Metropolis (D, 1927)

  • Den Erfolg von Fritz Lang würde ich aber nicht allein an Klein-Rogge festmachen, auch wenn er natürlich einen Teil dazu beigetragen hat.

    Es ist aber wirklich so. Anfangs wussten die Menschen nicht einmal wie Fritz Lang aussieht, sie kannten seinen Namen und Rudolf's Gesicht. Rudolf spielte in fast allen Stummfilmen von Lang mit.

    • Das wandernde Bild
    • Vier um eine Frau
    • Der müde Tod
    • Dr. Mabuse der Spieler 1,2
    • Die Nibelungen 1,2
    • Metropolis
    • Spione


    naja und dann half noch "Das Testament des Dr. Mabuse". Rudolf war das Gesicht der Lang Filme und eine lange Zeit wollte selbst Fritz nicht ohne Klein-Rogge drehen. Und Thea von Harbou hatte auch ein Wörtchen mitzureden. Also finde ich es schon dass es von Lang nicht nett war dann einfach den Kontakt zu Klein-Rogge abzubrechen, als er aus Deutschland "floh".

  • Trotzdem war Fritz Lang sein eigener Herr. Kein-Rogge hat sicher viel zum Erfolg beigetragen, aber auch Thea von Harbou oder diverse Kameraleute und Tricktechniker, die mit Lang zusammengearbeitet haben. Von daher sehen wir das sicher gleich. Als ich den Beitrag vorhin gelesen habe, wirkte es fast so als hätte Lang dem Klein-Rogge alles zu verdanken.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Richtig, er war Richter's Body Double, das ist für einen Klein-Rogge fan wie für mich und andere auf dem Fandom, ein Grund beide Teile aufzuzählen.
    Also -> Rudolf Klein-Rogge - Die Nieblungen 1 und 2 !!!


    Sebastian: Ja du hast Recht, es liest sich so, ich wollte eigentlich damit sagen dass ich es nicht gut finde von Fritz, da er Rudolf viel zu verdanken hat.

  • "Leichen pflastern seinen Weg"... Ich möchte behaupten, daß man bei nahezu jedem großen Künstler moralische Fragwürdigkeiten entdecken wird, wenn man ihn sich genauer ansieht Das schmälert jedoch keineswegs seine Bedeutung und Lebensleistung.


    Im Übrigen bin ich schon der Meinung, daß Fritz Lang aus Deutschland geflohen ist. Seine eigene Schilderung trifft zwar nicht zu, aber er hat das Land nicht freiwillig verlassen, sondern war durch die politischen Zustände dazu gezwungen. Es ist eine große Schande, wie die Mehrheit der deutschen Bevölkerung nach dem Krieg mit den zurückkehrenden Exilanten (eben auch Fritz Lang) umgegangen ist.

  • Fritz Lang's Pass ist das Entscheidende. Er ist aus Deutschland vielleicht in einer Nacht geflohen und war dann in Frankreich. Dann ging er nach Amerika und kam nach ein paar Wochen wieder zurück nach Deutschland. Das hat er mehrere Male getan. Von Flucht kann man da dann eigentlich schon nicht mehr sprechen, da ein Flüchtling nicht so einfach noch einmal in das Land zurückkehrt, von dem er floh. Selbst wenn es sich nur um eine Scheidung handelte, bin ich mir sicher, hätte Fritz Lang das, so berühmt wie er ja anscheinend war, auch ohne, dass er nach Nazi-Deutschland zurückkehrt, handhaben können.


    Bin mir sogar ziemlich sicher. Darum lässt sich in Fritz' Fall immer im Pro und Kontra reden. Einer kann sagen er floh aus Deutschland, ich allerdings behaupte das Gegenteil, denn, was mir meine Recherchen brachten, lässt mich schlussfolgern. Ich schlussfolgere gern. Ich diskutiere auch gern wenn's sein muss.

  • Was die "Flucht" angeht bin ich auch Charlies Meinung. Gerade weil er offensichtlich gelogen hat und es so darstellte als ginge es um Kopf und Kragen.


