Posts by c.n.-tonfilm

    Das Geheimnis von St. Agil

    (Les Disparus de St. Agil)


    Frankreich 1938


    Darsteller: Erich von Stroheim, Michel Simon, Armand Bernard, Aimé Clariond

    Regie: Christian-Jaque

    Drehbuch: Jacques Prévert

    Vorlage: Pierre Very


    Ein Internatsschüler verfolgt einen nächtlichen Eindringling, entlarvt eine Falschmünzerbande und befreit einen Mitschüler aus der Gewalt der Ganoven. Atmosphärisch dichtes Spannungskino aus der Wunschwelt abenteuerlustiger Jungen; auch filmhistorisch nicht uninteressant.

    („Lexikon des Int. Films“)


    https://www.imdb.com/title/tt0030062/reference



    In Frankreich ein Klassiker, hier leider nahezu unbekannt. Die Geschichte der deutschen Auswertung ist nahezu so mysteriös, wie der Story des Films.


    Der Streifen soll nach „Lex. des Int. Films“ 1946 und laut „Filmecho/Filmwoche 1949 in Deutschland im Kino gelaufen sein. Allerdings sind weder ein Verleih, noch eine Aufführung konkret nachweisbar. In Österreich lief er nicht im Kino. Zusammengefasst deutet alles darauf hin: wenn der Film überhaupt eine Kino-Aufführung im deutschsprachigen Raum hatte dann nur ohne jede Marktbedeutung, evtl. nur im Rahmen eines Filmclubs o.ä.


    Nach Auskunft der ARD Degeto und der Bavaria wurde der Film 1961 im Auftrag von NDR, SFB und Radio Bremen bei der Bavaria Film Synchron GmbH, München synchronisiert und am 20.05.1962 erstmals in der ARD ausgestrahlt. Es folgten dann bis 1983 zahlreiche Wiederholungen in der ARD und den dritten Programmen. Folgende Ausstrahlungstermine konnte ich feststellen:


    20.05.1962, ARD

    16.08.1962, ARD

    24.10.1979, N3

    19.03.1980 WDR3

    17.03.1982, BR3

    08.12.1982, N3

    08.12.1982 HR3

    07.05.1983 HR3


    Nun ist es mir nach jahrzehntelanger Suche gelungen einen Mitschnitt aufzutreiben, welcher die Ausstrahlung vom 08.12.1982 auf N3 sein dürfte. Der Film lief damals im Rahmen vom „Filmclub“. Nun die große Enttäuschung: die Ausstrahung war nur im OmU. Ich kann mir jetzt nur denken dass der NDR damals extra im OmU gesendet hat, weil sich der Filmclub an ein „cineastisches“ Zielpublikum richten sollte.


    Hat irgendjemand den Film in den 70ern oder 80ern in deutscher Synchronfassung gesehen und kann Näheres dazu mitteilen? Außer dem Hinweis auf die Bavaria sind weder bei der ARD noch bei der Bavaria selbst heute noch Unterlagen vorhanden, die Aufschluß geben könnten.

    Zufällig entdeckt: die Homepage der Familie Klapp. Die fünf Geschwister Günther Klapp, Helga Klapp, Irene Klapp, Hans-Otto Klapp und Horst Dieter Klapp standen 1940 alle gemeinsam in "Verwandte sind auch Menschen" vor der Kamera und wurden einzeln hernach in verschiedenen Kinderrollen eingesetzt in Filmen wie "Frau am Steuer" (1939), "Stern von Rio" (1940), "Karneval der Liebe" (1943), "Damals" (1943), "Die Feuerzangenbowle" (1944), "Das Hochzeitshotel" (1944) oder "Die Kuckucks" (1949). Interessant, da diese Kinderdarsteller bei den meisten der genannten Filme bis heute nirgends offiziell gelistet bzw identifiziert sind.


    Ufa und Defa Filme mit meinen Verwandten

    Feuerzangenbowle



    Der Ungar Eduard von Borsody blickte bereits auf eine mehr als 15-jährige Karriere als Kameramann, Cutter und Regie-Assistent mit einer stattlichen Liste von über 50 Filmen zurück, ehe er 1937 mit dem Kriminalfilm "Brillanten" seinen ersten abendfüllenden Spielfilm als UFA-Regisseur inszenierte.


