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Pnktlich zum DVD Release des Films "Brennende Langeweile" haben wir den Macher Wolfgang Bld per E-Mail einige Fragen gestellt. "Brennende Langeweile" war damals nicht nur sein Spielfilm-Debt, sondern gleichzeitig der erste Punk-Spielfilm der jemals gedreht wurde.

Redaktion: Das Label Sunny Bastard verffentlicht deinen Film "Brennende Langeweile" auf DVD. Ebenso hat das ZDF den Film nach langer Zeit wieder im Fernsehen ausgestrahlt. Bist du ber die neue Aufmerksamkeit, was den Film betrifft, erfreut?

Natrlich, "Brennende Langeweile" war schlielich mein Spielfilmdebt und welcher Film findet nach fast 30 Jahren noch immer ein Publikum?

Redaktion: Wie kam es zu diesem Film?

Ich hatte 1977 "Punk in London" gedreht, auer Don Letts "Punk Rock Movie" die einzige Punk Dokumentation aus der Anfangszeit. (Erscheint auch noch dieses Jahr auf DVD in Deutschland).

Das erste Konzert, das wir berhaupt filmten, waren die Adverts im Marquee. Es war restlos berfllt. Man definierte "Ausverkauft" wohl so, dass der letzte, der ein Ticket kauft, keinen Zentimeter mehr weiter Richtung Saal gehen kann. Es war so hei, dass der Schlagzeuger spter auf der Bhne ohnmchtig wurde. Wir waren rechtzeitig da und hatten die Kamera am Mischpult aufgebaut. Eine Stunde vor Konzertbeginn fiel dem Kameramann Helge Weindler ein, das wir noch einen zustzlichen Akku aus unserem Auto brauchen knnten und so er schickte seinen Assistenten los. Der blieb jedoch in der Menschenmasse stecken (wie wir spter erfuhren) und Helge ging los ihn zu suchen. Als er auch nicht weder kam, meinte der Tonmann, dann knnte er sich ja getrost mal ein Bier holen. Als die Adverts dann pltzlich auf die Bhne kamen, stand ich alleine mit Kamera und Tonbandgert da und musste beides gleichzeitig bedienen. Fr die Tonqualitt war das nicht gerade zutrglich. Als wir die Konzertaufnahme nachholen wollten und dafr extra bis nach Coventry fuhren, erhielten wir dort von Veranstalter Drehverbot. Die Band war total desolat, TV Smith sa unter dem Tisch, an dem sich der Rest betrank. Von einem Interview, das wir mit den Adverts machten, verschwand das Tonband. Also eine Pleite auf der ganzen Linie. Da mich Schwierigkeiten reizen, war es eine Herausforderung, mit der Band einen eigenen Film zu machen.
Ich hatte britische Punkbands in der BRD erlebt und war ein paar Tage mit den Clash auf deren Deutschlandtour unterwegs. Daher wusste ich, was fr Schwierigkeiten und Repressalien an der Tagesordnung waren, aber auch wie viel Spa man hatte. Also schrieb ich ein Drehbuch und weil ich als roten Faden eine Art Lovestory wollte, war es nahe liegend, eine Band mit einer attraktiven Musikerin zu whlen: The Adverts!

Redaktion: Unter welchen Kriterien hast du die Schauspieler damals ausgewhlt?

Die deutschen Darsteller waren alles Freunde und Bekannte von mir. Die aus dem Sauerland kannte ich schon lange und mit denen aus Mnchen hing ich jeden Abend in dieselben Clubs und Kneipen rum.

Die Adverts standen ja von Anfang an fest, ich wurde jedoch misstrauisch, als sie nie zu sprechen waren, wenn ich in London weilte. Ihr Manager Michael Dempsey sagte mir, dass sie entweder auf Tour, im Urlaub oder im Studio seien. Erst bei Drehbeginn erfuhr ich, dass die Band Film & Fernsehen und die Medien hasste und dachte, sie wrde eine Deutschland Tournee machen, die auch gefilmt wrde also keinen Spielfilm mit Drehbuch, Inszenierung etc... (Es gab brigens gar keine Tour, die hat die Filmproduktion organisiert, das Publikum wurde mit Freibier angelockt.) Weil es mir unmglich erschien, einen Film mit Laien zu drehen, die ich persnlich gar nicht kannte, habe ich dann zustzlich die Figur des Roadies erfunden und dem das Gros der Spielszenen gegeben. Mein Freund Roadent (Roadie bei den Sex Pistols und den Clash) spielt ihn, ich hatte ihn bei "Punk in London" kennen und schtzen gelernt.

Redaktion: Wie ist dir das Phnomen "Punk" damals ber den Weg gelaufen?

Seitdem ich mit 12 die erste Beatles Single gehrt hatte, waren fr mich Musik und die Popkultur das Wichtigste im Leben. Nach Beat kam dann die Psychedelic Phase, Metal und schlielich Glam Rock. Ich las jede Woche Melody Maker und NME und Punk war genau das, worauf ich immer gewartet hatte.