    Was Klein-Rogge angeht könnte man doch genauso sagen, dass er sich bei Lang hätte bedanken können dass er in seinen Filmen spielen durfte. Ich denke das ist eben ein normales Geben und Nehmen zwischen Küntlern die Zusammenarbeiten.

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    André Gide

  • "Flucht" oder nicht: Lang hat Deutschland verlassen, weil er gemerkt hat, dass für ihn und seine Arbeit in diesem Land kein Platz mehr war. Einem Regisseur, der so populär und erfolgreich war und nicht wusste, ob er seine Karriere im Exil fortsetzen kann, muss diese Entscheidung sicher schwer gefallen sein. Dass er seine Abreise später dramatisiert hat, entspricht wahrscheinlich dem Naturell eines beruflichen Geschichtenerzählers. Auch Billy Wilder hat seine Erinnerungen stets dramatisiert und pointiert, da muss man eben immer einen gewissen Prozentsatz als anekdotische Übertreibung akzeptieren. Und dass populäre Künstler auch in autoritären Systemen einen Sonderstatus genießen, der ihnen gewisse Freiheiten zugesteht, ist keine Ausnahme. Man hat später auch Manfred Krug vorgeworfen, dass er nur mit einem genehmigten Ausreiseantrag die DDR verlassen konnte - ein Privileg, das andere nicht hatten. An der Entscheidung, ein Land aus politischen Gründen zu verlassen, ändert das aber nichts.

  • Was Klein-Rogge angeht könnte man doch genauso sagen, dass er sich bei Lang hätte bedanken können dass er in seinen Filmen spielen durfte. Ich denke das ist eben ein normales Geben und Nehmen zwischen Küntlern die Zusammenarbeiten.

    Ja so könnte man es auch sehen. Stimmt schon.


    Vom Moment an wo Fritz Deutschland verließ änderten sich seine Filme um 180°
    Das ist das Einzige, was ich an ihm stets analysiert habe bevor ich meinen Fritz Lang Blog aufgemacht hab.
    Man sieht aus all seinen Films Noir heraus, wie verletzt er ist, dass er das Land, welches er abgöttisch geliebt hat, verlassen musste.
    Darum gefallen mir diese ausländischen Filme auch allesamt nicht.


    Aber zurück zu Metropolis

  • Freut mich dass der Text gefällt. Also heisst das, dass die Szene mit dem Kampf im Dachboden vorhanden ist?! Verstehe ich aber nicht, dass man es dann trotzdem raus lässt. Oder ist die Qualität besonders schlecht..?! Wenn die Dinge noch da wären, wäre das sensationell.

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    André Gide

  • ich sag' es jetzt mal so: es gibt mehr als wir wissen!
    Ob die Qualität gut oder besonders schlecht ist kann ich nicht sagen, der Schnipsel ist nicht remastered, passt also nicht wirklich dazu. Es sind starke schwarze Kratzer vorhanden und es ist wesentlich dunkler und schlechter als die restaurierten 16mm Stücke, die am Anfang auch so dunkel waren. Es ist nur sehr wenig, ich habe den Schnipsel schon einmal gesehen, ist aber sehr lange her und ich kann nicht wirklich sagen, ob es mehr vom Schatten der beiden und Maria im Vordergrund ist, oder ob man die beiden Kämpfen sieht. Wie gesagt, ist es sehr kurz und eigentlich nicht wirklich von Bedeutung. Es würde von der Musik her womöglich nicht passen. Als Bonus auf der 2. Disc wäre es aber toll gewesen.

  • Ich fände die Original-Sequenzen, egal wie die Quailtät ist, bei weitem Besser als Schwarzbild mit einem Texthinweis, dass an der Stelle etwas fehlt. Schade, dass man da so nachlässig ist, trotzdem großartig, wenn das Material noch existiert.

