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    Mittlerweile online: DER STUDENT VON PRAG (1926)


    Deutschland 1926 – Drehbuch und Regie: Henrik Galeen, nach einem Originalmanuskript von Hanns Heinz Ewers – Kamera: Günther Krampf – Darsteller: Conrad Veidt, Werner Krauß, Agnes Esterhazy, Fritz Alberti, Elizza la Porta, Ferdinand von Alten – 134 Minuten –


    Die Neuverfilmung des Erfolgsfilms von Hanns Heinz Ewers und Paul Wegener aus dem Jahr 1913 setzte auf prachtvolle Ausstattung, prominente Darsteller (im Mittelpunkt stehen Conrad Veidt und Werner Krauß, die Stars in DAS CABINET DES DR. CALIGARI) und atmosphärische Ausschmückungen jeder einzelnen Szene. Henrik Galeen über seine Bearbeitung des Originaldrehbuchs von Hanns Heinz Ewers: "Die herrliche Fabel musste reicher werden, die heute nicht mehr zu verdauenden Satanismen mussten schon im Drehbuch verschwinden. Die unausgenützten Momente des ersten Drehbuchs mussten gehoben und zur letzten Klarheit gebracht werden, und der Film durfte durch die Dehnung nicht langweilig werden. Der Student von Prag musste wirklich ein Student werden. Er musste den wirklichen Hintergrund einer Jugend von damals bekommen. Der 'beste Fechter von Prag', wie es im alten Manuskript hieß, durfte nicht nur ein Titel bleiben; das befriedigt uns heutzutage nicht mehr, ich musste ihn als Fechter zeigen. Geehrt von seinen Kommilitonen, wusste er durch seine Art, die Waffe nicht unnötig zu missbrauchen, das Herz des Zuschauers für sich zu erobern. Nur deshalb habe ich den Mensuren einen so großen Platz eingeräumt. Selbstredend war mir die Dynamik dieser Szenen bewegungsrhythmisch nur angenehm. Hier wollte ich nur nebenbei zeigen, dass wir solche Szenen genau so gut zu lösen verstehen wie Douglas Fairbanks. Die Figur des Scapinelli durfte ebenso wenig die Dämonie nur aus dem Titel schöpfen. Für das Genie Krauß musste die bildhafte Notwendigkeit der dämonischen Geste geschaffen werden. So kam ich auf die Idee, ihn die Parforcejagd kommandieren zu lassen, zu zeigen, dass es kein reiner Zufall ist, dass die Komtesse Margit und der Student Baldui einander begegnen. Im alten Manuskript erschien mir die Tatsache des Fehlens des Spiegelbildes nicht genügend ausgenützt. Der Zuschauer musste öfter 'sehen', dass Balduins Spiegelbild nicht mehr vorhanden ist, bis er endlich leibhaftig vor uns als 'der Andere' erscheint." War der erste Filme an Originalschauplätzen in Prag gedreht worden, schuf Hermann Warm aufwändige Bauten, die von Günter Krampf effektvoll ins Bild gesetzt werden.


    Die zeitgenössische Kritik lobte den Film als "eine beachtliche Leistung Galeens. Er schafft den sagenhaft-gespenstischen Einschlag nicht nur durch prachtvoll gelungene Bildstimmungen, nicht nur durch Anwendung filmtechnischer Mittel, sondern in erster Linie durch das Darstellerische." (Hans Wollenberg, LIchtbild-Bühne) Willy Haas lobt im Film-Kurier vor allem den Hauptdarsteller Conrad Veidt: "Man ahnt von Anfang an Böses hinter dieser überheizten Energie der mühsam zusammengehaltenen Züge: Es ist, als ob ein wildes Pferd unter der Kandare zuckend stillhielte. Und als der Sturm losbricht, ist es wahrhaftig die tiefe Verstörtheit dessen, der sich verloren hat und nicht mehr finden kann, der sich immer ganz nahe, zum Greifen nahe vor sich sieht und doch nicht mit Händen fassen kann, was aus diesen verstörten Zügen spricht. Es ist seine erste wahrhaft künstlerische Tat seit vielen Jahren."

