Krempoli - Ein Platz für wilde Kinder

Welches Kind träumt nicht von einem Abenteuerspielplatz? Einen Ort, wo man mit Freunden und ohne erwachsenen Autoritäten tun und lassen kann, was man möchte? Das Glück, so einen Ort zu bekommen, haben die Protagonisten der ARD-Jugendserie "Krempoli" aus dem Jahr 1974. Bis es soweit kam, mussten sich die Kinder aber mit vielen Problemen auseinandersetzen. Es sind nämlich Ferien und den Kindern werden alle möglichen Steine in den Weg gelegt, dies auch genießen zu können. Während die einen zu Hause lernen oder arbeiten müssen, bekommen die anderen den Unmut der Erwachsenen zu spüren, wenn sie ein wenig spielen und toben möchten. Hinzu kommen die zahlreichen Verbotsschilder, die es in der Großstadt kaum möglich machen, frei spielen zu können. Die Kinder beschließen eine Demonstration zu veranstalten, die aufgrund fehlender Genehmigung ebenfalls schnell unterbinden wird. In das Treiben mischt sich ein Mann ein, der die Probleme der Kinder schon geraume Zeit beobachtet hat. Er fährt mit den Schülern zu einer Müllhaltestelle, die er gepachtet hat und den Kindern als Abenteuerspielplatz zur Verfügung stellt. Sie nennen den Ort Krempoli und verleben dort zahlreiche tolle Stunden. Ganz unbeschwert werden die Ferien aber dann doch nicht, denn die Erwachsenen sind nicht aus der Welt und möchten den Abenteuerspielplatz verbieten...


"Krempoli" ist eine Serie die von der Intention her sehr an die Geschichten von Erich Kästner oder auch an "Pippi Langstrumpf" erinnert. Auch in "Krempoli" wird die Welt aus der Sicht der Kinder gezeigt. Die Umsetzung des Ganzen hat mir sehr gut gefallen. Ich bin sowieso ein Freund von Kinder- und Jugendproduktionen der 70er und 80er Jahre. Zu dieser Zeit gab es zwar noch keine große Auswahl im Fernsehrprogramm, dafür war das, was man gezeigt bekommen hat, durch die Bank hochwertig. Natürlich gibt es auch heute noch tolles Kinderfernsehen, anders als in der heutigen Zeit waren die Geschichten damals aber noch viel ruhiger und liebevoller inszeniert, was unheimlich viel ausmacht. Serien wie "Das feuerrote Spielmobil" oder eben auch "Krempoli" vermitteln mir ein unheimlich schönes Lebensgefühl und eine gehörige Portion Nostalgie – und das, obwohl ich die Produktionen als Kind (leider!) niemals gesehen habe.


Richtig ruhig geht es auf "Krempoli" natürlich nicht zu. Bei der Masse an Kindern, die allesamt großartig für ihre Rollen ausgewählt wurden und äußerst authentisch daher kommen, ist natürlich viel Trubel an der Tagesordnung. Die ruhige Erzählweise und die feine Inszenierung sorgen für eine perfekte Symbiose. Der einzige Kritikpunkt aus meiner Sicht ist, dass die Methoden der "Konfliktlösung" der Kinder zum Teil sehr anarchistisch und linksradikal sind. Solche Tendenzen kennt man schon aus anderen Produktionen dieser Zeit, wie z.B. der Hörspielserie "Benjamin Blümchen". Ein Beispiel: Eines der Kinder hat mit seinem Fahrrad aus Versehen ein Schaufenster eines Friseurladens kaputt gemacht. Die Freunde beginnen zu Arbeiten, um den Schaden begleichen zu können. Nach der Geldübergabe bekommen sie mit, dass der Ladenbesitzer das gleiche Geld bereits von der Versicherung bekommt. Als der Herr sich weigert, das Geld wieder auszuzahlen, sieht man, wie die Kinder beisammen sitzen und sich beraten. Einer nimmt sich einen großen Stein und sagt, dass sie nun eine Scheibe gut haben. Die Folge endet damit, dass die Scheibe ein weiteres Mal eingeschmissen wird und im Anschluss direkt ohne weitere Szenen der Abspann läuft. Ich bin zwar kein Freund von Zeigefingerpädagogik, aber eine Geschichte mit einer solchen Aussage – gerade im Kinderprogramm – enden zu lassen, finde ich auch nicht sonderlich gut. Dass dies nicht die einzige Aktion in diese Richtung ist, brauche ich nicht zu sagen. Ansonsten gehört das anarchistische Leben und die ungezwungene und offenherzigen Dynamik einer solchen Jugendgruppe einfach zu dieser Art von Geschichte. Von daher ist es einfach nur schön zu sehen, wie sich die Kinder ihre eigene "Krempoli"-Welt bauen und alles in allem auch sehr richtige Ansichten vertreten. Ebenso wird aber gezeigt, dass ein solches Leben nicht ungefährlich ist. Verletzungen und auch richtig gesundheits- und lebensgefährliche Unfälle kommen ebenfalls in dieser Serie vor. Ein weiteres – für die damalige Zeit brisante – Thema ist Aufklärung, wird ebenfalls im Verlauf der Geschichten behandelt. Das Ende dieser zehnteiligen Serie ist einerseits desillusionierend, aber dadurch auch aufrüttelnd. Untermalt wird das alles mit einer großartigen Titelmusik.


