Zurück zur Übersichts-Seite

Datum: 09.03.2009 | VÖ: 05.03.2009 | Herausgeber: Warner Bros. | Kategorie: Film

Seit Donnerstag, dem 5. Mrz 2009 ist "Watchmen Die Wchter" in den deutschen Kinos zu sehen. Bis zur Verfilmung der Comicvorlage von Alan Moore durch den Regisseur Zack Snyder (u.a. "Frank Miller's 300" , "Dawn Of The Dead") war es jedoch ein langer und beschwerlicher Weg. Jahrelang hatten sich verschiedenste Drehbuchautoren und Regisseure versucht, Moores komplexe und anspruchsvolle Graphic Novel "Watchmen" fr die Leinwand zu adaptieren. Sie scheiterten alle. Dann stritten sich Warner und 20th Century Fox gerichtlich, um die Rechte fr die Verfilmung. Aber letztendlich wurde auch hier ein Kompromiss gefunden, so dass der Film zum angekndigten Termin Premiere feiern konnte.

Alan Moores "Watchmen" (1986-1987) ist eine der meist gefeierten Comicverffentlichungen aller Zeiten. Die als Genre revolutionierend geltende Graphic Novel, gezeichnet von Dave Gibbons, erhielt diverse Preise und wurde 2005 vom "Time Magazine" als einziger Comic in die Liste der 100 besten Romane seit 1923 aufgenommen.

Die Handlung spielt in einer alternativen Realitt des Jahres 1985. Richard Nixon wird nach einer nderung des Wahlgesetzes in seine dritte Amtszeit gewhlt. Der kalte Krieg steht kurz vor seinem Siedepunkt. Eine nukleare Lsung der Probleme zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion scheint unausweichlich. Aufgrunddessen wird die Weltuntergangsuhr auf Fnf vor Zwlf gestellt. Mitten in dieses Szenario bettet sich die Geschichte um die ehemalige Superhelden-Vereinigung der Watchmen. Diese wurden vor einigen Jahren durch eine Gesetzesinitiative, den sogenannten Keene-Erlass, gezwungen, in den Ruhestand zu gehen oder fr die Regierung zu arbeiten. So halfen Dr. Manhattan (Billy Crudup), der von Nixon gebeten wurde, in Vietnam zu intervenieren, und der Comedian (Jeffrey Dean Morgan) Prsident Nixon und Amerika, den Vietnam-Krieg zu gewinnen. Eines Tages wird Der Comedian ermordet. Rorschach (Jackie Earle Haley), ein zu Gewalt neigender, paranoider, illegal weiteroperierender Vigilant und Mitglied der ehemaligen Watchmen, wittert eine Verschwrung gegen die ehemaligen Helden. Er beginnt zu ermitteln, bezieht seinen frheren Partner Night Owl II (Patrick Wilson) wieder mit ein und stt zusammen mit ihm auf einige Ungereimtheiten. Sie entdecken die wahren Grnde hinter dieser unglaublichen Verschwrung, die sie und die ganze Welt zu bedrohen scheint und in deren Zentrum die Watchmen und ihre Mitglieder zu stehen scheinen.

Was wre, wenn es Superhelden gbe? Wie wrden sie unsere Welt verndern? Was wrden sie tun? "who watches the watchmen" Wer wrde die Wchter bewachen? Das sind die Fragen, die sich quer durch Alan Moores Storyline ziehen. Auch Zack Snyder bringt diese Elemente ein. Dass der Comedian jedoch den Todesschuss auf J.F. Kennedy und nicht auf die Enthllungsreporter der Watergate-Affre abgibt, ist eine der wenigen und eher folgenlosen nderungen, die sich Snyder genehmigt. Im Folgenden hlt er sich nah an die Vorlage. Die Ausstattung der Umgebung und Rume, die Gimmicks, Kameraeinstellungen, Gestiken und Texte der Darsteller, ja sogar Rorschachs sich ndernde Maske sind minutise und respektvolle Abbilder der Graphic Novel. Um jedoch der Gefahr aus dem Weg zu gehen, den Zuschauer in der verschachtelten und verwirrenden Handlung zu verlieren, versuchte Snyder sich daran, die Montage der Erzhlstrnge in der Verfilmung etwas zu modifizieren. Positiv sicherlich das mit Bob Dylans "The Times Are Changing" hinterlegte Intro, welches das Wirken der Superhelden seit ihrem ersten Auftreten bis zum Keene-Erlass und danach bis in die heutige Zeit in geschmackvoller Art und Weise mit comichaften und aussagekrftigen Bildern zusammenfasst. Eine cineastische Meisterleistung Snyders. Auch die modernisierten Kostme der Watchmen sind mehr als positiv. Hier wurde glcklicherweise die Vorlage nur als Inspiration genutzt. Die relativ unbekannten Schauspieler berzeugen in ihren Rollen. Die starken, vielschichtigen Charaktere des Comics werden sowohl optisch (Maske, Casting) als auch in Hinsicht auf die schauspielerische Leistung authentisch dargestellt. Den Blickfang des Films liefert sicherlich die gebrtige Schwedin Malin Akerman in der Rolle der Laurie Juspeczyk (Silk Spectre II). Mit dem Mut zu sehr viel nackter Haut spielt sie wohl eine der amsantesten Szenen des Films zusammen mit dem ebenfalls berzeugenden Patrick Wilson in der Rolle des Daniel Dreiberg (Night Owl II): Die Sexszene ber den Dchern der Stadt im Owl-Ship. Durch die Soundtrackwahl an dieser Stelle wirkt diese im Vergleich zum Comic sehr ausgeschmckte Szene ungewollt (?) komisch und pornographisch, ist aber stethisch inszeniert.