    Die Rekonstruktion des Filmmuseums München kombiniert zwei überlieferte Filmkopien des Films: Eine viragierte spanische Fassung aus dem Archivo Nacional de la Imagen y la Palabra – Sodre in Montevideo, die von L'Immagine Ritrovata in Bologna gesichert wurde, und eine deutsche Verleihkopie, die Gosfilmofond in Moskau umkopiert hat. Die originalen handgemalten deutschen Zwischentitel und Inserts haben sich bis auf die Anfangs- und den Endtitel erhalten. Die EInfärbung des Films weicht von der Vorlage der spanischen Kopie ab, wenn es galt, logische Zusammenhänge zur Bestimmung von Milieus, Handlungsorten und Stimmungen aufrecht zu erhalten. Die neue Musikbegleitung wurde 2020 von Stephen Horne komponiert und auf verschiedenen Instrumenten im Orpheus Studio in London selbst eingespielt.


    (Stefan Drössler)


    Vom 3. Juli bis 6. Juli ist in der Retrospektive Mark Rappaport sein neuer Film CONRAD VEIDT – MY LIFE (2019) zu sehen: Retrospektive Mark Rappaport


    Nun online ist: KOSMISCHE REISE (1936)


    Kosmičeskij rejs – Sowjetunion 1936 – Regie: Vasilij Žuravlëv – Drehbuch: Aleksandr Filimonov – Kamera: Aleksandr Gal’perin, I. Škarenkov – Darsteller: Sergej Komarov, Vasilij Kovrigin, Nikolaj Feoktistov, V. Gaponenko, Ksenija Moskalenko, Sergej Stoljarov, Andrej Karasëv −

    Der letzte sowjetische Stummfilm entstand zu einer Zeit, als der Tonfilm sich schon längst durchgesetzt hatte. Als KOSMISCHE REISE am 21. Januar 1936 Premiere hatte, wurde der Film mit einer von Valentin Kruchinin kompilierten Musikbegleitung auf der Tonspur gezeigt. Der mit großem Aufwand und verblüffender Tricktechnik produzierte Science-Fiction-Film zeigt das fiktive Moskau des Jahres 1946, so wie Stalin es geplant, aber dann später nicht hat umsetzen können. Im Mittelpunkt steht eine erstaunlich realistische Reise im Raumschiff zum Mond. Der Aufwand für den bis dahin teuersten sowjetischen Spielfilm war immens: "Auf dem Mos- fil’m-Gelände wurde ein 1000-Quadratmeter-Studio eingerichtet, in dem sich erstmals in einer sowjetischen Filmproduktion das Team mit Funkgeräten, Mikrofonen und Lautsprechern verstän- digte. Künstliches Licht mit 11.000 Ampere wurde für Tagaufnahmen installiert, ein Dutzend Groß- projektoren sorgten für das Bild des künftigen Moskau, in dem sogar (später nie realisierte) Groß- bauten wie der Palast der Sowjets zu sehen sind. Mittels 2500 Glühbirnen in einer samtverkleide- ten Kuppel von 400 Quadratmetern Fläche wurde der Sternenhimmel simuliert. Und mit enormem Aufwand wurden im Maßstab 1:25 Modelle der Startrampe, der beiden Raumschiffe, der bewegten Fahrzeuge und Mechaniker sowie der Mondlandschaft gebaut, teils sogar in mehreren verschiede- nen Größenordnungen. Die Himmelsgefährte heißen übrigens im Film raketoplany, Raketenflug- zeuge; eines trägt Stalins Namen, das andere den des Volkskommissars für Verteidigung Kliment Vorošilov. Als eigene Sets wurden das Raumschiffinnere ausgeführt, ein Teil der Mondlandschaft, das Gebäude des „Instituts für interplanetarische Verbindungen“ und der Vorplatz, durch den die Handlung eingerahmt wird. Pioniere sowjetischer Raketenantriebe waren als Berater dabei, ganze Scharen von Tricktechnikern, Modellbauern und Ausstattern beschäftigt. Man verlegte für Kamera und für bewegliche Bauten Schienen. Doch das größte Problem für die Filmcrew war die Illusion der Schwerelosigkeit. Zwar konnte man einige der Szenen auf dem Mond, wo nur ein Sechstel der irdischen Schwerkraft wirkt, mit Stoptrickanimation von Puppen einigermaßen zufriedenstellend darstellen." (Alexander Schwarz)

