Theo Lingen. Das Spiel mit der Maske

Zurück zur Übersichts-Seite

Datum: 08.03.2009 | VÖ: 10.2008 | Herausgeber: Aufbau-Verlag | Kategorie: Biographie

Theo Lingen ist ein Schauspieler, den man auch heute noch kennt. Zu verdanken hat man dies einerseits diversen Schlagern, wie "Der Theodor im Fuballtor" aus dem gleichnamigen Film von 1950, der bis heute leider als verschollen gilt, andererseits sind dafr die zahlreichen Wiederholungen deutscher Lustspiel-Klassiker aus den 50er bis 70er Jahren verantwortlich. Gerade darin liegt aber auch die Schattenseite von Theo Lingens Bekanntheit, denn durch die groe Prsenz in Filmen wie "Die Tollen Tanten schlagen zu" oder den Lmmel-Filmen, wo er sein Knnen etwas besser unter Beweis stellen konnte, wird er stets als Schauspieler der einfachen Komik in Verbindung gebracht. Nur wer genauer hin schaut merkt, dass Theo Lingen ein Meister seines Faches ist und eigentlich mehr knnte als das, was diese einfachen Rollen ihm abverlangt haben. Viele waren es nicht, doch spielte Lingen auch in einigen Produktionen mit, die eine ernsthafte Handlung hatten und auch ihm etwas abforderten. Darunter fallen unter anderem die zwei Fritz-Lang-Filme "M" und "Das Testament des Dr. Mabuse" aus den frhen 30er Jahren. Mit solchen Werken verbinden ihn aber die Wenigsten, was daran liegt, dass das breite Publikum nur mit eigenem Bemhen Zugang zu diesen Stoffen findet. Schlielich werden Filme solcher Natur nur zu ungnstigen Sendezeiten oder auf Sendern ausgestrahlt, die nur eine begrenzte Publikumsschicht anspricht. Beim DVD-Kauf whlt der Durchschnittsbrger ebenfalls nur Filme aus, die ihm bekannt sind. Das macht es schwer, Theo Lingen in das Licht zu rcken, in das er eigentlich gehrt. Selbst die, denen die ernsthaften Filmrollen von Theo Lingen bekannt sind, wissen in der Regel wenig ber sein Privatleben oder seine Theaterlaufbahn. Die einzige Mglichkeit, ber diese Seiten seines Lebens bzw. seines Schaffens zu berichten, sind Beitrge im Fernsehen oder in Zeitschriften, vielleicht auch Dokumentationen oder ein biographischer Film ber sein Leben. Als letzte Mglichkeit bleibt wohl die traditionsreichste Version, in das Leben und das Lebenswerk von einzelnen Knstlern zu schauen: Die Biographie in Form eines Buches.

Schon im letzten Jahrhundert haben zahlreiche Schauspieler ihre Autobiographie verfasst. In der Fernsehshow "Treffpunkt Herz" aus dem Jahr 1975 gab es sogar eine eigene Showeinlage zu diesem Thema. Fr diese Gesangseinlage standen groe Schauspieler wie Gustav Knuth oder Elisabeth Flickenschildt auf der Bhne. In diesem Lied ging es vor allem darum, dass es eine tolle Sache ist, wenn groe Persnlichkeiten ihr ereignisreiches und spannendes Leben im Rahmen einer Autobiographie nieder schreiben. An diesem Tag stand auch Theo Lingen auf der Bhne, doch an diesem Stck war er nicht beteiligt. Der Grund dafr ist, dass Theo Lingen bis 1975 noch keine Autobiographie geschrieben hatte. Angebote dafr bekam er bis zu diesem Zeitpunkt schon mehrere. Doch er war der Meinung, dass sein Leben nicht aufregend genug war, um es in Form einer Autobiographie der breiten ffentlichkeit zugnglich zu machen. Drei Jahre spter verstarb der groartige Schauspieler Theo Lingen. Auch wenn er keine Autobiographie geschrieben hat Theo Lingen wird ewig im kollektiven Gedchtnis bleiben.

Von den vielen privaten Aufzeichnungen, Briefwechseln und Filmaufnahmen abgesehen hat Theo Lingen aber trotzdem vieles hinterlassen, das etwas mehr ber die Person Theo Lingen verrt. Bereits in den 60er Jahren hat er zum Beispiel ein Interview mit sich selbst gefhrt, das unter dem Namen "Ich ber mich" verffentlicht wurde. Auch die Publikation "Ich bewundere..." aus den 60er Jahren lsst einen Blick in das Leben des Schauspielers zu. Auerdem wurden schon zu Lebzeiten Lingens zahlreiche Fernseh-Portraits ber ihn produziert. Eine richtige Biographie gab es aber erst im Jahr 1986, als der Autor Willibald Eser sich diesem Thema angenommen hatte. Erst im vergangenem Jahr wurde im Aufbau-Verlag eine neue, ausfhrliche Biographie ber Theo Lingen verffentlicht. Verfasst haben diese die beiden Autoren Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen, die an der deutschen Kinemathek ttig sind und auch schon zahlreiche andere filmgeschichtliche Bcher verfasst haben.