Redaktion: Wie hast du den frhen Punk damals erlebt?

1977 war London die aufregendste Stadt der Welt. Jeden Tag entstanden neue Bands, die ein paar Stunden spter die erste Single in den Lden hatten. Im berschaubaren Soho (10 minutes walking distance) hatte man jeden Abend die Qual der Wahl, ob man lieber Generation X, Siouxsie and the Banshees, die Boomtown Rats oder die Jam sehen wollte. Und die Musiker konnte man anschlieend zwanglos an der Bar treffen. Es passierte ungeheuer viel und die Energie war mitreiend.

Redaktion: Hast du whrend den Dreharbeiten in der ffentlichkeit miterlebt, wie der Punk vom typischen deutschen Spieer wahrgenommen wurde?

Klar. Wenn man anders aussah, reichte das Spektrum von Angaffen bis Anpbeln. Dazu gehrte gar nicht viel (wie man im Film sieht, hatten die Adverts ja keine grnen Iros oder so), da reichten schon eine Lederjacke und ein paar Badges.

Redaktion: Gab es krasse Begebenheiten oder Anekdoten zu den Dreharbeiten von "Brennende Langeweile"?

Mehr als genug. Das fing ja damit an, dass die Adverts gar nicht wussten, dass sie auch als Darsteller gefragt sind und mir der Manager nahe legte, die Szenen so zu gestalten, dass sie sie fr Realitt hielten. Zum Glck war ihnen ja alles gelufig, was im Buch stand und die Locations wie Zoll oder Polizeiwache waren genauso echt wie die Beamten. Mein Drehbuch konnte ich vergessen und meistens haben wir die Szenen improvisiert, das funktionierte zunehmend besser. Da die Adverts sich selber darstellten, haben sie sich allerdings geweigert, etwas zu spielen, was nicht mit ihrer Person in Einklang stand. So ist z.B. das Ende im Buch ganz anders. Aber gerade das Dokumentarische macht den Film heute so interessant und spannend.
Wir sind auch in Realitt aus drei Hotel geflogen, wir mussten Roadent am Flughafen abfangen und zum Bleiben berreden, als er nach einer Schlgerei mit einem Hotelbesitzer "fucking Nazi KZ Germany" verlassen wollte etc....

Redaktion: Wurdest du bisher noch oft auf den Film angesprochen oder blieb er eher unbeachtet?

Bei der Erstsendung hatte "Brennende Langeweile", glaube ich, die hchste Einschaltquote, die je ein "Kleines Fernsehspiel" bis dahin erreichte. Der Film lief auch erfolgreich auf der Berlinale, anderen Festivals und im Kino. ber 20 Jahre lang war "Brennende Langeweile" mein einziger Spielfilm, der von der Kritik positiv aufgenommen wurde. In den 80er Jahren geriet der Film in Vergessenheit, aber so seit etwa 5 Jahren steigt das Interesse an Punk wieder stetig.

Redaktion: Gab es nach den Dreharbeiten noch einmal Kontakte zu den Bandmitgliedern von "The Adverts"?

Nein. Die Adverts waren damals sehr desolat und haben sich wenig spter aufgelst. Ihren Manager Michael Dempsey habe ich noch fters getroffen, bis er Anfang der 80er tdlich verunglckte. TV Smith hat mir ein paar mal von gemeinsamen Bekannten Gre ausrichten lassen und mit Roadent bin ich kontinuierlich im Kontakt, besonders seitdem ich wieder mehr in London lebe. Er spielt auch in meinem Film PENETRATION ANGST (2003) mit.

Redaktion: Wie bewertest du den Film heute?

"Brennende Langeweile" hat dramaturgisch natrlich Schwchen, aber als Zeitzeugnis halte ich ihn fr wichtig und beraus gelungen. Auch formal gibt es ein paar nette Momente.

Redaktion: Knntest du dir vorstellen wieder einen Film in dieser Richtung oder wieder eine Szene-Dokumentation zu machen?

Nein. Eine einheitliche, Richtung weisende Szene im Stil von damals gibt es heute nicht mehr, heute ist alles viel mehr aufgesplittert. Ich wei nicht, was jetzt die Szene ist und htte keine Lust, z.B. was ber deutsche Gangsterrapper zu machen.

Ich plane allerdings einen Film in Rumnien ber die Tour einer Englischen Band dort, aber das ist pure Fiction: Horror, Blutgrfin, Kastration, Scheiterhaufen etc...

Redaktion: Hast du dich jemals einer Subkultur zugehrig gefhlt?

Ich habe mich nie zur etablierten Gesellschaft zugehrig gefhlt. Allerdings hielt ich auch nichts von den Heilsbotschaften der Hippies (Landleben und Gemse anbauen) oder der Linken (in der Gewerkschaft verschimmeln >der lange Marsch durch die Institutionen< oder bewaffneter Kampf und im Knast verrotten). Da war mir Punk (Ablehnung ohne Alternative) schon am Nchsten.

Redaktion: Wie kam es dazu, dass du damals dann zur Mainstream-Filmerei bergegangen bist?

Im Gegensatz zum Music-Biz hat Punk das Filmgeschft nicht verndert. Mein Ziel war es immer, Genrefilme mit einer klaren Erzhlstruktur zu machen, nicht Super 8 oder Underground. Dafr braucht man selbst fr Low Budget viel Geld (zu der Zeit mindestens 300.000.-DM).

Ende der 70er litt die BRD unter der Diktatur des Neuen Deutschen Films mit seinen langweiligen, links-spieigen, neo-bildungsbrgerlichen und sozialmiefigen Machwerken. Sonst wurden eigentlich fast nur Sex Klamotten produziert (aber selbst die waren mir noch lieber). Und im TV hatte ich schon gar keine Chance (Jugend galt als Minderheit, nicht als Zielgruppe, wie heute).
Ich hatte damals schon die Ideen, die ich erst 25 Jahre spter mit PENETRATION ANGST etc. im UK verwirklicht habe. Mit meinen Kommerzfilmen der 80er Jahre wollte ich beweisen, das ich kassentauglich bin. Das habe ich zwar gezeigt, aber Produzenten und Verleiher gaben mir aber trotzdem kein Geld fr meine Projekte sondern nur Auftrge fr ihre Stoffe. Wie Fritz Lang gesagt hat: Auch Regisseure mssen essen. Zudem kann auch die Arbeit an einem Film Spa machen, dessen Thema einen eigentlich weniger interessiert. Ich habe aber trotzdem kontinuierlich eigene Projekte entwickelt, die ich allerdings erst ab 2002 realisieren konnte.

Redaktion: Welches Projekt hat dir in deiner Karriere am meisten Spa gemacht bzw. an welchem Projekt hngst du am meisten?

Zweifellos die neusten Filme PENETRATION ANGST, LOVESICK-SICK LOVE und TWISTED SISTERS, die ich in den letzten Jahren in England gedreht habe.

Redaktion: Welche Filme, die nicht von dir sind, haben dich am meisten beeinflusst in deinem Schaffen?

Ich wei nicht, wie viele tausend Filme ich in meinem Leben gesehen habe. Natrlich beeinflussen die einen. Aber so sehr ich auch Josef von Sternberg, Orson Welles, Don Siegel u.a. verehre, bewussten Einfluss sehe ich nicht unbedingt (sonst wrden die sich auch im Grab umdrehen). Am ehesten vielleicht Brian de Palma (in der Phase, als er von Hitchcock beeinflusst war also Hitchcock). Dazu Carpenter, Argento, Bava, Craven, aber auch Jess Franco, Jean Rollin und Russ Meyer. Bei Brennende Langeweile waren die Filme von Klaus Lemke fr mich vorbildlich, weil die ja auch mit Laien entstanden.

Redaktion: Was ist dein Lieblingsfilm?

Es gibt bestimmt 100 Lieblingsfilme der verschiedensten Genres. Shanghai Express, Touch of Evil, Carrie, Dirty Harry, Lete meurtrier, The Long Good Friday, La Maschera del Demono, From Dusk till Dawn, Get Carter, Sasori, Audition, Crank u.v.a.m. (allerdings kein einziger aus Deutschland auer Rocker).

Redaktion: Was reizt dich an Horror- und Splatterfilmen, die du schon lange kontinuierlich drehst?

Kontinuierlich? Eigentlich erst seit 5 Jahren. Die Musiksachen waren ja mehr ein Hobby fr mich. Horror und Thriller waren schon immer das, was ich machen wollte. Splatter spielt in meinen Filmen nur eine unter geordnete Rolle. Warum Horror? Das knnte nur mein Psychiater beantworten, wenn ich einen htte. Ich drehe eben am Liebsten Filme, die ich selber gerne sehen wrde.

Redaktion: Was ist deine zuletzt gekaufte DVD?

Prime Suspect (TV Serie UK) und Life on Mars (TV Serie UK)

Redaktion: Welche Musik hrst du privat gerne?

Oberbegriff Rock und manchmal Country, kein Techno, Dance oder Urban. Natrlich auch die alten Sachen, aber ich versuche, Nostalgie zu vermeiden. Von den neueren Acts mag ich die Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, Babyshambles, BRMC, Dimmu Borgir und wie jeder Amy Winehouse.

Redaktion: Welches Bier pat am besten zu deinen Filmen?

Ich bevorzuge Stella (im UK) oder Jever (in Deutschland). Viele Filme sind jedoch auch sogar nchtern zu genieen, bei ein paar hilft jedoch nur extremstes Starkbier oder noch besser Stroh Rum unverdnnt/intravens.

Redaktion: Vielen Dank fr das Interview!

Infos ber die neuen Filme von Wolfgang Bld: www.darkblackfilms.com

Der Beitrag wurde am 14.09.2007 von sk verfasst.

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