Die Frauen im frühen deutschsprachigen Kino

  • Hier habe ich grad einen Hinweis auf eine Filmschau des Filmarchivs Austria aus dem Jahr 2005 gefunden. Es hält sich ja immer noch das Klischee, die Schauspielerinnen des frühen deutschsprachigen Films seien vor allem talentlose Staffage gewesen. Wenn man im Netz ein bisschen sucht, findet man aber einige Belege dafür, dass dieses Bild in den letzten Jahrzehnten deutlich differenzierter gesehen wird.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Interessantes Thema. Austernprinzessin! Dieses Klischee war mir gar nicht klar 8|

    Vielleicht ist der Film Tartuffe von 1925 eine Ausnahme? Ich fand die weibliche Hauptdarstellerin, als auch die Haushälterin doch sehr gut gespielt und amüsant. Sie legten mit Geschick Tartuffe das Handwerk.

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  • Interessantes Thema. Austernprinzessin! Dieses Klischee war mir gar nicht klar 8|

    Vielleicht ist der Film Tartuffe von 1925 eine Ausnahme? Ich fand die weibliche Hauptdarstellerin, als auch die Haushälterin doch sehr gut gespielt und amüsant. Sie legten mit Geschick Tartuffe das Handwerk.

    Das Filmarchiv Austria legte in dieser Filmschau Wert auf die Filme bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, also 1918. "Tartuffe" fällt da also nicht mehr rein.

    Klischees haben ja die Eigenschaft, zu verallgemeinern und in der Pauschalität nicht zu stimmen. Ich weiß nicht wann das genau entstanden ist (spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts), aber den Frauen des frühen deutschsprachigen Films wirft man vor, vor allem wegen ihres Aussehens eine Rolle bekommen zu haben und künstlerisch nicht viel zu bieten gehabt zu haben. Das ist natürlich absoluter Bull-shit.

    Seit ich angefangen habe, mich mit den Darstellerinnen zu beschäftigen, habe ich gemerkt was für phantastische Frauen dieses Kapitel des deutschen und auch des österreichischen Films zu bieten hatte - unglaublich charismatisch. Wir haben uns ja im Personen-Bereich schon mit Ria Jende, Grete Weixler, Dorrit Weixler, der frühen Ossi Oswalda, Wanda Treumann, Hedda Vernon, Hella Moja usw auseinandergesetzt. Asta Nielsen ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Und die Liste ließe sich lange weiterführen. Dazu kommen Darstellerinnen, die auch künstlerisch an den Filmen mitgewirkt haben, als Drehbuchautorinnen oder in der Regie, z.B. Rosa Porten und Lotte Neumann.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Ah- interessant.

    Wobei ich es trotzdem seltsam finde, Damen aufgrund des eventuellen -nur hübsch Aussehens- degradieren zu wollen. Es ist doch durchaus eine Kunst einen Mann -oder bei einem Film eine ganze Männerschar- zu bezaubern/verzaubern. Und ohne Ton mussten sie ja auch mit Bewegungen und Gesichtsmimik ihre Gemütslage darstellen. Was ich sehr eindrucksvoll finde. Wenn man sich die heutigen Filme ansieht- wie oft fehlt hier jegliche Mimik, bzw. würde man, wenn man den Ton ausdreht, gar keine Ahnung haben was in den Darstellern gerade vorgeht.

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  • Um ein extremes Beispiel -vergleichsweise zu heutigen Filmen und männlichen Schauspielern -zu nennen: Danny Trejo. Seine Rollen bekam er sicher wegen seines Aussehens. Wegen der Schauspielkunst- eher nicht... Und er hat trotzdem viele Fans (mich auch). Verdient hat er gut damit.

    Das wäre aber dann ja die Frage, inwiefern die Schauspielerinnen zu dieser Zeit damals dann honoriert wurden- im Vergleich zu den männlichen Schauspielern :/ Weißt Du da etwas darüber? Konnte nichts finden. Du bist in diesem Filmgenre ja der Fachmann. Haben wir da vielleicht schon etwas darüber im Forum- zum Verdienst der Schauspieler in der Stummfilmzeit?

