Spione im Savoy Hotel

Vor wenigen Tagen wollte ich mir vor dem Schlafen gehen noch einen alten deutschen Film aus den 30er Jahren anschauen. Aus einem Stapel mit DVDs, die ich zu Rezensionszwecken bei mir liegen habe, stach mir recht schnell der Titel "Spione im Savoy Hotel" ins Auge. Der Name hörte sich sehr spannend an und als Freund von Kriminalfilmen jener Zeit habe ich mich dann sehr schnell für diesen Streifen entschieden. Als die DVD dann schon im Spieler lag, habe ich mir die Verpackung etwas genauer angeschaut und habe dann gelesen, dass es sich bei diesem Film nicht um einen einfachen Krimi handelt, sondern um eine Kriminalkomödie, was mich im ersten Moment ein wenig enttäuscht hat, schließlich habe ich mich auf knapp anderthalb spannende Nachtstunden gefreut. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als meine Erwartungen zurück zu schrauben und mich auf einen ganz anderen Film als zuerst gedacht einzulassen...


"Spione im Savoy Hotel" aus dem Jahr 1932 serviert dem Zuschauer sowohl eine interessante Kriminalgeschichte, die sich durch den gesamten Film zieht, als auch sehr viele Szenen aus dem Varietè-Theater des Savoy-Hotels. Verbunden werden diese zwei Ebenen nicht nur durch die Handlung, die alle Protagonisten des Filmes tangiert, sondern zu einem nicht unbeachtlichen Teil durch die Rundfunklegende Alfred Braun, der in diesem Film sich selbst spielt und zusammen mit seinem Assistenten Gottlieb, gespielt von Erich Kestin, für eine Menge Esprit sorgt. Dieser soll nämlich vor Ort eigentlich von der Varietè-Veranstaltung per Radio-Direktübertragung berichten, lässt es sich aber nicht nehmen, sein Publikum von den außergewöhnlichen Vorfällen im Savoy Hotel zu informieren. Während der Veranstaltung hat sich nämlich ein mysteriöser Mann beim Direktor vorgestellt, der um Arbeit gebeten hat. Als dieser eine Abfuhr bekommt, bringt er sich mit Hilfe einer Pistole im Büro des Direktors selbst um. Nachdem der Direktor Hilfe geholt hat, ist nicht nur die Leiche plötzlich verschwunden, sondern aus dem Tresor im Büro wurde ein unersetzbares Dokument gestohlen. Es handelt sich dabei um die Papiere des englischen Diplomaten Palmer, gespielt von Alfred Abel. Es beginnt eine turbulente Jagd auf die Papiere, die sich noch immer im Savoy Hotel befinden...


Ich muss wirklich zugeben, dass ich von diesem Film unterm Strich sehr angetan war. Das liegt in erster Linie an der außergewöhnlichen Genre-Mischung, die gut funktioniert und aufgrund ihrer Seltenheit etwas Besonderes darstellt. Die tollen Schauspieler, angefangen von Alfred Abel über Erich Kestin, Alfred Braun, Max Adalbert bis hin zu der einmaligen Olga Tschechowa als slawische Spionin, verleihen diesen Film eine grandiose künstlerische Klasse. Hinzu kommen natürlich die zahlreichen tollen Bühnenkünstler. Darunter sind unter anderem die damaligen Weltstars "Comedian Harmonists" und die italienische Clown-Truppe "Die Fratellinis" mit ihren einzigen Filmauftritt in ihrer Karriere. Auch wenn die Kriminalgeschichte den nötigen Ernst in den Film mit hinein bringt, wird dieser mit unzähligen Scherzen, lustigen Dialogen und kleinen Albernheiten fernab der eigentlichen Varietè-Bühne wieder auf ganzer Linie ausgeglichen. An manchen Stellen geht es dann schon fast in den Klamauk über und wird bei manchen Zuschauern sicher an die Schmerzgrenze gehen. Aber auch diese übertriebene humoristische Ebene, die man in Filmen der frühen 30er Jahre in dieser Form kaum sieht, macht diesen Film zu etwas außergewöhnlichen.


Dank der Firma "Spirit Media" ist dieser leider sehr unbekannte Klassiker nun erstmals auf DVD erhältlich. Bei Filmen, die schon so viele Jahre auf dem Buckel haben, ist die Frage nach der Bild- und Tonqualität natürlich absolut berechtigt. Und es freut mich sehr zu sagen, dass diese sehr gut ausfällt. Natürlich hat das Bild einige kleine Unreinheiten vorzuweisen und ein leichtes aber nicht störendes Flackern, im großen und ganzen kommt es aber sehr sauber und klar daher, so dass es schon eine regelrechte Freude ist, die Aufnahmen in dieser Qualität sehen zu dürfen. Nur an manchen Stellen hatte ich den Eindruck, dass es kleine Aussetzer gab und immer mal eine knappe Sekunde einfach mitten in einer Szene gefehlt hat, was ein wenig schade ist, dem Sehvergnügen aber keinen Abbruch tut.


Die DVD-Hülle ist wieder sehr sauber, edel und ansprechend gestaltet und macht den Film alle Ehre. Während man von außen einige Impressionen des Hauptfilmes sehen kann, sowie die wichtigsten Daten, findet man im Inneren der Hülle dagegen leider nur den Silberling. Auf ein Beiheft oder ein Beiblatt, sei es nur Werbung, hat man leider wieder komplett verzichtet, was das Innenleben etwas kahl erscheinen lässt. Sobald man die DVD in den Spieler legt, wird man dafür aber wieder auf ganzer Linie entschädigt. Das Menü serviert dem Zuschauer nämlich nicht nur den Hauptfilm und eine Kapitelwahl, sondern auch eine gut gefüllte Extra-Rubrik. Darin befinden sich Bio- und Filmographien zu den wichtigsten Personen des Films, eine Bildergalerie, einen Ausschnitt eines Konzertes von Max Raabe mit dem Lied "Mein kleiner grüner Kaktus", was in Betracht auf das Mitwirken der "Comedian Harmonists" und der Entstehungszeit des Filmes sehr angemessen ist. Ebenso angemessen ist ein siebeneinhalb minütiger Kurzfilm namens "Die Comedian Harmonists singen Volkslieder", der eine wundervolle Ergänzung zu diesen Film darstellt und ein wahres musikalisches und filmisches Schmuckstück ist. Um die Zuschauer den Hauptfilm passend ausklingen zu lassen, hat man am Ende noch einen kleinen Abspann angebaut, der noch einmal alle wichtige Daten des Hauptfilms auflistet und mit Musik daraus unterlegt ist.


Auch die DVD-Veröffentlichung von "Spione im Savoy Hotel" ist durchaus gelungen und ist aus diesem Grund allen Freunden alter und außergewöhlicher Filme zu empfehlen. "Spione im Savoy Hotel" ist spannend, spritzig und einfach unterhaltsam. Als Zuschauer bekommt man nicht nur eine Kriminalgeschichte zu sehen, sondern unzählige tolle musikalische und tänzerische Momente und eine turbulente Geschichte, die vor und hinter der Bühne des Savoy Hotels spielt. Gerade Geschichten die sich auf so engen Raum abspielen haben in meinen Augen immer einen besonderen Reiz. Sowohl Film als auch DVD sind nicht vollkommen perfekt, trotzdem oder genau deswegen, weil Ecken und Kanten vorhanden sind, kann man "Spione im Savoy Hotel" eigentlich nur empfehlen.


Wertung: 8 von 10 Punkten
Autor: Sebastian Kuboth
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Vorschaufilm:


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