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TV-KULT | Interview:



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Wolfgang Rssler ist seit vielen Jahren ein sogenannter TV-DXer, der mit seiner aufwendigen Empfangsanlage schon unzhlige Fernsehsender aus vielen Lndern empfangen konnte. In einem sehr ausfhrlichem Fragebogen-Interview schildert er unter anderem das Phnomen TV-DX, seine technische Herangehensweise und welche Empfangserfolge ihm im Laufe der Zeit damit gelungen sind. Zustzlich finden Sie am Ende des Interviews eine Galerie mit einigen Bildern seiner Empfnge sowie seiner Empfangsanlage. Das Fragebogen-Interview wurde bereits vor lngerer Zeit fertiggestellt, sodass einige Aussagen (z. B. zum analogen Satellitenfernsehen) nicht mehr dem derzeiten Stand entsprechen.

Redaktion: Wolfgang, Du bist seit langer Zeit ein TV-DXer. Kannst Du den Lesern zunchst einmal erklren, was man unter DXen versteht?

Der Begriff "DXen" kommt aus dem Bereich der Funker (von DX fr "long distance") und bedeutet in der Funkbetriebstechnik die Versuche, weit entfernte Sender zu empfangen oder mit einer weit entfernten Funkstation zu sprechen. Es umfasst dabei jegliche Form der Wellenausbreitung und findet ihre Anwendung nicht nur in der Kurzwelle sondern auch in hheren Frequenzen, wie etwa im Rundfunkbereich oder in meinem Fall den Fernsehfrequenzen.

Redaktion: Was macht die besondere Faszination des DXens aus?

Sich ber physikalische Grenzen hinwegzusetzen. Normalerweise ist die Reichweite von hohen Frequenzen auf dem "Quasi-optischen Horizont" begrenzt, was bedeutet, dass eine gradlinige Ausbreitung der Wellen bis zum Horizont und leicht darber hinaus erfolgt. Alle Stationen, die vom Sender aus gesehen hinter dem Horizont liegen, drften folglich dessen Signale nicht mehr empfangen knnen. Trotzdem werden im UKW und im TV Bereich Entfernungen bis ber 2000 km berbrckt. Diese Empfnge sind schwer vorhersehbar und daher in ihrer Form immer einzigartig.

Redaktion: Wann hast Du mit dem DXen angefangen und wie bist Du berhaupt dazu gekommen?

Ich war familir vorbelastet, mein Vater war aktiver Funkamateur (DJ9OY) und da blieb es halt nicht aus, dass unser Haus immer mit komischen Gebilden auf dem Dach bekleidet war und in einem Zimmer es fleissig rauschte und piepste. Der Rest war jugendliche Neugier. Wie es sich fr einen richtigen SWL (Shortwave Listener) gehrt, war ab 1973 die Kurzwelle das bevorzugte Jagdgebiet. Papi steuerte den ersten Receiver bei (Minix MR73) die Langdraht im Garten brauchte nur umgesteckt werden. Ab 1975 schwenkte das ganze in den Amateurfunkbereich um, man hatte ja jetzt im DARC (Deutscher Amateu Radio Club) eine eigene SWL Nummer und sogar eine QSL Karte. Im Jahre 1976 fiel mir eine Ausgabe der Zeitschrift "Gong" in die Hnde wo jemand einen interessanten Artikel schrieb. Es war die Rede von "auslndischen Fernsehprogrammen im Band 1", als Antenne wurde ein "Dachlattendipol" beschrieben und das ganze wurde noch mit interessanten Bildschirmfotos illustriert. Das kannst du auch, dachte ich mir. Ein s/w Portabel-Fernseher stand bei meinem Eltern im Schlafzimmer, also konfisziert, einen Dachlattendipol hatte ich nicht, aber fr mich kein Problem. Ich hatte ja Papis Langdraht fr die Kurzwelle. Nicht lange gefackelt, den Stecker von dem Langdraht in den Fernseher und an den Abstimmrdchen gekurbelt. Ich hatte direkt Glck, nach einer Weile kurbeln sah ich zum ersten Mal das Testbild der RAI aus Italien. Da war natrlich der Ehrgeiz geweckt. In Papis Funkbude waren ja noch mehr Antennenanschlsse, die nur darauf warteten von mir in den Fernseher gesteckt zu werden. Ich hatte mir im Sommer 1976 natrlich den besten Zeitpunkt fr meinen Einstieg ausgesucht, da die Zeit der "Sporadic-E"-Saison in vollen Zgen lag und fast tglich berreichweiten aus ganz Europa zu empfangen war. Die drehbare 14-28 MHz Kurzwellenantenne brachte brigens die besten Resultate. Mein Berufswunsch war 1977 natrlich auf Grund dieser Ergebnisse schon vorprogrammiert: Radio und Fernsehtechniker. Schon ein Jahr spter musste Papi einen Teil seines Hausdaches abtreten, da wurde das erste drehbare Antennensystem aufgebaut was kontinuierlich am wachsen war.

