Da rockt die Lederhose

Kurz bevor es zu Ende war mit der klassischen deutschen Sex-Komödie und dem ursprünglichen Lederhosenfilms, gab es Ende der 70er Jahre und um das Jahr 1980 herum noch einmal ein letztes großes Lebenszeichen dieser Genres. Zu verdanken hat man dies hauptsächlich den Regisseur und Autor Franz Marischka. Er war es, der zusammen mit einigen wenigen anderen Regisseuren noch einmal etwas Schwung in diese Filme brachte, bevor er sich in den 80er Jahren den Ibiza- und Jugendkomödien zugewandt hatte. Marischka hat diesen Filmen mehr handwerkliche Qualität verpasst und hebt sich dadurch von Leserhosenfilme ab, die zum Beispiel von Leuten wie Alois Brummer geprägt wurden. Die Situationskomik, die Wortwitze und der Humor im allgemeinen wurde viel besser integriert als bei den Vorgängern, die fast nur durch Plumpheit auffielen und die Zuschauer einfach nur aus der Tatsache heraus in die Kinos locken konnte, dass viel nackte Haut gezeigt wird. Marschika setzte dagegen auf eine unterhaltsame Handlung und eine Handvoll bekannter Gesichter. Leute wie Rosl Mayr, Peter Steiner, Fred Stillkrauth, Toni Netzle, Josef Moosholzer oder Hermann Giefer kamen beim Publikum gut an, verstanden es, den Humor der Filme entsprechend zu transportieren und waren einfach "Originale", wie man so schön sagt. Gerade Rosl Mayr ist aus diesen Filmen kaum weg zu denken. Ohne dieser "Grande Dame" hätten die Streifen einiges an Mehrwert verloren.


Die VZ Handels GmbH hat jetzt unter den Titel "Da rockt die Lederhose" eine kleine Sammlung der spät-70er Lederhosen-Filme in einer DVD-Box veröffentlicht. Man hat sich zwar die Mühe gemacht, mit dem neuen Namen und einer leicht bekleideten Dame, die scheinbar mit dem Computer erstellt wurde, der Veröffentlichung einen eigenen Charakter zu verleihen, doch gerade die Abbildung dieser künstliche Dame wertet die Box optisch ganz schön ab und lässt sie eher "billig" als hochwertig wirken. Dazu kommt die sehr einfache Pappschachtel, in der die vier DVDs untergebracht sind und die man allesamt auch einzeln in dieser Form kriegen kann. Die DVDs selbst haben neben einer kleinen Diashow keinerlei Bonusmaterial. Sicherlich haben diese Filme es verdient, in einer würdigeren Form veröffentlicht zu werden. Genug Material und Informationen für die Extras wären vorhanden. Es muss ja nicht immer Filmmaterial sein. In Form von Texten, Bildern und Interviews könnte man Leute wie Peter Steiner, Rosl Mayr, Franz Marischka oder Josef Moosholzer ein wenig würdigen. Dass die DVDs dadurch aufgewertet werden und die Käufer mehr geboten bekommen, liegt dabei auf der Hand.


Die Box beinhaltet die Filme "Das Wirtshaus der sündigen Töchter" (BRD, 1978), "Zum Gasthof der spritzigen Mädchen" (BRD, 1979), "Drei Lederhosen in St. Tropez" (BRD, 1980) und "Der Kurpfuscher und seine fixen Töchter" (BRD, 1980). Einzig der erstgenannte Film von 1978 stammt nicht von Franz Marischka. In allen anderen führte er Regie und ist auch für das Drehbuch verantwortlich. Seine Handschrift ist also in diesen Filmen spürbar. "Das Wirtshaus der sündigen Töchter" wurde von Walter Boos inszeniert, der auch schon seit den frühen 70er Jahren Sexfilmkomödien und Report-Filme gedreht hat. Er ist neben wenigen anderen Kollegen wie Marschika, Hofbauer oder Billian einer der wenigen, der routiniertes handwerkliches Können in seine Sex-Filme mit eingebracht hat.


Sehr positiv an dieser Box ist, dass die Filme nahezu ungekürzt sind. Schon auf den Titelbildern befinden sich die Schriftzüge "Ungekürzte Original Kinofassung", was wohl auch stimmen wird. Eine frühere Veröffentlichung von "Der Kurpfuscher und seine fixen Töchter" hatte zum Beispiel nur eine Spielzeit von 75 Minuten, obwohl auf der Hülle 87 Minuten angegeben wurden. Die Version in dieser Box hat eine Laufzeit von 82 Minuten, was ganze sieben Minuten Unterschied zur vorherigen Veröffentlichung ausmacht. Somit wird es keine großangelegten Enttäuschungen beim Kauf der "Da rockt die Lederhose"-Box geben. Wer mit den hier aufgeführten Mängeln zurecht kommt, wird sicherlich eine "mords Gaudi" damit haben.


Wertung: 5 von 10 Punkten
Autor: Sebastian Kuboth
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