Guido Cantz

Wenn man heutzutage auf der Straße nach Kurt Felix fragt, stellt man immer wieder fest, dass ihn nur noch die älteren kennen. Heute gibt es diesen Familien-Samstagabend gar nicht mehr, wie war das denn im Hause Cantz, war da auch "Verstehen Sie Spaß?" ein Thema?


Auf jeden Fall! Ich erinnere mich noch an die Antennenbremse, die wir damals alle mit viel Spaß verfolgt haben, meine Eltern, mein Bruder und ich. Damals gab es nur drei Programme und da wurde am Samstagabend um viertel nach Acht zusammen "Verstehen Sie Spaß?" geguckt.


Du warst lange Zeit Moderator der Sendung "Deal or No Deal", einer Vorabendsendung bei Sat.1, wie kommt man zu "Verstehen Sie Spaß?"? Lief das auch über ein Casting?


Nein, das gab es nicht. Die Verantwortlichen kennen mich da schon länger, weil ich vor Jahren als Lockvogel dort schon einige Filme gemacht habe und auch öfters als Humorist live in der Sendung aufgetreten bin. Auf der Suche nach einem Nachfolger von Frank Elstner sind die dann auf mich gekommen.


Immer wenn bei "Verstehen Sie Spaß?" ein Moderationswechsel stattgefunden hat, brachte das eine Art Runderneuerung mit sich. Das hat der Sendung nicht immer gut getan. Ist denn jetzt schon bekannt, was sich ab 2010 bei "Verstehen Sie Spaß?" ändern wird?


Wir sind gerade in den Überlegungen, was wir machen, es wird aber generell keine Guido-Cantz-Show werden. Es wird "Verstehen Sie Spaß?" bleiben, mit einem anderen Moderator, der sein humoristisches Talent dort mit einbringen wird. Im Vordergrund bleiben die Streiche mit der versteckten Kamera. Welche Nuancen sich ändern werden, wird sich noch herausstellen, ich möchte auf alle Fälle wieder die Filme selbst auflösen und beim Dreh dabei sein.


Bei Frank Elstner kam aus meiner Sicht die Stimmung in der Halle leider nicht immer bis ins Wohnzimmer an. Dies nimmt ja ein bisschen den Glamour einer solchen Show. Was steht für Dich für eine glamouröse Samstagabend-Sendung?


Eine große Samstagabend-Show, die um 20.15 Uhr im Ersten läuft bedeutet schon Glamour. Es gibt nicht mehr sehr viele Flaggschiffe im Fernsehen, aber "Verstehen Sie Spaß?" gehört immer noch dazu. Und zum Thema Stimmung: Es ist nicht immer einfach dem Zuschauer eins zu eins ein Live-Erlebnis zu vermitteln. Ähnlich wie bei einem Fußballspiel – das erlebt man im Stadion ja auch immer ganz anders als vor der Mattscheibe. Wir werden aber versuchen die Zuschauer im Saal mit einzubinden und so auch das wirkliche "Live-Gefühl" rüber zu bringen.


Hat man als Moderator heutzutage noch großen Einfluss auf das Konzept, oder übernehmen das nur noch Redakteure und Produzenten?


Natürlich haben die Redakteure und Produzenten deutlich mehr Erfahrung mit dem Format, trotzdem stehen wir im Dialog. Eine gute Idee kann man immer irgendwie verarzten. Klar ist, dass Frank Elstner ein großes Vorbild ist und dass es sehr große Schuhe sind, die ich mir da anziehe. Sobald ich gute Ideen habe, und davon hab’ ich einige in meinem Kopf, werde ich diese den Verantwortlichen mitteilen und dann versuchen wir diese mit einzubringen.


Bei Frank Elstner hat man den Eindruck, er arbeitet ausschließlich für die Kamera, dies war zum Beispiel bei Cherno Jobatey oder Harald Schmidt nicht so. Ist es als Mann der Comedybühne wichtig, das Publikum anzusprechen?


Ja, ich habe gelernt, dass es wichtig ist, einen Mittelweg zu finden. Es ist wichtig, das Publikum direkt anzusprechen, es einzubinden und so zusammen einen schönen Abend zu erleben.


Hast Du Dir zur Vorbereitung auch schon Sendungen aus den 90er Jahren angesehen, oder sind diese Shows gar kein Thema mehr?


