Grand Theft Auto 2

Das Spiel "Grand Theft Auto 2", kurz "GTA2", steht mittlerweile für den PC als Gratis-Download im Internet zur Verfügung. Trotzdem habe ich mir die Version für die Dreamcast zugelegt, da ich Konsolenspiele den Computerspielen bevorzuge und die Steuerung auf der Dreamcast viel angenehmer ist als auf der Tastatur. Den zweiten Teil kannte ich bislang noch nicht, von daher war ich sehr verwundert, dass er sehr große Ähnlichkeiten mit seinem Vorgänger aufzuweisen hat, den ich Ende der 90er Jahre einige Zeit am Computer gespielt habe.

Wie viele andere Spieler war auch ich damals sehr begeistert von GTA. Das Spielprinzip ist sehr einfach aber trotzdem revolutionär gewesen. Als Spieler nimmt man die Vogelperspektive ein und kann sich frei in einer US-amerikanischen Großstadt bewegen. Das Ziel ist es Aufträge für verschiedene Gangsterbanden zu erledigen. Man bekommt sie über öffentliche Telefone mitgeteilt und muss sich anschließend durch die Stadt schlagen, um Banken zu überfallen, bestimmte Autos zu stehlen oder Polizisten zu ermorden.


Das Tolle an den beiden ersten GTA Teilen ist, dass man vollkommene Freiheit besitzt. Die Stadt ist natürlich begrenzt, im Rahmen dessen kann man sich aber frei bewegen, alle Autos stehlen, die einem über den Weg laufen, Passanten überfahren, wahlweise auch erschießen oder eben einfach in Ruhe lassen. Wenn man gerade keinen Auftrag der Gangsterbanden erfüllen möchte, kann man ganz nach Bedarf ein wenig durch die Gegend fahren, eine Sonderaufgabe erledigen (z.B. einen Amoklauf, in dessen Rahmen man mit einer bestimmten Methode in einer bestimmten Zeit z.B. 20 Polizisten oder Passanten erschießen muss). Dass man anschließend von der Polizei in verschiedenen Stufen gejagt wird – umso mehr man angestellt hat, umso mehr wird nach der Figur gefahndet - ist die einzige Konsequenz, mit der man in diesem Spiel nach diversen begangenen Straftaten rechnen muss. Wie im realen Leben kann man bei Gegenwehr von der Exekutive erschossen werden oder man wird verhaftet.


Für das Erfüllen von Aufträgen oder das Zerstören von Fahrzeugen bzw. das Ermorden von Personen bekommt man Geld. Mit diesem Geld kann man z.B. sein Auto umlackieren lassen, wenn man gerade von der Polizei verfolgt wird und wieder anonym sein möchte. Das Ziel eines jeden Levels ist es, eine bestimmte Gesamtsumme einzuspielen. Wenn dies geschafft ist, darf man in einer weiteren Stadt antreten. Insgesamt stehen davon bei GTA 2 drei Stück zur Verfügung, außerdem gibt es Bonuslevels. So darf man z.B. mit Hilfe eines Autos, das ganz in James-Bond-Manier mit Geschossen bestückt ist, in einer bestimmten Zeit verschiedene Eiswägen kaputt schießen. Natürlich wird man auch in diesem Bonuslevel von der Polizei gejagt.


Das Spiel wurde in den letzten Jahren und schon fast Jahrzehnten wegen seiner Gewaltverherrlichung kritisiert. Aufgrund der übertriebenen Handlung und der realitätsfernen Grafik fällt dieser Aspekt in meinen Augen jedoch weg. Ohne auf die prinzipielle Gewaltfrage in Videospielen eingehen zu wollen, muss ich sagen, dass jeder Egoshooter und sogar jedes Action-Adventure ein größeres Gewaltpotential hat als diese Urversionen von Grand Theft Auto.