Allgemein zeigt der Film viel Sex und Brutalitt. War es in der Graphic Novel nur offensichtlich angedeutet oder kurz, jedoch auch blutig dargestellt, lebt es der Film vollkommen aus. Sicherlich notwendig, um den Stoff ansprechend und authentisch auf die Leinwand zu bringen, aber eine Grenzerfahrung fr so manchen Kinobesucher. Das stndig baumelnde Genital Dr. Manhattans ist hier sicherlich am harmlosesten. So hat der Film seine ungewollt komischen, makaber komischen, wobei hier vor allem Rorschachs Begegnung auf dem Gefngnisklo mit einem Insassen hervorzuheben ist, sehr brutalen, ernsten und zynischen Szenen.

Alan Moores Abgesang auf die Superhelden, sein negativer Kommentar zu ihrem Wirken und ihren Beweggrnden ist es, den viele Kritiker in der Verfilmung stellenweise vermissen. Diese Kritik wird sicherlich durch eine Szene Rorschachs gestrkt. Erlaubt sich Snyder hier doch eine der gravierendsten nderungen. Der vermeintliche Kinderschnder, ber dessen Tat man im Comic nie vollkommene Gewissheit gewinnt, gibt seine Tat vor Rorschach zu, der ihn darauf wie ein Tier abschlachtet. Die TAZ sieht hier Sympathiepotential mit dem brutalen Vigilanten, das die Deutung Rohrschachs als "einen blindwtigen, von seinen Rachefantasien geblendeten Psychopathen", was aus Moores Darstellung hervorgehen knnte, versperrt. Snyder rettet die Botschaft aber selbst. Hierfr sorgt sein gendertes Ende. Ist es im Comic, eine auerirdische Bedrohung, so whlt er im Film die scheinbare Bedrohung der Menschheit durch Dr. Manhattan, den bermensch, einen aus den Reihen der Superhelden. Die Moralische Frage wird also nicht aufgehoben, sondern nur innerhalb des Films verschoben.

Was bleibt also von dieser bildgewaltigen, aufwndig inszenierten Verfilmung hngen? ber jeden Zweifel sind die Spezialeffekte sicherlich erhaben. Auch der Soundtrack passt wie die Faust aufs Auge und verbeugt sich vor der Graphic Novel. So findet z.B. eine Textzeile aus Bob Dylans "All Along The Watchtower" im Comic Verwendung, im Film dient Hendrix Coverversion zur Untermalung der Szene. Auch die Schauspieler leisten gute Arbeit, allen voran Jackie Earle Haley als Rorschach. So strt es auch wenig, dass der Filmcharakter Daniel Dreiberg nicht so korpulent ausgefallen ist wie seine Comicvorlage. Die Kampfszenen sind ein fester Bestandteil aller neuen Superheldenverfilmungen und sind ntiges bel oder besonderer Augenschmaus, je nach Auslegung. Die Kritik, dass das Setting der Vorlage fr den Film in die heutige Zeit und politische Situation htte gesetzt werden mssen, lsst sich schnell mit dem ntigen Abstraktionsvermgen vom Tisch bringen.

Zack Snyder hat mit "Watchmen- Die Wchter" sicherlich keine leichte Arbeit bernommen. In den 162 Minuten Laufzeit schafft er es nicht, Lngen im Film zu vermeiden und lsst dazu den mit der Vorlage nicht vertrauten und unkomplizierteren Hollywood-Produktionen zugeneigten Kinobesucher mit vielen Verwirrungen zurck, die aber auch beim Lesen der Graphic Novel nicht ausbleiben. Die Krzungen, die er fr die Kinoversion vorgenommen hat, scheinen sinnvoll und die DVD-Verffentlichung verspricht noch diverse Erweiterungen. Ob man es nun Werktreue oder eigene Entscheidungsschwche zu nderungen nennen will, die Verbeugung vor Alan Moores und durch Dave Gibbons gezeichneten Watchmen berzeugt und liefert nach "The Dark Knight" die nchste sehr gute, unterhaltsame und ernstzunehmende Comicverfilmung. Ich empfehle einen Kinobesuch! (ms)

Wertung: 8 von 10 Punkten (8 von 10 Punkten)

Besuchen Sie unser Forum!

Hinweis: Unsere Kritiken geben logischerweise die Meinung des jeweiligen Autors wieder und sind NICHT zwingend identisch mit der Ansicht der gesamten Redaktion.