Nein, die habe ich noch nicht gesehen. Man will ja auch sein eigenes Profil schärfen. Sicherlich werde ich mir im Vorfeld noch mal die letzten Sendungen dieses Jahres ansehen, um zu gucken wie der Ablauf von Frank Elstner war. Ich bin bereits am 21. November mit dabei und kann mir dann vor Ort auch noch einmal ein Bild machen. Die alten Sendungen sind aber insoweit kein Thema.


Harald Schmidt war ja damals ebenfalls Kabarettist bzw. Komiker wie Du ja auch. Bei Harald Schmidt rückte nur das zu sehr in den Vordergrund. Es gab auch einen Stand-Up-Teil, wie man ihn heute aus seiner Late-Night-Show kennt. Das brach ihm allerdings sprichwörtlich das Genick. Für Dich auch eine schmale Gradwanderung?


Weiß ich nicht, ich glaube, die Sendung steht mehr im Vordergrund. Ich sehe mich als Dienstleister in Sachen Humor und Moderation. Natürlich will man – und das am besten auch über längere Zeit – seinen Stempel aufdrücken, damit die Leute wissen, aha Guido Cantz steht für "Verstehen Sie Spaß?". Klar ist aber auch, dass ich mich nicht dahin stelle und eine halbe Stunde StandUp mache und dann zwischendurch mal wieder ein Film kommt. Die Filme stehen weiterhin im Vordergrund. Ich bin der Gastgeber und Moderator und möchte den Leuten, die zu mir kommen, einen schönen Abend bieten.


Wenn man eine Persönlichkeit im Showgeschäft unterordnen soll, tut man sich immer ein bisschen hart. Ein Entertainer singt und tanzt auch mal. Nur davon gibt es heutzutage eigentlich keinen mehr. Wie bezeichnest Du selbst Deinen Beruf?


Ja, das ist schwer. Ich würde mal sagen als Unterhalter, da ich nicht so festgelegt sein möchte. Ich moderiere sehr gerne und auch schon sehr lange. Im kommenden Frühjahr zum Beispiel bereits zum elften mal die Sendung Karnevalissimo für das ZDF, mit der wir durchschnittlich 6,8 Mio. Zuschauer haben. Ich bin jemand, der gerne auf der Bühne steht, ich spiele Klavier, ich stehe bis zu drei Stunden auf der Bühne. "Entertainer" ist immer so ein Begriff... Daniel Küblböck hat mal von sich gesagt, er sei ein Entertainer. Da war mir klar, dass ich kein Entertainer bin (lachend). Ich glaube schon, dass ich viel kann. Obwohl ich kein ausgebildeter Sänger bin, treffe ich trotzdem einen Ton und wenn dann jemand behauptet, dass sei ein Entertainer, dann bin ich das wohl.


Wen würdest Du einmal gerne hereinlegen?


Dieter Bohlen würde mir da spontan einfallen. Er ist jemand, der im Focus steht und gerne austeilt, den ich aber dennoch sehr sympathisch finde. Ich würde auch gerne Politiker mit versteckter Kamera überraschen, weil man sich immer fragt, ob die wirklich so volksnah sind, wie sie immer tun. Oder mal im Fußballbereich, da ich selbst gerne Fußball spiele und viele Ex-Profis kenne.


Prominentenfilme waren ja in letzter Zeit immer rar, also dafür würdest Du Dich wieder einsetzen?


Absolut! Dies wollen die Zuschauer ja auch gerne sehen. Ich erinnere mich an Tony Marshall im Schlauchboot. Für mich ein großer Fernsehmoment! Das sind so Sachen, die ich gerne sehe und ich glaube, die Leute sehen das auch gerne. Deswegen werden wir versuchen wieder mehr Prominente mit der versteckten Kamera zu erwischen, es werden sowohl Prominente als Lockvogel, aber auch als Opfer zu sehen sein. Das möchte ich weiter voran treiben.


Dann kann man also zusammenfassen, dass momentan noch am Konzept gefeilt wird, man kann definitiv jetzt schon sagen, dass es keine Guido-Cantz-Show wird und es bleibt "Verstehen Sie Spaß?", so wie es die Zuschauer kennen und lieben. Ich bedanke mich und wünsche Dir alles Gute für Deine Sendung!


Kann man gebrauchen. Vielen Dank!

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