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  • Da muss ich leider auch passen. Es gab Schauspielerinnen, die ihre eigenen Produktionsfirmen gegründet haben und/oder eigene Serien hatten. Aber wie sie da bezahlt wurden weiß ich leider nicht. Ich weiß auch nicht ob es dazu Untersuchungen gibt bzw ob überhaupt Verträge erhalten sind. Das wäre aber mal ein sehr interessantes Untersuchungsgebiet.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Um das Thema mal wieder aufzugreifen: In einem Buch zu Asta Nielsen ( Unmögliche Liebe. Asta Nielsen, Ihr Kino; Verlag filmarchiv Austria) las ich kürzlich das Asta Nielsens erster Vertrag in Deutschland ( 1911) ihr eine Beteiligung von einem Drittel der erwirtschafteten Erträge der Filme zusicherte. Damit hatte sie alleine im Jahre 1911 schon 240.000 Mark verdient. Das war schon eine Menge, denn Asta Nielsen Filme waren damals DIE Sensation in Deutschland, aber auch weltweit. Dieser Erfolg einer einzelnen Schauspielerin zog dann weitere Schauspielerinnen an und es gab etliche Schauspielerinnen, die eigene Reihen bekamen, wie z.B. Henny Porten, Erna Morena, Dorit Weixler, Wanda Treumann, Fern Andra, usw. Je nach Verhandlungsgeschick der Schauspielerinnen, ließen sich daraus bestimmt gute Einnahmen erzielen, die jedoch immer mit dem Erfolg oder Misserfolg der Filme schwankten.

    Deshalb würde ich sogar sagen, dass der "Starkult" im frühen deutschen Film vor allem von Frauen geprägt war. Das mag zum einen damit zusammenhängen, dass viele Frauen ins Kino gingen, und mit Ihren Protagonistinnen in den Melodramen litten, oder sich mit Ihnen identifizierten. Zum anderen waren diese meist gut aussehenden jungen Frauen auch ein Sehnsuchtssziel mancher Männer. Teilweise waren Frauen auch schon hinter der Kamera aktiv, so z.B. Rosa Porten als Regisseurin und Luise Fleck in Österreich.

    Männliche Stars aus den frühen Tagen ( bis ca 1918) sind eher selten. Mir sind keine männlichen Darsteller bekannt, zu denen es spezielle Reihen gab. Wenn, dann waren diese thematisch bezogen, wie z. B. Detektivreihen oder Abenteurreihen, wobei diese verstärkt erst ab 1918 aufkamen. Aber auch hier gab es schon weibliche Protagonistinnen ( Miss Nobody Detektivreihe mit Senta Eichstaedt ab 1913) Spontan fallen mir nur Harry Liedtke und Bruno Kastner als frühe männliche Stummfilmstars ein, aber auch hier kam der Starruhm erst zu Beginn der 20er Jahre auf.

    An männlichen Schauspielern die so früh schon als Stars gehandelt wurden, gab es dann nur noch die Stars, die sich bereits im Theater Ruhm erspielt hatten, und die folglich diesen Starruhm auch als Filmschauspieler hatten: Albert Bassermann, Paul Wegener, Alexander Girardi ( in Österreich) . Bereits aktiv waren auch schon Emil Jannings , Conrad Veidt und Werner Krauss, allerdings noch ohne Starruhm und ohne besondere Hervorhebung in den Programmen. Chargenschauspieler, wie sie damals genannt wurden. Harry Piel war auch schon ab 1912 aktiv, allerdings zunächst nur als Regisseur, erst ab 1915 war er auch Hauptdarsteller in seinen Filmen. Die großen Stars waren damals ( 1910 - 1918) meist Frauen.

  • Ernst Reicher und Max Landa kommen mir von den männlichen Stars auch noch in den Sinn. Oder Olaf Fönss, der in "Homunculus" die Hauptrolle spielte. Aber was du schreibst, stimmt natürlich. Das ist auch ganz offensichtlich, wenn man sich die Starpostkarten anschaut. Da sind überwiegend Frauen drauf zu sehen. Wobei das durchgehend so ist. Sowohl die Leiser-Karten, als auch die Ross-Karten-Serie hindurch, bzw. alle Karten, die zeitgleich erschienen. Also bis in die 40er Jahre hinein. Der einzige Bruch, der mir aufgefallen ist, ist der, dass mit dem Beginn des Dritten Reichs die offene Erotik der Fotos deutlich zurückgefahren wurde.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • In den USA wird dieses Jahr ein 4teiliges Set zu einem ähnlichen Thema veröffentlicht mit dem Titel: Cinema's First Nasty Women


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    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)