Fahnen, Uniformen, politische Symbole in Unterhaltungsfilmen

  • Aber was die Filmkritik betrifft, bin ich der Ansicht, dass da Maßstäbe angelegt werden, die dem Film nicht gerecht werden. Wer sich die DVD zulegt, sollte sich zuerst den Film ansehen und sich ein eigenes Bild machen.


    Da ich neugierig bin, interessiert mich, was Du an Herrn Polaks Kritik nicht gut findest. Den Film habe ich mir inzwischen auch zugelegt :) , nur gab es leider noch keine Gelegenheit, ihn ganz anzuschauen.

  • Ich habe zu diesem Thema gestern einen neuen Fund gemacht. In "13 Stühle" ist tatsächlich eine Hakenkreuz-Fahne zu sehen. Ausgehend von der Kauf-DVD bei 1:18:46, wenn Rühmann, kurz bevor er zum Waisenhaus kommt, durch die Straßen läuft, schaut er in ein Schaufenster. Dahinter ist ein Stück einer Reichsflagge zu sehen. Ich dachte erst, dass die Fahne im Schaufenster angebracht ist, dann dachte ich, dass es sich ggf um eine Spiegelung handelt von der Straße oder von einem Gegenüberliegenden Gebäude (was bedeuten würde, dass die Szenen an realen Schauplätzen gedreht wurde). Aber bei einer Spiegelung würde sich das Hakenkreuz anders herum drehen, was nicht der Fall ist. Von daher ist sie ggf wirklich im Schaufenster angbracht worden.

  • Danke für den Hinweis, Sebastian. Finde das Thema nach wie vor sehr spannend :)


    Das absolut rare Auftauchen von NS-Symbolen in Unterhaltungsfilmen macht in meinen Augen auch deutlich, dass man die Propaganda in diesen Filmen - wenn überhaupt vorhanden - mit der Lupe suchen muss.

  • Ich kenne nur wenige Unterhaltungsfilme dieser Zeit, kann dir zu dem Thema aber weitestgehend recht geben. Also klare politische Propaganda ist auf jeden Fall kaum zu finden, auch keine subtile, außer man sucht verzweifelt Propaganda, dann kann man auch viel hinein interpretieren. Dafür gibt es meiner Meinung nach aber immer mal wieder gesellschaftliche Propaganda, wobei das in jeder Zeit, unabhängig von den Machthabern, zu finden ist. Mir fällt direkt die Kernaussage von Der Optimist (D, 1938) mit Viktor de Kowa ein. Diese Kernaussage (Sparsamkeit, Bescheidenheit, Wirtschaftliches Risiko innerhalb einer Familie zu vermeiden - ich hoffe ich habe die Aussage einigermaßen passend zusammengefasst) passt sehr gut in den Nationalsozialismus, trotzdem würde ich das nicht unbedingt propagandistisch einordnen. In "13 Stühle" ist die Aussage ähnlich: Man soll nicht nach dem großen Geld greifen, dafür seinen Möglichkeiten nach etwas für die Allgemeinheit tun. Wer will, kann hier wieder eine ungeheuer schlimme nationalsozialistische Propaganda hineindichten. Im Vergleich zu modernen Filme anderer Politischen Systeme, finde ich das alles aber sehr harmlos. Bzw. diese Aussagen haben auch heute ihre Gültigkeit. VOn daher sind sie nicht nur einer Gesinnung zuzuordnen.
    Ein weiteres Beispiel ist für mich "7 Ohrfeigen", dort gibt es auch eine Kritik gegen Spekulanten, mit viel guten Willen kann man es auch als Kritik gegen England einstufen, da der Film dort spielt. Aber auch diese Grundaussage kann man ohne Probleme heute in Filme mit einbauen.


    @Detlef
    Wie siehst Du das Zeichen im Bildschirmfoto? Sieht sehr danach aus als hätte man das Schaufenster mit einer kleinen Fahne geschmückt oder?

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • @Detlef
    Wie siehst Du das Zeichen im Bildschirmfoto? Sieht sehr danach aus als hätte man das Schaufenster mit einer kleinen Fahne geschmückt oder?

    Klare Sache, sehe ich genauso, Sebastian.
    Mit Hk-Fähnchen hat man gerne seine Geschäfte geschmückt, meist aber nur zu bestimmten Anlässen (Führergeburtstag etc.), oder um seine besonders parteitreue Gesinnung zu demonstrieren.
    Ich vermute weiterhin, dass in den ersten Jahren des NS-Staates auch Zwangsmaßnahmen angewendet wurden, damit Laden- und Fabrikbesitzer NS-Propagandamaterial für Ihre Belegschaft auslegten oder ihre Betriebe damit schmückten.

  • "Venus vor Gericht" zählt als Propagandafilm, von daher passt das wahrscheinlich nicht so hier rein?
    Trotzdem: Dort ist eine Hakenkreuzfahne zu sehen, die holt der Protagonist aus einem Schrank. So erkennt eine andere Figur in diesem Film, welche Gesinnung der Protagonist besitzt

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • In "Eine Nacht in Mai" sind zu Beginn des Films als die Rökk abhauen möchte und durch die Stadt läuft im Hintergrund die olympischen Ringe zu sehen und daneben eine große Hakenkreuzfahne.


    Ansonsten sieht man beim Omnibusfahrer den Reichsadler an der Mütze, aber das nur noch ergänzend erwähnt.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Eben, weil das Herausnehmen keinen Lerneffekt zur Folge hat, d.h. man bleibt weiter ggf. Anfällig für Propaganda, weil man sie nicht erkennt. Wobei das Markieren eine erneute Propaganda sein kann. Und Markieren finde ich insofern schwierig, weils ja wieder direkt in das Werk eingreift und man den Konsumenten bevormundet. Man kann es ja in Form von Beiheften und Literatur erläutern und dann kann sich jeder selbst ein Bild machen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Man kann es ja in Form von Beiheften und Literatur erläutern und dann kann sich jeder selbst ein Bild machen.

    Dann leg lieber gleich, falls vorhanden, den Originalroman dazu. (Erst lesen, dann schauen) - Wenn es jedoch so ist wie bei Harry Potter, nutzt das herzlich wenig. Ich konnte den Roman (vom Stil her) nicht lesen. Die Filme hab ich jedoch alle gesehen.


    Oder man nimmt ein neues Genre: Fiktive Realität


    Ich würde einem Kind oder jungen Schüler ja auch keine Mondo Horror Trash zu schauen geben ohne Vorwarnung...