Sasha liest unverarschbar

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Datum: 22.03.2009 | VÖ: 09.03.2009 | Herausgeber: WortArt | Kategorie:

"Musik ist die Heilungskraft von dem ganzen Universum". Mit diesem Satz, der - wie Hauptakteur Ben Schrder nebenbei bemerkt - grammatikalisch gesehen verkehrt ist, beginnt Martell Beigangs Autorendebut "unverarschbar". Ein Zitat, das Ben verinnerlicht hat und lebt, Ben ist Rock'n Roll, Ben ist Idealist, Ben ist unverarschbar, sein Auftrag: die Musik retten. Vor kurzem 30 Jahre alt geworden, nach 5 Jahren Beziehung zu Tine, die zu allem berfluss etwas mit Bens bestem Freund Volker hatte wieder Single und nach der Auflsung seiner Band "Servokings" scheint es das Leben nicht gerade gut mit ihm zu meinen. Whrend des Zappens passiert es dann: er bleibt bei einem Musikvideo hngen. Es luft Janine Paffrath, fr Ben die "Antichristin der Musik" und er ist fest entschlossen, ihr mal so richtig die Meinung zu geigen.

Janine Paffrath, Schauspielerin in einer Daily-Soap und junges, aufstrebendes Popsternchen entbehrt ebensowenig einer gewissen Tragik: einerseits ist sie durch den musikalischen Erfolg pekunir reich gesegnet und unabhngig, andererseits durch die Plattenindustrie - verkrpert durch ihren Manager Heinz - vollkommen fremdbestimmt und ausgenutzt. Lange Zeit laufen die beiden Handlungsstrnge der Hauptfiguren parallel und unabhngig voneinander ab, bis zu dem Zeitpunkt, als Ben einen neuen Auftrag bekommt. Er soll bei der Comet-Verleihung in der Klnarena als Teil einer zusammengewrfelten Combo den Part des Bassisten fr den Auftritt von Silvio Mendez, eines anderen Daily-Soap-Darstellers, der sich nun in Musik versucht, bernehmen. Selbstredend hat bei diesem Mega-Event auch Janine Paffrath ihren Auftritt. Das gibt Ben die Gelegenheit, seinen Plan endlich in die Tat umzusetzen. Trotz eines ausgefeilten Vorwandes unter dessen Ben an Janine herankommen will, gestaltet sich die Umsetzung als schwieriger als erwartet und es entwickelt sich aus dem Vorhaben, Janine nur ordentlich ber die Ungerechtigkeit des Musikbusiness Bescheid zu geben eine ungeplante Entfhrung des Popstars, deren Verlauf mitunter groteske Zge annimmt.

Bei dem Hrbuch handelt es sich um eine vom Autor gekrzte Lesefassung, die 180 Minuten auf drei CD's umfasst. Die Geschichte spielt in Kln und kommt witzig und kurzweilig daher, sie wirkt durch autobiografische Zge betont heimelig (der Taxifahrer mit dem Klingelton "En unserem Veedel" der urklschen Band "Blck Fss", das Caf Feysinn,), fr den unvorbelasteten Hrer ist die Terminologie der Musik stellenweise etwas anstrengend. Mit dem bekannten Popsnger Sasha hat Beigang (die beiden haben in der Band "Dick Brave and the Backbeats" bereits zusammengearbeitet) einen ebenso talentierten, wie authentischen Sprecher gewonnen. Die eine oder andere Epsiode (kstlich die Geschichte, als Ben Trompeter Bruno "in-der-Frh-schmeckt's-Horn-wie-a-Fotzn" Stckel auf der Bhne ein Bein stellt, um ein allzu ausuferndes Stck abrupt zu beenden) des tragischen Helden der Story traut man ohne weiteres auch ihrem Vorleser zu. Trotz Sashas angenehmer Stimme sind die kurzen sngerischen Einlagen allerdings eher nervig.

"Unverarschbar" ist ein herrliches Stck Popliteratur, nicht, weil es um Pop und das Musikgeschft im Allgemeinen geht, sondern durch seine Sprache, die jugendlich und massentauglich daherkommt. Es lebt von seiner bedauernswert liebenswrdigen und doch rcksichtslos berechnenden Hauptperson Ben, whrend die eigentliche Botschaft, eine gnadenlose Abrechnung mit dem Musikbusiness, subtil verpackt ist, sodass der Roman hat, was er braucht: Liebe, Spannung, Witz. Alles in allem ist "unverarschbar" eine runde Sache, einzig der Schluss wirkt, wie ein schlechter Rausschmeier. Zu abrupt endet die Geschichte und hinterlsst so einen etwas getrbten Gesamteindruck. Martell Beigang arbeitet bereits "an einer Fortsetzung, die keine Fortsetzung ist", man darf gespannt sein (bjw)

Wertung: 6 von 10 Punkten (6 von 10 Punkten)

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