Sex, Drugs & Castingshows

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Datum: 07.03.2010 | VÖ: 15.09.2009 | Herausgeber: riva | Kategorie: Sachbuch

"Castingsshow" ist eines der Wrter, die unweigerlich fr die Fernsehlandschaft des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends stehen. Castings gab es schon immer, auch kleinere Castingshows waren im deutschen Fernsehen nicht unbekannt. Doch zum bestimmenden Element wurde es erst, als RTL 2 in der Sendung "Popstars" die erste Castingband "No Angels" ffentlich im Fernsehen zusammenstellte. Der Erfolg der No Angels rief natrlich weitere Medienmacher auf den Plan und als "Popstars" zu dem Konkurrenzsender ProSieben wechselte, importierte RTL das britische Format "Pop Idol" und fortan thronte Dieter Bohlen bei "Deutschland sucht den Superstar" auf dem Chefsessel.

Viele Einzelknstler und Bands siegten bei diversen Castingsshows und so ziemlich alle verschwanden auch wieder in der Versenkung. Dass das nicht alleine die Schuld der Knstler ist, drang die letzten Jahre in den Medien trotz Schweigeklauseln immer mehr durch. Da war die Rede von Ausbeute, keinerlei Untersttzung, Profitgier und Knebelvertrgen. Und einige der Leidtragenden verrieten ihre Erlebnisse in Bchern.

So auch Martin Kesici und Markus Grimm. Letzterer war Sieger der vierten Staffel Popstars und damit Teil der Band "Nu Pagadi". Kesici war Sieger von "Star Search" einer Adaption des US-amerikanischen Vorbildes, das auf Sat.1 ausgestrahlt wurde. Beide sind Musiker aus Leidenschaft und nahmen an den Castings nicht unbedingt mit der Intension teil, reich und berhmt zu werden, sondern endlich die Chance zu bekommen, ihre Musik machen und davon vielleicht auch leben zu knnen. Dass beide eher im Genre Rock angesiedelt sind, war nicht unbedingt ein Vorteil in der Maschinerie der Castingsshows.

Sie haben miterlebt, wie es hinter den Kulissen der Glitzer- und Scheinwelt zugeht und berichten in ihrem Buch davon. Der Klappentext des Buches gibt dessen Inhalt sehr gut wieder: "Der Traum Die glitzernde Welt des Fernsehens Die Neugier der Medien Die Euphorie Die Intrigen Die Abstrze Der Weg nach unten Das Aus!"
Um es vorweg zu nehmen: Viel Neues, Sensationelles, Spektakulres berichten Martin und Markus nicht. Fr jemand, der auch nur halberherzig in den Medien die Diskussion um Castingshows, deren Macher und den Teilnehmern verfolgte, kann sich zusammenreimen, was im Hintergrund lief. Im Anhang des Buches finden sich Originalvertrge und ein Gastkommentar von Annemarie Eilfelds Vater. Hier lohnt es sich auf alle Flle, hineinzuschauen. Dass es die Vertrge in sich haben, ist ebenfalls nicht vollkommen neu, dennoch ist es berraschend, tatschlich einmal einen solchen Vertrag zu Gesicht zu bekommen.

Doch zurck zum eigentlichen Inhalt des Buches: Es bedarf eines ganzen Drittels des Buches, bis es endlich "los geht": Sehr viel erfhrt man in diesem Teil des Buches ber die Vorgeschichte der beiden Knstler und manchmal wird man auch den Eindruck nicht los, dass sie sich beide ein wenig dafr entschuldigen wollen, berhaupt an einer Castingshow teilgenommen zu haben.

Der Teil der Castingshow selbst wird dann relativ schnell abgehandelt, denn das eigentlich interessante passierte nach dem Gewinn: Martin und Markus beschreiben die Zeit danach sehr berhrend und fr den Leser nachvollziehbar. Dieser kann sich in beide hineinversetzen und mitfhlen, was zuletzt auch an der bodenstndigen Sprache des Buches liegt.

Ehrlich, fesselnd und auch einfach beschrieben erzhlen sie von der eigenen Begeisterung, in die sie sich treiben lieen, obwohl sie beide bereits vorher Bedenken hatten. Sie zieren auch nicht, ihre Fehler und ihre persnliche Dummheit einzugestehen. Das macht das Buch so lesenswert: Denn hier schreiben nicht enttuschte Verlierer, sondern Gewinner, die alles mitbekommen haben: Die genannte Profitgier, Manipulation, Freud und Leid eines (gecasteten) Popstars und geben Einblick in die Machenschaften der Musik- und Fernsehindustrie.

Aufgeteilt in kleine Erfahrungsberichte hat Co-Auto Patrick S. Berger die Geschichte und Gedanken der beiden Musiker aufgeschrieben und der Leser erfhrt hier aus erster Hand, was er sich schon immer gedacht hat. (sak)

Wertung: 7 von 10 Punkten (7 von 10 Punkten)

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