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    André Gide

  • Na ja, wenn die Musik schon eingespielt war und man dann diesen Schnipsel nachträglich berücksichtigt hätte, wäre das natürlich ein Kostenfaktor gewesen - und die Murnau-Stiftung steht zur Zeit ja gerüchteweise sowieso vor der Pleite.


    Was Fritz Langs US-Filme angeht, stimme ich Charlie zu. Ich kenne zwar nur wenige, u.a. die Jesse-James-Fortsetzung The Return of Frank James (1940), aber der war zum Beispiel richtig, richtig schlecht!

  • genau: Kostenfaktor ist das Problem. Ich muss euch auch noch etwas sagen, wovon ich sehr enttäuscht war. Die FWM-St. hat damals (2009-2010) teilweise Szenen aus dem argentinischen Material verwendet, die aber im deutschen Negativ existieren. Das heißt: Wir sehen zerkratzte Szenen, obwohl die in sehr guter Qualität existieren. Aber nur manchmal. Sie sind leider bei der 2010er Restauration nicht alle Neagtive durchgegangen und haben geglaubt, dass diese Teile gefehlt haben und haben diese vom Zerkratzten genommen, sehr schade aber die Zeit war knapp und das Geld auch.
    Ich habe auch schon Beweise davon gesehen, weil ein Freund von mir die alten Restaurations-Fassungs DVDs aus München (aus den 80ern) hat, die man nur mit FWM-St. Lizenz haben kann oder eben von jemanden geschickt bekommen hat.
    Er hat mir gezeigt, dass diese in hervorragender Qualität existieren, die Stiftung aber die zu vergleichen vergessen hat.

  • genau: Kostenfaktor ist das Problem. Ich muss euch auch noch etwas sagen, wovon ich sehr enttäuscht war. Die FWM-St. hat damals (2009-2010) teilweise Szenen aus dem argentinischen Material verwendet, die aber im deutschen Negativ existieren. Das heißt: Wir sehen zerkratzte Szenen, obwohl die in sehr guter Qualität existieren. Aber nur manchmal. Sie sind leider bei der 2010er Restauration nicht alle Neagtive durchgegangen und haben geglaubt, dass diese Teile gefehlt haben und haben diese vom Zerkratzten genommen, sehr schade aber die Zeit war knapp und das Geld auch.
    Ich habe auch schon Beweise davon gesehen, weil ein Freund von mir die alten Restaurations-Fassungs DVDs aus München (aus den 80ern) hat, die man nur mit FWM-St. Lizenz haben kann oder eben von jemanden geschickt bekommen hat.
    Er hat mir gezeigt, dass diese in hervorragender Qualität existieren, die Stiftung aber die zu vergleichen vergessen hat.

    So!
    Da hört mein Verständnis absolut auf :( Ich kann zwar noch nachvollziehen, dass man wegen einer kostenaufwendigen Musikvertonung auf Material verzichtet, das von untergeordneter Bedeutung und schlechter Qualität ist.


    Aber diese Art von Nachlässigkeit wäre wieder einmal ein Beweis dafür, dass die Murnau-Stiftung einfach nicht in der Lage oder nicht willens ist, das deutsche Filmerbe in der Weise zu verwalten, wie es ihre Pflicht wäre.

  • (...) Die FWM-St. hat damals (2009-2010) teilweise Szenen aus dem argentinischen Material verwendet, die aber im deutschen Negativ existieren. Das heißt: Wir sehen zerkratzte Szenen, obwohl die in sehr guter Qualität existieren. Aber nur manchmal. Sie sind leider bei der 2010er Restauration nicht alle Neagtive durchgegangen und haben geglaubt, dass diese Teile gefehlt haben und haben diese vom Zerkratzten genommen, sehr schade aber die Zeit war knapp und das Geld auch.
    Ich habe auch schon Beweise davon gesehen, weil ein Freund von mir die alten Restaurations-Fassungs DVDs aus München (aus den 80ern) hat, die man nur mit FWM-St. Lizenz haben kann oder eben von jemanden geschickt bekommen hat.
    Er hat mir gezeigt, dass diese in hervorragender Qualität existieren, die Stiftung aber die zu vergleichen vergessen hat.

