Alternativ dokumentierte TV-Geschichte (Fotografien, Tonbänder, MCs,...)

  • Das Farbtestbild in einer TV-Zeitschrift, was jh hochgeladen hat, sowie familiäre Fotoalben die ich über Weihnachten gesichtet haben - außerdem noch der Testbild-Film von jh mit alten Fotos von Testbildsammlern - haben mich auf den Gedanken gebracht, dass doch Fotos eine wichtige Quelle sind was TV-Geschichte angeht.


    Private TV-Aufzeichnungen gibt es ja schon recht lange, richtig viel und repräsentatives Material gibt es aebr erst ab den 80er Jahren (stärker ab ca. 1985, und richtig viel ab 1988/89). Das ist eine hervorragende Quelle und es gibt zum Glück viele Leute, die sich auf die Suche nach alten Aufnahmen machen um diese zu erhalten.


    Aus der Zeit der 30er bis 70er Jahre ist man oftmals auf Archiven der Sender angewiesen und nur minimal bekommt man etwas aus privater Hand von alten Aufzeichnungsgeräten. Ansonsten ist man hier ausschließlich auf alternative Dokumentationen angewiesen, die meiner Meinung nach bisher zu sehr vernachlässigt werden. Dabei handelt es sich in erster Linie um:


    -> Audioaufnahmen
    -> Fotografien
    -> Texte


    Audioaufnahmen durch:


    - Alte Tonbänder
    - Alte MCs
    - Ggf. Alte Schallplatten (Schellack - es ist ja alles mögliche veröffentlicht worden, ggf. sogar TV-Ausstrahlungen von Konzerten oder ähniches auf einer Schalllplatte?)


    Privat haben die Leute (was mir bekannt ist) in der Zeit von ca. den 50er Jahren bis in die 80er Jahren viel aus dem Fernseher auf Tonband oder MC aufgenommen, in erster Linie Musiksendungen oder Karnevalssitzungen. Eine Musiksendung auf MC kenne ich sogar aus meiner eigenen Familie. Von fremden Tonbändern und MCs kenne ich das aber auch im großen Maße. Da gerade Musiksendungen ("Live aus Studio B" oder wie die Sendung hieß?) zum Teil verloren gegangen sind, wären solche Audioaufnahme ein guter Platzhalter um das zu rekonstruieren, was es damals gab.


    Fotografien durch:


    - Bücher, Zeitschriften und Illustrierten (wie in dem Beitrag von jh: Testbild - ich selbst habe eine Illustrierte aus der Zeit um 1940, dort ist eine Fernsehstube inkl. Fernsehbild zu sehen. Es gibt sicher auch viele zeitgenössische Fachbücher mit relevanten Abbildungen)
    - Gezielte private Fotografien (wie z.B. von Testbildsammlern die in den 50er Jahren beispielsweise schon Testbilder direkt vom TV-Schirm abfotografiert haben. Oder auch jemand der wichtige Ereignisse oder Ähnliches bewusst vom TV-Schirm abfotografiert hat)
    - Zufällige private Fotografien (was ich in Fotoalben meiner Familie gefunden habe - es sitzen z.B. 2 Personen im Wohnzimmer, schauen Fernsehen, es wurden die zwei Personen fotografiert und der Fernsehschirm ist mit Bild im Hintergrund zu sehen. Wenn man Glück hat kann man sogar das Datum rekonstruieren, wenn es Fotos von einer Gebrutstagsfeier waren z.B. -> Nachteil: Das Bild vom Fernseher ist oft schlecht oder gar nicht zu erkennen. Oder das Motiv ist nicht interessant)


    Texte durch:


    - Bücher, Zeitschriften, Illustirerte und Fernsehprogrammheften (Leserbriefe sind da sehr relevant finde ich, Fachtexte, Interviews usw usw)
    - Private Texte in Tagebüchern und Briefen (hier bin ich der Spezialist - zu Kinofilmen gerade in den 30er und 40er Jahren findet man extrem viel, weil das das Massenmedium damals war. Zu Fernsehen bisher wenig, was abera uch daran liegt dass die meisten Briefe die ich habe nur die Zeit bis zu den 50er Jahren beinhalten. Ich habe aber z.B. Fanpost an Peter Alexander, dort gehen die Leute auch teilweise auf Fernsehsendungen ein. Und auch sonst findet man sicher sehr viel, ich muss nur mein Archiv weiter vergrößern und noch viele viele Briefe durchstöbern. Zu Fernsehstuben habe ich z.B. noch garnichts gefunden)


