Fernsehen und Literatur

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Datum: 22.10.2010 | Kategorie: Das Fernsehen und ich

Wenn ich es mir recht berlege, stand das Fernsehen bei mir schon recht frh in Einklang mit meiner Liebe zur Literatur auch wenn mir das nicht immer bewusst war. Eine der Lieblingsserien meiner Kindheit war "Sara, die kleine Prinzessin", die Verfilmung eines Buches, das bis heute zu meinen Lieblingen gehrt. Ich lernte auch sehr zeitig, dass es nicht allen Regisseuren gelingt, die Magie des geschriebenen Wortes gekonnt in Bilder zu bertragen, auch wenn die Kritikpunkte in meiner Kindheit etwas oberflchlicher waren als heute. So war ich bei "Die Unendliche Geschichte" vor allem enttuscht, dass Fuchur wie ein Hund aussah und rein gar nichts mit dem Glcksdrachen zu tun hatte, den ich mir beim Lesen des Buches ausmalte. Heute wrde meine Kritik an dieser cineastischen Verhunzung eines literarischen Meisterwerks wohl deutlich umfangreicher ausfallen wobei mir immer ein Rtsel bleiben wird, warum sich der Autor nicht auch vom zweiten Teil distanzierte, der mit dem Original in etwa so viel zu tun hatte wie RTL 2 mit gutem Fernsehen. Auch bei "Der Trotzkopf" mochte ich sowohl die Fernsehserie als auch die Bcher die Differenzen zwischen beiden fallen brigens angenehm gering aus.

Natrlich haben nicht alle Fernseherlebnisse meiner Kindheit etwas mit Bchern zu tun, zumindest nicht so, dass es mir bewusst wre. Ich sah mir auch gerne beliebte Zeichentrickklassiker an, etwa "Biene Maja" und "Wickie und die starken Mnner", wobei ich Wickie lange Zeit wegen der langen Haare fr ein Mdchen hielt. Bei "Heidi" wren wir genau genommen wieder bei der Literatur, auch wenn die Serie natrlich viele Erlebnisse schildert, die in den beiden Romanvorlagen nicht vorkommen. Vielleicht liegt es an meinem Schweizer Blut mtterlicherseits, dass ich diese Geschichte bis heute liebe allerdings nicht mehr als Trickfilm, ich bevorzuge inzwischen Realverfilmungen. Seltsamerweise ist meine Lieblingsvariante in diesem Fall eine, die vom Original abweicht, nmlich die Verfilmung mit Maximilian Schell als Herr Sesemann. Ich habe sie irgendwann einmal vom Fernsehen aufgenommen und als Kind gefhlte 100 mal gesehen leider ging die Videokassette irgendwann verloren und eine lange Suche begann, die erst vor wenigen Monaten mit der Bestellung der englischsprachigen Version endete die Freude ber meinen neuen Schatz bertnchte sogar den rger darber, dass der Hersteller lediglich eine alte Videoaufnahme berspielt und auf der Rckseite der Hlle sogar Bilder eines anderen Filmes verwendet hat. Ansonsten habe ich wenige Fernseherinnerungen aus meinen ersten Lebensjahren, da ich zu den Kindern gehrte, die lieber drauen spielten oder eben ihre Nase in Bcher steckten. Nur eines fllt mir noch ein: Wir haben uns oft die Samstagabendshows angeschaut, und ich war frher ein kleiner Fan von "Wetten, dass..?", was mir heute gnzlich unverstndlich ist, da ich inzwischen sowohl die Sendung selbst als auch den Moderator als nervig empfinde Geschmcker ndern sich eben.

Heute schaue ich etwas weniger fern als frher, wobei ich mich schon aus Zeitgrnden auf wenige Sendungen beschrnke. Ich arbeite und studiere, beides mit Vollzeitpensum, da bleibt eben manches auf der Strecke. Auf "Dr. House" wrde ich dennoch nicht verzichten wollen, wobei ich ihn mir nicht auf RTL anschaue, sondern auf SF 2, und das hat zwei sehr gute Grnde: es gibt keine Werbeunterbrechungen und die aktuelle Staffel begann bereits zwei Wochen und einen Tag vor der Ausstrahlung im deutschen Privatfernsehen. Weitere Serien, die ich mir gerne anschaue, sind "Monk" und "Big Love", die beide derzeit auf TNT Serie zu sehen sind. Ich gnne mir nur wenig Luxus, aber Pay-TV gehrt dazu, wobei ich mich ursprnglich wegen des Bundesligapakets bei Kabel BW angemeldet und dieses nur durch ein weiteres Angebot ergnzt habe. Inzwischen habe ich auch meine Standhaftigkeit in der Ablehnung von Sky aufgegeben, nicht weil das Angebot mittlerweile attraktiv wre, sondern weil mich die Sehnsucht nach dem Live-Fuball langsam zermrbt hat, bis ich zhneknirschend ein Abo abgeschlossen habe. Damit wren wir bei einem der wenigen Fernsehtermine, den ich in Echtzeit geniee alles andere nehme ich auf und sehe es mir zeitversetzt eine bis zwei Stunden spter an, wenn ich genug gelernt habe. Das Wochenende lute ich meist mit einer der Talkshows der dritten Programme ein, wobei ich anhand der Gste und des Themas jede Woche neu entscheide, was ich mir ansehen mchte. Ansonsten habe ich nur an Sonntagen wirklich Zeit zum Fernsehen und schaue mir dann meist abgesehen vom "Presseclub" und "Philosophie" auf arte einige Filme an meine DVD-Sammlung wchst und gedeiht, die 200-er Marke ist deutlich berschritten, zudem befindet sich auf meinem Festplattenrecorder noch einiges, das ich mir irgendwann noch ansehen mchte.

Um noch einmal den Bogen zurck zu den Bchern zu schlagen: Es gibt im Fernsehen auch ausgezeichnete Literatursendungen. Zu meinen Favoriten gehrt eindeutig "Druckfrisch" mit Denis Scheck, der herrlich bissig die aktuelle Bestseller-Liste kommentiert, interessante Gesprche mit Autoren fhrt und gelegentlich in einem Stuttgarter Buchhaus Passanten literarische Werke empfiehlt. Im "Literaturclub" lesen alle Teilnehmer dieselben Bcher und diskutieren in der Sendung darber, wobei fr jedes Werk ausreichend Raum bleibt, um wirklich intensiv darauf einzugehen. Literatur und Fernsehen sind eben ein gutes Paar, auch wenn manche das vielleicht nicht glauben mgen. (ck)