    Der Zeitdruck war sicher ungeheuer, da alles unbedingt zur Berlinale fertig sein mußte. Der Schwerpunkt lag ja erst einmal darauf, die argentinischen Szenen überhaupt anschaubar zu machen. Dafür mußte ja bekanntlich eine spezielle Software entwickelt werden, die dazu überhaupt in der Lage war. Für ausführliches Vergleichen blieb da bedauerlicherweise wesentlich weniger Zeit. Daß es ebenfalls keine Zeit mehr dafür gab, kurzfristig neu aufgetauchte Szenen (zu denen nicht die Mönchspredigt im Dom gehört!) nach Vollendung des aufwendigen Anpassens der Musik an den Fim einzufügen, dürfte sich von selbst verstehen. Natürlich ist so etwas ärgerlich, aber doch auch irgendwie verständlich.
    Ich bin dennoch sehr froh über die jetzige Restaurierung, die trotz dieser Abstriche von sehr hoher Qualität ist und vom hohen Können der beteiligten Personen zeugt.
    Vielleicht gibt es irgendwann eine noch bessere Fassung, aber bis dahin kann ich mit der aktuellen sehr gut leben.
    Ich bin übrigens ein großer Fan dieses Filmes, von der 2010er Fassung besitze ich zwei offizielle DVDs (aus Spanien und von Transit), von denen mir die spanische von der Bildqualität her ein klein wenig besser gefällt, sowie einen Mitschnitt der Berliner Uraufführung von Arte-HD . Den letzteren liebe ich ganz besonders wegen der "Live"-Atmosphäre (einschließlich kleiner Verspieler!). Wenn es einen Mitschnitt der Frankfurter Aufführung gäbe, hätte ich mir den auch noch besorgt, da mich Herrn Imigs Dirigat auch interessiert hätte. Und wenn ich dereinst mal einen BluRay-Player haben sollte, werde ich mir sicher "Metropolis" auch in dieser Form zulegen, da gerade bei alten Filmen BluRays noch viel besser als DVDs aussehen.

  • Um mich da mal reinzuklinken,.. ich glaub mich zu erinnern dass der Mann, dem angeblich Max Schreck's Nachlass gehört mir erzählte, dass er gerade wegern der Nachlässigkeit der Murnau Stiftung dort aufgehört hat zu arbeiten.


    Wäre zumindest verständlich.
    Meine Freundin und ich versuchen schon seit JAHREN dass mehr Klein-Rogge Filme endlich verlegt werden und immer kommt dieselbe dämliche Nachricht, es ist zu wenig Nachfrage.


    :thumbdown:



    Glaub ich nicht.

  • Hinsichtlich Fritz Langs amerikanischer Filme bin ich gänzlich anderer Meinung. Ich schätze zumindest mehrere sehr. Gerade von seinen "Film Noirs"gibt es vielewirkliche Meisterwerke, angefangen mit "Fury", "You only live once", "The Woman in the window" "Blue Gardenia", "The Big Heat", "While the City sleeps", den Western "Rancho Notorious" (mit Marlene Dietrich) und noch einige andere gute bis sehr gute Werke, die nicht umsonst in den USA noch heute geschätzt werden. Zum Glück finden sie inzwischen endlich auch ihren Weg nach Deutschland. Klar sind sie düsterer, aber auch nicht immer, und selbstverständlich tragen sie einen ganz anderen Charakter als seine deutschen Filme. Für mich ist das eher ein Zeichen seiner Weiterenwicklung. Er mußte ja auch mit dem amerikanischen Studiosystem klarkommen, was ihm nicht immer gelang, öfters jedoch schon. Er konnte nicht immer seine Vorstellungen gegen die Produzenten durchsetzen, hat jedoch auch bei Mißerfolgen nicht aufgegeben und auch mehrere Filme mit geringeren Budgets fertiggestellt. Ein Leben als Exilant ist nun mal kein großes Vergnügen.