Die Biographie trgt den Namen "Das Spiel mit der Maske" und macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Das Buch ist sehr dick, hat einen sehr edlen Einband mit einem wunderschnen Titelbild und beinhaltet einige Seiten voller teils unverffentlichter Bilder. Wer vor dem Lesen das Buch schon einmal etwas genauer durchblttert, wird feststellen mssen, dass fast ein Viertel der Biographie mit ihren knapp 550 Seiten aus einem Anhang besteht. Der beinhaltet neben den Zahlreichen Quellen bzw. Anmerkungen eine Erklrung der im Buch enthaltenen Abkrzungen, ein Personenregister, eine Zeittafel, ein Bhnenverzeichnis, eine Filmographie, eine Audiographie, eine Liste der Rundfunkbeitrge von Theo Lingen, eine Dankesliste sowie einige Seiten mit Werbung. Dieser sehr ausfhrlich gestaltete Anhang zeugt von der guten und liebevollen Recherche der Autoren.

Dass die Autoren grndlich recherchiert haben, gerade was den beruflichen Werdegang von Theodor Schmitz, so Lingens eigentlicher Name, angeht, merkt man, wenn man anfngt, im Buch zu lesen. Denn dort wird scheinbar nichts ausgelassen, was Theo Lingen in seiner Theaterlaufbahn gespielt hat. Smtliche Rollen werden ausfhrlich erklrt und weite Stcke der Biographie lesen sich wie Inhaltsangaben von Theaterstcken. Gerade der Anfang des Buches ber die Herkunft und die Kindheit von Theo Lingen ist sehr gut gelungen. Doch sehr schnell bekommt man den Eindruck, einfach zu wenig ber den eigentlichen Menschen "hinter der Maske" und das Leben von Theo Lingen zu erfahren. Natrlich ist es sehr interessant zu lesen, wie intensiv sich Theo Lingen mit dem Theaterspielen auseinander gesetzt hat, doch ebenso wie Lingen in der heutigen Zeit gerne auf seine Klamotten-Filme reduziert wird, bekommt man in diesem Buch den Eindruck, dass die Autoren sich zu sehr auf Lingens Schaffen als Theaterschauspieler konzentrieren. Whrend manche Theaterstcke auf mehreren Seiten (inhaltlich) erlutert werden, wird der groe Fritz Lang Filmklassiker "M" in wenigen Zeilen abgehandelt. Lediglich in welcher Form Theo Lingen von Fritz Lang aufgefordert wurde, in diesem Film mit zu wirken, kann man in diesem Buch erfahren. Die Filmzeit mit Hans Moser ist das einzige kinematische Thema, das etwas ausfhrlicher behandelt wird. Zumindest die Pauker-Filme und Lisa-Film-Klamotten wie die "Tollen Tanten"-Filme mit Ilja Richter und Rudi Carell werden mehrere Seiten lang thematisiert. Der Rest scheint eine einfache Auflistung einzelner Theaterstcke zu sein. Lediglich als Lckenfller scheinen die biographischen Geschehnisse zu dienen. Ausnahmen sind nur in der Zeit des Nationalsozialismus und der Zeit kurz nach dem Krieg zu finden. Die Kapitel, die sich mit diesen Zeitabschnitten befassen, sind sehr ausfhrlich geschildert und lassen einen guten Einblick in das Privatleben von Theo Lingen zu. Es ist sehr interessant zu lesen, wie er es schaffte, unbeschadet durch die Zeit des Dritten Reichs zu kommen. Die Freude ber die Erlebnisse in den letzten 30 Jahren seines Lebens etwas zu erfahren wird schnell getrbt, als man feststellen muss, dass auch die Kapitel ber diese Zeit seines Lebens, wenig mit Geschehnissen aus seinem privaten Leben gefllt sind. Bis zum Jahr 1960 ist das Theaterspielen wieder das Hauptthema. Lediglich diverse Kinofilme und Fernsehauftritte werden noch kurz thematisiert. Auerdem wird auch deutlich gemacht, wie sehr Lingen darunter litt, am Ende seiner Karriere keine ernsthaften Rollen mehr angeboten zu bekommen.

"Theo Lingen. Das Spiel mit der Maske" ist ohne Frage ein sehr interessantes Buch, in dem die ausfhrlichen Recherchearbeiten von Aurich und Jacobsen wunderbar zur Geltung kommen. Da jedoch zu Schwerpunkten wie die Arbeit am Theater scheinbar mehr Material vorhanden ist als zum Privatmann Theo Lingen, bekommt man als Leser den Eindruck, etwas unvollstndiges serviert zu bekommen. Hinzu kommt der Punkt, dass das Buch zum Teil etwas unzusammenhngend geschrieben ist. An manchen Stellen wei man nicht mehr auf was sich bestimmte Stze beziehen sollen und kommt so immer wieder aus dem Lesefluss heraus. In meinen Augen wurde die Chance versumt, so etwas wie eine allumfassende Biographie ber Theo Lingen zu verffentlichen. Stattdessen bekommt man scheinbar smtliche relevanten und noch nachzeichenbare Informationen ber Theo Lingens Theaterlaufbahn zu lesen. Sein Privatleben wird lediglich an bestimmten Schwerpunkten wie seine Kindheit und sein Leben im Nationalsozialismus angeschnitten und auch die kinematographische Arbeit scheint fast komplett auen vor gelassen zu sein. Beim Kauf dieser Biographie sollte man diese Mngel in jedem Falle bercksichtigen. "Das Spiel mit der Maske" ist ein weiterer Versuch, den Mann hinter der Maske etwas nher kennen zu lernen, mehr leider nicht. (sk)

Wertung: 5 von 10 Punkten (5 von 10 Punkten)

Jetzt kaufen

Besuchen Sie unser Forum!

Hinweis: Unsere Kritiken geben logischerweise die Meinung des jeweiligen Autors wieder und sind NICHT zwingend identisch mit der Ansicht der gesamten Redaktion.