Redaktion: Mit welcher Ausrstung hast Du damals angefangen und wie hat sich diese im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Wie gerade beschrieben, wurden am Anfang die Kurzwellenantennen vom Vater zweckentfremdet. Ab 1977 ging ich als Radio und Fernsehtechniker in die Lehre und hatte dadurch natrlich besten Zugang zu jeglichem Antennenmaterial. Da mein Vater als Funkamateur auf dem Dach mit 2 drehbaren Antennensystemen fr Kurzwelle und VHF arbeitete, fand ich dass ein System fr meinen Vater vllig ausreichte. Die Funkamateurantennen fr VHF wurden kurzer Hand mit auf die Kurzwellenseite verstaut, damit ein Rotorsystem frei wurde. Dort installierte ich dann eine 4 Element Band 1 Antenne, eine 13 Element fr Band 3 und eine UHF Antenne. (Bild 1) Als Empfnger diente ein Teleton s/w Portabel Empfnger sowie ein selbstgebauter 70cm ATV Konverter fr den Empfang von Amateurfunkfernsehen.(den Philips aus dem Schlafzimmer habe ich wohl "kaputtgedreht"...) (Bild 2)

Dieses System wurde 1983 komplett erneuert und aufgerstet. Da man mittlerweile gelernt hat, dass der beste Verstrker eine gute Antenne ist, wurden fr jeden Fernsehbereich Zwillingsanordnungen aufgebaut. (Bild 3)

Redaktion: Welche Fernsehsender konntest Du in den 1970er und 1980er Jahren in der Eifel unter normalen Bedingungen terrestrisch empfangen?

Da ich bis 1988 in Brhl wohnte, lag das Haupteinzugsgebiet in der Region der Kln-Bonner Bucht. Auerdem wohnten wir in Brhl-Vochem auf einer Hangseite, die von ca. 120 m NN Richtung Osten abfiel und uns daher schon eine erhebliche Anzahl an Fernsehsendern aus diesen Richtungen bescherten. Neben den "normalen" ffentlich-rechtlichen Sendern kamen an diesem Standort auch die Sender der belgischen Streitkrfte BRT und RTBF regelmig rein. Richtung Westen ging der Hang leider noch etwas hher und der Empfang aus dem Dreilndereck war deshalb auch nicht immer einwandfrei. Im Endeffekt waren aber schon zu der Zeit, wo eine feste drehbare Antenne auf dem Dach war, kein Fernsehkanal richtig frei. Ab 1984 kamen dann die Sender der Privaten aus dem Kln-Bonner Raum dazu und erhhten dann die stndige Anzahl der Fernsehsender. Erst 1988 zog es uns in die Eifel und dort waren die Empfangsbedingungen natrlich, auch wegen der aufgestockten Ausrstung etwas ganz anderes.

Redaktion: Richtig spannend wird es ja erst, wenn berreichweiten herrschen. Welche Arten von berreichweiten gibt es und wann treten diese in der Regel auf?

