Hilde

"Wie sieht die Stadt wohl heute aus? In dieser Stadt war ich mal zu Haus." Mit diesen Textzeilen beginnt der Film "Hilde". Die Geschichte beginnt im Jahr 1966, Hildegard Knef ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und besucht zum ersten Mal seit dem Mauerbau wieder ihre Heimatstadt Berlin, um dort ein Konzert in der Berliner Philharmonie zu geben. Die ersten Einstellungen des Filmes zeigen wunderschöne Originalaufnahmen aus dieser Zeit, die in guter Qualität, in Farbe und in Verbindung mit diesem Lied ein unglaubliches Feeling vermitteln, genau jenes Feeling, das die Lieder der Knef seit jeher ausgemacht haben. Der Anfang findet seinen Höhepunkt, als man gerade bei der Textstelle "Wie sieht die Stadt wohl heute aus?" des Liedes "In dieser Stadt" das Brandenburger Tor mit einer großen Mauer davor zu Gesicht bekommt. Ein derber Rückschlag für den Zuschauer und ein Filmanfang, wie man ihn kaum besser inszenieren könnte. Schließlich fasst dieses Bild wohl am besten zusammen, was die Jahrzehnte zuvor in Deutschland, auf der Welt und im Leben der Hildegard Knef geschehen ist.


Kaum in Berlin angekommen, wird Hilde von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie muss daran denken, wie ihre Karriere als junge Frau begonnen hat. Der Zuschauer bekommt so die Gelegenheit, den Weg der Hildegard Knef noch einmal etwas genauer betrachten zu dürfen. Alles beginnt mit einem Vorstellungsgespräch im UFA-Besetzungsbüro im Jahr 1943, also mitten im Krieg. Hildes Familie hat endlich die Zusage bekommen aus Berlin evakuiert zu werden, doch die junge Hilde will bleiben, um für den Film zu arbeiten. Zwar will dies ihre Mutter nicht zulassen, doch ein Empfehlungsschreiben von Joseph Goebbels lässt auch sie verstummen. Hilde beginnt eine Affäre mit Ewald von Demandowsky, einem hohen Tier in der nationalsozialistischen Filmbranche. Als dieser in den Volkssturm geschickt wird, geht sie mit, um nicht den Russen ausgeliefert zu sein. Als sie gefangen genommen werden, trennen sich ihre Wege. Allein kehrt sie nach Berlin zurück und kämpft darum, bald wieder als Schauspielerin auftreten zu können. Es folgt eine großartige Karriere, die immer wieder durch Rückschläge geprägt ist. Erst im Verlauf der fünfziger und sechziger Jahren schafft es Hilde, sich selbst zu finden und eine Linie in ihr Leben zu kriegen.


In den Übergängen mancher Szenen bekommt man Zwischentafeln zu sehen, die Zitate aus ihren wohl bekanntesten und größten Song "Für mich soll's rote Rosen regnen" stammen. Dieser Liedtext beschreibt wohl am besten die Persönlichkeit, die hinter Hildegard Knef steckt. Nachdem man zwischendurch immer wieder für wenige Sekunden zurückkehrt ins Jahr 1966, schließt sich der Kreis am Ende des Films. Dort erfährt Hildegard Knef nicht nur vom Tod ihres Mentors Erich Pommer, sondern gibt nach einem großen Gefühlsausbruch sehr abgeklärt und mit sich im Reinen ein großartiges Konzert. Dort singt sie natürlich auch das Lied "Für mich soll's rote Rosen regnen". Damit endet der Film und mit dem passenden Lied "Von nun an ging's bergab" hat man mit Sicherheit das beste Stück für den Abspann ausgesucht. Der Song wird sehr poppig gespielt und man bekommt noch einmal Bilder aus dem Leben der realen Hildegard Knef zu sehen.


Was vor allem das Ende des Filmes dominiert, sind die großartigen Lieder der Knef. Spätestens an dieser Stelle muss ich Heike Makatsch nennen, die nicht nur in unglaublicher Art und Weise die Rolle dieser einzigartigen Diva verkörpert, sondern zusätzlich noch die Lieder allesamt selbst gesungen hat. Ein ganzes Jahr Gesangsunterricht hat sie dafür bekommen und für die Rolle selbst hat sie sich sogar ganze zwei Jahre lang Vorbereitung gegönnt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn Makatsch schafft es, den Zuschauer vergessen zu lassen, dass es sich um einen Film handelt, den man gerade sieht. Man meint wirklich in das Leben der Schauspielerin und Sängerin einzutauchen. Die Ähnlichkeiten, die Heike Makatsch mit der Knef hat, half ihr bei der Umsetzung der Rolle sicherlich -manchmal könnte man meinen, dass man Hildegard Knef tatsächlich gerade auf der Leinwand sieht. Doch der harten Arbeit, die Makatsch in der Vorbereitungszeit investiert hat, ist es zu verdanken, dass sie nicht nur den einzigartigen Duktus, sondern auch die Charakterzüge dieser Persönlichkeit für ihre Rolle verinnerlichen konnte.


"Hilde" vermittelt einen bleibenden Eindruck, den man mit Sicherheit noch einige Stunden, vielleicht sogar Tage mit sich herum tragen wird. Anders als viele andere biographischen Filmproduktionen schafften es die Macher, diesen Film spannend und fesselnd zu inszenieren und trotzdem sehr nahe an der Wahrheit zu bleiben. Die Knef war einzigartig, hatte Charakter, war nicht ohne Fehler und war aus diesem Grund einfach authentisch. Das hat Kai Wessel zusammen mit seiner Hauptdarstellerin Heike Makatsch wunderbar umgesetzt. Viele wissen wer Hildegard Knef ist, aber kennen, tun sie die wenigsten. Hier hat jeder die Möglichkeit, die Person hinter dem Namen zumindest ein bisschen besser kennenzulernen.

Wertung: 9 von 10 Punkten
Autor: Sebastian Kuboth

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