oder auch TV heutzutage) mal schnell ein YouTube-Video anzuklicken. Das muss man schon sagen.


Was bleibt ist der Versuch die Gedanken zu verdrängen, was möglich wäre. Also was für schöne Veröffentlichungen man in Verbindung mit dieser Serie auf die Beine stellen könnte. Was viele nicht wissen: Bevor und während des Zeitraums der 1. Staffel von „Meister Eder und sein Pumuckl“ hat das Filmteam der Serie kurze Clips gedreht (es sind laut Regisseur 100 Stück mit einer Laufzeit von jeweils 1-2 Minuten), die damals vor der Werbung im BR gezeigt wurden und so sind wie man auch die TV-Serie kennt. Das hat man einerseits gemacht, um schon einmal zu testen, wie man das technisch umsetzen kann mit der Zeichentrick-Figur und Tricks usw. und andererseits um damit ein bisschen Werbung für den Kinofilm und die TV-Serie zu machen. 100 Clips! Das sind 1-2 Spielfilme! Aber nicht nur das: Claus Kruesken hat im Jahr 1980 die Dreharbeiten der Serie im Rahmen der Kindersendung „Da schau her“ besucht und dazu einen Bericht gemacht. Ein spannenderes Bonusmaterial kann es doch nicht geben! Dann die ganzen TV-Auftritte von Gustl Bayrhammer oder auch Hans Clarin. Ausschnitte aus der „Pumuckl TV“-Sendung zum 40. Geburtstag aus dem Jahre 2002 wäre auch interessant gewesen. Gesprächsausschnitte mit Ellis Kaut usw. usw.

Hinzu kommt das Material, das in den letzten 15 Jahren in der „Fan-Szene“ zusammengetragen wurde. Seit zehn Jahren biete ich in München Drehort-Führungen, u.a. zu „Meister Eder und sein Pumuckl“ an und habe in dem Rahmen unendlich viel Informationen gesammelt. Es gibt auch TV-Beiträge dazu. Aber auch schon in der Zeit zuvor habe ich viel Informationen zusammengetragen. Von meinen Pumuckl-Mitstreitern ganz zu schweigen. Die berühmten Drehort-Fotos von Christian Bönisch, der sämtliche Außendrehorte (auch einige Innenaufnahmen) von „Meister Eder und sein Pumuckl“ besucht und nachfotografiert hat. Ilja Kaufmann, der Macher der pumucklhomepage.de, hat dies ebenfalls getan. Von den arkibischen Inhalten seiner Internet-Seite mal ganz zu schweigen. Es gibt mehrstündige Interviews (Video, manche nur Audio) mit dem Regisseur Ulrich König, mit dem Kamera-Assistenten der ersten Staffel Johannes Geyer, mit Werner Zeussel, der den Hausmeister in der Serie gespielt hat, mit Nicky Amann, die die kleine Hannerl in der Wollpullover-Folge gespielt hat (das Video gibt es bei YouTube). Ein Text- und Audiointerview mit Monika Petrillo (Geborene Monika von Mannteufel) - der zauberhaften Bärbel, in die sich Pumuckl verliebt. Kontakte bestehen zu weiteren Personen die in der Serie mitgewirkt haben – engagierte Leute aus der „Fan-Szene“, mich eingeschlossen, würden ohne große Gagen zu fordern, solche Gespräche sofort arrangieren, um ein schönes Produkt zu ermöglichen. Es existieren auch schon einige Fan-Audiokommentare zu einigen Folgen der 1. Staffel. Ulrich König wäre sicher bereit mit zwei Fans und Experten für eine solche Veröffentlichung weitere offizielle Audiokommentare einzusprechen, auch ein aktuelles Interview wäre machbar.

Man könnte dann teurere Großboxen zu einen höheren Preis anbieten – vielleicht sogar Sammlerboxen in der Gestalt der Pumuckl-Werkstatt. Und dann abgespeckte Versionen für den großen Markt. Es wäre so viel möglich, wenn man es nur angehen würde. Gerade in einer Zeit, in der die DVD- und Blu-ray-Verkäufe rückläufig sind könnte man mit etwas mehr Aufwand und Engagement viel mehr erreichen.


So bleibt am Ende nur der Trost, dass das Mögliche auch in Zukunft noch möglich ist. Wer weiss, was noch kommen wird. Wichtig wäre erst einmal, dass rechtlich geklärt wird, dass auch Staffel 2 auf DVD erscheinen kann. Bis dahin wird man sicher reichlich DVD-Boxen der 1. Staffel verkaufen können. Viele potentielle Kunden werden aber auf ihre eigenen TV-Mitschnitte zurück greifen und/oder weiterhin die Serie bei YouTube schauen, da der Mehrwert der DVD-Box wirklich nur sehr gering ist.


Mit dieser Rezension hoffe ich einen groben Querschnitt über das Thema ermöglicht zu haben. Wichtig war mir, aufzuklären, was die DVD-Box insgesamt bietet und was noch möglich wäre. Zur Serie, den genialen Machern und großartigen Schauspielern könnte man so unendlich viel schreiben. Das würde hier aber den Rahmen sprengen.


Die Serie hat in meinen Augen klare 10 von 10 Punkte verdient. Die DVD-Veröffentlichung kommt auf 3 von 10 Punnkte, sodass ich mich für eine Gesamtwertung von 6 von 10 Punkten aussprechen würde.


Wertung: 6 von 10 Punkten
Autor: Sebastian Kuboth

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