Posts by Detlef_Fischer

    Einen interessierten Blick auch als Vorgeschmack auf die DVD-Edition sind sicher diese Filme wert, die euch vielleicht teilweise schon bekannt sind:


    Verwitterte Melodie oder Scherzo von Hans Fischerkoesen, mit einem Preis ausgezeichnet auf der Dritten Reichswoche für den Deutschen Kulturfilm 1943:


    http://www.youtube.com/watch?v=3dKQLUqgB-0


    Ich sage nur: :D Wenn die Woche keinen Sonntag hätt :D



    Das Dumme Gänslein (1944), wiederum Fischerkoesen, entstanden in Den Haager und Potsdamer Zeichenfilmstudios:


    http://www.youtube.com/watch?v=hWO5hXV9EgY


    http://www.youtube.com/watch?v=abNvoqfVU5k



    Fischerkoesen, die Dritte: Der Schneemann (1944), sein IMO schönster Film:


    http://www.youtube.com/watch?v=VQ2kYLoyy_U


    Man beachte die aufwendig gestaltete Exposition mit dem Kameraschwenk auf den Marktplatz, über dem der Schneemann zum Leben erwacht :)

    Quax: Beide Fassungen sind unvollständig, aber absolut identisch mit den Benutzerkopien des Bundesarchivs.
    Ich hoffe sehr, dass sich mal jemand die Mühe macht, beide Filme zu restaurieren und die fehlenden Szenen wieder einzufügen. Es gab ja angeblich Pläne zur Veröffentlichung durch Ice-Storm (?), die dann an "der Verstrickung" Veit Harlans gescheitert sind.

    Ich kenne folgende Filme:


    - „Hans Westmar“ (Franz Wenzler) – 1933


    Hans Westmar war ursprünglich die Verfilmung des Horst-Wessel-Romans von Hanns Heinz Ewers, musste aber auf Wunsch der Propagandfunktionäre um Goebbels umgeändert und neu betitelt werden.
    Ich finde den Film sehr schön, der Hauptdarsteller macht seine Sache gut, und vor allem die Musik unterstützt die Dramatik der Handlung sehr wirkungsvoll.


    - „Um das Menschenrecht“ (Zöberlin) – 1934


    Um das Menschenrecht ist ein antikommunistischer Film im Freikorps-Milieu. Dramaturgisch fand ich den schwach, da er weder als Hetzfilm noch zur Unterhaltung besonders gut funktioniert.


    - „Hände am Werk – Ein Lied der deutschen Arbeit“ (Walter Frentz) – 1935


    Hände am Werk ist einer der besten NS-Dokumentarfilme überhaupt vom unvergessenen Walter Frentz (1939-45 Filmberichter im Führerhauptquartier). Eine ganz große künstlerische Leistung.


    - „Tag der Freiheit – unsere Wehrmacht“ (L. Riefenstahl) – 1935


    Der Wehrmacht-Kurzfilm vom RPT 1935. Ich kenne nur eine Kurzfassung (ohne Hitlerrede).


    - „Ewiger Wald“ (Albert Graf von Pestalozzi) – 1936


    Ewiger Wald ist eine Mischung als Kultur- und Spielfilm und war ein Großprojekt der NS-Kulturgemeinde (unter Alfred Rosenberg). Der Film wurde von Hitler und Goebbels verboten, weil ihnen die völkische Ausrichtung des Films zu stark war.
    Der Film fesselt heute nach dank großartiger Naturaufnahmen und bombastischer Musik, wird aber wg. der Kommentierung bei heutigen Zuschauern eher Heiterkeit hervorrufen.


    - „Ewige Wache“ (Dr. Brieger) – 1936


    Propagandafilm über die NS-Märtyrer vom Hitlerputsch 1923 - nach der Schablone.


    - „Gestern und heute“ (Hans Steinhoff) – 1938


    Wahl-Propagandafilm für den "Österreich-Anschluss" 1938.


    - „Der ewige Jude“ (Franz Hippler) – 1940


    Der berüchtigste antisemitische Propandafilm der NS-Zeit. Der Film ist sehr gut und effektiv gemacht und lohnt auch heute noch das Ansehen. In der muslimischen Welt seit den 60er Jahren sehr gefragt. (Warum bloß?) :D


    - „Glaube und Schönheit“ (H. Ertl) – 1940


    Kurzfilm über das gleichnamige BDM-Werk von Profi Hans Ertl.


