Ich darf das, ich bin Jude

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Datum: 29.03.2009 | VÖ: 06.03.2009 | Herausgeber: WortArt | Kategorie:

Oliver Polak kommt aus dem kleinen emslndischen Ort Papenburg. Er ist wie viele seiner Altersgenossen ganz normal aufgewachsen. Einen Unterschied gab es aber: Oliver ist Jude. In der heutigen Zeit ist das eigentlich kein Problem mehr, doch als Mensch mit jdischem Hintergrund wird man trotzdem im Alltag einfach anders behandelt. Ob es nun komische Fragen sind oder bevorzugte aber auch abwertende Behandlungen - als Jude muss man heute mit allem rechnen. Einen witzigen, unterhaltsamen, manchmal mit Sicherheit auch leicht berspitzten, aber zum Groteil aus dem Leben gegriffenen Einblick in das Leben eines jungen Mannes mit jdischem Hintergrund, beschert uns Oliver Polak in seinem Hrbuch "Ich darf das, ich bin Jude". Das Buch hat er zusammen mit dem Autoren Jens Oliver Haas geschrieben und im vergangenem Jahr im Kipenheuer&Witsch-Verlag herausgebracht. Mittlerweile tourt Oliver Polak mit der Lesung seines Werkes durch viele groe Stdte und war auch schon oft im Fernsehen damit zu sehen.

Wer bei "Ich darf das, ich bin Jude" ein kritisches und politisches Buch erwartet, der wird enttuscht werden. Es handelt sich vielmehr um ein unterhaltsames und witziges Sachbuch, das natrlich einige sozialkritische Seitenhiebe beinhaltet, das aber eher als belanglos eingestuft werden muss. Wenn Oliver Polak erzhlt, wie er als Kind an einem Samstagabend seinen Vater dazu gezwungen hat in Papenburg den Spavogel aus der SWR-Unterhaltungssendung "Verstehen Sie Spa?" zu suchen, wenn er sich mit seinem frheren Idol Alf vergleicht oder die Geschichte erzhlt, wie er bei einem Klassenausflug in Mnchen Kleidung gekauft hat, die auch von rechtsradikalen getragen wird und wie er in Folge dessen pltzlich bei den Papenburger Neonazis sehr beliebt wurde, ist das mit Sicherheit sehr amsant, auch sind es gute Beispiele fr gesellschaftliche Zusammenhnge, doch die Leute, die ein kritisches Hrbuch erwarten, werden enttuscht sein. "Ich darf das, ich bin Jude" wurde schon oft als ein "Generation Golf"-Buch bezeichnet und das vollkommen zurecht. Zu sehr hnelt es den Strukturen dieses Buches und zu sehr schwimmt es in dessen Fahrwasser.

Wenn man diese Aspekte mal auer Betracht lsst und man als Hrer von Beginn an die richtigen Erwartungen an dieses Hrbuch stellt, dann wird man auch sehr gut unterhalten. Die Geschichten sind allesamt interessant, langweilig wird es eigentlich nie. Oliver Polak hat eine angenehme Stimme und liest die Texte sehr routiniert und abwechslungsreich. Das Hrbuch beinhaltet aber nicht das komplette Buch. Es handelt sich dabei um eine vom Autor gekrzte Lesefassung, die insgesamt 110 Minuten dauert und auf zwei CDs gebannt wurde. Das CD-Artwork in Form eines Digipaks ist sehr edel und ansprechend gestaltet, lediglich ein Beiheft mit weiteren Informationen fehlt. Das Titelbild zeigt Oliver Polak zusammen mit einem Schferhund, der eine Waffen-SS-Mtze auf dem Kopf und einen Judenstern um den Hals trgt. Natrlich ist das sehr provokant, schlielich ist das aber auch der Aufhnger des ganzen Projektes.

Abschlieend kann man sagen, dass "Ich darf das, ich bin Jude" ein wirklich unterhaltsames Hrbuch ist. Polak lsst den Hrer einen Einblick in die Welt eines modernen Juden zu, der mit seiner Religion ebenso wenig zu tun hat, wie die meisten katholischen oder evangelischen Altersgenossen. Trotzdem gehrt er aufgrund seiner Familie und seines Backgrounds irgendwie dazu und muss mit den dazugehrigen Umstnden leben. "Ich darf das, ich bin Jude" ist witzig, unterhaltsam, aber auch vollkommen belanglos. (sk)

Wertung: 6 von 10 Punkten (6 von 10 Punkten)

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