Heinz Rühmann Cinema Edition

Spirit Media's Cinema Edition des unvergessenen Heinz Rühmann enthält die Filme "Drei blaue Jungs – ein blondes Mädel" (Deutschland 1933, Carl Boese) und "Lumpacivagabundus" (Deutschland / Österreich 1937, Regie: Geza von Bolvary) auf zwei DVDs.


"Drei blaue Jungs – ein blondes Mädel" ist eine romantische Komödie einfachen Zuschnitts, die im Milieu der Reichsmarine spielt. Der Film, der – nach einer zufällig mitgedrehten Hakenkreuzflagge zu urteilen – im Sommer 1933 entstand, seine Handlung aber ausdrücklich auf das Jahr 1930 vorverlegt, wertet die nach bekanntem Schema ablaufenden zwischenmenschlichen Verwicklungen zwischen den Matrosen und einer jungen Fotografin durch Situationskomik auf, die von Rühmann in der Rolle des vom Pech verfolgten Schürzenjägers Heini und daneben von dem jungen Hans Richter getragen wird. Das Zusammenspiel von Rühmann und seinem Partner Enrico Benfer ist gut, wenn auch nicht herausragend, und der Film besitzt trotz mangelnder Originalität genügend Unterhaltungswert, um sein Publikum bei der Stange zu halten. Heimlicher Höhepunkt sind die Außenaufnahmen aus Warnemünde und von dem Linienschiff "Hessen", dessen ausführliche Darstellung auf die (auch finanzielle?) Beteiligung der Reichsmarine an den Aufnahmen schließen lässt. Dass der Film deswegen aber eine Propagandafunktion hatte, wie der Begleittext auf der DVD behauptet, ist kaum glaubwürdig: Die Nationalsozialisten lehnten die Militärkomödien der Weimarer Republik entschieden ab, und "Drei blaue Jungs – ein blondes Mädel" darf sicherlich als ein später Vertreter dieses Genres angesehen werden.


Geza von Bolvarys Verfilmung des Paul Nestroy-Stoffs "Der böse Geist Lumpazivagabundus" ist ein romantisches und musikalisches Märchen, das dank der flotten Inszenierung auch ein heutiges Publikum noch unterhalten kann. Die Handlung entspricht im Wesentlichen der Vorlage Nestroys: Die Feen des Glücks und der Liebe, Fortuna und Amorosa, gehen mit dem bösen Geist Lumpacivagabundus, der die Menschen zu Ausschweifungen, Trunk und Müßiggang verführt, eine Wette ein, nach der er sein schädliches Treiben beenden muss, falls es ihm nicht gelingt, drei Handwerksburschen, den Schneider Zwirn, den Tischler Leim und den Schuster Knieriem zu verderben. Zwirn wird sehr charmant von Rühmann verkörpert, der aufrechte Leim von Hans Holt und Knieriem und Lumpacivagabundus von Paul Hörbiger in einer Doppelrolle, die die Deckungsgleichheit dieser beiden Charakter betonen soll, von denen die eine (Knieriem) irdisch und die andere (Lumpacivagabundus) überirdisch sind: Beiden liegt aber die gleiche Neigung zugrunde, der unüberwindliche Hang zum Trunk und die Abneigung gegen geregelte Arbeit. Im Gegensatz zur Vorlage, deren phantastische Rahmenhandlung auf ein Minimum reduziert wurde, kommt es zum Schluss nicht zur Verbannung Lumpacivagabundus‘, sondern dieser zieht gemeinsam mit dem unbelehrbaren Knieriem in die Welt hinaus. Dieser Schluss, der möglicherweise heiter gedacht war, lässt den heutigen Zuschauer nachdenklich zurück, da Hörbiger den Knieriem unmissverständlich als einen Alkoholiker darstellt, den weder die Zuneigung einer jungen Wirtsfrau noch das großherzige Hilfsangebot seines Freundes Leim retten können. Sehr überzeugend bringt Hörbiger diese Zerrissenheit zum Ausdruck, als er zwischen einem Glas Wein und einem Taler, der die bürgerliche Zukunft symbolisiert, wählen muss und am Ende doch den Wein wählt. Hierdurch gewinnt die eigentlich harmlose Posse einen ernsten Hintergrund, der das Vergnügen allerdings keinesfalls schmälert. Daneben besitzt das Titellied besonderen Ohrwurm-Charakter.


Zur Präsentation der Filme kann festgestellt werden, dass "Lumpacivagabundus" in einer sehr guten Bild- und Tonqualität vorliegt, gegen die "Drei blaue Jungs – ein blondes Mädel" spürbar abfällt, da hier zahlreiche Bilddefekte wie Verschmutzungen und Kratzer auftreten. In Anbetracht des Alters beider Filme ist ihr Erscheinungsbild jedoch absolut löblich. Beide DVDs enthalten als Bonusprogramm eine Bildergalerie und Kurzbiographien der wichtigsten Mitwirkenden, vor allem der Schauspieler. Inwieweit diese von Interesse sind, dürfte sehr vom Kenntnisstand des Käufers abhängen. Bis auf einen recht ansprechend gestalteten Pappschuber gibt es keine weiteren Beigaben. Grundsätzlich ist diese Rühmann-Edition sämtlichen Interessierten aber wärmstens empfohlen.


Wertung: 6 von 10 Punkten
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