Posts by Detlef_Fischer

    Ich denke, Münchhausen ist ein Film, der sich nicht umsonst bis heute großer Beliebtheit erfreut.


    Letztlich ist es ja immer extrem subjektiv, was jemandem gefällt und was nicht, und auch sehr von der Prägung des Filmgeschmacks abhängig. Wenn Deine Frau historisch interessiert ist, könnte man ja durchaus auch politische Filme antesten - vielleicht nicht die ganz plakativen, sondern etwas subtileren und/oder hochwertigen Stoffe... Ich denke spontan an Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt oder Ich klage an.


    Da ich Kleine Residenz nicht kenne, kann ich keinen ähnlichen Film empfehlen.
    Dass Sie Rühmann nicht mag, spricht aus meiner Sicht nicht gegen Ihren Geschmack :D


    PS: Ein Film, der bei weiblichem Publikum gut anzukommen scheint, ist Altes Herz wird wieder jung mit Emil Jannings .....

    Ich weiß zwar nicht, was Brunos ursprünglicher Wortlaut war, aber inhaltlich schließe ich mich an. Es ist ein Unding, dass Politiker sonstwas verbrechen können und das Schlimmste, was ihnen geschehen kann, ist der Rücktritt.
    Im Grunde müsste man da mit dem Stahlbesen auskehren...

    Ach, von Oven ist da auch mit drauf?
    Hippler hat ja viele Interviews gegeben, ich habe gerade erst ein ca. zweistündiges über die Entstehung des Ewigen Juden und die antisemitische Filmpropaganda gesehen. Hätte ihn sehr gerne noch persönlich kennengelernt, kam aber zu spät. Gleiches gilt auch für von Oven, der ja ins südamerikanische Exil gegangen war.

    Hundeherz von Bulgakow
    Ich bin jetzt da, wo der Dr. Filippowitsch Moppel das Gehirn und die Hoden eines toten Menschen eingepflanzt hat und sich Moppel allmählich in einen Menschen verwandelt. Das Buch ist erstaunlich politisch, wobei mir die Tendenz noch nicht 100%ig ersichtlich ist. Vielleicht wird sie es auch nicht, weil Bulgakow andernfalls erschossen worden oder im Tscheka-Gefängnis verschwunden wäre-

    Man könnte die Geschichte auch weiterspinnen, was ich persönlich sehr spannend fände: Wie findet sich jemand, dessen Aktionsradius sich jahrelang auf eine Kleinstadt beschränkt hat überhaupt zurecht in der echten Welt, wo der Job nicht sicher ist, wo alles größer, schneller, hektischer ist?


    Richtig, das könnte man. Aber es wäre dann eben keine Show mehr - und niemand würde es sehen wollen.
    Ich bin mir sicher, dass auch der Reiz des Films Truman-Show darin liegt, sich als Zuschauer in einen Protagonisten hineinzuversetzen, an dessen (uninteressantem, aber harmonischem) Alltagsleben ein Millionenpublikum Anteil nimmt. Der Ausbruch muss natürlich stattfinden, weil das System unmoralisch an ihm handelt - aber liegt da nicht auch ein Reiz drin, dass der Kinozuschauer sagt: Na, der Truman in seiner Kulissenwelt hat es doch gut, der lebt da behütet und alle schauen ihm zu und fühlen mit ihm. Für mein eigenes Durchschnittsleben interessiert sich niemand. Ich wäre auch gerne ein Fernsehstar wie Truman... ?

    Das Konzept liest sich ziemlich einfallslos.
    Meine Vermutung ist, dass der Filmemacher lauter politisch korrekte Fragen stellt und den moralischen Zeigefinger bedient. Es gibt so viele verfügbare Amateurfilmer-Nachlässe, die viel eher ins Fernsehen gebracht werden sollten als zwei Rollen Zufallsfunde und ein Haufen Fotos, dass ich zunächst mal für diese Herangehensweise kein Verständnis habe. Da scheint sich Herr Michael Wnuk gesagt zu haben: Hey, ich habe diesen Kram hier gefunden, jetzt mache ich eine Doku daraus...