Die unkonventionellen Themen, die im Rahmen dieser Serie zu Tragen kommen, sorgen dafür, dass "Krempoli" auch heute noch eine Ausnahme darstellt. Hinzu kommt, dass die Serie Themen behandelt, die allesamt auch heute noch von Bedeutung sind. Aus diesem Grund kann bzw. sollte man solche Produktionen auch der heutigen Jugend zugänglich machen. Ich behaupte sogar, dass die Serie heute noch wertvoller für die Jugendlichen ist, als es damals der Fall war. In einer Zeit, die geprägt ist von medialen Überflüssen und Reizüberflutungen ist es enorm wichtig, den Kindern den Zugang zum wahren Leben zu zeigen. Dass dies auch mit kleinen und großen Gefahren verbunden ist, sollte zweitrangig sein.


Diese durch die Bank sehenswerte Serie hat die Firma Studio Hamburg nun erstmals auf DVD veröffentlicht. Die Gestaltung fängt das Flair der Geschichten toll ein und macht Lust auf mehr. Außen bekommt man neben Fotos eine Inhaltsangabe sowie alle wichtigen Daten zur Serie und zum Produkt geboten. Im Inneren des Schubers befindet sich eine Digipak-Hülle, die ein zweites Mal das Titelmotiv zeigt. Auf der Rückseite gibt es ein neues Foto, dafür aber noch einmal die gleiche Inhaltsangabe wie auf der Rückseite des Schubers. Innen findet man die drei DVD-Scheiben mit die einheitlich gestaltet sind, bei genauerer Betrachtung aber individuelle Eigenheiten besitzen.Wenn man diese aus ihren Halterungen nimmt, kriegt man noch einmal zwei ganzseitige Szenenfotos durch das durchsichtige Plastik zu sehen.


Auf den DVDs findet man schön gestaltete Menüs, sowie alle Folgen der Serie in guter Bild- und Tonqualität und einer Gesamtlaufzeit von knapp 500 Minuten. Was man schmerzlich vermisst ist Bonusmaterial in Form von Gesprächen mit den Beteiligten. Gerade der damalige Spielleiter Michael Verhoeven hätte sich hier super angeboten. Oder ein Wiedersehen mit (einem Teil) der damaligen Hauptdarsteller. Genug Gesprächsstoff und Hintergrundinformationen gibt es mit Sicherheit. Dies hätte einen unheimlichen Mehrwert für dieses Produkt gehabt. Auf ein Beiheft mit weiteren Informationen hat man leider ebenfalls verzichtet.


Wer die Serie endlich mal wieder sehen möchte oder sie noch nicht kennt, aber auf der Suche nach schönen Kinderproduktionen der letzten Jahrzehnten ist, kommt an dieser DVD-Veröffentlichung nicht vorbei. Aus der DVD-Box hätte man ohne Frage mehr machen können. Das, was man geboten bekommt, ist aber weitestgehend einwandfrei. "Krempoli" gehört zu den schönsten Kinderserien der 70er und 80er Jahren und entführt die Zuschauer in einer Welt, in der bei weitem nicht alles in Ordnung war, die aber durch die schöne Inszenierung, den tollen Geschichten und des Nostalgischen Flairs ohne Einschränkung empfehlenswert ist. Mein Fazit: Mehr Spielplätze für alle!


Wertung: 8 von 10 Punkte

Autor: Sebastian Kuboth

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Krempoli - Ein Platz für wilde Kinder


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