    Habt Ihr noch weitere Ideen welche Bereiche für diesen Zweck relevant sind? Und ob man das ggf. sogar systematisch forcieren könnte, damit die Leute sowas auch berücksichtigen und auch scannen/digitalisiern/abtippen und veröffentlichen (am besten im Internet), falls sie sowas finden.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Was mir noch einfällt:


    Schmalfilmaufnahmen


    Insgesamt wahrscheinlich sehr selten und dann auch aus dem Zeitraum, in dem der Schmalfilm verbreitet war, also von den späten 60ern bis in die 80er. Ich habe zumindest schon Schmalfilmaufnahmen von Fernsehbildschirmen gesehen, in diesem Fall auch DXer, die Überreichweiten (Testbilder) dokumentieren wollten. Ansonsten wird es aber wenig gebracht haben, Fernsehsendungen vom Bildschirm abgefilmt zu haben, weil erstens auf einen Super-8-Film nur einige Minuten gehen und die meisten Kameras ohne Ton waren.


    Texte


    Bei den Texten sind auch solche interessant, welche die technische Seite behandeln. Auf der einen Seite Prospekte der Hersteller oder auch Werbeanzeigen für Geräte (wurden z. B. schon bei "Retro TV" gezeigt) oder Versandhauskataloge. Auf der anderen Seite Gebrauchsanweisungen oder Schaltpläne für Geräte oder Fachliteratur.


    Internet


    Nicht zu vergessen das Internet als Quelle, wo sich sehr viele Menschen über ihre Erinnerungen äußern. Dazu gehören natürlich Foren wie unseres hier oder auch tvforen.de, ukwtv.de usw. Dann gibt es natürlich noch diverse spezielle Seiten, die sich mit TV-Geschichte beschäftigen (die Links müsste man eigentlich mal sammeln) und nicht zuletzt auch original Aufzeichnungen oder Fotos, die ins Netz gestellt wurden.

  • Wobei bei den Schmalfilmaufnahmen - wenn man es aufwändig gemacht hat - man den Ton auch mit Tonband/MC aufnehmen konnte. Ich habe mal MCs gefunden da hat jemand seine Super 8 Urlaub-Videos kommentiert - nur die Videos dazu fehlten mir, sodass ich nur den Ton hatte.


    Das Internet ist da auf jeden Fall eine gute Quelle. Eben wegen solchen Erinnerungen - aber auch - wie ich auch oben geschrieben habe - als beste Veröffentlichungsmöglichkeit für solche "kleineren" aber nicht unwichtigen Funde in Fotoalben oder anderen Quellen. Auf Dauer wäre aber gut, wenn es eine Plattform oder 2-3 "Archivare" geben würde, die sich diesem Material annehmen, es heißt zwar, dass das Internet nichts vergisst, aber wenn mal etwas wieder gelöscht wurde, ist es dann kaum noch zu "greifen".


    Bei privaten Texten würde ich auf www.geschriebene-geschichte.de eine entsprechende Rubrik erstellen. Ansonsten wäre dieses Thema hier auch ein Anfang, dass man hier einfach ein paar Fundstücke einstellt (ggf. landet das Thema auch in der google-Suche ganz gut, sodass sich auch andere Leute irgendwann beteiligen, dieses Material zu sammeln). Bei Ton und Video könnte man auch YouTube hernehmen. Aber dann auch interessantere Sachen, bei sehr belanglosen Sachen (was auch Wert ist zu sammeln) zieht man nicht unbedingt das Interesse der Leute auf sich.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Es gibt ja z. B. bei YouTube einen mehrteiligen Mitschnitt aus den Anfangstagen von Sat.1 aus dem Frühjahr 1984, als der Sender noch PKS hieß. Die Videos sind auch im entsprechenden Senderthread für Sat.1 verlinkt. Das wäre z. B. eine Aufzeichnung, von der ich sagen würde, dass sie etwas besonderes ist. Man müsste das Ganze nur ein bisschen systematisieren.