    - „Jud Süß“ – 1940


    Harlan-Kitsch mit dem unvergleichlichen Ferdinand Marian, dem besten Bösewicht der NS-Filmära. Er macht das wirklich großartig. Man hat schon Mitleid mit ihm, dass er von den Protagonisten (Eugen Klöpfer, Malte Jäger und Kristina Söderbaum) diskriminiert wird - was sicherlich nicht im Sinne des Erfinders war!


    - „Feuertaufe“ (Hans Bertram) – 1940


    Spektakulärer Film über den Einsatz der Luftwaffe im Polenfeldzug. Es kracht an allen Enden.


    - „Wunschkonzert“ (Eduard v. Borody) – 1940


    Typische Liebesgeschichte (Carl Raddatz / Inge Werner) in einem Film mit militaristisch-patriotischer Grundtendenz.


    - „Sieg im Westen“ (Svend Noldan) – 1941


    Sieg im Westen ist der Bilanzfilm zum Westfeldzug 1940. Der Film reicht m. E. nicht an die Wochenschauen mit gleichem Thema heran.


    - „Heimkehr“ (Gustav Ucicky) – 1941


    Prima Film. Am Schluss bahnt sich die "deutsche Stimme der Vernunft" mit einem Panzer ihren Weg durch polnische Gefängnismauern. Klassiker.


    - „Die goldene Stadt“ (Veit Harlan) – 1942


    Der zweite deutsche Farbspielfilm. Ich finde nicht, dass es ein Propagandafilm ist.


    - „Immensee“ (Veit Harlan) – 1943


    Noch ein Spielfilm in Agfacolor. Völlig unpolitisch.


    - „Opfergang“ (Veit Harlan) – 1944


    siehe Immensee und Opfergang


    - „Kolberg“ (Veit Harlan) – 1945


    Der Durchhaltefilm ist besser als sein Ruf. Schöne Farben.

    Nicht fehlen darf natürlich der Hinweis auf das Industrie- und Filmmuseum Wolfen:


    http://www.ifm-wolfen.de/


    Wo Anfang der 90er Jahre Industrieruinen brachliegen, befinden sich heute die Gebäude der ehemaligen Agfa- / Orwo-Filmfabrik in blitzblankem Zustand. Zahlreiche Exponate können dort besichtigt werden, von der Filmgieß- zur -perforationsmaschine und anderen exotischen Stücken, deren Bedeutung in Anbetracht der Digitalisierung zunehmend historisch wird.
    Das Filmmuseum Wolfen lohnt definitiv einen Tagesausflug ;)

    Gestern sah ich in einer privaten DVD-Kopie den Dokumentarfilm
    Sieghaftes Rot über Bitterfeld
    Regie: Lucie Hermann
    NDR 1993 / ca. 60 Min


    Dieser schöne Nachwendefilm erzählt die Geschichte der Filmfabrik Wolfen / Bitterfeld, die Anfang des 20. Jahrhunderts von der I.G. Farben Tochterfirma Agfa (Aktiengesellschaft für Anilin-Fabrikation) und zeitweise die größte Rohfilmherstellerin Europas war. Mitte der 30er Jahre wurde hier der Farbfilm Agfacolor geboren, der in Deutschland die Wende vom Schwarz-Weiß- zum Farbfilm einläutete. In der Nachkriegszeit wurde die Agfa-Filmfabrik zunächst sowjetische Kriegsbeute und Teil der sowjetischen Gesellschaft Photoplenka. Später wurde aus dem Markenzeichen Agfa, das in Westdeutschland in der Film- und Fotofabrik Leverkusen weiterbestand, das Markenzeichen ORWO = Original Wolfen. In Wolfen wurde das Farbfilmmaterial für die gesamte UdSSR und ihre Bündnispartner hergestellt.