    Das Filmmuseum München hat eine Filmkopie von Gosfilmofond digital restauiert. Das ursprünglich mit einer Stummfilmkamera im Vollbildformat aufgenommene Bild wurde zur Anbringung einer Lichttonspur seitlich beschniten und ist heute nur noch so erhalten. Neil Brand hat für den Film eine neue Begleitmusikmusik komponiert und eingespielt, die Bezüge zu Scores großer Space-Operas anklingen lässt und damit der filmhistorischen Bedeutung dieses zu Unrecht vergessenen Klassikers gerecht wird.

    In der Edition Filmmuseum ist eine DVD mit dem Film erschienen, die alternative Musikbegleitungen, ein ausführliches Booklet mit einem Essay von Alexander Schwarz über die Geschichte des sowjetischen Science-Fiction-Films, den Trickfilm INTERPLANETARISCHE REVOLUTION sowie deutsche und englische Untertitel bietet: edition-filmmuseum.com/product_info.php/info/p192_Kosmi--269-eskij-rejs---Kosmische-Reise.html

    The film was released with English subtitles and a lot of additional materials on the DVD label Edition Filmmuseum: edition-filmmuseum.com/product_info.php/language/en/info/p192_Kosmi--269-eskij-rejs---Kosmische-Reise.html

    (Stefan Drößler)

    Seit heute online: NATHAN DER WEISE (1922)




    124 Minuten – Deutschland 1922 – Regie: Manfred Noa – Drehbuch: Hans Kyser, nach dem Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing – Kamera: Hans Karl Gottschalk, Gustave Preiss – Darsteller: Werner Krauß, Carl de Vogt, Ferdinand Martini, Fritz Greiner, Lia Eibenschütz, Max Schreck – Produktion: Filmhaus Bavaria GmbH, München


    NATHAN DER WEISE war ein Großprojekt, mit dem der Emelka-Konzern (Emelka = M.L.K. = Münchner Lichtspielkunst) weit über den süddeutschen Raum hinaus auf sich aufmerksam machen wollte. Doch das Klima in München war nach der Niederschlagung der Räterepublik geprägt von konservativen und reaktionären Kräften. Man kann nur mutmaßen, inwieweit die Wahl von Lessings Drama "Nathan der Weise" als Stoff für einen Großfilm Produzent Erich Wagowskis Reaktion auf den in München grassierenden Antisemitismus war. Gotthold Ephraim Lessing veröffentlichte sein "dramatisches Gedicht" 1779 als direkte Reaktion auf Angriffe aus orthodoxen religiösen Pastorenkreisen, denen er sich als Herausgeber eines religionskritischen Werkes von Samuel Reimarus ausgesetzt sah. Er siedelte seine Geschichte im Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge an, wo Christen, Juden und Musline unmittelbar aufeinandertrafen. Sie droht im Religionskonflikt tragisch zu enden, doch der Titelfigur gelingt es durch Einsicht und Klugheit, eine Versöhnung der Glaubensgruppen herbeizuführen. Drehbuchautor Hans Kyser hat das Drama geschickt in kinowirksame Szenen aufgelöst und die bei Lessing erst am Schluß des Dramas aufgelöste Vorgeschichte als wuchtigen Prolog vorangestellt. Regisseur Manfred Noa nutzte die Kreuzzugsschlachten und das exotische Ambiente für visuell eindrucksvoll gestaltete Massenszenen. Als Hauptdarsteller brillierten erfahrene Schauspieler aus anderen Erfolgsfilmen, so Werner Krauß (DAS CABINET DES DR. CALIGARI von Robert Wiene) als Nathan und Carl de Vogt (DIE SPINNEN von Fritz Lang) als junger Tempelherr.