Zwar ist es schon viele Jahre her, dass ich den ersten GTA-Teil ausführlich gespielt habe, trotzdem blieb mir das Spielprinzip gut in Erinnerung und so sind mir viele gelungene Neuerungen bei Teil 2 aufgefallen. So gibt es diesmal rivalisierende Banden, um dessen Gunst man kämpfen muss. Wenn man Mitglieder der einen Bande erschießt, steigt man in der Gunst der anderen und bekommt dadurch Aufträge zugeteilt. Außerdem gibt es neue Waffen. Neben einer einfachen Pistole und einem Maschinengewehr gibt es mittlerweile auch Schrotflinten, eine Elektro-Waffe, Raketenwerfer, Flammenwerfer und vieles mehr.

Auch die Autos sind vielfältiger und ich habe außerdem den Eindruck, dass das Fahren einfacher geworden ist. Wenn man schnell fährt, zoomt die Kamera zurück und man hat es leichter als zuvor Hindernisse zu umfahren, sodass die Verfolgungsjagden und das einfache Rasen noch mehr Spaß machen. Anders als beim ersten Teil hört die Polizei, soweit man nur aufgrund kleiner Delikte gesucht wird, mit dem Suchen auf, wenn man sich ein wenig versteckt oder nicht weiter auffällt. Außerdem ist man nicht mehr der einzige, der Leute aus den Autos zieht, um diese zu stehlen oder der Leute umbringt. Die Passanten sind teilweise selbst bewaffnet, wehren sich und wenn man bei einer Gangsterband ein ordentliches Stein im Brett hat, schießen diese sogar auf die Polizei, wenn man verfolgt wird.


Der Spielspaß bei GTA 2 ist also unbegrenzt. Man hat deutlich mehr Möglichkeiten als beim ersten Teil und das ohne, dass der Charme des Vorgängers verloren geht. Durch die vielen Feuertreppen und Möglichkeiten auf manche Dächer der Häuser zu steigen und dort verschiedene Waffen und Goodies zu sammeln, konnte man den "Entdecker-Faktor" des ersten Teils noch einmal deutlich steigern. Die verschiedenen Gangs schaffen es dem Spiel noch mehr Leben einzuhauchen. Dies wird weiterhin durch die individuelle Musik bzw. der Geräuschkulisse in den verschiedenen Autos unterstrichen.

Einziger Kritikpunkt ist, dass der Schwierigkeitsgrad sehr hoch angesiedelt ist. Selbst als erfahrener Spieler hat man bereits in der ersten Stadt Probleme, alle Aufträge ohne großen Frust zu lösen. In der zweiten Stadt erhöht sich das noch einmal deutlich. Nicht nur, dass die Amok-Varianten komplizierter werden, auch die Polizei legt eine härtere Gangart an den Tag. Sie sind jetzt sogar zu Fuß unterwegs, kommen nicht nur in normalen Polizeiautos angefahren, sondern auch in Bussen und ab Level 2 auch in zivilen Polizeifahrzeugen (FBI?), die nicht wie die Kollegen in Blau mit einer normalen Pistole, sondern mit Maschinengewehren ausgestattet sind. Entsprechend schnell segnet man das Zeitliche, aber entsprechend reizvoll ist dieses Spiel dadurch geworden. Man kann es immer und immer wieder spielen, ohne dass es langweilig wird. Der Frust wird gemindert, sobald man neue Erfolge feiern kann und durch die verschiedenen Stadtlandschaften gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken. Und wenn man das Spiel mal ganz durchgespielt hat, kann man ohne bestimmte Ziele ein wenig randalieren und einige Amokfahrten unternehmen. Auch ein Cheatmodus ist vorhanden, der diese Spielereien noch interessanter gestaltet.


Ob nun zu Fuß, im Rennauto, im Polizeiwagen oder mit einem Panzer: GTA 2 macht ungeheuer viel Spaß und hat es geschafft, noch einmal eine deutliche Steigerung zu seinem berühmten Vorgänger hinzulegen. "Grand Theft Auto" ist ein großer Klassiker, der Videospielgeschichte geschrieben hat und der in seiner ursprünglichen Form noch viele Leute Vergnügen bereiten wird.


Wertung: 8 von 10 Punkte

Autor: Sebastian Kuboth
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