Wir "TV-DXer" nutzen natrlich die klassischen berreichweiten wie "Sporadic-E" und "troposphrische" berreichweiten. Aber auch Reflexionen der TV Signale an der F2 Schicht, dem Polarlicht und sogar an Sternschnuppen wird von den Aktivisten intensiv genutzt. Fangen wir mit der gebruchlichste Form der berreichweiten an: Der Empfang ber Sporadic E. Dabei werden als Sporadic E wolkenartige Gebiete hoher Ionisierung in der Ionosphre in Hhe der E-Schicht bezeichnet. Die sporadische E-Schicht tritt unregelmig und nicht vorhersehbar auf, allerdings vorzugsweise ab den Monaten Mai bis ungefhr August und berwiegend tagsber, also zu Zeiten von allgemein relativ hoher Ionisierung. Es gibt allerdings auch Zeiten wo diese hohe Ionisation die ganze Nacht durch anhlt. Der in der Regel nutzbare Frequenzbereich liegt dann im sogenannten Band 1, also der Frequenz von 48 bis 62 MHz. Natrlich kann es bei stark ausgeprgten Sporadic-E-berreichweiten sogar bis ber 200 MHz gehen, was allerdings die Ausnahme ist. Die genaue Entstehung der sporadischen E-Schicht ist allerdings noch ungeklrt. (Bild 4a-4c)

Bei den troposphrischen berreichweiten werden durch Inversionswetterlagen in der wetterbildenden Schicht der Atmosphre, der Troposphre, die weiten Empfnge gebildet. Die TV Signale werden dann durch Luftschichten mit einem inversen Temperaturverlauf (kurz: kalte Luft unten, warme darber) geleitet. Die Signale knnen hierbei ber mehrere Stunden oder Tage relativ konstant bleiben. Diese Bedingungen finden sich berwiegend im Herbst wo die oberen Luftschichten bei Sonnenuntergang oder Aufgang von der Sonne erwrmt werden, whrend die bodennahen relativ schnell abkhlen.. Bei gnstigen Wetterlagen knnen diese berreichweiten aber das ganze Jahr ber auftreten. Der dabei nutzbare Frequenzbereich kann sich sogar bis in den GHz-Bereich auswirken. (Bild 5a-5b)

Als weitere berreichweitenart wre die Reflexion ber Aurora zu nennen. Bei sehr starken Sonneneruptionen und daraufhin auftretenden Nordlichterscheinungen kann man diese Bedingungen nutzen. Dabei werden die oberen Schichten der Atmosphre von 100 200 km Hhe wie bei Sporadic-E so stark ionisiert, dass sie die Signale reflektieren knnen. Dabei kann man natrlich nur diese Reflexionsgebiete nutzen die aktiv sind, sprich die Antennen mssen auf diese Aurora, bzw. nach Norden gerichtet werden.

Man kann jedoch auch Meteore zum DXen gebrauchen, denn wenn Meteore in die Atmosphre eintreten, hinterlassen sie ionisierte Bahnen, an denen sich wiederum Funksignale reflektieren knnen. Dieser Effekt ist jedoch meistens Spezialisten vorbehalten, da diese Signale relativ schwach sind und berwiegend nur wenige Sekunden auftauchen. Da diese Meteoritenereignisse vorhersehbar sind, die Erde streift ja turnusmig jedes Jahr die berreste vergangener Kometen, kann man diese Tage mit verstrktem \"Sternschnuppenregen\" ganz gut vorhersagen.

Einer der seltensten berreichweiten ist der Empfang ber die F2-Schicht. Diese Schicht in ca. 400 km Hhe wird nur alle 11 Jahre im Sonnenfleckenmaximum so stark zum Reflektieren der TV Signale angeregt, das ein Empfang von mehreren tausend Kilometern mglich ist. So war der Empfang im Zyklus 22 der 1989 seinen Hhepunkt hatte, bis nach Australien oder auch Sdamerika mglich. Die dabei empfangenen Signale sind allerdings sehr stark verschmiert und von unzhligen Geisterbildern durchdrungen, das einen Identifizierung durch das Bild nur Spezialisten vorbehaltet war. (Bild 6a-6c)

Redaktion: Wie hast Du die berreichweitenempfnge dokumentiert? Ab wann kam hierfr der Videorecorder zum Einsatz?

In der ersten Zeit hat man daran gar nicht gedacht. Man war froh das man es empfangen konnte und gut war. Erst ab 1981 wurde ein "Logbuch" gefhrt und diese Empfnge damit auch dokumentiert. Ich hatte zwar eine Polaroid Kamera immer zur Hand, die auch fleissig genutzt wurde, allerdings hatten die hohen Filmkosten meine Eltern dazu gebracht die Kamera erstmal zu konfizieren. Im Laufe der Jahre haben sich leider diese \"Schtzchen\" auch irgendwie selbst aufgelst. Weitere Versuche mit diversen anderen Kameras (Marke "Ritsch-Ratsch-Klick) hatten gar keinen Erfolg, da zur Bildschirmfotographie die beste Wahl halt eine Spiegelreflexkamera war. Also wurde mit Einfhrung des Logbuch auch ganz stolz eine gebrauchte Praktika Kamera angeschafft. Der Videorecorder kam dann 1984 zum Einsatz und wird bis heute noch fleiig zur Archivierung genutzt.