    NATHAN DER WEISE wurde am 29. Dezember 1922 im Berliner Kino Alhambra am Kurfürstendamm uraufgeführt und in den Werbeanzeigen als „Film der Humanität“ beworben. Die Presse berichtet einer begeisterten Aufnahme: "Dass die Grundstimmung klar herausgearbeitet und unzweifelhaft zu erkennen ist, bewies der spontane rauschende Beifall am Schluß" (Film-Echo), "Es war die zu Herzen der Zuschauer dringende wahre Menschlichkeit, die das Publikum häufig zu spontanem Beifall mitten in der Szene hinriss" (B.Z. am Mittag). Als der Film am 9. Februar 1923 In München anlief, wurde er nach einem Tag wieder abgesetzt: Beim Kinobesitzer waren Drohungen eingetroffen, dass sein Kino andernfalls „kurz und klein geschlagen“ werde. Der Völkischen Beobachter vom 16. Februar 1923 behauptete, NATHAN sei „ein einseitiger, geschickt aufgemachter, technisch zweifellos hervorragender, deshalb in seiner Wirkung aber nur noch stärkerer Tendenzfilm, darauf berechnet, in München, der Hochburg der antisemitischen Bewegung, der Bevölkerung unter großer Verdrehung der Tatsachen die Meinung aufzuzwingen, das Judentum sei weit besser und menschlicher als der Islam und das Christentum, und der Kampf gegen das Judentum die unglaublichste Ungerechtigkeit der Weltgeschichte. Es ist ein Verbrechen, in der Zeit der brutalsten Unterdrückung des einfachsten Menschenrechte durch einen von Rachefurien gepeitschten Feind dem deutschen Volk den letzten Rest des Willens, die Knechtschaft abzuschütteln, durch ein derartiges, von verlogener und geheuchelter Humanität triefendes, echt jüdisches Machwerk mit aller Gewalt auszutreiben." Erst als Hitler nach dem gescheiterten Putschversuch von 1923 in Haft saß, erlebte der Film im Dezember 1924 seine Münchner Erstaufführung in den Regina-Lichtspielen.

    Das einzige erhalten gebliebene Material des in vielen Ländern gezeigten Films überlebte im russischen Nationalfilmarchiv, das ein Duplikatnegativ einer offenbar kolorierten, heute nicht mehr erhaltenen Nitrokopie des Filmes erstellt hat. Der Film ist bis auf einige fehlende Titel, die das Filmmuseum München ergänzt hat, und Schnittfehler, die korrigiert wurden, vollständig erhalten geblieben und wurde 1997 erstmals wieder öffentlich aufgeführt. Die ursprüngliche Farbfassung wurde 2006–2009 rekonstruiert, der Stummfilmpianist Aljoscha Zimmermann komponierte eine neue Begleitmusik, die seine Tochter Sabrina Hausmann (Violine) und Mark Pogolski (Flügel) im Filmmuseum eingespielt haben.

    (Stefan Drößler)


    In der Edition Filmmuseum ist der Film mit mehrsprachigen Untertiteln auf DVD erschienen:

    edition-filmmuseum.com/product_info.php/info/p26_Nathan-der-Weise.html

    edition-filmmuseum.com/product_info.php/language/en/info/p26_Nathan-der-Weise.html


    Nun online ist Von morgens bis mitternachts (1921), einer der wohl "extremsten" Expressionistischen Filme aus Deutschland



    Deutschland 1921 – Regie: Karlheinz Martin – Drehbuch: Herbert Juttke, Karlheinz Martin, nach dem Drama von Georg Kaiser – Kamera: Carl Hoffmann – Darsteller: Ernst Deutsch, Erna Morena, Hans Heinrich von Twardowski, Roma Bahn, Adolf Edgar Licho, Frida Richard – Produktion: Ilag-Film, Berlin – Premiere: 3.12.1922, Hongo-za-Kino, Tokyo


    Filmrekonstruktion: Filmmuseum München, unter Verwendung einer Umkopierung des National Film Center, Tokyo – Edition: Inge Degenhardt, Enno Patalas, Gerhard Ullmann, Klaus Volkmer – Digitale Bildbearbeitung: Christian Ketels, Christoph Michel, Heiko Thiele, Wolfgang Woehl –

    Improvisierte Musikbegleitung aufgeführt bei den 24. Internationalen Stummfilmtagen in Bonn am 21. August 2008: Christian Roderburg, Pavel Bialiayeu, Oliver Kerstan, Benjamin Leuchter – Tonaufnahme und Tonbearbeitung: Gunther Bittmann, Ernst Schillert –


