Tina Teubner - Aus dem Tagebuch meines Mannes

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Datum: 06.12.2009 | VÖ: 03.12.2009 | Herausgeber: | Kategorie:

Man muss nur drber reden. Gesprche klren und fhren zueinander. Doch was tun, wenn man nicht zueinander finden kann, weil der Mann nicht reden kann oder mag? Tina Teubners Lsung: einen Schritt auf ihn zugehen, indem man sein Tagebuch liest. Aber sollte sie wirklich reinschauen?
So stand sie vor dem Publikum: in ihrer Hand das Tagebuch ihres Mannes, zu ihrer Linken ein kleiner Tisch, zur Rechten der Flgel und an selbigem Ben Sverkrp.
Sollte sie einfach so das Buch aufschlagen und lesen? Wer wrde es tun? Steckt denn nicht viel mehr hinter dem Zugang zu einem anderen Menschen als seine Aufzeichnungen zu lesen? Sollte man sich nicht auch selbst erst einmal mit sich selbst auseinandersetzen, bevor man in jemand anderes eindringt?
Kaum ist Tina Teubner fertig damit, diese Fragen kunstvoll, spielerisch und leichtherzig zu beleuchten, ist das Programm vorbei und rund 100 Minuten vergangen. Und das Tagebuch?
Tja, soll sie nun oder nicht?

Tina Teubners Programm ist keine Lesung. Es ist eine gedankliche Wanderung, eine Reflexion ber das Ich einer Frau, die mitten im Leben steht, vielleicht etwas Wehmut empfindet, wenn sie daran denkt, was htte sein knnen und was leider nie war und welche ihren Mann trotz jedes Fehlerchens ber alles liebt - auch wenn sie es nicht immer "auf dem Schirm" hat.
Beschwingt und elegant steigt Teubner in ihr Programm ein und zieht die Aufmerksamkeit des Publikums mit Leichtigkeit voll auf sich, ihr vitales und bezauberndes Lcheln hat hieran keinen unerheblichen Anteil.
Das Konzept wird schnell deutlich: es gibt einige legere und leichte Erzhlungen, welche dann zu einem jeweiligen Lied fhren.
Auch wenn ihr Mann nicht ohne Fehler ist, liebt sie ihn und auch wenn es mal kracht, hat sogar das etwas fr sich. Die Themen reihen sich locker aneinander, sodass man leider mitunter auch einen roten Faden vermisst. Die einzelnen Elemente sind leichtherzig bis bitters, satirisch bis galant, doch als groes rundes Gesamtwerk wollen sie sich dennoch nicht gnzlich arrangieren.
Dafr sind die Pointen mitunter sehr klar und gut gesetzt. Bonbons wie "Erfolg macht sexy, aber unsympathisch" erfreuen einfach.
Auch wenn die ausgesprochen gut dargebotene Sprechperformance, in welcher Teubner und Sverkrp minutenlang Wort fr Wort synchron miteinander streiten, ein in seiner Gewissenhaftigkeit nahezu beeindruckendes Kunststck ist, liegt Teubners Strke in den Chansons. Mit klarer und wandelbarer Stimme, Sverkrps unbeschwerter Piano-Begleitung und dem Einsatz von Ukulele, Violine und Singender Sge wurden ein ums andere Mal erlebenswerte Stcke vorgetragen. Und schon sind die 50 Minuten des ersten Programmteil vorber.
Leider vermisst man ein fhrendes Grundmotiv, es geht thematisch zwar um das Leben an sich und speziell aus der Sicht Tina Teubners, doch die Konstante ist dabei nur die Perspektive Teubners.
So setzt es sich im zweiten Teil fort, aber mit merklich noch unterhaltsameren Parodien, Gesangsstcken und musikalischen Spielereien. Ganz gro ist dabei die "Wiener Schauspielschabracke", eine Rolle, in welcher Teubner deutliche Jauchzer des Publikums ernten konnte.

Die ganze Zeit ber ist Ben Sverkrp als treuer "Assistent" fr die frei gesprochenen Passagen zur Stelle und arbeitet Teubner mit seinem "Ach so." und "Erzhl mal!" treu zu. Sein Spiel am Flgel begleitet Teubners Gesang stets in umschmeichelnder Manier und passt immer exakt zur Stimmung der Lieder.
Seinen ganz eigenen groen Moment im Rampenlicht bekommt Sverkrp dann aber auch, als er mit charmantem Nonsens verziert ber Johann Sebastian Bach schwadroniert und dabei wie aus dem rmel geschttelt klassische Musik in Evergreens des Entertainments flieen lsst und problemlos den Bogen auch wieder zurckschlgt. Der begeisterte Szenenapplaus war bis aufs Letzte gerechtfertigt.

Danach bernahm Teubner wieder. Wie zuvor lustwandelte sie durch die Stimmungen einer ber sich und das Leben nachdenkenden Frau, verfiel in bitterse Stimmungen beim Gedanken an ungenutzte Gelegenheiten und brillierte dann wieder mit keckem, offensivem Optimismus in ihrem Lied gegen die zwanghaften Lebensqualittverbesserer, wobei sie das Publikum derart gut auf ihre Seite zu ziehen vermochte, dass allein die Erwhnung des Worts "Brottrunk" Lacher erzeugte.

Nach noch einmal etwa einer Stunde setzten Teubner und Sverkrp mit ihrer Zugabe "Guten Abend, gute Nacht" auf Singender Sge mit Piano-Begleitung den wohligen Schlusspunkt eines kurzweiligen, aber durchweg eher unstrukturierten Programms, welches etwas trgeren Menschen als Potpourri der Stimmungsschwankungen in Erinnerung bleiben mag.
Es wird stets nur im Kleinen erzhlt, ein groer Bogen wird nicht bemerkbar. Unterhaltung in berschaubaren Dosen, dennoch gut bis groartig. (mp)

Wertung: 7 von 10 Punkten (7 von 10 Punkten)

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