    Theoretisch stimmt das, aber genau diesen Horror-Aspekt macht der Film meiner Meinung nach nicht deutlich. Ich habe zwar nur Ausschnitte daraus gesehen, u.a. den Schluss, aber das Problem scheint mir zu sein, dass hier ein Alptraumszenario in einer glatten Hollywood-Oberfläche daherkommt. Das kann nicht überzeugen.

    Kann es sein, dass Du eine Ansage einer Musiksendung (aber nicht den Dachgarten) meinst, in welcher der Moderator sagt, dass es einige gibt, die immer quer pfeifen und dass diese in ein "Konzertlager" gebracht werden, wo man ihnen die richtigen Flötentöne beibringen wird?

    Genau diese Passage meine ich. Mir war nicht mehr erinnerlich, ob es sich bei dem Vortragenden um einen "Künstler" oder Moderator handelte. Wenn man das heute hört, wird einem natürlich ganz anders. Aber es ist ein meiner Meinung nach ganz wichtiges Dokument, weil es die "andere Seite" des Regimes zeigt: hier Autobahnen und KDF - dort Stacheldraht und Gefangenenbaracke.

    Ich wollte gestern nicht mehr auf die Schnelle auf Deinen Beitrag antworten, den ich noch gelesen hatte und der einige interessante Fragen aufwirft. Auch ich wäre an der Aufarbeitung der deutschen Fernsehgeschichte vor 1945 sehr interressiert - ebenso an der Veröffentlichung der überlebenden Filmaufnahmen.

    MIt so einem Standartwerk könnte man sich einen Namen machen, jedoch wohl eher im kleinen Kreise, da das wohl niemals staatlich oder durch die etablierten Medien gefördert/beworben/unterstützt wird in der aktuellen Situation.

    Das ist das Problem. Deswegen ist das Thema für die meisten Filmwissenschaftler / Historiker vermutlich eher randständig - obwohl es hier noch etwas zu entdecken gäbe.
    Vermutlich dauert es, bis jemand mit dem Vorsatz daran geht, die schöne, selbstvergessene bundesdeutsche Fernsehgeschichte an ihre "dunklen Wurzeln" zu erinnern ... oder bis irgendwelche antisemitischen Fernsehaufnahmen aus der NS-Zeit auftauchen ... das weckt ja immer immens Interesse. Das einzige, was ich aus dem Fernsehen kenne (Du sicher auch), ist dieser abartige Sketch, in dem mit einem Aufenthalt in Dachau (?) gedroht wird...

    Leider ist man da auf Eigeninitiative der Bevölkerung angewiesen.

    Sag es ruhig: Der Staat versagt völlig.
    Es ist leider so, wir alle wissen es, der Staat versagt auch auf diesem Gebiet, weil er von korrupten, gewissenlosen und inkompetente Funktionsträgern geleitet wird, denen Pflicht, Verantwortung und Idealismus Fremdworte sind.


    Für so ein Standartwerk gibt es wohl auch zu wenig Quellen oder? Die Filmrollen sind da natürlich goldwert.

    Ich denke, das Fehlen von Schriftquellen ist ein großes Problem. Dass so wenig Aufnahmen überliefert sind, hat für den Forscher aber auch den Vorteil, dass er sich nicht durch Berge von Material arbeiten muss, sondern das Vorhandene quantitativ und qualitativ erfassen und auswerten kann - was bei der Hinterlassenschaft des DDR-Fernsehens z.B. gar nicht möglich wäre oder nur schwer möglich wäre, weil die Lebenszeit nicht ausreicht, wirklich ALLES zu sichten, bevor man zu schreiben anfängt.


    jh hatte die Frage der Urheberrechte angeschnitten. Die liegen sicherlich beim Bund. Ob es aber eine gesonderte Auswertungsgesellschfat gibt wie Transit-Film oder die FWM-Stiftung beim Filmerbe vor 45, das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann.