    Georg Kaisers expressionistisches Theaterstück „Von morgens bis mitternachts“ über den Kassierer einer Bank, der eines Tages aus seiner bürgerlichen Existenz auszubrechen versucht, wurde von Regisseur Karlheinz Martin in einen konsequent expressionistischen Stummfilm umgesetzt. Die Radikalität seiner Inszenierung verschreckte seinerzeit die Kinobranche, so dass der Film keinen Verleiher fand und nie in die deutschen Kinos gelangte. Lediglich in Japan lassen sich Aufführungen nachweisen, und in Japan hat sich auch die einzige Kopie des Films erhalten, die vom National Film Center umkopiert wurde. Das Filmmuseum München hat den Film restauriert und nach der zeitgenössischen Zensurkarte die originalen Zwischentitel in den Film wieder eingesetzt. Die Schrifttype orientiert sich an Grafiken im Film und in Werbeanzeigen für den Film. Christian Roderburg hat mit seinem SchlagEnsemble H/F/M (Pavel Bialiayeu, Oliver Kerstan, Benjamin Leuschner) für den Film eine Musikbegleitung erarbeitet, die die Gestaltungsmittel des Films aufgreift und ausschließlich Schlaginstrumente verwendet.

    (Stefan Drößler)


    Der Film ist als DVD mit alternativer Musikbegleitung, zuschaltbaren englischen Unertiteln und ausführlichen Begleittexten in der Edition Filmmuseum erschienen: edition-filmmuseum.com/product_info.php/info/p110_Von-morgens-bis-mitternachts.html


    The film is released on DVD with English subtitles, an alternative score by Yati Durant, and an illustrated booklet with essays by Fritz Göttler, Inge Degenhardt and Jürgen Kasten. It is available at the Edition Filmmuseum webshop: edition-filmmuseum.com/product_info.php/language/en/info/p110_Von-morgens-bis-mitternachts.html



    Gefahren der Großstadt-Straße (1924)


    Deutschland 1924 – Regie und Drehbuch: Toni Attenberger – Kamera: Karl Attenberger – Produktion: Cabinetfilm Toni Attenberger, München – Länge: 67 Minuten


    Musikbegleitung: Richard Siedhoff – Aufnahme und Mischung: Ralf Siedhoff – Dank an Franziska Lange / Lange Klaviere GmbH Weimar für die Bereitstellung des Flügels


    Der in Zusammenarbeit mit der Münchener Polizei entstandene Film versucht anhand dokumentarischer Aufnahmen, nachgestellter Szenen und kleiner fiktiver Episoden über Zustände auf den Straßen, Verkehrsregeln, Verbrechertum und die Einsätze der Ordnungsmächte zu informieren. Dabei entstand ein erstaunlich unterhaltsames Werk, das trotz seines starken lokalen Bezugs weit über München hinaus Verbreitung fand und sogar im Ausland gezeigt wurde. Da der Film ausschließlich an Originalplätzen in der Münchner Innenstadt gedrehte Film wurde, ist er ein einzgartiges Dokument zur Stadtgeschichte und des Alltags in den 1920er Jahren.


    Die Rezeption des Films war ungewöhnlich positiv. Seine Premiere erlebte GEFAHREN DER GROSSSTADT in der Berliner Urania, wo er am 15. Dezember 1924 vor einem Kreise von Pädagogen und Pressevertretern vorgeführt wurde. Der Film-Kurier lobte insbesondere die Kapitel, in denen "alle Gattungen von Langfingern" gezeigt werden: "Diese außerordentlich geschickt komponierten Teile des Films werden zu einem angewandten Kursus in Kriminalistik, der ohne jeden Beigeschmack von Trockenheit eine höchst wertvolle Aufklärungsarbeit verrichtet." Die Süddeutsche Filmzeitung attestiert dem Film, dass er unterhaltsam sei und den Zuschauer fessele: "Der Nachteil, der dadurch entsteht, dass hierzu veranlagte Beschauer des Films in die Technik des Taschendiebstahls, des Gruppendiebstahls usw. ausführlich eingeweiht werden, wird dadurch wieder aufgehoben, dass das Publikum zugleich vor ihnen gewarnt und über die Gegenmaßnahmen der Polizei belehrt wird." Um Zensureingriffe zu vermeiden, verzichtet das letzte Kapitel, das eine Polizeirazzia in einem Park zeigt, gänzlich auf Zwischentitel, und vermeidet somit jede Erwähnung von Prostitution und Zuhälterei, die zu einem Verbot des Films hätte führen können. In München war der Film im Kino außerordentlich erfolgreich, weil die Filmaufnahmen im Sommer 1924 von der Presse groß angekündigt waren und die Bevölkerung um Unterstützung der Dreharbeiten gebeten wurde. Offenbar kamen die Leute scharenweise ins Kino, um sich oder Bekannte in der Statisterie des Films zu entdecken.


