Die endlose Nacht

Noch nie habe ich einen Fall miterlebt, bei dem ein Schauspieler einen Film gelobt hat, bei dem er selbst vor sage und schreibe 50 Jahren mitgespielt hat und er durch dieses Lob bzw. diese Erwähnung das allgemeine Interesse an diesem Film so sehr ankurbelte, das der Streifen aus der Versenkung empor gehoben wurde, um erstmals auf DVD nach langer Zeit wieder einen breiten Publikum zugänglich gemacht zu werden.


Genau das ist mit dem 1962 und 1963 entstandenen Werk "Die endlose Nacht" geschehen. Bekannt war er leider nur wenigen Leuten und galt eher als Insider-Tipp, unter jungen Cineasten war er gänzlich unbekannt. Hannelore Elsner, die damals als attraktive junge Frau das Starlet Sylvia Stössi verkörperte, liebt diesen Film und hat ihn deshalb oft erwähnt. Und das war auch bitter nötig, denn "Die endlose Nacht" ist ein Filmklassiker der in der heutigen Zeit viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommt. Will Tremper, der schon im Jahr 1956 mit dem Drehbuch zum Filmklassiker "Die Halbstarken" Kinogeschichte geschrieben hat, wurde in den frühen 60er Jahren zum ersten Autorenfilmer des deutschen Kinos der 60er und 70er Jahre. Tremper war jedoch in vielen Bereichen talentiert und bewandert, sodass er sich nicht ausschließlich auf die Filmerei konzentrierte. Aus diesem Grund gibt es nur wenige Werke in der Filmographie von Will Tremper, was diese wenigen Filme umso wertvoller machen. Während beispielsweise "Playgirl" schon recht lange auf DVD erhältlich ist, musste man auf "Die endlose Nacht" recht lange warten.


Die Münchner Firma Moviemax hat nun Abhilfe geschaffen und sich dem Thema angenommen. Dass es keine andere Firma war, ist sehr begrüßenswert, denn wie wir schon durch die Veröffentlichung des Serienklassikers "Fünf Freunde" wissen, bemüht man sich bei der Münchner Firma sehr, ein hochwertiges Endprodukt zu veröffentlichen.


Und das ist auch diesmal wieder geschehen. Schon beim Kauf der DVD merkt man, dass man etwas Besonderes in den Händen hält. Die Plastikhülle mit der DVD wurde noch einmal in einem stabilen Pappschuber untergebracht. Die Gestaltung des Produktes ist sehr ansprechend und macht den Konsumenten neugierig auf mehr. Neben dem Hauptfilm in sehr guter Bild- und Tonqualität bekommt man einen großen Stapel Bonusmaterial geboten. Darunter Gespräche mit Hannelore Elsner, dem Komponisten Peter Thomas und Timothy Tremper. Die Interviews wurden von Arild Rafalzik geführt, der von der Thematik viel Ahnung hat und die Gespräche entsprechend interessant gestaltet. Hinzu kommen diverse Trailer und der ARD-Beitrag "Deutschland, deine Künstler - Hannelore Elsner". Im Inneren der Hülle findet man außerdem gleich zwei Beihefte mit jeweils zwölf Seiten. Das eine Heft wurde für diese DVD-Veröffentlichung gestaltet und beinhaltet zahlreiche Fotos und sehr interessante Hintergrundinformationen zum Hauptfilm. Das zweite Heft ist eine Neuauflage des Kinoprogramms ("Atlas Filmheft 19"). Das Bild, das HD remastered wurde, befindet sich in 16:9 auf der Scheibe und der Ton ist Dolby Digial 2.0. Auch an Untertitel hat man gedacht, und das sogar in fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch). Während der Film eine Laufzeit von knapp 82 Minuten hat, beläuft sich die Länge des Bonusmaterials auf knapp 50 Minuten. Minuspunkte konnte ich beim besten Willen nicht finden. Man kann natürlich stets mehr aus so einem Produkt machen, wie beispielsweise ein Audiokommentar mit Frau Elsner. Hier gehen die Philosophien und Geschmäcker auseinander. Das was geboten wird sollte jedenfalls jeden zufrieden stellen.


Das Produkt in seiner Gesamtheit wirkt von daher nahezu vollkommen und wird dem Film absolut gerecht. Man bekommt viel Hintergrundinformationen geboten, kann ein wenig schmökern und man findet auch viele Zitate von Leuten wie Klaus Lemke, Wolfgang Rademann, Tom Zickler, Regina Ziegler oder Volker Schlöndorff, die allesamt interessante Aussagen über diese Filmperle von sich gegeben haben.


Kurz noch ein paar Zeilen zum Film selbst. Er spielt am Berliner Flughafen Tempelhof, wo er auch komplett gedreht wurde. Weil der Himmel vernebelt ist, fallen sämtliche Flüge aus, sodass die Passagiere die Nacht am Flughafen verbringen müssen. In der Wartehalle sind sich sich selbst ausgeliefert, was eine lange und ereignisreiche Nacht zur Folge hat... Mit von der Partie sind neben Hannelore Elsner auch Harald Leipnitz, Paul Esser, Walter Buschoff und als Gäste Wolfgang Neuss und Mario Adorf.


Wertung: 8 von 10 Punkten
Autor: Sebastian Kuboth
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Die endlose Nacht - Nebel über Tempelhof


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