Redaktion: Wie konnte man die empfangenen Sender sowie deren Senderstandort identifizieren? Welche Bedeutung hatten hierbei die Testbilder?

Im Gegensatz zu heute, wo man Computer und Spektrumanalyzer zur Identifizierung nutzt, oder einfach auf die Logos achtete, musste man sich damals noch richtig anstrengen. Wenn man natrlich das Glck hatte ein Testbild zu erwischen, war das schon die halbe Miete. In den Testbildern stand nicht nur die TV Station, sondern in manchen Lndern wurde sogar der Sendestandort mit angegeben. Andere Lnder benutzten Zahlen oder Buchstabenkrzel innerhalb des Testbildes, oder schalteten kurz vor dem nationalen Testbild das regionale Senderdia auf, das smtliche Daten des Senders enthielt und uns TV-DXer hher springen lieen. Das war natrlich nicht die Regel, berwiegend hatte man mit laufendem Programm zu kmpfen. Man ging wie folgt vor: Genaue Angabe der Empfangsfrequenz, damit fielen schon etliche Sender aus dem Raster. (Italien, Frankreich, England, Irland und die stlichen Lnder hatten ein eigenes Frequenzraster) Dann wurde der Ton beobachtet, dort konnte man schon gut differenzieren welche Sprache gerade gesendet wurde. Man achtete auf Tafeln, Werbung, Schriftzeichen, Landkarten Uhren (verschiedene Zeitzonen!!) und Stdtenamen. Nachrichten waren besonders beliebt, selbst die Fernsehansagerinnen kannte man schlielich und konnte sie sogar den einzelnen Sendern zuordnen. Wie kam der Empfang zu Stande? Wurde die horizontale Antenne genutzt oder war der Empfang mit der Vertikalen besser. In welcher Richtung war das Signal am strksten, bei Farbempfang war es in PAL oder in SECAM..... Es gab halt viele Mglichkeiten, spter als das 6m Amateufunkband immer strker genutzt wurde konnte man auch an Hand dieser Stationen das Empfangsgebiet sehr gut weiter einschrnken, oder auch ber Satellit das empfangene Signal vergleichen. Bei den F2 berreichweiten im Zyklus 22 z.B. war es schon hilfreich wenn man TV Signale aus Thailand empfing und diese mit den Sendern ber Thaicom auf 78 Ost vergleichen konnte und diese dann als identifiziert abzuhaken. Als es diese ganzen Hilfsmittel allerdings noch nicht gab war die Identifizierung an Hand der Austastlcke damals eine recht sichere Angelegenheit. Dazu wurde der Zeilenfrequenzregler (hatten damals alle Fernseher von auen zugnglich!!) so weit verdreht, das das Bild langsam anfing zu laufen. Der dabei auftretende Streifen, die Austastlcke, im oberen Bildrand war bei jedem Sender unterschiedlich und wurde dann von mir mhsam abgezeichnet und zur Identifizierung weiterer Sender herangezogen. Heutzutage ist die Identifizierung der Sender durch die Bestimmung des Offset der Bildtrgerfrequenz eine recht sichere (aber auch aufwndige) Sache.


Redaktion: Wie haben sich DXer vor dem Internet-Zeitalter untereinander ausgetauscht? Gab es entsprechende Netzwerke? Bestand auch Kontakt zu DXern aus dem Ausland?

