Erich Engels: Die graue Dame & Mordsache Holm

Den meisten Leuten wird der Name Erich Engels nicht geläufig sein. Wenn man auf die Werke des Regisseurs hinweist, werden gerade die späteren Filme, die er zusammen mit Heinz Erhardt gedreht hat, den Meisten ins Auge Fallen. Das waren die Lustspiele "Natürlich die Autofahrer", "Vater, Mutter und neun Kinder" oder "Witwer mit fünf Töchtern". Geht man weiter zurück in das Schaffen von Erich Engels, findet man weiteres Material, das auch heute noch bei einem breiten Publikum bekannt ist: Es handelt sich um die Kurzfilme, die er in den 30er Jahren zusammen mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt gedreht hat. Auch zu dieser Zeit war Engels damit beschäftigt, lustige Unterhaltungsfilme zu drehen. Nur wenige wissen aber, dass Erich Engels eigentlich ein leidenschaftlicher Kriminalfilm-Regisseur war. Bereits in den frühen 30er Jahren inszenierte er mehrere Kriminalfilme, bevor er dann über Jahre hinweg sich dem lustigen Fach zugewandt hatte.


Im Jahr 1936, nachdem er über ein halbes Dutzend Filme mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt gedreht hat, widmete er sich wieder einen Krimi-Stoff. Das war der Film "Sherlock Holmes – Die graue Dame", der 1937 in die Lichtspielhäuser kam. Doch auch hier ließ er es sich nicht nehmen, heitere Komponenten mit einzubauen. Dafür sorgt unter anderem der Kabarettist Werner Finck, der in diesem Film einen nicht unlustigen Diener spielt. In diesem Film geht es darum, dass einem Wissenschaftler wichtige Konstruktionspläne gestohlen werden. Der Privatdetektiv Jimmy Ward hat eine Gangster-Bande in Verdacht und schleust sich bei dieser ein. Schnell stellt sich heraus, dass auch eine junge Dame in dieses Verbrechen mit verwickelt ist...


Im Jahr 1938 kam mit "Mordsache Holm" gleich der nächste Kriminalfilm von Erich Engels in die Kinos. Ohne den unterhaltsamen Aspekt zu vergessen, hat Engels hier einen Krimi gedreht, der keine Elemente eines Lustspiels beinhaltet. Dieser Film erinnert an manchen Stellen eher an die Stilmittel eines Fritz Langs, ohne aber diese Klasse zu erreichen. Trotzdem ist dieser Streifen handwerklich hervorragend inszeniert und schafft es den Zuschauer bis zum Ende gut zu unterhalten. In diesem Film geht es darum, dass auf der Reichsautobahn zwischen Hamburg und Bremen ein brennendes Auto aufgefunden wird. Darin befindet sich eine ermordete Frau. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei der Dame um die Tänzerin Grazielle Holm handelt. Die Ermittler sind sich sicher: Es war Mord! Doch leider gibt es viel zu viele Verdächtige...


Diese beiden Filme sind wahrlich keine Meilensteine, doch sie sind – nicht nur für Krimifans – absolut relevant und wunderbare zeithistorische Dokumente. Das Flair der 30er Jahre ist einfach fesselnd und es ist auch schön, dass diese Filme keinerlei staatspolitische Anbiederungen besitzen. Zwar wurde "Mordsache Holm" damals aufgrund der Darstellung der mustergültigen Verbrechensbekämpfung als "staatspolitisch wertvoll" eingestuft, doch der Film selbst hat keine propagandistische Aussage. Erst das Nachfolgeprojekt "Im Namen des Volkes" kann man so einstufen, da dieser Film sich in propagandistischer Form für die Todesstrafe ausspricht.


Sowohl "Die graue Dame" als auch "Mordsache Holm" wurden jetzt zusammen in einer Box auf DVD veröffentlicht. Viel darf man davon aber nicht erwarten, denn mal abgesehen von einem sehr ansehnlich und schön gestalteten Artwork, fällt die Bewertung dieser Veröffentlichung eher schlecht aus. Auf ein Beiheft mit weiterführenden Informationen hat man komplett verzichtet, stattdessen bekommt man auf der Rückseite des Inlays durch die durchsichtige Hülle Werbung zu sehen, wenn man die Box öffnet und eine der DVDs heraus nimmt. Auf den DVDs selbst findet man neben den Hauptfilmen jeweils nur eine Kurzbiographie des Regisseurs.

Die Filme haben für ihr Alter ein erstaunlich gutes Bild, doch kleine Fehler und Unreinheiten sind noch genug vorhanden. Das wäre nicht weiter störend, wenn nicht gerade im Film "Mordsache Holm" immer wieder störende digitale Fehler auftauchen würden, die man leicht hätte verhindern können.


Diese etwas lieblose DVD-Veröffentlichung mindert den Spaß an den Filmen beträchtlich. Der einzige Pluspunkt neben den eigentlichen Filmen ist lediglich das sehr ansprechende Artwork. Sammler, Krimifans und allen, die gerne handwerklich solide Filme aus der Vorkriegszeit sehen möchten, kann man diese Filme ohne Einschränkung ans Herz legen. Die Mängel dieser DVD-Veröffentlichung sollte sich aber auch jeder vor dem Kauf ins Bewusstsein holen.


Wertung: 5 von 10 Punkten

Autor: Sebastian Kuboth

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