    Die Dokumentation zeigt u. a. Ausschnitte aus den Agfacolorfilmen Frauen sind doch bessere Diplomaten (1939-41), Münchhausen (1943), Das Kind der Donau (1949). Das kalte Herz (1950), Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse (1954) und Goya (1970).
    Als Zeitzeugen kommen u.a. Kurt Exner, Leiter der Farbfilmabteilung des Ufa-Koierwerks Afifa, und Defa-Regisseur Kurt Maetzig zu Wort.


    Lucie Hermanns Film spiegelt ein Stück deutscher Industriegeschichte, reizvoll aufbereitet mit Filmausschnitten und interessanten Zeitzeugen, von denen viele in der Zwischenzeit verstorben sind.


    Nachdrücklich empfohlen! :)

    Auf die Gefahr hin, als Meckerer zu erscheinen, gebe ich zu Protokoll, dass ich die Auswahl der Trickfilme für nicht sonderlich gelungen halte.


    "Die Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen - eine Winterreise" (Hans Held) ist bereits auf DVD erschienen, und zwar im Bonusprogramm des "Münchhausen" (Josef von Baky / 1943) mit Hans Albers.


    Gleiches gilt für "Die sieben Raben", der längst eine DVD-Veröffentlichung erfahren hat.


    Die Fischerkösen-Filme ("Das dumme Gänslein", "Verwitterte Melodie", "Der Schneemann") können bei YouTube besichtigt werden und sind keinesfalls Neuentdeckungen.


    Meiner Meinung nach hätte man eine mehrteilige Reihe machen und auch die unbekannteren Filme berücksichtigen sollen. Die Auswahl hangelt sich offenbar an den in "Hitlers Traum von Micky Mouse" im Ausschnitt gezeigten Werken entlang.


    Zwei der schönsten Gasparcolor-Trickfilme der NS-Ära, die Purzel-Filme von Kurt Stordel, fehlen leider.
    Ebenso der Überläufer "Das Wetterhäuschen", der im Filmarchiv Prag liegt, und einige knackige Propagandafilme.


    Nichtsdestotrotz: die DVD ist natürlich ein Pflichtkauf WENN sie denn erscheint. Soweit ich das verfolgt habe, wurde der Veröffentlichungstermin ja mehrfach nach hinten verschoben.

    Welche frühen deutschen bzw. österreichischen Tonfilme (1929-1933) sind bis dato verschollen und würden euch besonders interessieren. Also welche davon sucht ihr schon sehr lange? (weil tolle Schauspieler mitspielen, interessante Thematik, etc...) Einfach eine Filmliste...

    Mich würden vor allem dokumentarische Filme, Wochenschauen usw. interessieren, die verschollen sind.
    An Spielfilmen: Das Schönheitsflecken (1936, Rolf Hansen), da in Farbe gedreht.

    Ich finde es auch sehr schade dass beim Filmportal bei JEDEM Film aus dieser Zeit ein Hinweis steht, dass man diese mit Vorsicht genießen sollte. Als würde es solche Filme, die Einfluss auf die Zuschauer ausüben möchten, nur in dieser Zeit gegeben... und als wären alle so gewesen.


    Bei DEFA-Filmen gibt es diesen Hinweis bezeichnenderweise nicht :P


    Na ja, diese ganze Propagandafrage ist in der Forschung ein Riesenthema. Ich stehe da voll auf der Position, die Du & Quax eingenommen haben, aber man kann sich leider nicht darüber hinwegsetzen, dass findige Zeitgenosse bei so ungefähr jedem Film aus der NS-Zeit "bewiesen" haben, dass es eine propagandistische Wirkung gab.
    Wenn ein Film gut war oder wenn irgendwer im Publikum gelacht hat, dann war es ein Propagandafilm, weil er die Moral der Bevölkerung stabilisiert hat. Vor allem während des Krieges. Deswegen werden Filme wie Die Frau meiner Träume so gerne als Durchhaltefilme bezeichnet.


    Das ist leider alles sehr typisch für die heutige Mentalität.

    @ Quax:
    Welches die drei versteckten Anspielungen sein sollen, würde mich sehr interessieren :)


    Die Theorie betr. Reichskristallnacht kann ich nicht ganz nachvollziehen. Sollte es sich um ein Beispiel für eine solche Anspielung handeln? Da der Film laut Filmportal im September 1938 zensiert und aufgeführt wurde, kann es sich nicht um eine von den Machern intendierte Anspielung handeln.