Da diese Spezies natrlich nicht so vermehrt auftraten wie Briefmarkensammler, war es schon schwierig Gleichgesinnte zu finden. Es gab damals einige Publikationen, die eine Abteilung TV-DX schon unter ihre Fittiche nahmen, wie der Kurier der ADDX, der Arbeitskreis Reflexion, oder der BDXC Club aus Holland. Dort gab es auch Ansprechpartner mit denen man schnell in Kontakt kam und auch viele Jahre das Hobby teilen konnte. Ich denke da an Burkhard Liebau aus Hameln, Erhard Schwarz aus Salzwedel, Petri Poppnen aus Lahti oder auch der Godfather of TV-DX Rijn Muntjewerff aus Beemster in Holland. Zu allen Kollegen wurde ein intensiver Kontakt gepflegt und auch Treffen vor Ort waren keine Seltenheit. (OK, Finnland und DDR waren schon ein Problem....aber Holland klappte fters...) (Bild 8)

Redaktion: Welche Fernempfnge waren mit Deinen Antennen bei troposphrischen berreichweiten mglich?

Da die troposphrischen berreichweiten auf allen Bndern auftauchen, sollte man die drei TV Bereiche auch einzeln angeben. Im Band 1 war der weiteste Empfang in Tropo bisher der norwegische Sender NRK-1 auf E2 aus Greipstad mit 852 km Entfernung. Im VHF Bereich III, also die Frequenz 175-224 MHz war der irische Sender RTE One auf dem Kanal II und RTE Two auf IG, beide aus Truskmore mit 1105 km das Highlight. Im UHF Bereich ist mit 1238 km aus Borlnge das zweite schwedische Programm SVT-2 der Spitzenreiter.

Redaktion: Und welche Empfnge wurden Dir durch ionosphrische berreichweiten ermglicht? Was war der spektakulrste Fernempfang, den Du je hattest?
Zu der Zeit, wo die Band 1 Kanle mit europischen Sendern noch voll belegt waren, konnte man mit Leichtigkeit ganz Europa sehen. Natrlich gab es Lnder, die wenige Sender im Band 1 zur Verfgung hatten, wie Albanien mit einem Sender aus Tirana, der war naturgem selten zu sehen. Dagegen sendeten TVE aus Spanien oder NRK aus Norwegen die gleich mit 10 verschiedenen Sender on air waren. Nicht zu vergessen die zahlreichen Sender Russlands. Die Wahrscheinlichkeit diese Lnder zu sehen war dagegen sehr hoch. Ein schner Empfang, an den ich mich gerne zurckerinnere, war im Sommer 1983 das nigerianische Fernsehen NTA Sokoto, das fr fast eine Stunde hier sogar zeitweise in Farbe zu sehen war. Die Entfernung betrug immerhin 4234 km bis nach Brhl. (Bild 9) Auch ein spektakulrer Empfang war wieder im besagten Zyklus 22 wo im Oktober 1989 mir zum ersten Mal der Empfang aus Australien ber F2 glckte.

Redaktion: In verschiedenen Lndern wurden beim analogen Fernsehen auch unterschiedliche Bild- und Tonnormen verwendet. Wie machte sich das bei Fernempfngen bemerkbar? Warst Du schon rechtzeitig auf Multinorm-Empfang vorbereitet?

Da ich schon seit den spten Siebzigern auf der Pirsch war, entging mir natrlich nicht, dass auch wenn die Signalstrke enorm war, ich pltzlich nichts gscheites auf dem Schirm entziffern konnte. Es gab in der Zeit 3 verschiedene Zeilennormen, die unsere herkmmlichen Fernseher natrlich nicht verarbeiten konnten. Des Rtsel Lsung war ein s/w Multinorm Fernseher den ich vom Kollegen Muntjewerff aus Holland erhielt, der dann auch dieses Wirrwarr im Bild entziffern konnte. Nun konnte ich auch die 405 Zeilen Sender aus England, sowie die 819 Zeilen Sender aus Frankreich einwandfrei im VHF Bereich empfangen. Im UHF Bereich sendeten diese Lnder brigens schon schn mit 625 Zeilen. Das hie allerdings noch lange nicht, das man jetzt auch ein einwandfreies Bild bekam. Die Franzosen benutzten eine "positive Bildmodulation", d.h. das Bild synchronisierte nicht und sah aus wie ein Negativfilm. Den Ton konnte man sowieso nicht empfangen, da die Franzosen in AM modulierten, der Rest von Europa aber in FM. Damit nicht genug, die Englnder benutzten auch einen anderen Bild-Tonabstand, wie die Osteuroper, das Resultat war nur ein Rauschen im Ton. Und von Farbe haben wir noch gar nicht gesprochen.... Ich lste das Problem, das ich mit mehreren Multinorm Fernseher spielte und egal welches Land gerade durchkam, immer den richtigen Fernseher parat hatte. Da ich die Empfnge mittlerweile auch auf Video aufnahm, durften auch Multirecorder nicht fehlen. Aber wie schon gesagt, ich sa ja an der Quelle...(Bild 7)

Redaktion: Aus wie vielen Lndern hast Du im Laufe der Jahre terrestrische Fernsehsignale empfangen?

