Kurrentschrift / Sütterlinschrift

  • Gibt es hier noch andere Leute, die sich, wie ich, für die alte deutsche Schreibschrift begeistern können? Ich selbst habe mir selbst vor 7-8 Jahren beigebracht, die Schrift lesen und schreiben zu können (auch wenn ich nicht alles lesen kann, da die Schreibart und die Handschrift schon sehr unterschiedlich ist bei den jeweiligen Dokumenten).


    Ich selbst schreibe privat immer mal wieder in der Schrift und freue mich auch, immer mal wieder Leute kennenlernen zu dürfen, die dies auch tun bzw. die die Schrift lesen können.


    Umso mehr erfreut es mich, wenn ich in Filmen mit historischen Bezug oder in Filmen bis in dei 50er Jahre hinein immer wieder auf diese Schrift stoße. Wenn ich auf schöne alte (Kidner-)Bücher stoße, die diese Schrift benutzen, schlage ich auch gerne mal zu, soweit sie nicht zu teuer sind. Manche werden da schon zu sehr hohen Preisen angeboten. Gerne kann ich im Laufe der Zeit ein Paar Beispiele einstellen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich habe sehr häufig mit der alten Schreibschrift zu tun, da ich im Rahmen meiner Doktorarbeit teilweise auch handschriftliche Akten aus den vergangenen Jahrhunderten analysiere. Das meiste davon ist aus dem 19. Jahrhundert, die älteste Originalakten, die ich in der Hand hatte, stammen aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Im Laufe dieser Zeit hat sich die Schrift natürlich verändert, letztendlich ist eine Handschrift aber auch sehr individuell, so daß man sie manchmal besser, manchmal schlechter entziffern kann. Mit Handschriften aus dem 20. Jahrhundert habe ich eigentlich nichts zu tun, aber mit dieser dürfte ich wohl keine Schwierigkeiten haben, wenn ich auch die älteren lesen kann. Selber schreibe ich aber nicht in Kurrentschrift.

  • Hast Du Dir das Lesen der Schrift dann nur dafür angeeignet? Ich finde gerade diese alten Schriften sehr schwer, die sauber geschriebene Handschrift aus dem frühen 20. Jahrhundert ist dagegen wunderbar zu lesen, oft sogar einfacher als die lateinische Schrift, weil man durch die Ausschläge (nach oben und unten) viel schneller erkennt, um welche Worte es sich handelt.


    Hier mal ein Bild wie der Gang in unserer Schwabinger Wohnung aussah, bevor wir im November umgezogen sind. Das Buch rechts habe ich bewusst an die Seite gestellt, damit man die schöne Titelseite sehen kann:



    Und hier noch eine große Version.

  • Kann auch Kurrentschrift lesen und halbwegs schreiben. Habe es mir selbst beigebracht. Es fing mit alten handgeschriebenen Zwischentitel in alten Stummfilmen an. Auch in späteren Tonfilmen wurde sie oft verwendet. Dann fielen mir alte Dokumente meiner Eltern und Groß- und Urgroßeltern in die Hände die ich entziffern wollte. Auch die alte Frakturschrift in alten Büchern kann ich ganz normal lesen.


    Hier ein Kurrent-Titel aus dem Film "Kopf hoch Johannes" aus den 40er Jahren:



    "Ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift, wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr."
    (Otto von Bismarck, 1815-1898, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches)


    Edited 3 times, last by Quax ().

  • Tolles Bild Quax


    Wenn Dir mehr Beispiele auffallen, kannst Du diese gerne hier rein stellen. Direkt in den alten Filmen ist die Schrift ja noch sehr oft zu sehen. Mir fällt spontan "Kirschen in Nachbars Garten" mit Karl Valentin ein. Am Ende in der Schule ist die Schrift sehr schön zu sehen.

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    André Gide

  • Da der Film in keiner besonderen Bildqualität vorliegt kann ich leider keine besseren Screenshots des Films einstellen. Habe das Foto noch ein wenig nachbearbeitet. (Kontrast erhöht und Helligkeit verringert). So kann man die Schrift besser lesen. Übrigens ein Film in dem der bekannte deutsche Schauspieler Viktor de Kowa (* 1904, † 1973) Regie führte. Er war sogar NSDAP-Mitglied wie zb. sein bekannter Schauspielerkollege Willy Fritsch (* 1901, † 1973), Wolf Albach-Retty (* 1906, † 1967) und Attila Hörbiger (* 1896, † 1987). Alle drei bis auf Attila Hörbiger waren aber denke ich mal keine überzeugten Nazis. Von Willy Fritsch weiß ich, dass er schon 1933 in die Partei gedrängt wurde. Geschadet hat es beiden nicht. Sie mussten alle keinen Kriegsdienst leisten...


    weiterers zum Thema NSDAP-Mitglieder im Schauspielerkreis (LINK)


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    "Ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift, wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr."
    (Otto von Bismarck, 1815-1898, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches)


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  • Die Jägermeister-Schrift dürfte eine "Fraktur"-Schrift bzw. Gebrochene Schrift sein (kenn mich da im Detail nicht so aus). Das ist auch eine deutsche Schriftart, aber keine Schreibschrift wie die Kurrent- oer Sütterlinschrift.

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    André Gide

  • Ja, das könnte Fraktur- oder auch die Tannenberg-Schrift sein.


    Meine Großmutter (Jahrgang 1908) hat nur deutsche Schrift geschrieben. Meine Mutter kann sie noch lesen. Wenn ich sie lese, habe ich eine ungefähre Ahnung davon, wie einem Erstklässler zu Mute sein muss. Ein Gefühl, das ich so nicht kannte, weil ich mit vier Jahren schon lesen konnte.

  • Das oben abgebildete "Gisel und Ursel" buch ist übrigens angekommen und ist noch schöner als erwartet. Was mich am meisten freut: Auch der Buchrücken ist mit dieser Schrift geschmückt.

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    André Gide

  • Bei ebay habe ich schon öfters ein Filmprogramm des 30er Jahre Films "Betragen ungenügend" gesehen. Die Titelschrift ist in Sütterlinschrift gehalten.


    Mir liegt gerade das Filmprogramm von "Schüsse in Kabine 7" (1938) vor, dort wurde "Schüsse in" im Titel in Kurrentschrift gedruckt. Schaut toll aus.

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    André Gide

  • In vielen alten Theaterprogrammen aus den 40er und 50er Jahren ist mir die Sütterlin/Kurrentschrift nun auch nochmal begegnet. Immer wieder schön! Außerdem bin ich nun endlich ein Stolzer besitzer eines alten Lurchi-Heftes (der Schuhmarke "Salamander") aus den 30er Jahren, damals war die Titelblattgestaltung noch in Kurrentschrift gehalten.


    Siehe


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    André Gide