    In den nächsten drei Jahren folgten neben einigen Kurzspielfilmen mit "Kautschuk" (1938), "Kongo-Express" (1939), "Sensationsprozess Casilla" (1939) und "Wunschkonzert" (1940) vier weitere aufsehenerregende Spielfilme im Abenteuer-, Exotik-, Krimi- und Actiongenre. Der 1939 angekündigte Science-Fiction-Film "Weltraumschiff 18" wurde aus Kostengründen trotz umfangreicher Vorarbeiten mit Kriegsbeginn abgebrochen.


    Nach einem derart furiosen Start mit einer Reihe hoch budgetierter und sowohl beim Publikum als auch bei den Machthabern erfolgreicher Filme verwundert es, dass von Borsody nach 1940 als Regisseur plötzlich für drei Jahre komplett von der Bildfläche verschwand. Außer dem Drehbuch zu Karl Hartls Mozart-Biographie "Wen die Götter lieben" (1942) sind aus dieser Zeit keine Aktivitäten bekannt.


    Erst 1944 führte von Borsody wieder Regie. Die beiden im bäuerlichen Milieu angesiedelten Heimatstreifen "Jugendliebe" und "Die Kreuzlschreiber", zu denen er jeweils auch das Drehbuch schrieb, wirken im Vergleich zu seinen extravaganten und actiongeladenen Inszenierungen bis 1940 von der Stoffwahl her eher befremdlich und belanglos. Eine Erklärung mag sein, dass es 1944 wohl nichts Erstrebenswerteres gab, als irgendwo in der tiefsten Provinz das Kriegsende abzuwarten. Die harmlose "Jugendliebe" steckte zunächst lange in der Zensur fest, mußte mehrfach geändert und zurückgestellt werden und erlebte dadurch vor Kriegsende keine Aufführung mehr.


    Was ist passiert, dass zu einer Zeit, als gute Regisseure nicht wie Sand am Meer zur Verfügung standen und Landsmänner wie Géza von Bolvary und Viktor Tourjanksy einen Film nach dem anderen drehten, der erfolgreiche und versierte Newcomer Eduard von Borsody so schnell vom Regiestuhl wieder verschwand, obwohl er sich für aufwändige Großproduktionen empfohlen hätte?

    Ich konnte die Ausstrahlung von DDR 1 inzwischen sichten. Vorlage war eine leicht verregnete und etwas stärker gespielte Kopie mit ein paar Hackern und jeweils ein paar fehlenden Sekunden bei den Aktwechseln. Im übrigen ist sie aber identisch zur DVD- / ZDF-Fassung von 1993 und enthält kein zusätzliches Material.


    Heißester Kandidat wäre dann damit eine ORF-Ausstrahlung, vielleicht auch eine ZDF-Ausstrahlung von 1982 bzw aus den 70er Jahren.


    Einerseits frage ich mich inzwischen trotzdem, ob die Geschichte nicht eine Ente ist oder auf einem Mißverständnis beruht. Andereseits fehlt rechnerisch einfach zu viel bei dem Film, selbst wenn man berücksicht, dass oft sehr großzügig gemessen wurde (Start- und Endbänder der Akte mitgemessen).


    Das Finale ist recht holprig geschnitten; bei der letzten Reprise vom "Karussell" wurde der Ton ziemlich schlampig übers Bild gelegt - Heesters fängt an zu singen und hat den Mund noch zu - und die Musik ist schon ein paar Sekunden vor der Abblende zu Ende. Am ehesten würde ich die ominöse "Junger Mann"-Sequenz direkt vor der Schlußnummer vermuten.


    Keiner mit einem ORF-Mitschnitt hier an Bord?

    Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat manchmal doch noch die eine oder andere Sternstunde. Mitarbeiter des WDR haben die Sendung nun doch noch für mich identifizieren können.


    Es handelt sich um die Show Folge 1990/03 vom 28.04.1990. Bei dem Kinderdarsteller handelt es sich tatsächlich um Kurt Wichulla. Der gesuchte Film ist "Venus im Frack" (1927) von Robert Land mit Carmen Boni, Evi Eva, Georg Alexander, Max Hansen und Ida Wüst https://www.filmportal.de/film…60f3b47a480a901e714bd5818


    Im Rahmen der Show wurde ein Ausschnitt von 1'30 gezeigt; die Sendung trägt den Vermerk, dass der Ausschnitt nur nach Abgabe einer Freistellungserklärung ausgestrahlt werden durfte und eine Wiederverwendung nicht möglich ist. Das in der Show gezeigte Material stammte aus dem "National Film Archive" in London.