Wenn man alle Empfnge zusammenzhlt und auch diese Lnder bercksichtigt, die es nicht mehr gibt (Goodbye DDR...), oder die es erst seit kurzem gibt, (Balkanlnder oder die baltischen Staaten...) sind es bis jetzt weltweit 61 verschiedenen Lnder.

Redaktion: Zhlte fr Dich nur der Empfang oder hast Du Dir die Sender, die als berreichweite hereingekommen waren, manchmal auch gezielt angeschaut?

Gezielt weniger, es war wie ein Sport mglichst viel verschiedenes zu empfangen und zu identifizieren. Da kam man einfach nicht dazu lange bei einem Sender zu bleiben, man knnte ja auf einen anderen Kanal was verpassen. Allerdings, wenn etwas kam was einen interessierte da schaute man schon etwas lnger zu. Das Problem mit dem "Verpassen" wurde brigens genial gelst: Es wurden einfach fr jeden Kanal ein Fernseher zur Verfgung gestellt, der auf den jeweiligen Kanal abgestimmt war. So waren gleichzeitig bis zu 7 Fernseher zu beobachten. Getoppt wurde das ganze allerdings 2001 wo ich einen Langzeitversuch unternahm und eine Sporadic-E-Saison von Mai bis September mit 5 Multinorm Recorder tglich 5 Kanle aufnahm um diese dann direkt wieder auszuwerten. Das Ergebnis kann man brigens in der Zeitschrift Reflexion, Ausgabe 171 nachlesen.

Redaktion: Wie hat eigentlich Dein Umfeld Dein DX-Hobby wahrgenommen? Hat man Dir berhaupt geglaubt, welche Fernempfnge Dir per Dachantenne gelungen sind?

Da ich ja eigentlich dem Bereich Amateurfunk entsprungen bin, kennen diese Leute natrlich das Phnomen berreichweiten. Auch in meinem Beruf war jedem Techniker eigentlich klar, dass es so etwas gab, schlielich gab es ja den Antennenbau und dort konnte man schon einige lustige Sachen empfangen. Ich erinnere mich da an einen Antennenbau in Brhl, wo es einmal ausgeprgte troposphrische berreichweiten gab, die lnger anhielten. Stolz zeigte ich dem Kunden auch das Testbild des DDR Fernsehen, das er zufllig empfangen konnte. Zwei Tage spte reklamierte er im Geschft, das er einen Sender nicht mehr sehen konnte. Da war schon berzeugungsarbeit notwendig.

Redaktion: War dem Durchschnittszuschauer das Phnomen der berreichweiten damals berhaupt bekannt? Immerhin haben sich in den 1980er Jahren gelegentlich die Fernsehansager fr Strungen durch berreichweiten beim Zuschauer entschuldigt. Aber war dem Nicht-DXer auch bewusst, dass der Empfang weit entfernter Sender mglich war?

Die Leute, die auf exponierten Standorten wohnten und auch keine Angst vor Abstimmrdchen hatten, waren solche Empfnge wohl bewusst. Es interessierte sie aber einfach nicht. Das dann aber der abendliche Blaue Bock durch einen weit entfernten Sender unsehbar wurde, das ging dann natrlich zu weit und man schimpfte auf die Bedrohung aus dem Ausland. (Was einem natrlich total egal war, man verstand ja eh nichts...)

Redaktion: Welche Rolle spielten terrestrische Testausstrahlungen vor der Aufschaltung eines neuen Senders, z. B. bei der Aufschaltung der Privatsender in den spten 1980ern? Wie sahen diese Testausstrahlungen aus?

In unserer Region war natrlich RTL Plus der erste Sender, der aufgeschaltet wurde. Durch eine sehr gute Empfangslage bis ins Ruhrgebiet von der Eifel aus, waren natrlich jede Menge neue Sender zu sehen. Die ausgestrahlten Hinweisdias zeigten neben dem Kanal und dem Senderstandort auch teilweise andere technische Informationen oder auch den Sendestart des neuen Programms. (Bild 11a-11b)

Redaktion: Wann hast Du mit dem Satellitenempfang begonnen und mit welcher Ausrstung? Welche Satelliten hattest Du damals angepeilt und was konnte man dort sehen?

