Der Unfall bei "Wetten, dass..?" - ein weiterer Kommentar von vielen

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Datum: 05.12.2010 | Kategorie:

Sie werden jetzt denken, was will dieser Schnsel das denn nun auch noch kommentieren? Ist denn dieser schlimme Unfall nicht dramatisch genug? Doch, ist er. Dennoch wusste ich gestern Abend bereits, dass es nicht bei der Berichterstattung des Gesundheitszustandes des armen Wettkandidaten Samuel Koch bleiben wird.

Die Kollegen treten jetzt mit Kommentaren aus der dritten Reihe nach vorne und wissen ganz genau, dass diese Wette viel zu gefhrlich war. Sinngem liest man prompt von den Kollegen der Medienmagazine, dass eine inhaltliche Privatisierung der ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten stattfindet, sinngem sich eine Sendung wie "Wetten, dass..?" nicht auf Biegen und Brechen mit einem Platz 2 der Quotenrangliste zufrieden geben will. Nur deshalb wurde eine solch gefhrliche und spektakulre Wette gleich zu Beginn platziert. Man wolle dem Erzfeind Bohlen und seine "Supertalente" Paroli bieten.

Wir arbeiten in der Medienwelt und sind dem Fernsehen sehr verbunden. Ich und die Redakteure der Online-Magazine jedoch nicht annhernd so stark, wie die Redakteure, Regisseure und Produzenten einer Samstagabend-Show wie "Wetten, dass..?".

Warum klettern Bagger Trme hinauf? Warum werden LKW auf Glsern geparkt? Warum springen Motorradfahrer eine Skisprungschanze herunter? Weil sie scharf darauf sind, sich das Genick zu brechen? Schwachsinn! Es sind Menschen, die etwas knnen und das auch zeigen mchten. Egal, ob sie dies auf einem Wettkampf tun, oder in einer Samstagsabend-Show. Egal ob beim ZDF, in den Dritten oder RTL

"Muss man wirklich solche Wetten bringen?", heit es. Glauben Sie mir, heutzutage ist es nichts mehr besonderes im Fernsehen zu sein. Und auch Samuel Koch htte diesen Stunt im Bedarfsfall in jeder anderen Sendung vorgefhrt, weil er genau wusste, er kann es! Er htte es mit Sicherheit auch beim Supertalent gezeigt.

Die angemessene Frage lautet: Wie htte RTL reagiert, die von solchen "Sensationen" ja im Endeffekt nur profitieren knnen? Die Zuschauer bleiben dran, die Werbeblcke knnen gesendet werden. Garantierte Teilnahme. Damit mchte ich RTL nichts unterstellen, aber ich bin der Meinung verantwortungslos hat das ZDF in keiner Weise gehandelt.

Und wer sich die Frage stellt, warum man waghalsige Auftritte nicht den Privaten berlsst, der ist schlichtweg naiv! Der ist auch der Meinung, dass internationale Stars in einer ffentlich-rechtlichen Show nichts verloren haben. Wir haben ja genug eigene Prominente. Es geht hier nicht darum, ob man wieder eher Back to the Roots gehen sollte, sondern schlichtweg was als nchstes kommt. Die Wette war nicht gefhrlicher, als vor ber 10 Jahren besagter Motorradfahrer eine Skisprungschanze hinunter fuhr.

Wenn die Kollegen mal ehrlich sind: Es ist doch schei egal, wo Unflle passieren. Bei Wettkmpfen, Sportveranstaltungen, einfach nur im Haushalt oder in Fernsehsendungen. Die Sache ist schlimm genug. Im Fernsehen wissen die Leute, wie man damit umgeht. Selbst eine wahnsinnig kostspielige Produktion wie "Wetten, dass..?" wird abgebrochen, der Kandidat vorbildlichst versorgt. Vor diesem Supergau stand und steht jeder Produktionsstab Sendung fr Sendung.

Jeder, der jetzt Diskussionen auslst, ob es denn im Fernsehen ntig sei, sich gegenseitig stets zu bertrumpfen, der sollte sich im Spiegel ansehen und mal selbst zurckblicken, wie es denn im eigenen Berufs- und Privatleben aussieht.

Was veranlasst mich am 2. Adventsonntag zu dieser Sonderausgabe? Mchte ich etwa die Nachfrage nach tv-kult.com erhhen? Muss ich immer im Rampenlicht stehen? Durchaus! Denn das ist genau unser Beruf. Den Zuschauern nach 60 Jahren Fernsehen nicht immer das Selbe zu prsentieren ist schlielich der Beruf der TV-Redakteure. Entscheidend ist die Qualitt, die htte bei dieser Wette gestimmt.

Wre die Sendung wie geplant zu Ende gegangen, htten die Kollegen diese Sendung der Superlative in den Himmel gelobt. Der Unfall selbst ist tragisch, aber die Klugscheier-Diskussion danach ist definitiv Meisenscheie! (as)