    Im BFI liegt ein viragiertes Nitro-Positiv von 1925 (sic), ein Dup-Negativ sowie ein 1978 angefertigtes s/w-Positiv. Außerdem liegt ein Nitro im DIF.


    Es muß inzwischen eine restaurierte digitale Fassung geben, denn auf der Viennale 2016 wurde der Film im Rahmen einer Retrospektive zu Regisseur Robert Land gezeigt - mit englischen Zwischentiteln, also wird diese Fassung auf dem BFI-Material basieren:

    https://www.viennale.at/de/schiene/special-robert-land

    https://www.viennale.at/de/film/venus-im-frack

    In einem Brief vom 28.09.1957 an Horst von Hartlieb, in dem es um die Probleme der FSK-Freigabe des Films geht, schreibt Veit Harlan zu dem Darsteller des Rechtsanwaltes:


    "Ich kann natürlich nicht eine andere Entscheidung treffen, als die auf alle Fälle der Firma den Film so zu gestalten, daß er erlaubt werden kann. (...) Ich hätte den Film niemals übernommen, wenn ich die Vorstellung gehabt hätte, daß es in unserer Demokratie möglich ist, daß man unter der Vorgabe die Kinder richtig erziehen zu müssen, sich gegen eine Menschenart, die für ihre Veranlagung nicht die geringste Schuld trägt, wenden zu müssen. Es hätte dann in diesem Film eine große Gestalt erfunden werden müssen, die ebenfalls Homosexuell ist, ohne als verbrecherisch bezeichnet zu werden. Wenn nun gar die Szene mit dem Rechtsanwalt, die ich selbst gar nicht liebe, weil der Schauspieler so schlecht ist, auch noch herauskommen muß, dann wird das noch schlimmer."

    Vielen Dank für die interessanten Bilder - ich habe jetzt nur nicht begriffen, wo ich hier die Namen der Personen auf den Bildern finde??


    Nr. 1 "Griechischlehrer"

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    Ich bin der Meinung, das ist der Gesuchte. Er war häufig in deutschen Filmen der 50er zu sehen aber meist nur als Statist und ohne Text. Er könnte auch den Bibliothekar im Wallace-Krimi "Die Tür mit den sieben Schlössern" (1962) gespielt haben - hier bin ich mir wiederum nicht ganz sicher, ob es wirklich derselbe ist:






    Nr. 2 "Rechtsanwalt"


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    Das könnte er sein, aber ein Restzweifel bleibt.



    Nr. 3 "Dr. med. Karl Stricker"

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    Würde sagen das ist er.



    Bei den anderen weiter oben noch abgebildeten Herren sehe ich keine Ähnlichkeiten zu den Filmfotos.


    Anhand des Ausschnitts ist das eindeutig "Kojote" und ich finde, es ist noch nicht mal irgendwie mißverständlich ausgesprochen. Ich habe mich vorher schon gewundert, wo die Stelle gewesen sein soll, weil es inhaltlich auch gar nicht zu den Dialogen passt.


    Auf mich wirkt das jetzt so, als ob in einem panisch vorrauseilendem "Political-Correctness-Wahn" die Leute hier angefangen haben, Gespenster zu sehen bzw zu hören. Allerdings ist dies ja nachweislich 1954 schon der FSK so ergangen. Wenn später ein Redakteur bei Kirch anhand des FSK-Protokolls den Film nachbearbeitet hat, war er quasi schon darauf konditioniert das zu hören, was im Freigabeprotokoll stand.


    Das Ganze hier erinnert mich sehr an die 1975er Neusynchronisation von Disneys "Susi und Strolch" (USA 1955): in der ersten Synchronisation von 1956 hieß die Tante noch - wie im amerikanischen Original - "Tante Sarah". In der sprachlich modernisierten Neusynchronisation benannte man sie in "Tante Clara" um. Kopflose Panik allenthalben, wobei ich es viel rassistischer finde den Namen der Tante umzuändern als sie einfach so zu nennen, wie sie eben heißt. Als ob der Name etwas Anstößiges hätte...

    Ist die DDR 1 Fassung ohne Senderkennung gelaufen und ca 101 Minuten lang?

    Die DDR-Ausstrahlung gemäß youtube läuft 101'02 und war, wie damals üblich, ohne Senderkennung, enthielt aber einige kurzzeitigen Einblendungen "DDR 1" während des Films.