Im Jahre 1984 wurde in meinem damaligen Betrieb das Satellitenzeitalter erffnet. Da wir als Fachhndler informiert sein wollten, musste dann auch eine Schssel errichtet werden. Unsere erste Schssel war eine 1,80m Parabol von Kathrein, die von 63Ost bis 45West drehbar war.

Redaktion: War damals der Betrieb einer Satellitenempfangsanlage noch genehmigungspflichtig?

Nein, das durfte man 1984 ohne Genehmigung aufstellen, man musste allerdings die baulichen Vorschriften einhalten.

Redaktion: Galt zu dieser Zeit der Satellitenempfang nicht noch als recht exotisch? Hatte man damals berhaupt in der nheren Umgebung Satellitenschsseln an anderen Husern gesehen?

Zu der Zeit sendete Astra noch nicht und man richtete seine Schsseln auf Eutelsat 10 Ost, 13 Ost oder wer konnte auch auf 63 Ost aus. Da die Signale meistens auf stlichen Beams sendeten, war eine Schsselgre jenseits der 1,80m schon obligatorisch.

Redaktion: Welche Gre hat heute Deine grte Satellitenschssel und welche Satellitenpositionen lassen sich damit anpeilen? Was ist das exotischste, was man damit empfangen kann?

Privat nutze ich eine 1,80m Primefocus Schssel im C und KU Band. Der Drehbereich liegt von 82Ost bis 63 West. In der Firma nutzen wir damals auch eine Mesh Antenne mit 4,20m Durchmesser. Dort war allerdings der Drehbereich nur von 42 Ost bis 60 West. Als exotische Programme ber Satellit sind die Sender im C-Band zu nennen, die eigentlich alle in ihrer Art sehenswert sind und auch nur in diesem 4GHz Bereich zu empfangen waren. Wer hat schon einmal die Gelegenheit das Fernsehen aus Grnland zu sehen, oder die zahlreichen sdamerikanischen Senderzu beobachten, nicht zu vergessen die vielen afrikanischen Sender aus den Lndern wo man zuerst kein Fernsehen erwartet, wie Niger, Tanzania oder dem Kongo.

Redaktion: Hast Du noch weitere Schsseln im Einsatz?

Neben der drehbaren 1,80m Antenne sind nur noch 2 fest ausgerichtete Antennen auf Astra und Hotbird fr die Hausversorgung im Einsatz. Der Vollstndigkeit halber sollte man auch die kleine Schssel fr das Amateurfunkfernsehen im 3cm Bereich nicht vergessen, die drehbar im Antennenmast installiert ist.

Redaktion: ber Satellit ist die Digitalisierung international betrachtet recht weit fortgeschritten, so dass Deutschland mit seinen noch zahlreichen analogen Satellitenkanlen eher eine Ausnahme darstellt. Werden aber in anderen Teilen der Welt, vor allem auerhalb Europas, noch analoge Fernsehsignale ber Satellit ausgestrahlt?

Es wird immer weniger. Selbst im exotischen C-Band gibt es immer mehr Sender, die ihr Signal nur noch digital ausstrahlen.

Redaktion: Kommen wir noch einmal zurck zum terrestrischen Empfang. Was ist der Unterschied zwischen analogem Fernsehen und DVB-T, was das DXen betrifft? Kann man bei DVB-T berhaupt noch gut DXen?

Man kann noch mit DVB-T Dxen, es ist aber aufwendiger und komplizierter geworden.

Redaktion: Was sind bisher Deine besten berreichweitenempfnge bei DVB-T?

Auch wenn man es am Anfang nicht fr mglich hielt, man kann auch ber DVB-T einiges an Reichweiten erzielen. So sind mir ber troposphrischen berreichweitenempfang smtliche Lnder um Deutschland schon ber DVB-T gelungen. Highlight bis jetzt ist der Empfang einiger norwegischen Sender in digitaler Form.

