Aber Vati!

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Datum: 27.08.2011 | VÖ: 07.05.2011 | Herausgeber: Studio Hamburg | Kategorie: Serie

Als die ersten drei Teile Anfang 1974 im DFF ausgestrahlt wurden, erwies sich die Serie "Aber Vati" in der DDR in krzester Zeit als wahrer Straenfeger, ber den allerorten geredet wurde. Hauptschlich lag das wohl an der von Drehbuchautor Hermann Rodigast hervorragend umgesetzten DDR Alltagsproblematik Mitte der 70er Jahre, in der sich jeder irgendwo wiederentdecken konnte. Die Episoden der ursprnglichen TV Serie von 1974 waren: "Vati will nicht heiraten", "Vati will heiraten" und "Vati hat geheiratet".

Die Grundidee der Serie (3 Teile) ist zunchst genial simpel. Wie bekommt man den eigenen Vater dazu, sich neu zu verheiraten? Die Zwillinge Kulle und Kalle (Ralf und Rolf Lemke) sind so richtig aufgeweckte und durchtriebene Frchtchen. Ihr Vater, Erwin Mai (Erik S. Klein) gibt sich alle Mhe ein rundum guter Vater zu sein. Dennoch fehlt ihm in der Erziehung der Kindern hin und wieder die Mutter. Dieser Umstand kann auch nicht durch die teilweise berfrsorgliche Zuwendung seiner Schwester Elsbeth (Marianne Wnscher) ersetzt werden. Alles Zureden durch Elsbeth, von Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen scheint nicht zu fruchten. Erwin will das Wagnis Ehe nicht ein zweites Mal eingehen. Kalle und Kulle sind sich einig, dass jedes weibliche Wesen vergrault gehrt. In der zweiten Folge hat sich Erwin zu einem Neuanfang durchgerungen und sucht eine Partnerin und Mutter fr seine Zwillinge.
Nachdem er auf einer Dienstreise Frulein Sybille (Ewa Szykulska) kennengelernt hatte, berschlagen sich die Ereignisse frmlich. Seine Shne unternehmen beinahe alles um Sybille wieder loszuwerden, und sich sozusagen selbst um das Problem zu kmmern. Ihre Favoritin ist Monika Bttner (Helga Labudda), eine Frau vom "Rummel". Mit ihrer Tochter Frnze (Ina Reuter) verstehen sich Kalle und Kulle bestens, auch im Streicheaushecken selbstverstndlich. Tatschlich scheint Erwin nicht abgeneigt zu sein.
Im dritten Teil geht es vorwiegend um die Meisterung des neuen Ehe- und Familienalltags durch alle gemeinsam. Wre da nicht das Problem, dass Monika eine Arbeitsstelle weit weg als Zootechnikerin hat und sich das neue Familienidyll gewaltig trbt.
1979 war es dann soweit. Das Autorenteam um Hermann Rodigast, Klaus Gendries und Manfred Petzold schrieb und verfilmte einen neuen Teil. Durch die relative zeitliche Nhe der Teile standen alle Figuren und Schauspieler zur Verfgung. Daraus ergab sich ein einzigartiger Umstand, der die Entwicklung der Personen und der Zeit real und nicht nur mit filmischen Mitteln darstellte.
Im 4. Teil, "Fnf Jahre danach" kann man erleben, wie aus Kalle, Kulle und Frnze aufstrebende, junge Leute geworden sind, die ihren Platz im Leben suchen.
Mit "Zpfchen" (Janette Koos) hat die Familie Mai ein kleines Nesthkchen zu versorgen. Alles scheint in Ordnung zu sein. Wre da nicht der Alltag mit seinen immer neuen berraschungen.

Vor allem den Kindern Ralf und Rolf Lemke, aber auch Ina Reuter ist es zu verdanken, dass sie mit ihrer natrlichen und ungeknstelten Art fr einen verschmitzten Realismus in der Serie sorgten. Ihre Filmeltern hatten zum Teil schon ber Jahre erfolgreich Filme und Fernsehserien in verschiedensten Charakteren und Rollen gedreht. Dieses perfekte Miteinander von Profidarstellern und Amateuren macht einen Groteil des Erfolgs der Serie aus. Sie spielten eine Familie und man nahm ihnen das auch ab. Ebenso erfrischend war fr mich seinerzeit der Umstand, dass Politik und Ideologie im Wesentlichen auen vor blieben.
Die Bild- und Tonbearbeitung der Fernsehserie ist gelungen. Die Beibehaltung des 4:3 Bildformates betrachte ich als sehr angenehm. Dadurch bleiben die Filme historisch authentisch. Es ist schon erstaunlich, was aus den alten Filmrollen an Qualitt herausgeholt wurde. Das 4-seitige Booklet ist informativ. Anstelle der 2 Seiten Filmwerbung htte sich eine bersicht ber die Filmrollen und ihre Darsteller besser gemacht. Vielleicht auch, was aus ihnen geworden ist. Die Musik wurde von dem besonders durch Serien und Filmmusiken bekannt gewordenen Rudi Werion komponiert. Seine Melodien haben einen positiven Ohrwurmcharakter und stimmen total freundlich.
Die zweite DVD hat neben den Teilen 3 und 4 auch Bonusmaterial. Dieses enthlt eine Sendung aus der Reihe "Portrait per Telefon" aus dem Jahr 1982. Im beraus unterhaltsamen und informativen Gesprch befand sich damals Gastgeber Heinz Florian Oertel mit dem Fernsehliebling Marianne Wnscher, die leider viel zu frh verstarb. Allein dieses Interview gibt aufschlussreiche Einblicke in die Zeit und in ein erfolgreiches, wenn auch viel zu kurzes Knstlerleben.

Mein Fazit: "Aber Vati" lohnt sich zu sehen (und nicht nur einmal). Fr Kinder sind die intelligenten Streiche sicher besonders interessant. (al)

Wertung: 10 von 10 Punkten (10 von 10 Punkten)

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