Sein bester Freund

"Sein bester Freund" ist die Geschichte eines Kriminalassistenten und seinen besten Freund, ein Schäferhund. Wenn das nicht an die beliebte Fernsehserie "Kommissar Rex" erinnert...? Doch wir sind in diesem Fall nicht im Wien der 90er Jahre, sondern in der zweiten Hälfte der 30er Jahre in Berlin. Es handelt sich dabei um einen Film des damaligen Sensationsdarsteller, Autor, Regisseur und Produzent Harry Piel, der es insgesamt auf über 100 Spielfilme brachte, die allesamt Aufregende Thematiken aufgriffen und Genres wie dem Abenteuerfilm, den Science-Fiction-Film oder den Kriminalfilm zuzuordnen sind. Ein besonderes Merkmal von Harry Piel war, dass er gerne mit Tieren zusammenarbeitete. Nachdem er bereits im Jahr 1929 einen Stummfilm namens "Sein bester Freund" drehte, produzierte er im Jahr 1936 einen weiteren Spielfilm mit diesem Titel. Dieser handelt vom sympathischen Kriminalassistenten Harry Peters, der sich eines Nachts mit einem scheinbar herrenlosen Schäferhund anfreundet. Nachdem er den Besitzer ausfindig machte und ihm den Hund abkaufte, beginnt eine große Freundschaft. Peters tauft seinen neuen Weggefährten auf den Namen "Greif" und bildet ihn zum Polizeihund aus, der sich durch hervorragende Leistungen verdient macht. Eines Tages beginnt sich Greif komisch zu verhalten: In einem Einsatz lässt er einen Räuber einfach laufen. Nachdem der Gauner ihm das Kommando gegeben hat, fällt er plötzlich einen Polizisten an und verletzt diesen schwer. Danach verschwindet Greif mit dem Räuber und taucht nicht wieder auf... Harry Peters macht sich auf die Suche nach seinem Hund. Er möchte herausfinden, welchen Einfluss der Mann auf seinen Hund hatte und möchte seinen besten Freund rehabilitieren...


Wie man es an der Thematik und auch am Entstehungsjahr sehen kann, hat Harry Piel sich mit diesem Film thematisch dem damaligen Zeitgeist angepasst, ohne dabei einen Propagandafilm abgeliefert zu haben. "Sein bester Freund" ist ein wundervoller Spielfilm, der verschiedene Komponenten wie den Kriminalfilm, den Liebesfilm, der Komödie, den Abenteuerfilm und den Tierfilm miteinander vereint. Piel schaffte es mit diesem Film, ein für damalige Verhältnisse außergewöhnliches Thema in Szene zu setzen, dass durch den charismatischen menschlichen Hauptdarsteller und den ebenso liebenswürdigen tierischen Hauptdarsteller das Publikum auf ganzer Linie unterhalten kann. Man muss dabei bedenken, dass der erste "Lassie"-Film beispielsweise erst knapp sieben Jahre später gedreht wurde.

Während manche Tonfilme der 30er Jahre von Piel vom Aufbau her trotz der vielen abenteuerlichen Szenen ein wenig einfach daher kommen,wirkt "Sein bester Freund" in vielerlei Hinsicht sehr ausgereift und ausgearbeitet. Der Film ist von vorne bis hinten eine runde Sache und kann selbst 75 Jahre nach seiner Entstehung noch überzeugen.


Aufgrund dessen, dass das komplette Filmarchiv von Piel im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, sind leider keine guten Kopien des Streifens mehr vorhanden. Jedoch hat man sich bei der erstmaligen DVD-Veröffentlichung im Rahmen der "Schätze des Deutschen Tonfilms"-Reihe der Firma Spirit Media sichtlich Mühe bei der Restaurierung des vorhandenen Materials gegeben. Das Bild ist zwar nicht perfekt, für sein alter aber sehr sauber und scharf. Lediglich kleine Streifen, Wackler und ein wenig Schmutz ist zu erkennen, dies stört aber kaum und sorgt dadurch, dass das Sehvergnügen nicht eingeschränkt wird. Auch der Ton ist in Ordnung, klar verständlich und ohne störendes Rauschen.


Die DVD-Veröffentlichung kann auch sonst überzeugen. So hat man den Film ein kleines Vorwort mit wichtigen Informationen und auch einen Abspann mit weiteren Informationen und einen zeitgenössischen Schlager verpasst. Das Menü ist ansprechend gestaltet und bietet neben dem Hauptfilm und einer Kapitelwahl eine Extra-Rubrik. Diese beinhaltet Bio- und Filmographien zu den wichtigsten Personen, die an diesem Film mitgewirkt haben, einen Filmvorschau zu "Sein bester Freund" und eine Bildergalerie mit Aushangsfotos und Plakaten.


Die Hülle der DVD ist ebenfalls wieder sehr stilvoll und ansprechend gestaltet. Das Titelbild zeigt ein originales Plakatmotiv der damaligen Zeit. Außerdem findet man auf dem Titelbild und auf der Rückseite der Hülle viele Informationen zum Film und zur DVD, darunter eine Inhaltsangabe, eine Schauspielerliste und ein paar Impressionen aus dem Hauptfilm. Das Innere der Hülle ist mal wieder karg gestaltet. Lediglich die DVD-Scheibe ist darin zu finden. Auf ein Beiheft oder Beiblatt hat man wieder komplett verzichtet. Ebenso fehlen auch diesmal wieder Untertitel für Hörgeschädigte. Weiteres Bonusmaterial in Form von Kurzfilmen oder einem Interview sucht man leider auch vergebens.


Alles in allem muss man sagen, dass "Sein bester Freund" ein regelrechtes Filmjuwel ist, das in der heutigen Zeit leider viel zu unbekannt ist. Harry Piel hat es in diesem 100-minütigen Werk geschafft, Unterhaltung zu schaffen, die für jede Altersgruppe spannend, unterhaltsam und rührend ist. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass durch das Medium DVD diese Filmklassiker der breiten Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden, auch wenn von diesem Angebot mit Sicherheit erst einmal nur Liebhaber des alten deutschen Films Gebrauch machen werden. Ein Anfang ist aber gemacht und man darf darauf hoffen, dass sich auch bald ein kollektives Interesse breit macht, was die deutschen Filme der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts angeht.


Wertung: 8 von 10 Punkten

Autor: Sebastian Kuboth

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