Maria Helm

Seit wann wohnen Sie in der Widenmayerstraße?


Seit 1972.


War zu dieser Zeit noch ein echter Schreiner in der Werkstatt?


Nein. Die stand schon leer. In den Jahren vorher - also vor dem Krieg und während des Krieges noch - wohnte dort der Hausmeister für das Vorderhaus. Da war die Einfahrt für die Pferdekutsche. Später war es dann eine Schreinerei.


Es war also das Haus des Hausmeister während des Krieges gewesen?


Nein, vor dem Krieg. Das Haus wurde 1898 gebaut. Da ist man dann hier mit der Kutsche rein gefahren und hinten war dann der Hausmeister in dieser Wohnung. Es war sozusagen das Haus des Hausmeisters und des Pferdekutschers. Während des Krieges ist es dann eine Schreinerei geworden. Nach dem Krieg war es sicher auch noch so, aber als ich eingezogen bin, stand die Werkstatt bereits leer.


Welcher Schreiner dort ansässig war, wissen Sie nicht mehr?


Nein. Also Eder ist ein fingierter Name. Das könnte man vielleicht im Einwohnermeldeamt erfahren.


Wissen Sie ansonsten etwas über die Geschichte der Werkstatt?


Da wüßte ich nichts. Einmal hat man darin mal ein paar Sandler gefunden, wie die Wiener sagen. Die hat man gerochen, weil sie in die Werkstatt reingegangen sind und dort übernachteten, als diese leer gestanden ist. Dann kam irgendwann das Filmteam. Am Ende haben sie dann noch gewartet, bis sie den Brand (Anm. d. Red.: Für die Folge "Pumuckl spielt mit dem Feuer) inszinieren können. Anschließend wurde die Werkstatt dann abgerissen und es wurden Tiefgaragen dort hin gebaut. Darüber dann der Glaskomplex für die Versicherungskammer, wo jetzt die ganzen EDV Anlagen drin sind.


Wann haben Sie davon erfahren, daß bei Ihnen gedreht werden sollte?


Bei uns im Haus wird öfters mal gedreht. Da gibt es dann einen Anschlag am schwarzen Brett und dort stehen dann alle Informationen, wann gedreht wird.


Vor "Meister Eder und sein Pumuckl" wurde dort nie gedreht?


Nein. Aber das war vorher wirklich eine Schreinerwerkstatt. Das Zeug wurde nicht erst hinein geschafft, sondern war noch drin. Aber das war auch von der Versicherungskammer aus klar, daß die alles abreißen wollen. An einem 15. August haben wir dann erfahren, daß das hier alles abgerissen werden soll (Anm. d. Red.: Werkstatt und Vorderhaus.). Dann haben wir eine Bürgerinitiative gestartet. Mit Photos... die "Quick" haben wir dann organisiert. Dann sind welche über das Lehel geflogen und haben alles aufgezeichnet, was alles zur Versicherungskammer gehört. Dann haben wir das Vorderhaus gerettet. Zuerst wurde die Fassade unter Denkmalschutz gestellt, später dann das ganze Haus. Aber hinten, das ist dem neuem Objekt zum Opfer gefallen. Dabei wäre es so schön gewesen, wenn man das integriert hätte. Das wäre lieb gewesen.


Die Werkstatt sieht immer so aus, als wären das drei Häuser gewesen bzw. als hätte man dort noch etwas abgerissen...


Das Gebäude ist genau so wie es in der Serie auch gezeigt wird. Nach rechts war noch ein Gebäude, das ist aber nicht im Zusammenhang mit der Werkstatt gewesen. Das ging raus in die Gewürzmühlstraße. Das Jugendstilhaus, da war das kleine Haus dazwischen.


Wie haben Sie die Dreharbeiten miterlebt?


