Stermann & Grissemann - Die deutsche Kochschau

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Datum: 18.10.2009 | VÖ: 17.10.2009 | Herausgeber: Lustspielhaus | Kategorie:

Kennt jemand noch die Urinella, das revolutionre Hilfsmittel fr die hygienebewusste Frau und Stehpinklerin?
Ja, da war mal was und der Witz daran ist auch lngst verklungen. Dennoch ffnet das Programm "Die deutsche Kochschau" von Dirk Stermann und Christoph Grissemann mit einem Urinella-Werbespot - warum auch immer. Aus ebenfalls unerfindlichen Grnden folgen andere Werbesports, z.B. fr den Wellness-Bcker Kotzbeck-Loh aus Graz.

Nach dieser nicht ganz nachvollziehbaren Ouvertre kommt dann doch endlich Christoph Grissemann auf die Bhne, verkleidet als die Volkshochschulleiterin Martina Sack-Ziegler und bombardiert das Publikum mit einer abstrusen und bezugsfreien Biographie der Figur, die er gerade darstellt. Nach Aussage des "Fruleins" auf der Bhne ist der Zuschauer Teilnehmer eines Kurses an der "Volkshochschule am Friedhof der Namenlosen". Dass der Zuschauer irgendwie in die Vorgnge auf der Bhne involviert wre, wird nur an dieser einen Stelle gestreift, denn der eigentlich angesetzte Kurs "Ich kann nicht mehr - Wie erreiche ich endlich ein dreistelliges Ergebnis beim IQ-Test" findet nicht statt. Allein die Vorstellung des Lehrpersonals, welchem auch Tanzlehrer Manu (Dirk Stermann) angehrt, schluckt soviel Zeit, dass man mit der Volkshochschulnummer die ganze erste Hlfte fllt.
Zum Glck wird das "Spiel" der Volkshochschule immer durchsichtiger, beide Knstler kommentieren sich mal selbst oder berichtigen sich, treten aus der Rolle raus und behandeln ihr eigenes Konstrukt ohne jeden Ernst. Das ist sehr erleichternd fr den Zuschauer, denn dass der recht schwache Aufhnger "Volkshochschule" langsam aufgeweicht und dekonstruiert wird, tut dem Programm unglaublich gut. Der erste von vielen genialen Video-Einspielern macht dann deutlich: wir knnen echt was.

Nach der Pause dann endlich der titelgebende Sketch: die "deutsche Kochschau", die Adaption des typischen Kochsendung-Formats in braun. Nazi-Wortspiele am laufenden Band Marke "Wollt ihr das totale Sieb?"

Zu meiner groen Freude wurde nach der "Kochschau" nicht wieder in die Volkshochschul-Rollen zurck gekehrt. Stermann und Grissemann waren nur noch als sie selbst auf der Bhne und palaverten scheinbar ungezwungen drauf los, schnitten etliche Themen mal eben so an und schwenkten dann doch gleich wieder woanders hin. Dieser sehr kurzweilige Part hinterlsst leider keine bleibenden Erinnerungen im Zuschauer. Ein durchaus unterhaltsames Gepltscher, aber eben nur Gepltscher. Einmal mehr stechen die Einspieler, dank ihres klaren Drehbuchs angenehm heraus.
In der ungezwungenen, freien zweiten Hlfte des Programms ist auch der angebotene Humor vielfltiger. Die "Volkshochschule" setzt auf Abstrusitten, irrwitzige Erzhlungen und schrge Charaktere. Im Programmteil ohne Rollen hingegen gibt es Wortwitz, respektloses Geschnodder gegen alles und jeden und witzige Zwiste zwischen den Kollegen mit originellen Sprchen und teilweise noch besseren Retourkutschen. Fr etwas Gaga sorgen dann noch die Einspieler.

Im letzten Teil des Programms findet man sich auf einmal in einer Lesung aus dem Buch "Debilenmilch" von Stermann und Grissemann wieder. Das verwundert erst ein wenig, inhaltlich kann es aber berzeugen, weil die vorgetragenen Textpassagen einen guten Fluss haben und das Programm ganz nett abschlieen.
Was man davon halten mag, dass nach Abschied und Danksagung der Knstler die Bhne zum Ort des Buchverkaufs und -signierens umfunktioniert wird, muss jeder selbst entscheiden. An sich ist es in Ordnung, man sollte es aber zarter einleiten.

Stermann und Grissemann sind lustig, keine Frage. Der Unterhaltungswert ihres Programms tritt allerdings nicht konzentriert auf, sondern in vielen kleinen, tollen Pointen. Der gespielte Teil ist zu schlecht gespielt, der freie Teil hat den Beigeschmack der Choreographie.
Dass das etwa zweistndige Programm so abwechslungsreich ist, kann man auf zwei Arten auslegen: "fr jeden was dabei" oder "kein Fisch, kein Fleisch". Das Stckwerk des Programms ist aus der berblickenden Perspektive betrachtet nicht die glcklichste Lsung, schaut man aber auf die kleine Szenen, Wortwechsel und Einspieler ist es dann doch eine Kette unterhaltsamer Momente.
Eine lose, bunt zusammengewrfelte Kette halt. (mp)

Wertung: 6 von 10 Punkten (6 von 10 Punkten)

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