Hausfrauen-Report Teil 1

Die Hausfrauen-Report Reihe ist neben den Schulmädchen-Reporten die erfolgreichste Filmreihe aus dem Reportfilm-Genre. Insgesamt gibt es sechs Hausfrauen-Reporte, die im Zeitraum von 1971 bis 1978 gedreht wurden. Der erste Film zählt zu den ersten Report-Filmen überhaupt. Ein wichtiger Unterschied zwischen diesen beiden Filmreihen ist, dass verschiedene Produktionsfirmen und aus diesem Grund auch verschiedene Regisseure an den Filmen gearbeitet haben. Das verleiht den jeweiligen Produktionen trotz der sehr ähnlichen Machart, eine ganz unterschiedliche Identität. Bei fast allen Schulmädchen-Report Filmen führte zum Beispiel Ernst Hofbauer Regie. Er verlieh den Filmen eine sehr brisante Note und inszenierte sie aufwühlend und sehr kritisch, auch wenn das in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so intensiv auf den Zuschauer wirkt, wie es damals der Fall war. Die Hausfrauen-Reporte, die genau wie beispielsweise der Ehemänner-Report oder der Krankenschwestern-Report von der Filmfirma TV13 produziert wurden, wirken dagegen etwas lockerer und – trotz den Bemühungen, den Filmen eine gewisse Authentizität zu verleihen – unfreiwillig komisch. In fast allen dieser TV13 Reportfilmen spielt der Schauspieler Gernot Möhner den Studenten der politischen Wissenschaft Bernd Mittler. Die Zuschauer der Filme begleiten ihn und seine Frau Brigitte Mittler, die Soziologie studiert, durch das Geschehen, während die Beiden versuchen, durch Befragungen für ein Meinungsinstitut Gründe für Missstände in der modernen Gesellschaft festzustellen. Im ersten Hausfrauen-Report sucht man den Hauptgrund für die derzeitige Scheidungswelle in der Bundesrepublik.


Der Film beginnt polarisierend und provokant. Genau wie es beim Krankenschwestern-Report mit der Sex-Szene im Krankenbett schon der Fall war. Nur diesmal ist es eine Hausfrau in Kittelschürze, die während des Bügelns gerade von einem Klempner beglückt wird. Nach einem kurzen Dialog wird auch schon der Off-Sprecher eingeblendet. Dieser schildert mehr oder weniger seriös die Problematik der sich drastisch steigernden Scheitungsraten. Nachdem er die Frage in den Raum gestellt hat, wie diese rapide Steigerung zu erklären ist, folgt ein Schnitt auf einen Marktplatz in München. Dort werden Passanten befragt, woran es liegen könnte, dass sich so viele Leute scheiden lassen. Unter den ersten drei Befragten befindet sich u.a. die Schauspielerin Rosl Mayr, die sehr verschmitzt über die "Spaghettifresser" lästert. Es folgen weitere Straßenbefragungen, von denen die meisten meiner Einschätzung nach nicht gestellt sind. Es ist immer wieder herrlich, einen Blick in die Zeit der frühen 70er Jahre zu werfen. Wie die Leute aussahen, wo sie befragt werden und welche Ansichten sie vertraten. Nach weiteren interessanten und manchmal auch witzigen Antworten bei den Straßenbefragungen, sieht man zum Schluss noch eine alte Dame, die sich ein wenig aufregt: "Schämen sie sich denn gar nicht, so etwas zu fragen? Wer sind sie denn überhaupt". Nachdem sich der Interviewer mit den Worten "Wir arbeiten für ein Meinungsforschungsinstitut, gaanz Seriöse Leute, die nicht zu ihrem Vergnügen Fragen. Wir versuchen die Hauptgründe für die derzeitige Scheidungswelle festzustellen" rechtfertigt, folgt ein Schnitt in das Meinungsforschungsinstitut. Dort beginnt dann auch die Rahmenhandlung des Films. Der Zuschauer beginnt nun, das Pärchen Mittler zu begleiten, wie sie nach und nach Adressen von Hausfrauen abklappern, die vorher schon einen Fragebogen zu dem Thema ausgefüllt haben. In Episodenhaften Filmchen wird gezeigt, wie das Pärchen Mittler die einzelnen Fälle hinterfragen und in Rahmen von Interviews näher auf bestimmte Punkte im Fragebogen eingehen. Es folgen Gespräche mit verschiedenen Personen und kleine Filme, die die Erlebnisse der einzelnen Personen im Bezug auf die Hauptthematik darstellen. Natürlich darf auch hier der Off-Sprecher nicht fehlen, der die Seriosität weiterhin vorgaukeln soll. Dieser pseudodokumentarische Stil, die damit verbundene unfreiwillige Komik, die einzelnen Geschichten, die ganz unterhaltsam sind und die vielen bekannten Schauspieler, sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Gerade mit den fast 40 (!) Jahren Abstand, wirken diese Filme ebenso kultig wie trashig. Auch diesmal kann sich die Darstellerliste absolut sehen lassen. Neben der schon oben erwähnten Rosl Mayr, sind diesmal wieder bekannte Gesichter wie Ellen Umlauf, Walter Feuchtenberg, Wolf Ackva, Sybil Danning, Elisabeth Volkmann, Renate Kaschè oder Josef Moosholzer mit von der Partie.