    Hier noch einige wichtige Handlungselemente aus dem Roman, die auch in der DDR-Fassung fehlen und zum Teil möglicher Weise dort herausgenommen worden sein könnten. Natürlich gibt es aber auch - wie oft bei Verfilmungen - deutliche Unterschiede zum Roman, so daß nicht alles hier Aufgeführte relevant sein wird:



    Das Buch von Hans Possendorf ist ein sehr gelungener, kurzweiliger und effektvoller Reißer, der den Film teilweise in seinen abenteuerlichen Schilderungen noch deutlich übertrifft und mit Handlungselementen aufwartet, die nach heutigen, von "Political Correctness" geprägten Vorstellungen teilweise starker Tobak sind.


    Ich kannte lange nur die gekürzte Filmfassung von 1950 und der Film war für mich inhaltlich teilweise immer völlig unverständlich. Erst als ich das Buch gelesen hatte, habe ich die Zusammenhänge und den Film begriffen, auch wenn hier sicher von vorn herein manches anders gelöst wurde.


    Für Krimi- und Filmfans lohnt es sich absolut, ein paar Euro für das Buch zu investieren.

    In dem Film gibt es einige Kleindarsteller zu sehen, die nirgends namentlich genannt werden.


    Kennt jemand die folgenden Schauspieler oder kann Hinweise zu Ihrer Identifizierung geben:


    "Griechischlehrer" - dieser Schauspieler ist mir auch schon in anderen deutschen Filmen jener Jahre aufgefallen - meist nur in Statistenrollen ohne Text (z.B. "Alibi", 1955 oder "Viktor und Viktoria", 1957):




    "Rechtsanwalt" - habe ich auch schon irgendwo einmal gesehen




    In einem nicht im fertigen Film verwendeten Prolog sind ein ungenannter Moderator und zwei "Ärzte" in einer kurzen Diskussion zu sehen. Die Experten haben Namensschildchen aus Holz vor sich; waren möglichweise aber auch nur Schauspieler ???


    Moderator und "Dr. med. Karl Stricker"




    "Prof. Dr. med. W. Hirsch"


    Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild: der Donau Filmverleih wollte für die Wiederaufführung einen Akt Material im Kopierwerk einsparen und hat deshalb an verschiedensten Stellen gestrafft. Gleichzeitig wurden alle Szenen entfernt, in denen allzu sehr Amerika durch den Kakao gezogen wird und Deutsche aus Sicht der Amerikaner schlecht wegkommen. Der Schluß, dass Peter Roland mit Binnie, die er schon als Kind kannte, zusammenkommt, war zu heikel. Deshalb änderte man es passend zur Moral der aufkommenden Adenauer-Ära dahingehend ab, dass nun Peter und Jessie ein Paar werden.


    Bemerkenswert: die MDR-Fassung von 2017 hatte zwar die gekürzte Länge und auch der Schluss war gekürzt wie bekannt. Im Gegensatz zur Toppic-VHS war aber beim MDR der Schluss nicht nachsynchronisiert, sondern lief mit dem Originalton.


    Was auch in der DDR 1-Fassung weitgehend offen bleibt, sind die Vorgänge in Südamerika; der erhoffte Aha-Effekt hat sich diesbezüglich nicht eingestellt. Rechnerisch fehlen bei DDR1 gegenüber der Uraufführungslänge von 1939 aber immer noch rund 3 Minuten; das könnte eine Erklärung sein.


    In der BRD wurde 1950 natürlich alles peinlichst vermieden, was bei den Amerikanern Anstoß hätte erregen können. In der DDR hingegen waren spöttische Seitenhiebe auf die USA höchst erwünscht und es gab keinen Grund sie zu schneiden. Dafür könnten sich in Südamerika Handlungsteile abgespielt haben, die man auch in der DDR nicht gern sehen wollte und dort bewußt herausgeschnitten hat. Entfernt hat man aus der DDR-Fassung die Namen von Städten, die in Westdeutschland lagen.


    Hier für Interessierte das Schnittprotokoll, das ich seinerzeit im Vergleich MDR 2017 zu der youtube-Kopie der DDR-Fassung angefertigt habe, die aufgrund ihrer miserablen Qualität leider nur sehr eingeschränkten Belegcharakter haben konnte. Die Fassung von 1950 ist jedenfalls ganz und gar für die Tonne.


    V-Sensationsprozess Casilla 1939-1950.pdf