    Im Netz wüsste ich nicht. In der Fachliteratur gibt es natürlich welche ... Statistiken zum deutschen Spielfilm findest Du z.B. bei Gerd Albrecht: Nationalsozialistische Filmpolitik, Stuttgart 1969.
    Aber wie brauchbar diese Statistiken sind, kommt natürlich immer auf deine Fragen an. Wirklich vollständige Filmlisten auch mit Wochenschauen, Kurz- und Werbefilmen gibt es meines Wissens nicht.

    Ich will dich nicht abhalten, frag ruhig nach. Lass mich wissen, wenn Du eine Antwort kriegst ... und ob es eine befriedigende Antwort war. Ich befürchte nur, dass Du abgewimmelt wirst oder gar keine Antwort bekommst.


    Was die Forschung zum Thema angeht, wüsste ich auch spontan keine Grundlagenarbeit über das Fernsehen im Dritten Reich. Natürlich gibt es was, und ich habs auch mal durchgeblättert, fand es aber nicht so richtig überzeugend. Da fehlt noch das Standardwerk ;)
    Ist vielleicht auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Wurzeln des deutschen Fernsehens im Fernsehen der Gegenwart ja zumeist verschwiegen werden.

    Ich glaube nicht, dass Deine Vermutung zutrifft, jh.
    Ich bin kein Spezialist für Fernsehtechnik, weiß aber, dass ein Großteil der Sendungen auf Filmmaterial gedreht und archiviert wurde - so heißt es zumindest in Presseberichten von der Olympiade und einigen späteren Ereignissen. Dieses Filmmaterial wurde natürlich eingelagert und aufbewahrt - es war ja nicht so wie heute, wo nur materielle Interesse zählen, sondern der damaligen Staatsführung bedeutete das Land und seine Geschichte etwas, sodass sie sich auch ernsthaft um die Bewahrung solcher Archive bemühte.
    Dagegen gibt es Berichte über die Plünderung und Vernichtung des Archives des Paul-Nipkow-Senders. Dass heute so wenig davon geblieben ist, verdanken wir wahrscheinlich der Befreiung durch die glorreiche Rote Armee.

    Filmrollen haben sicher ganz unterschiedliche Längen oder? Deswegen kann man anhand der Zahl "285" nicht sagen, wie viel Material gerechnet in Minuten das ist?

    So ist es.
    285 Rollen sind aber in jedem Fall ziemlich viel - selbst wenn jede Rolle nur 30 Meter umfassen würde, wären wir schon bei fast 5 Stunden.

    Sowas gibt es ganz sicher nicht mehr.
    Hat es vielleicht auch nicht gegeben, denn ähnlich wie bei den Rundfunksprechern scheint manches weniger abgelesen als spontan eingesprochen worden zu sein. Das ist ganz ulkig, weil sie sich auch manchmal verhaspeln, dabei aber sehr gestelzten und umständlichen Stil pflegen.
    Der Höreindruck ist jedenfalls ganz weit weg vom Kino und von der Wochenschau. Die Fernsehbeiträge wirken eher wie bewegte Bilder, die von einem Rundfunksprecher kommentiert werden.
    Ich habe auch keine Ahnung, wie viel gesendetes Fernsehmaterial vor 1945 noch erhalten ist... drei, vier Stunden vielleicht? Das Material, was ich gesehen habe, lief etwa eine Stunde.

    Ich finde das auch hochinteressant. Schade, dass es immer nur so kurze Ausschnitte sind die man zu sehen bekommt. Gerade weil das alles Neuland war für die Leute damals war es natürlich noch holprig, aber genau das machts auch wieder interessant.

    Es waren keine Ausschnitte, das Material war einfach nur fragmentarisch überliefert, d.h. der Ton war nur zum Teil vorhanden, und manche Beiträge lagen nur als Bruchstücke vor, Anfang, Mittelteil oder Ende - deswegen hat es geholpert.
    Aber trotzdem sehr interessant, und tolle Originaltöne.
    Das waren schon ungeheure Pionierleistungen, da bin ich ganz jhs Meinung.