Burg Schreckenstein - 3 - Die Rennfahrer von Burg Schreckenstein

Es gibt so Hörspiele, mit denen ich einfach unglaublich viel positive Dinge verbinde, was objektiv betrachtet wohl eher schwer nachvollziehbar ist. Bei diesem Fall handelt es sich um den dritten Teil der "Schneider Ton" Hörspielreihe "Burg Schreckenstein" mit dem Namen "Die Rennfahrer von Burg Schreckenstein". Dazu muss gesagt werden, dass das die einzige Folge dieser Hörspielreihe ist, die ich jemals besessen und gehört habe. Später habe ich noch 2-3 Bücher der Reihe gelesen, das war es dann aber auch schon, mal abgesehen von einer Hörbuchversion, gesprochen von Rufus Beck, die ich mir vor einigen Jahren noch zugelegt habe.


Diese Folge besitze ich bzw. mein Bruder – der Besitzanspruch ist bis heute nicht so richtig geklärt – seit mindestens 1988. Ich erinnere mich, wie ich damals schon das Titelbild nicht richtig interpretieren konnte. Lange Zeit habe ich das, was der Junge auf dem Titelbild in der Hand hält, als so etwas wie eine Mistgabel interpretiert, obwohl es sichtlich ein Rennrad ist. Auch wenn die Geschichte dieses Hörspiels nicht viel hergibt, habe ich die Kassette sehr oft gehört. Und das tue ich bis heute immer wieder mal gerne. Sei es beim Lego-Spielen (damals) oder nebenbei am PC (heute). Nach wie vor einfach herrlich! Aber warum? Heute würde ich es einfach so begründen, dass das Hörspiel so schlecht ist, dass es schon wieder gut ist. Und das ist es wirklich. Andererseits besitzt das Hörspiel einen unglaublichen Charme, den ich bis heute nicht erklären kann. Ob es einfach nur die Nostalgie ist, oder die holprige, aber doch irgendwie liebenswürdige Umsetzung, lasse ich an dieser Stelle einmal offen.


Die Geschichte beginnt damit, dass die Jungs von Burg Schreckenstein den "Neuen" ein bisschen einführen in ihre Welt, in dem sie ihn nachts in die Folterkammer der Burg entführen. Dort legen sie ihn auf die Streckbank und entzünden ein kleines Feuer vor seinen Füßen, nachdem sie diese frei gelegt haben. Andi schlägt sich ganz gut und integriert sich schnell in der Gruppe. Zusammen mit Dampfwalze kann er sogar seine Leidenschaft für das Fahrradfahren ausleben. Aber dazu gleich mehr. Vorher hecken die Jungs einen Streich aus, um bei einer Familienfeier des Direktors für mächtig viel Ärger zu sorgen. Anders als erwartet ist dieser jedoch positiv angetan davon, dass die Jungs seine Verwandtschaft vertrieben hat, denn diese kann er gar nicht leiden.


Aber der nächste Streich lässt nicht lange auf sich warten. Als Dampfwalze sein Fahrrad ein wenig aufpoliert, kommt er zusammen mit Andi bei einer kleinen Ausfahrt auf eine außergewöhnliche Idee. Sie wollen zusammen mit den Fahrrädern nach Norditalien fahren, um dort den "Giro", ein bekanntes Fahrradrennen, anzuschauen. Zusammen überlegen sie, wie man mehrere Tage verschwinden kann, ohne dass dies sofort auffällt. Damit keine Panik ausbricht, sobald dies auffällt, haben sie der Tochter des Lehrer Waldmanns im Mädchenpensionat einen Brief zugesteckt, die ihn weiterreichen soll, sobald die Situation brenzlig wird. Aber bis das soweit ist, machen sich die Jungs erst einmal auf den Weg zur österreichischen Grenze. Als das Ganze im Internat bemerkt wird, stellt sich nach und nach heraus, was los sein könnte. Aber erst Sonja, Waldmanns Tochter, kann mit dem Brief für endgültige Aufklärung sorgen. Dr. Schüler macht sich auf den Weg nach Italien. Währenddessen machen Andi und Dampfwalze in einem italienischen Restaurant eine Bekanntschaft mit einem Schweizer Reporter, der schier begeistert ist von der Geschichte der Beiden. Er möchte sie, soweit sie es wirklich bis zum Fahrradrennen schaffen, sogar ins Fernsehen bringen. Und das tut er auch. Gleichzeitig sehen die anderen Jungs des Internats vor dem Fernseher das Rennen und versuchen die Beiden ausfindig zu machen. Als die Internat-Schüler schon keine Lust mehr haben, weiter zu gucken, werden Andi und Dampfwalze vom Reporter als "Die Giganten der Landstraße" vorgestellt.


Nachts kommen die Beiden zusammen mit Dr. Schüler wieder zurück ins Internat. Für eine Standpauke des Direktors ist es zu spät, dafür müssen die Jungs noch in den "Rittersaal". Dort wird Andi ganz offiziell von seinen Kameraden als "Ritter" mit dem Spruch "Ich will auf Burg Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein" aufgenommen.


Mit derselben fetzigen Gitarrenmusik wie das Hörspiel beginnt, endet es auch. Was bleibt ist ein ironisches Grinsen und doch wieder ein schönes Gefühl. Und somit hat das Hörspiel seinen Zweck in jedem Falle erfüllt.


Die Frage stellt sich nun, warum das Hörspiel so grenzwertig ist: Nicht nur, dass das Drehbuch und die Dialoge streckenweise äußerst holprig sind, die Sprecher sind zum Teil einfach nur schlecht. Das liegt vorallem an den vielen Jungsprechern, die die Rollen der Schüler vertonen. Die Krone setzt dem Ganzen die Erzählerstimme auf, die ebenfalls von einem der jungen Sprecher in der Rolle eines der Schüler gesprochen wurde. Gerade bei diesen schweren Sprecherparts ist es klar, dass ein Amateursprecher keinen guten Eindruck hinterlässt. Aber genau das macht das ganze auch wieder interessant und sympathisch. Ebenso witzig wie unterhaltsam ist der verkrampfte Versuch, die Charaktere Modern wirken zu lassen, was gerade aus heutiger Sicht besonders viel unfreiwillige Komik hervorruft, wenn lockere Sprüche wie "Schwing Dich!" leicht verkrampft geäußert werden.


Dieser kultige Aspekt sollte sich jedoch nicht an meiner Objektivität reiben. Deswegen kriegt das Hörspiel aufgrund der Nostalgie- und des Trash-Faktors nur einen Zusatzpunkt. Allen Freunden der "guten alten Hörspiele", bei denen man oftmals eins bis zwei Augen zudrücken muss, um diese bis zum Ende fertig anhören zu können, sei dieses Hörspiel jedenfalls voll ans Herz zu legen.


Wertung: 4 von 10 Punkten

Autor: Sebastian Kuboth

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