Berliner Filmschätze. Historische Filmaufnahmen aus der Hauptstadt

Die DVD "Berliner Filmschätze" wirbt auf dem Cover: "3 Filme auf einer DVD – Berlin in den 30er Jahren – Berlin Juli 1945 – Berlin – Hauptstadt der DDR". Dahinter verbirgt sich jedoch eine ziemlich lieblos zusammengeschleuderte Kompilation, auf der eigentlich nur ein Material die Bezeichnung "Film" überhaupt verdient.


Das ist die hervorragende, 42-minütige Dokumentation "Ein Tag im Juli" / "One Day in July" (Chronos-Film, Regie: John Lionel Bandmann, Jost von Morr), die eigentlich bereits von 1974 (!) stammt. Diese Tatsache verringert aber nicht den Wert dieses Films, der ausgezeichnet zurückhaltend kommentiert ist und die elenden Lebensumstände der Deutschen im zerstörten und besetzten Berlin nachvollziehen lässt: Verlust aller Habseligkeiten – Entbehrungen – Krankheit – Hunger – Entwurzelung – vermisste und tote Verwandte und Familien. Die fast komplett farbigen Aufnahmen weisen große Qualitätssprünge auf, was leicht störend wirkt, aber absolut entschuldbar ist. "Ein Tag im Juli" ist ein Film, der an den Schulen gezeigt werden sollte – nüchtern, eindringlich, auf seine subtile Art erschütternd.


Der früheste enthaltene "Film" "Berlin im Sommer 1934" ist dagegen kein eigenständiger Film, sondern ein knapp 14-minütiger Ausschnitt aus der früheren Polar Film-Produktion "So war Berlin". Wer diesen Film bereits kennt, wird sich ärgern! Der dritte "Film" "Streiflichter Ostberlin" wiederum enthält acht Minuten dauernde Aufnahmen eines Filmamateurs aus Ostberlin von 1972. Die sind interessant anzuschauen, aber weder besonders gut gedreht noch sonstwie herausragend. Dass sie nur mit Musik unterlegt werden, wäre dabei kein Problem, aber es drängt sich doch stark das Gefühl auf, dass hier ein Material, das bestenfalls als Bonus tragbar gewesen wäre, zum Hauptfilm erhoben wird, weil einfach nichts Besseres vorhanden ist. Ansonsten bietet die DVD ausstattungsmäßig und äußerlich nichts, was irgendwie erwähnenswert wäre. "Ein Tag im Juli" und der Ausschnitt aus "So war Berlin" liegen auch in englischer Sprachfassung vor.


Mein Fazit: Ehrlicher und besser wäre gewesen, die DVD unter dem Titel "Ein Tag im Juli" herauszubringen. Dann wüßte der geneigte Käufer nämlich auch, was ihn erwartet. Der Film "Ein Tag im Juli" verdient sicherlich acht Punkte, geht in dieser "Mogelpackung" jedoch ziemlich sang- und klanglos unter, denn: Was bringt es, tolle Filme zu veröffentlichen, wenn auf dem Cover überhaupt kein Hinweis darauf vorhanden ist?


Wertung: 4 von 10 Punkten
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