Bei einer Szene war einmal Winter, da kamen die Filmleute mit Säcken angelaufen - die sind sowieso immer zu mir rauf gekommen. Ich hatte damals eine Nachbarin, sie war eine Galeristin, die war immer sehr belästigt durch alles. Sie hat dann gemeint, daß ihre Galerie-Besucher durch die Dreharbeiten versprengt werden. Wenn mal was gebraucht wurde, wie z.B. eine Tasse, die man kaputt machen kann, da sie schon einen Riß hatte, wie eine von meinem blauen Service, dann sind die Filmleute mal schnell herauf gekommen. Dann haben sie gefragt, ob sie es bei mir aus den Fenstern heraus schneien lassen dürfen. Ich willigte ein, hatte aber keine Ahnung, daß die Styroporbröseln alle rückwärts in die Wohnung herein fliegen. Ich hatte dann in allen Räumen diese aufgeladenen Bröseln gehabt. Sie haben vorher schon versprochen, sie machen alles wieder sauber. Das haben sie auch gemacht.


Sind Sie sonst irgendwie mit in die Dreharbeiten einbezogen worden?


Alle die zu sehen waren, waren Komparsen.


Wie lange war der Zeitraum der Dreharbeiten?


Das kann ich nicht mehr sagen. Ich habe nicht in Empfindung, daß das mehr als zwei Jahre waren. Ich würde fast sagen, das war nur in einem Jahr. Es war mal Frühling und mal Sommer aber ob da überhaupt mal ein Winter war...


Der war ja künstlich


Ja, das waren Styroporflocken.


Hatten Sie sonst mal zu Schauspielern Kontakt?


Nein. Man hat halt gegrüßt und mal gefragt, wie es geht. Das war auch alles. Ich war damals auch berufstätig und hatte eine Familie. Das ist dann nebenher gelaufen.


Hatten Sie Angehörige bzw. Kinder die damals daran Interesse hatten.


Ja die haben es dann im Fernsehen geschaut und die Platten angehört. Mein Enkel war damals 3 oder 4 Jahre alt. Der andere Enkel war noch nicht geboren. Meine Kinder haben hier nicht mehr gewohnt.


Haben Sie die Folgen im Fernsehen selbst mal angeschaut?


Ja klar. Auch heute, wenn man mal schnell herumschaltet und Pumuckl läuft. Dann gibt es noch die wirklich alten Serien, da schaue ich schon gerne mal zu, wenn man mal die Fassade sieht. Der Eingang hier war ja auch wirklich schön.


Was wurde denn noch so hier gedreht?


Das Letzte war Siska.


Der Abriß war eher eine heimliche Aktion?


Nicht gerade eine heimliche Aktion. Als das Haus schon weg war, war dahinter ein Riesen Birnbaum und eine herrliche Hollerstauden und ein alter Kastanienbaum. Das ging dann fließend über zur Sternstraße. Das dahinter war alles zerbombt gewesen. Da war ein gestampfter Platz der bayrischen Versicherungskammer. An einem Samstag in den großen Ferien sind dann früh die Leute gekommen und sind bei Anbruch des Tages mit den Sägen brutal über unseren Kastanien her.


Es gab ja recht große Proteste der Anwohner...


Ja wir haben uns alle gewehrt, aber das mit der Werkstatt war klar. Wir waren dann glücklich, daß wir das Vorderhaus gerettet haben. Das ist doch ein Wahnsinn.


Gab es damals schon Fernsehzuschauer, die die Werkstatt gefunden haben?


Es gab mal eine Kinderschar mit den Eltern aus Nordrhein-Westfalen. Die sind da spazieren gegangen und haben durchs Tor geschaut und haben die Werkstatt dann entdeckt. Aber sonst eher weniger. Heute ist die Nachfrage nicht mehr so groß. Vielleicht kommen bald die damaligen Kinder mit ihren eigenen Kindern.


Ansonsten hat sich keinerlei Kontakt erhalten aus der Zeit?


Das war dann wie vom Winde verweht. Ich dachte mal einige Zeit, daß die eine Schauspielerin, aus der Serie, ab und zu mal in der St. Anna Kirche zu sehen war. Und jetzt ist die Werkstatt weg. Die Bomben haben es nicht geschafft, die Menschen später dann doch.


Vielen Dank für Ihre Geduld!


Das Gespräch führte Sebastian Kuboth

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