Redaktion: In Mittel- und Nordeuropa ist das analoge terrestrische Fernsehen schon weitgehend abgeschaltet worden, dort wird nur noch digital ausgestrahlt. Empfngst Du trotzdem heute noch gelegentlich oder gar regelmig analoge Fernsehsignale per Dachantenne in der Eifel? Wenn ja, woher?

In der Zwischenzeit ist das analoge Fernsehen auch in der Eifel nur noch Geschichte. Als letzte analoge Bastion war hier nur noch das Fernsehen aus Frankreich zu empfangen, die mit ihren Sendern aus Metz hier zwar schlecht, aber dafr regelmig empfangbar waren. Leider sind diese Sender jetzt auch verschwunden. Mit etwas Glck und Antenne gegen Westen sind noch einige analoge Signale aus England zu empfangen. Aber dafr bedarf es schon ein krftiges Hochdruckgebiet und troposphrische berreichweiten. ber die Sporadic E Ausbreitung ist in Richtung Osten im Sommer mit analogen Signalen nach wie vor der Br los.

Redaktion: Trauerst Du dem analogen Zeitalter hinterher?

Ein ganz eindeutiges und klares: JA!! Fortschritt hin und her, fr uns TV-DXer ist das digitale Zeitalter mit DVB-T leider keine Bereicherung.

Redaktion: Wie hat das Internet das DXen und die DXer-Szene verndert?

Durch das Internet ist die Kommunikation mit Gleichgesinnten natrlich viel einfacher geworden. Lange Postwege zum Gedankenaustausch entfallen vllig und man kann sogar whrend einer ffnung gezielt Erfahrungen, Empfnge und weitere Ergebnisse direkt mit den Hobbypartnern austauschen. Ganz wichtig dabei sind die Foren, die sich mit diesen Themen beschftigen, wie z.B. das deutschsprachige Forum www.ukwtvdx-forum.de oder Skywaves fr die internationale Seite der Hobbyfreunde.

Redaktion: Durch viele Jahre DX-Erfahrung hattest Du ja die Gelegenheit, in das Fernsehprogramm anderer Lnder hineinschauen zu knnen. Gibt es bestimmte Lnder, deren Fernsehprogramm Dir besonders gefllt?

Beim DX-Empfang der weit entfernten TV Sender steht der inhaltliche Aspekt des Programms hier nicht unbedingt an erster Stelle. Durch die charakteristischen Strungen whrend einer ffnung ist entspanntes Fernsehvergngen auch nicht gerade gegeben. Man will sich auch nicht auf einen Kanal beschrnken, denn der Urinstinkt eines DXer ist halt an den Jagdtrieb gebunden und der lsst einen wieder und immer wieder ber die Empfangskanle streichen, ob nicht doch noch etwas anderes kommt. Man kann aber sagen dass mir die sdlichen TV Macher wie die Spanier oder Italiener etwas mehr entgegen kommen als der Rest. Es ist natrlich eine rein subjektive Entscheidung. Wer mehr Kultur und Information sucht ist im Osten ganz gut aufgehoben.

Redaktion: Wie schlgt sich das deutsche Fernsehen im Vergleich zu den Fernsehprogrammen anderer Lnder?

Durch die enorme Vielzahl an deutschen TV Sendern, die man zurzeit ber das digitale Satellitennetz empfangen kann, ist ein direkter Vergleich ziemlich schwer. Gut, man kann bestimmt auf Anhieb 70% direkt in die Tonne werfen, der Rest kann sich aber dann doch im europischen Vergleich ganz gut behaupten.

Redaktion: Und nun noch eine Abschlussfrage, bist Du auch ein Radio-DXer?

Ich glaube jeder TV-DXer der an den Knpfen dreht, beobachtet auch das UKW Band. Auch ich DXe fleissig am Radio, da dort noch die ganze Flle an europischen Stationen vorhanden ist. Wenn es mal im TV Band auf Grund der geringen Stationsdichte in Europa ruhig ist, dann lohnt es durchaus sich in das Frequenzgetmmel vom Radio zu strzen. Auch die Beobachtung sogenannter Feeder Stationen im 50 MHz Bereich, die ihr Signal fr die UKW Sender vom Studio zum Sender zufhren ist auch hoch interessant. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Redaktion: Vielen Dank fr Deine Auskunft!

Der Beitrag wurde am 11.08.2013 von jh verfasst.

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