    Die Rekonstruktion des Films stützt sich auf eine fast vollständige zweisprachige Nitro-Filmkopie aus der Sammlung der Cinémathèque suisse, die durch Teile von Fragmenten der deutschen Originalfassung aus den Sammlungen des Stadtarchivs der Landeshauptstadt München und des Filmmuseums München ergänzt wurden. Die digitale Restaurierung berücksichtigt die EInfärbungen des Films und enthält fünf Zwischentitel, die im Stil der zweisprachigen schweizer Tiel vom Filmmuseum München neu hergestellt wurden. Die Aufnahme der neue Begleitmusik von Richard Siedhoff fand am 23. April 2020 an einem Flügel der Lange Klaviere GmbH in Weimar statt und wurde von Ralf Siedhoff aufgenommen und gemischt.


    (Stefan Drößler)

    Die DEFA Filmwelt hat den kompletten Film im April auf YouTube hochgeladen. Aus aktuellen Gründen ;)

    Vor 15 Jahren hat mich "Mucc" sehr begeistert

    Gestern wären sie in Köln aufgetreten. Hatte vor einem Monat noch überlegt hinzufahren, aber das hat sich ja von alleine entschiedenen. Fand sie in Videos gut, aber nicht super. Aber ich habe gemerkt, dass 99% aller Auftritte der Japaner live wesentlich besser sind. Sie rocken einfach viel mehr. Einzig Babymetal konnten live die Erwartung nicht ganz erfüllen.

    Die letzten Jahre bin ich auf einem Japan-Musik-Trip. Beinahe jede Woche entdeckt man da eine geile Band. Der Import geht so langsam ins Geld xD. Die haben eine schlimme VÖ-Politik, da sie noch Singles auf Silberling raus bringen, die nicht auf einem Album erscheinen. Eine Band die sechs Jahre alt ist hat da schnell zwei Alben, drei EPs, zwei Singles, zwei Live-DVDs und evtl. ein Best Of veröffentlicht.


    Veröffentlichungsdatum war der 30. Juni 2012, d.h. die Scheibe gibt nach bereits sieben Jahren den Geist auf. Ich hatte den Kauf tatsächlich etwas kürzer in Erinnerung, fünf Jahre vielleicht.


    Edit: Hat jemand Alpha-Omega bereits angeschrieben?

    Ich werde die Tage mal eine Sicherheitskopie meiner beiden Scheiben ziehen. Bei solchen Anzeichen ist das angebracht. Ich weiß gar nicht mehr, was die DVD damals gekostet hatte, habe was von 25-30 € im Kopf.


    Ich habe jetzt mal testweise meine DVD von "12 Monkeys" in den Player. Die Ausgabe in der Glasbox von 1998 (1997 erschien der Film als erste PAL-DVD in Europa). Läuft ohne Probleme.

    Ich habe die DVD damals direkt bei Veröffentlichung gekauft und vor etwa einem Jahr das letzte mal geschaut. Beim jetzigen kontrollieren musste ich in der Tat feststellen, dass sie nicht mehr abspielbar ist auf meinem DVD-Player. Er kratzt und ächzt und bricht nach einer halben Minute ab. Abspielbar ist sie allerdings noch auf dem PC. Das ist schon ziemlich schlecht für diesen Preis. Meine ältesten DVDs sind mittlerweile 20 Jahre alt und funktionieren noch. Bei über 2000 Stück habe ich noch keinen altersbedingten Ausfall gehabt.


    Edit: Die Bonus-DVD ist normal abspielbar. Das ist sehr merkwürdig, wirkt wie gewollt bei der Film-DVD.