Ein gewisser Herr Gran

Viele Filmhelden und Filmgenres der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts sind bis heute einer breiten Masse bekannt und haben, wie viele annehmen, die Filmbranche Maßgeblich geprägt und gewisse Arten des Films erfunden. Wenn man aber weiter zurück schaut in die Geschichte des Kinos, findet man unzählige Werke, die all die Stilmittel und Geschichten, die den Film der letzten fünfzig Jahre ausmachten, bereits viele Jahre vorher in gleicher oder ähnlicher Weise verwendet haben.


So gab es bereits in den 20er und 30er Jahren Abenteurer, Mondfahrer, Westernhelden oder Agenten, die ihren Kollegen der späteren Jahrzehnten schon sehr ähnlich waren, in den Kinos zu bestaunen. Im deutschen Film war gerade für die verwegenen Rollen einer der damals berühmtesten Schauspieler zuständig, nämlich Hans Albers. Nachdem er bereits in der Stummfilmära viele kleine Rollen spielte, jedoch alles in allem noch recht unbekannt war, schaffte er es, in der Zeit des Tonfilms zum Publikumsliebling zu avanciveren. Ein früher deutscher Tonfilm mit Hans Albers in der Hauptrolle ist "Ein gewisser Herr Gran", der im Jahr 1933 vom Regisseur Gerhard Lamprecht inszeniert wurde. Es handelt sich dabei um einen Agentenfilm, der schon damals sehr viele Elemente zu verzeichnen hatte, die man in den darauffolgenden Jahrzehnten in unzähligen James-Bond-Filmen oder anderen Werken dieser Couleur finden konnte: Tolle Drehorte, schöne Frauen, rasante Autofahrten, zwielichtige Gestalten, gefährliche Waffen und Erfindungen, elegantes Ambiente und natürlich ein gutaussehender und schlagkräftiger Hauptdarsteller, der nicht auf den Mund gefallen ist.


Die Geschichte handelt von einer wichtigen Erfindung, die den Zweck hat, gegnerische Flugzeuge effizient abzuwehren. Der Urheber davon ist ein italienischer Ingenieur, der bei einem Überfall ermordet wird. Ohne Zögern wird der Geheimagent Bergall auf die Verbrecher angesetzt, da man davon ausgehen kann, dass diese nun im Besitz der Pläne dieser Waffe sind. Bergall reist nach Venedig und lässt sich dort unter falschen Namen im Hotel Danieli ein Zimmer geben. Auch der britische Geheimoffizier Gordon ist in Venedig, um die Pläne zu suchen. Mit Hilfe des jungen Fräuleins Viola Dolleen gelingt es Herr Gran, wie er sich nun nennt, den Hauptmann Gordon für eine Weile auszuschalten. Als er erfährt, dass sich die Pläne bei einem Kunsthändler in Rom befinden sollen, macht er sich auf den Weg in die Metropole und gibt sich dort als Gordon aus. Doch in Rom läuft es alles andere als geplant...


Dass es am Ende gut ausgeht, darf man an dieser Stelle schon verraten, denn sonst wäre es kein richtiger Agentenfilm. Hinzu kommt, dass es auch diesmal wieder eine Liebesgeschichte gibt, die ganz im Sinne des Protagonisten endet. Wie man sich schon denken kann, ist Hans Albers auch diesmal wieder ganz in seinem Element. Wer sonst hätte diese Figur so souverän, überzeugend und doch charmant spielen können?


Für die damalige Zeit wurde dieser Film sehr aufwändig gedreht, was allein die Außenaufnahmen zeigen, die an den Originalschauplätzen in Venedig und Rom aufgenommen wurden. Dies sorgt für ein tolles internationales Flair, das zu diesem Genre einfach gehört. Hinzu kommen die großartigen Schaupieler dieser Zeit, wie Hubert von Meyerinck als britischer Antagonist, Olga Tschechowa, Fritz Odemar, Hans Deppe, Theodor Loos oder Walter Rilla.


Was diesen Film so besonders macht ist unter anderem die Tatsache, dass er lange Zeit nicht auffindbar war, was leider mit vielen Filmen dieser Zeit noch immer der Fall ist. Glücklicherweise hatte aber der Gosfilmofond in Moskau noch ein Kopie dieses Werkes, sodass der Film nicht nur gerettet, sondern auch restauriert und für eine DVD-Veröffentlichung ausgewertet werden konnte.


Wie so oft hat sich die Firma "Black Hill Pictures GmbH" um diese Veröffentlichung gekümmert. Die DVD wurde ganz in der Optik der "Deutschen Filmklassiker"-Reihe gehalten. Vorder- und Rückseite der Hülle bieten neben diversen Schriftzügen und Fotos eine Inhaltsangabe, eine Stabliste, sowie die wichtigsten Daten zur DVD und zum Hauptfilm. Im Inneren der Hülle findet man die DVD-Scheibe und ein Beiblatt, das auf der einen Seite die Kapitel des Filmes auflistet. Auf der anderen Seite findet man einen Informationstext über die DVD-Reihe und eine Auflistung der anderen "Deutsche Filmklassiker"-Veröffentlichungen.


Die Scheibe selbst ist mit einem ansprechend-nostalgischen Menü ausgestattet. Dort hat man die Möglichkeit den Hauptfilm auszuwählen, außerdem gibt es eine Kapitelwahl, und Bonusmaterial in Form von Biographien von Hans Albers, Karin Hardt, Albert Bassermann und Olga Tschechowa, eine Bildergalerie und Produktionsnotizen. Außerdem findet man noch den originalen Trailer des Filmes, der sogar eine eigene sehr sehenswerte Sequenz mit Hans Albers besitzt, die nur für diesen Werbefilm gedreht wurde.


Die Bild- und Tonqualität des Filmes ist für sein Alter absolut in Ordnung. Bei der Restaurierung hat man sich sichtlich Mühe gegeben, jedoch gibt es trotzdem einige Stellen bei denen man größere Bildfehler feststellen muss. Dies ist aber nicht störend. Der Film hat eine Länge von knapp 90 Minuten. Untertitel für Hörgeschädigte hat man leider nicht anfertigen lassen.


Unterm Strich darf man sich freuen, dass der Film heute wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Die DVD-Veröffentlichung ist sehr edel und man hat sich viel Mühe gegeben, den Kunden ein gutes Produkt anbieten zu können. Natürlich hätte man noch mehr daraus machen können, doch die vorhandenen Extras und die komplette Aufmachung des Produktes sollten die meisten Konsumenten absolut zufrieden stellen. Der Film selbst ist unterhaltsam und gerade aus heutiger Sicht besonders interessant. Albers macht seine Sache wieder einmal sehr gut und hat es geschafft, auch im Agentenfilm-Genre seine Duftmarke zu hinterlassen.


Wertung: 8 von 10 Punkten
Autor: Sebastian Kuboth
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