Tripping The Rift

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Datum: 23.11.2009 | VÖ: 15.10.2009 | Herausgeber: Euro Video | Kategorie: Serie

"Die Simpsons"? Viel zu brav. "Futurama"? Kalter Kaffee. Denn jetzt kommt "Tripping the Rift – böse, geil und außerirdisch". Der Anführer dieser kruden Weltraumchaoten ist Chode: lila mit gelben Punkten, zwei Armen, zwei Beinen, drei Augen, vier Kopftentakeln, hinterlistig, cholerisch, arbeitsscheu und dauergeil. Als Pilot agiert sein minderjähriger Neffe Whip, einer grünen Echse ähnlich, ebenfalls arbeitsscheu, aber grenzdebil und mit drei Lebenszielen: 1. Nie wieder nach Hause zu seiner Freundin, 2. jedes Bier im Universum probieren und 3. einmal Sex mit Six of Nine haben. Six of Nine ist nämlich Chodes mehr als wohlgeformter weiblicher Sex-Android mit einer Programmierung, die die Vortäuschung von über 2.000 Orgasmen in mehr als 600 Sprachen ermöglicht. Das optische Gegenstück zu Six ist T'Nuk: fett, fluchend, vier Beine, zwei Arme – und so hässlich, dass die Spiegel freiwillig zersplittern. Abgerundet wird das Schmugglerquintett vom Bordingenieur Gus, seines Zeichens goldfarbener zynischer Roboter, der zwar immer wieder bestreitet, homosexuell zu sein, aber eben dies durch sein Tun immer aufs Neue widerlegt. Das möglicherweise einzige intelligente Gehirn an Bord scheint Bob zu sein, die Künstliche Intelligenz im Bordcomputer von Chodes Raumschiff "Jupiter 42", die jedoch unter der Angst vor weiten Räumen leidet – was gerade einem Raumschiff nicht gerade dienlich ist und sich oft zu den wirklich ungünstigsten Zeitpunkten bemerkbar macht.

Diese psychotische und vulgäre Truppe, die jenseits aller guten Pfadfindergrundsätze das All unsicher macht und ins Chaos stürzt, muss sich laufend mit ihrem größten Feind auseinandersetzen, der sich Darph Bobo nennt und als Oberster aller Dark Clowns an Bosheit, Rücksichtslosigkeit und Machtbesessenheit nicht mehr zu überbieten ist. Geradezu harmlos ist dagegen Commander Adam, der Chode und seine durchgeknallte Mannschaft quer durch das Weltall verfolgt, denn die werden bereits auf mehreren Planeten polizeilich gesucht. Kein Wunder, wenn man bspw. aus reiner Schussligkeit Gott mal eben umbringt. Dennoch schafft es die junkfoodbesessene Idiotentruppe dank Glück und Unfähigkeit immer wieder, den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Wie groß die Verzweiflung gelegentlich ist, zeigt sich u. a. schon allein darin, dass man ausgerechnet T'Nuk bei einem Schönheitswettbewerb antreten lässt...

Diese für Erwachsene konzipierte Zeichentrickserie (FSK-16) basiert auf einem 6minütigen Kurzfilm von Chris Moeller und Chuck Austen mit dem Titel "Love and Darph …". Nach einiger Zeit wurde die Idee vom amerikanischen SciFi-Channel aufgegriffen und eine TV-Serie in Auftrag gegeben, die im Frühjahr 2004 in den USA erstmalig gesendet wurde. Nach gleichem Erfolg auch in anderen europäischen Ländern übernahm im Frühjahr 2009 in Deutschland der Sender DMAX die Rolle des Erstausstrahlers. Die Serie verwurstet quer durch das SciFi-Genre (aber nicht nur) alle bekannten und unbekannten Filme und –Serien und veralbert sie nach Strich und Faden. Auch an den Namen kann man schon erkennen, welcher Richtung die Idee der Namensgebung entstammt. Nichts bleibt heilig und unangetastet. Tabu? Was'n das? Mit hingebungsvoller Arbeit an politischer Inkorrektheit wird jede Folge eine köstlich-geniale Abrechnung mit allem, was einem bekannt vorkommt. Oder auch nur bekannt vorkommen könnte. Wenn der medienbesessene Darph Bobo vor laufender Kamera seine Assistenten nicht feuert, sondern mit dem Laserschwert köpft, nur weil sein mühsam eingeübtes Lachen lt. Chodes Mannschaft eher lächerlich als bösartig rüberkommt, hat man in einer einzigen Szene islamische Terroristen-Videos und präsidentiale George W. Bush-Debilität gleichzeitig abgefrühstückt. Sehr angenehm übrigens die deutsche Stimme von Six of Nine, die vielen auch aus der Werbung bekannt ist. So war Judith 'Jo' Kerner schon in Werbespots u. a. von Nestlé Alete, Buitoni, C&A, Telegate 11880 oder B3 zu hören, aber auch in Hörbüchern/-spielen wie "Franny – Ein Hörbuch", "Sherlock Holmes – Der Hund der Baskervilles" oder "Pater Brown – Der Mann im Gang".

Alle 13 Episoden à ca. 22 Minuten sind im 4:3-Format vorhanden, neben dem deutschen DD-5.1-Ton ist noch englischer DD-2.0-Ton wählbar. Untertitel sind leider nicht vorhanden. Das Bild ist ausreichend scharf, der Ton klar und verständlich, zudem gut abgemischt, damit die Toneffekte nicht die Sprache überdecken. Als Extras sind auf der ersten DVD ein deutscher und ein englischer Trailer vorhanden, dazu ein deutsche Teaser, eine Bildergalerie und Storyboards. Alle Episoden können wie üblich einzeln gestartet werden, über den Menüpunkt "Alle abspielen" aber auch direkt hintereinander folgend. Das erspart nach dem Ende jeder Folge den neuerlichen Griff zur Fernbedienung – sehr angenehm. Die drei DVDs und ein 12seitiges Booklet sind in einer ansprechend gestylten klappbaren Box in einem Kartonschuber enthalten. Eine provokante und schräge Serie mit exzentrischen Figuren – einfach herrlich! (gh)

Wertung: 8 von 10 Punkten (8 von 10 Punkten)

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