    Ich habe mal nachgeschaut. Der Marine-Film heißt genau:
    Koordinatensysteme. Teil 1. Der Sternenhimmel. Ein Stereofarbfilm des Oberkommandos der Kriegsmarine.
    Er stammt von 1942/43 und läuft 316 Meter / 10 Minuten
    Über den Inhalt heißt es:

    Lehrfilm über die Veränderungen der Sternbilder am Himmel. Im Teil 1 wird die Gruppierung der Gestirne in ihrer Anordnung um den Erdball herum dargestellt.


    (Quelle: Findbuch für Animationsfilme des Bundesarchivs)

    @Sebastian:
    Über 3D-Verfahren der Nachkriegszeit weiß ich nichts zu berichten, aber 1936 wurde während der Sommerolympiade in Berlin ein Raumfilmverfahren der Zeiß-Ikon AG verwendet, um die sportlichen Leistungen mit größerer Exaktheit überprüfen zu können. Hierbei wurden bei den Lauf- und Ruderwettbewerben die Sportler gefilmt, die Filme sofort entwickelt und im Zweifelsfall aufgrund der Raumwirkung festgestellt, wer wirklich vorne gelegen hatte.
    Das Zeiß-Ikon-Verfahren wurde experimentell für einige Testfilme (auch Farbaufnahmen, aber nur zweifarbig, siehe unten) eingesetzt.


    Der bekannteste und einzige meines Wissens öffentlich gezeigte Film war ein Werbefilm für die Volksfürsorge: Zum Greifen nah! von der Bohner-Film, Dresden. Dieser Film war NICHT IN FARBE, auch wenn dies immer gerne behauptet wird.
    Gezeigt wurden Szenen auf einem Rummelplatz, etwa Luftballons, die in die Kamera und damit auf das Publikum zuflogen.
    Ich gehe davon aus, dass der Film erhalten ist, kenne aber die technischen Voraussetzungen nicht, um beurteilen zu können, ob diese Art stereoskopischer Filme heute noch projiziert werden kann.
    Ansonsten ist mir noch ein Stereofarbfilm des OKM Oberkommandos der Kriegsmarine bekannt, den - soweit ich mich erinnere - ebenfalls Boehner-Film hergestellt hatte: Koordinatensysteme (1944). Das war ein Lehrfilm, der für heutige Zuschauer vermutlich eher uninteressant sein dürfte. Ich habe den Film aber nicht gesehen. Das Bundesarchiv besitzt nach eigener Auskunft eine Kopie.


    Schwer gesucht wird der angebliche 3D-Farbfilm über die Reichsgartenschau in Dresden 1936, von dem Gert Koshofer in seinem Buch "Color. Die Farben des Films" berichtet hat. Den würde ich sehr gerne sehen, aber wahrscheinlich ging dieser Film bei der Vernichtung des Zeiß-Ikon-Archivs ebenfalls verloren.

    Es wäre interessant zu sehen, was man noch alles an Material zu Tage fördern kann. Wenn das Buch die erhofften guten Verkaufszahlen hat, kann sich daran ja vielleicht noch ein neues Projekt anschließen.

    Quax:


    Du schreibst mir aus der Seele, Quax. Ich wünschte, mehr Menschen wären über diese unseelige Kassationsthematik orientiert, sodass man erfolgreich dagegen protestieren könnte. Es ist eine Sauerei, wie das Bundesarchiv als Sachwalterin des deutschen Filmerbes mit diesen Beständen umgeht, ein nicht-wiedergutzumachendes Sakrileg gegenüber kommenden Generationen :(
    Wenn man mehr Zeit hätte, müsste man in Zeitschriften wie Der Archivar oder anderswo ganz gezielt diese Vernichtung von Film- und auch Fotobeständen anprangern. Nur bezweifle ich, dass das Aussicht auf Erfolg hätte, da die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen, und zum zweiten macht man in dem Fall natürlich erhebliche Minuspunkte bei den Personen, mit denen man im Bundesarchiv Kontakt hatte - zumal wenn man dort noch häufiger arbeiten will.


    Dieses Thema macht mich fertig.