    Oder etwas aus dem technischen Bereich, hier gibt es eine Sammlung von Kabelnetzbelegungen in Deutschland.


    http://radioforum.foren.mysnip…ad.php?8773,957895,page=1

  • Ich habe ein Tonband hier mit einer kurzen Aufnahme eines Musikstückes das um 1970 herum im englischen Fernsehen aufgenommen wurde. Inhaltlich nicht interessant und da es jemanden anderes gehört, werde ich die Aufnahme nicht behalten. Aber das zeigt, dass es solche Quellen/Aufnahmen gibt - und das sicher nicht selten.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Was glaube ich vergessen wurde, sind Filmszenen, in denen Fernsehprogramm, wenn auch meist nur kurz und teilweise für den Film "gestelltes", gezeigt wird. Allerdings muss man sich dazu die entsprechenden Titel und Szenen alle notieren.
    Idealer wären schon alte Dokumentarfilme über das Fernsehen selbst, nur ist es wiederum schwierig, diese ausfindig zu machen und zu beschaffen, was ja eigentlich auch nur über die Senderarchive geht.

  • Du meinst z. B. Filme, in denen auf einem Fernseher ein bekannter Nachrichtensprecher im original Studio zu sehen ist, aber die Nachrichten selber fiktiv sind und extra für den Film geschrieben wurden?


    Was in dem Fall am Thema hier vorbei gehen würde.


    Ich glaube er meint schon echtes TV-Programm das in Spielfilmen oder Serien zu sehen ist. Ich glaube bei "Polizeiinspektion 1" schaut Elmar Wepper mal ein Fußballspiel (keine Rarität inhaltlich), bei "Irgendwie und Sowieso" läuft mal ein Western (dito) und bei Akzenzeichen XY haben sie öfters mal TV-Programm drin um zu zeigen, wann die Tat geschehen ist bzw. weil die Opfer zu dem Zeitpunkt wirklich Fernsehen geschaut haben. Zuletzt war mal was zur WM. In einer alten Sendung lief der Ton einer "Peter Alexander Show" im Hintergrund. Alles bislang nichts Besonderes, aber sicher gibt es da auch einige Raritäten zu sehen, besonders bei Filmen usw. aus den 50er und 60er Jahren.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Also gerade bei alten TV-Filmen sieht man öfters mal Wohnzimmer, in denen der Fernseher (wobei die gezeigten Geräte an sich ja auch interessant sind) und offenbar echtes Programm oder sogar Testbild läuft (ob jetzt live oder extra aufgezeichnet zum Wiederholen für die jeweilige Szene, lässt sich natürlich schwer sagen).
    Aber selbst fiktive Nachrichten tatsächlich existierender Sendungen finde ich historisch keineswegs irrelevant, also wenn ein Fernsehsender z.B. einen seiner Moderatoren sich in einer Spielfilm-Eigenproduktion selbst spielen lässt. Witzig und ein wenig absurd finde ich auch, dass beim alten Köster hin und wieder Szenen enthalten sind, in denen sich die Charaktere frühere "Der Alte"-Folgen ansehen.

  • Stimmt, daran erinnere ich mich. Auch sonst gibt es sowas sehr oft. In der Klamotte "Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon" spielt Michael Gahr z.B. einen Sport-Journalisten der sogar vollig unlogischerweise auf das was vor dem Fernseher passiert reagiert. Dieser Themenbereich wäre fast ein eigenes Thema wert, da gibt es sicher viele interessante Beispiele. Jauch hat so beispielsweise seinen ersten und einzigen Kinoauftritt in "Der Wixxer" in einer fiktiven TV-Talkshow gehabt, wobei die Sendung nicht nur durch die Röhre zu sehen ist, sondern der Zuschauer sich dann später auch dirket im Fernsehstudio befindet.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide