Marina Wenk

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TV-Kult möchte auch einmal einen Blick hinter die Kulissen des Fernsehgeschäftes gewähren. Marina Wenk ist auf dem Gebiet der TV-Produktion tätig und hat uns in einem per E-Mail-Fragebogen geführten Interview interessante Auskünfte über ihre Arbeit erteilt. Das Interview stammt vom 8. März 2009 und bezieht sich auf ihre damalige Mitarbeit bei einer kleineren Film- und Fernsehproduktionsfirma. Inzwischen ist Marina Wenk freie Fernsehredakteurin.

Redaktion: Marina, Du arbeitest z. Zt. für eine Film- und Fernsehproduktionsfirma, was genau sind Deine Aufgaben bei dieser Firma?

Bei meiner Arbeit als Fernsehredakteurin halte ich meine Augen immer nach spannenden Themen offen. Fällt mir was ins Auge, schreibe ich ein Themenangebot. Ist das angenommen, geht es an die Recherche. Es kommt aber auch vor, dass der Sender an einen mit einem konkreten Thema herantritt.
Dann heißt es erstmal recherchieren, Infos, Protagonisten und Drehlocations finden. Wenn ich alle Informationen habe, schreibe ich ein Drehbuch und das wird vom Sender abgesegnet, bevor ich drehe. Nach dem Dreh wird das Material gesichtet, der Text angeglichen (denn beim Dreh ändert sich ja oft was, das, was man sich vorher zu Hause am PC zusammengesponnen hat, stimmt oft nicht mit der Realität überein, egal wie gut man recherchiert) und dann geht es in den Schnitt. Dort wird der Beitrag "zusammengebaut". Musikauswahl, Protagonistenauswahl, Flüge buchen…. eigentlich bin ich von A-Z in alles eingebunden.

Redaktion: Du scheinst also dort so etwas wie ein "Mädchen für Alles" zu sein. Ist das in dieser Branche üblich oder nur bei kleineren Produktionsfirmen?

Ich denke, dass man in allen Bereichen eingebunden ist, betrifft hauptsächlich freie Journalisten und kleine Produktionsfirmen. In großen Firmen und Sendern gibt es dafür extra Leute wie zum Beispiel Sekretäre, Recherchehilfen, Sichthilfen, Castingabteilungen, Planungsabteilungen, Musikarchiv…. Aber das fällt bei uns weg. Ist zwar um einiges anstrengender und arbeitsintensiver dadurch, aber ich finde, es ist nicht verkehrt, alles zu können. Bei jedem Schritt des eigenen Beitrags voll eingebunden zu sein, so dass man am Ende wirklich sagen kann: das ist mein Stück. Und auch nicht immer auf die Hilfe anderer angewiesen ist.

Redaktion: Da Du für die Konzeption der Beiträge überwiegend selbst verantwortlich bist, hast Du weitgehende Entscheidungsfreiheit oder bekommst Du von der Produktionsfirma klare Vorgaben?

Größtenteils Entscheidungsfreiheit, aber die Ideen die man hat, beziehungsweise wie man den Beitrag angehen möchte bespricht man schon mit der Firma und auch mit dem Sender.

Redaktion: Kommt es vor, dass Ideen von vorn herein von den Sendern abgelehnt werden?

Natürlich. Entweder sie hatten das Thema in irgendeiner Weise schon oder finden es total unspannend. Nicht jedes Thema wird genommen. Ganz im Gegenteil. Wäre natürlich super, dann hätten wir nicht so viel Arbeit bei der Themensuche.

Redaktion: Werden die Konzepte in der Regel gleich von den Sendern akzeptiert oder wird auch schon mal eine Überarbeitung des Konzepts verlangt?

Das ist auch unterschiedlich. Meistens haben die auch noch eine Idee. Meistens bereichert sie den Beitrag, manchmal sieht es nur so aus wie eine Daseinsberechtigung des Sender-Redakteurs, damit er wenigstens seinen Senf dazu gegeben hat.

Redaktion: Hast Du Dich auf einen bestimmten Themenbereich spezialisiert oder sind die Themen Deiner Beiträge vielfältig?

Gute Frage. Eigentlich vielfältig. Obwohl ich gerne über Events berichte, die auch einen geschichtlichen Hintergrund haben und man dabei auch noch die Region vorstellen kann. Schon in Richtung Reise. Lieber wissenschaftlicher als zu boulevardesque.

Redaktion: Kommt es häufiger vor, dass sich die Produktion schwieriger gestaltet als erwartet oder passieren dabei auch einmal unvorhergesehene Dinge?

Das ist auch ganz unterschiedlich. Manchmal sprechen die Experten oder Protagonisten am Telefon ganz flüssig und toll und bekommen dann vor der Kamera den Mund nicht mehr auf. Manchmal sitzt man im Flieger und der hebt erst drei Stunden später ab wegen Schneefall…. und Du kommst dadurch viel zu spät aber musst trotzdem bis 17 Uhr alles im Kasten haben, da das Werk dann mit der Produktion aufhört und keine Ausnahmen macht. Oder du brauchst Regen und ausgerechnet an dem Tag regnet es nicht, obwohl es seit Wochen regnet… oder du brauchst gutes Wetter, was in Kalifornien der Fall ist und dann regnet es ausgerechnet an dem Tag, zum ersten Mal seit Monaten. Oder die Drehgenehmigungen sind schwierig. Die Beispiele vielfältig. Beim Dreh heißt es immer, Nerven bewahren. Und spontan knifflige Situationen lösen können, aus dem Schlimmsten das beste machen und trotzdem so gut wie möglich zu produzieren.
Und manchmal läuft alles perfekt rund und ist … ja… perfekt!

Redaktion: Hattest Du bei Deinen Produktionen schon einmal besonders erfreuliche oder auch besonders negative oder peinliche Erlebnisse?

Erfreuliche andauernd. Wenn der Beitrag gut ankommt. Der Sender einen wegen der Einschaltquoten lobt. Oder neulich hat mir eine der Protagonisten aus den USA einen Oscar geschickt für die beste Avocadofest-Dokumentation. Das fand ich süß. Es ist schön, wenn die Beiträge gut ankommen.
Man hat Spaß beim Dreh mit allen Beteiligten und dem Team.
Oder an tollen Orten wie der Golden Gate Bridge dreht oder mit spannenden Menschen.
Negativ oder peinlich? Nö. Shit happens. (Sorry) Aber man muss sich ein dickes Fell zulegen.

Redaktion: Welcher Deiner bisherigen Beiträge hat Dir am meisten Freude gemacht?

Oh weh. Kann ich nicht sagen. Man steckt ja bei jedem mit 100 Prozent drin, im Idealfall.

Redaktion: Kann man ungefähr sagen, wie viel Zeit die Produktion eines Beitrages von der Idee bis zum fertigen Film in Anspruch nimmt oder variiert dies stark?

Das kommt auf die Länge des Beitrags und den Schwierigkeitsgrad des Themas an. Und auch, wie gut die Experten und Interviewpartner immer erreichbar sind und für Fragen zur Verfügung stehen. Wie sich Drehtermine vereinbaren lassen. Sagen wir mal für einen Zehn- bis Fünfzehnminüter zwischen drei und vier Wochen.

Redaktion: Du hast Amerikanistik studiert. Kannst Du die während Deines Studiums erworbenen Kenntnisse auch in Deiner jetzigen Tätigkeit sinnvoll anwenden?

Auf jeden Fall. Die Sprache brauche ich fast täglich und gerade deswegen werde ich viel bei den anglo-amerikanischen Drehs eingesetzt. Ob in den USA oder England, das ist eigentlich schon eher mein Drehgebiet als das meiner Kollegen. Aber es interessiert mich auch mehr, über diese Regionen zu berichten.

Redaktion: Konntest Du schon Erfahrungen in der Medienbranche sammeln, bevor Du zu dieser Produktionsfirma gekommen bist und war bereits seit längerem absehbar, dass Du in dieser Branche tätig sein wirst?

Ich habe bereits mit 14 angefangen für unsere Regionalzeitung zu schreiben und auch schon als Kind hatte ich eine elektrische Schreibmaschine. Die war auch immer im Urlaub mit und ich habe Reiseberichte geschrieben. Das mache ich heute immer noch, nur auf höherem Niveau. Zum Fernsehen wollte ich auch schon seit Teenagertagen. Während des Studiums habe ich zum Beispiel Praktika bei der TV Movie und bei der ZDF-Sendung "Leute heute" gemacht. Durchgängig für Zeitungen und Zeitschriften geschrieben. Ich kann mir nichts anderes vorstellen ehrlich gesagt.

Redaktion: Ist die Arbeit bei dieser Produktionsfirma oder in der Medienbranche im Allgemeinen so, wie Du Dir das immer vorgestellt hast?

Es ist schon hart. Ich hoffe irgendwann auf mehr Verdienst und etwas weniger Arbeit.

Da ich jetzt mehr verdienen werde und meine Zeit freier einteilen kann würde ich jetzt schon sagen, dass mein Job meinen Vorstellungen entspricht. (Anm. d. Redaktion: Ergänzung vom 01.04.2009)

Redaktion: Gibt es bestimmte Klischees, Vorurteile oder falsche Vorstellungen über die Medienbranche, die Du an dieser Stelle gerne widerlegen würdest?

Fällt mir spontan nichts ein. Dir?

Redaktion: Was ist es eigentlich für ein Gefühl, die eigenen Beiträge im Fernsehen zu sehen?

Zum einen toll, aber irgendwie gewöhnt man sich komischerweise sehr schnell daran. Wenn man aber mal innehält und darüber nachdenkt, wie viele Millionen Menschen sich jetzt gerade Deine Arbeit ansehen, ist es schon was Besonderes.

Redaktion: Wie siehst Du Deine Zukunft in der Branche und hast Du diesbezüglich gewisse Vorstellungen oder Wünsche?

Moderatorin, am liebsten einer eigenen Reisesendung. Aber auf jeden Fall Moderation.

Redaktion: Gibt es etwas, was Du jungen Menschen, die eine Karriere im Medienbereich planen, unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?

Den Beruf kann man nur ausüben, wenn man ihn aus Leidenschaft macht. Utopische Gehaltsvorstellungen oder ähnliches - das haben nur die wenigsten. In der heutigen Wirtschaftslage sind die Medien kein Schlaraffenland und der Weg dorthin ist hart. Das kann man nur mit Leidenschaft schaffen. Denn finanziell lohnt sich die Anstrengung nicht, da sollte man lieber Informatik studieren. Ansonsten ist es ein toller Beruf, in dem man viele spannende Menschen kennenlernt und sehr kreativ arbeiten kann.

Der Beitrag wurde am 01.04.2009 von jh verfasst.

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