Natürlich wird im kompletten Film immer wieder auf das Thema Hausfrau eingegangen. Lustig sind die vielen Anspielungen auf Hausfrauen, die man immer wieder zu sehen bekommt. So hängt beispielsweise in einem Waschsalon das Plakat "Es sind nicht die schlechtesten Hausfrauen, die waschen lassen". Auch auf der Titelseite einer Zeitung oder in einem Artikel in einer Zeitschrift kann man das Hausfrauen-Thema entdecken. Aus der Sicht von Heute ist der Film erst recht interessant. Aussagen wie "Haben Sie keine Angst vor eventuellen Folgen?" "Wenn man regelmäßig die Pille nimmt? Was soll schon sein?" sind heute gar nicht mehr vorstellbar. Auch die Schönheitsideale von damals weisen im Vergleich zu heute einige Unterschiede auf. Gerade was das Thema Behaarung angeht. Der absolute Höhe- bzw. Tiefpunkt in dieser Hinsicht ist eine Sexszene mit Sybil Danning. Dort wird in Großaufnahme 46 (!) Sekunden lang gezeigt, wie ihre zarten, weiblichen Finger lustvoll durch die reichlich vorhandenen Brust-, Schulter-, Rücken- und Beinhaare ihres Filmpartners streichen. Grausam.


Am Ende des Films sieht man noch einmal ein positives Beispiel einer modernen Familie, sowie ein Abschlusswort während einer Konferenz im Meinungsinstitut und ein – diesmal sehr dezent gehaltenes – Fazit des Pärchen Mittler, die feststellen, dass einer der wichtigsten Punkte einer Ehe ist, sich im Bett zu verstehen.


Dieser Film ist gerade im Vergleich zu den Schulmädchen-Report Filmen sehr interessant und aus seiner Zeit heraus äußerst unterhaltsam und sehenswert. Bei diesen Produktionen sieht man auch optisch noch den Kontrast zwischen den damals neu angebrochenen 70er Jahren und den langsam verschwindenden Mief der – damals noch gegenwärtigen – 50er und 60er Jahre. Die ersten Einstellungen des Hausfrauen-Reports erinnern von den Farben, der Einrichtung und vielen weiteren Kleinigkeiten noch ein wenig an Filme der 50er Jahre. Eine interessante Mischung also.


Der erste Hausfrauen-Report zählt in meinen Augen zu einen der wichtigsten Filme der Erotik Classics Reihe. Als einer der ersten Report-Filme kann der Hausfrauen-Report durch die vielen oben angesprochenen Aspekte absolut überzeugen. Es handelt sich hier leider um ein untergegangenes Genre, das vielleicht irgendwann mal wieder eine kleine Renaissance erleben wird. Gerade in der heutigen Zeit kann man diese Filme aus einer ganz anderen Sichtweise sehen. Für Unterhaltungswert ist in jedem Falle gesorgt. Wer also noch Material für einen Männer-Abend sucht, der wird hiermit vielleicht genau richtig liegen.


Wertung: 6 von 10 Punkten

Autor: Sebastian Kuboth

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