Jagdszenen aus Niederbayern 1969

  • Ein amüsanter, wie auch ernsthafter und deprimierender Film.
    Oder auch ein frivoler und bösartiger Heimatfilm.
    Gedreht 1968 im Raum Landshut - als Mitwirkende größtenteils die Dorfbevölkerung aus Unholzing
    Für die Endsechziger ein gewagter Film.

  • Wieso ist er "frivol", "bösartig" und "deprimierend"? Es scheint wohl ein "sozialkritischer" Heimatfilm zu sein?


    Hast du den gesamten Film gesehen?
    Frivol: Weil es derbe zugeht - vergleichbar mit "Das Bad auf der Tenne". Hier ständig sexuelle Andeutungen
    Bösartig: Es wird auf Leute herumgetrampelt, die nicht einheimisch sind - Verleumdungen - aus heutiger Sicht Mobbingattacken
    Deprimierend: Weil es für die Leute, auf denen herumgetreten wird, hoffnungslos erscheint.


    Ich habe ja nicht gesagt, daß es ein schlechter Film ist - er war nur der damaligen Zeit voraus.

  • Vielen Dank!


    Ah ich sehe der Film fällt unter Autorenfilm/Neuer Deutscher Film. Sehr interessant. Da passen Deine Einordnungen gut von der Flmeinordnung her. Autorenfilme finde ich sehr interessant ,wobei ich bisher mehr bei Fassbinder und Herzog bin. Da gefallen mir einige der Filme aus den 70er Jahren besonders gut. Bei Herzog das aus den 60er Jahren z.B. nicht so gut (Lebenslinien hieß sein erster größerer Film glaube ich).

    "Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen."


    Konfizius

  • Für die Endsechziger ein gewagter Film.

    ...der damals vor allem bei Dorfbewohnern nicht gerade auf positives Echo stieß und in Bayern relativ hohe Wellen schlug. Im Bonusmaterial der Blu-ray/DVD ist ein Bericht über die mitwirkenden Laiendarsteller zu sehen, die das Drehbuch offenbar gar nicht kannten, sowie die Kinopremiere mit den anschließenden Reaktionen, und zudem noch eine Menge an Leserbriefen.


    Mich wundert es ja, dass ausgerechnet dir solch ein doch recht provokanter Streifen gefällt.
    Einerseits erscheint er wie eine absurde Mischung aus Heimat- und Horrorfilm voll negativer Klischees und übertriebener Darstellungen, andererseits zeigt er eine Gruppendynamik auf, die sich in Dorftratsch, Ausgrenzung Andersartiger und Gewalt/Unterdrückung niederschlägt, welche sich so tatsächlich ereignen könnte und mit Sicherheit in ähnlicher Weise vielfach eine reale Entsprechung fand. Er bleibt aber für meinen Geschmack zu brutal, oder wie du schreibst deprimierend, um ihn noch als sozialkritisch zu sehen.
    Bezeichnenderweise handelt es sich hier um den Lieblingsfilm von Michael Haneke, der diesen Stil später nahtlos fortgeführt hat.

  • ...der damals vor allem bei Dorfbewohnern nicht gerade auf positives Echo stieß und in Bayern relativ hohe Wellen schlug. Im Bonusmaterial der Blu-ray/DVD ist ein Bericht über die mitwirkenden Laiendarsteller zu sehen, die das Drehbuch offenbar gar nicht kannten, sowie die Kinopremiere mit den anschließenden Reaktionen, und zudem noch eine Menge an Leserbriefen.


    Mich wundert es ja, dass ausgerechnet dir solch ein doch recht provokanter Streifen gefällt.
    Einerseits erscheint er wie eine absurde Mischung aus Heimat- und Horrorfilm voll negativer Klischees und übertriebener Darstellungen, andererseits zeigt er eine Gruppendynamik auf, die sich in Dorftratsch, Ausgrenzung Andersartiger und Gewalt/Unterdrückung niederschlägt, welche sich so tatsächlich ereignen könnte und mit Sicherheit in ähnlicher Weise vielfach eine reale Entsprechung fand. Er bleibt aber für meinen Geschmack zu brutal, oder wie du schreibst deprimierend, um ihn noch als sozialkritisch zu sehen.
    Bezeichnenderweise handelt es sich hier um den Lieblingsfilm von Michael Haneke, der diesen Stil später nahtlos fortgeführt hat.


    Ich nehme deine Kritik sehr ernst.
    Dazu muß ich folgendes sagen:
    Ich bin selbst auf dem Land großgeworden - in Norddeutschland in einem ca. 100 Seelendorf.
    Darum kenne ich noch die Mentalität - in Betreff auf die Landarbeit - auf die Freizeit - auf das Verhältnis Einheimische zu Flüchtlingen und umgekehrt und den bescheidenen Freizeitaktivitäten.
    Es war schon für uns Kinder brutal - Backpfeifen von Erwachsenen - allgegenwärtige Prügeleien mit Gleichaltrigen, egal wo und Respektlosigkeit gegenüber Erwachsenen, besonders gegenüber von Städtern, die an Wochenenden das Landleben "genießen" wollten.
    Darum habe ich mich in dem Film teilweise wiedererkannt bezw. kamen Erinnerungen an das Landleben hoch.
    Der Kinobesuch damals in Hamburg - auch noch auf St.Pauli - war darum sehr amüsant.
    Es wurde im Kino vor Vergnügen gejohlt.


    Außerdem wurde sich darüber amüsiert, wie die Bevölkerung " aufs Glatteis" geführt wurde und man sich später auf ihre Kosten lustig gemacht hat.
    In "meinem Dorf" wäre es ähnlich verlaufen.


    Ein Bauer, bei dem ich auch häufiger bei der Kartoffelernte war, war mit ein paar anderen Bauern auf mal auf St.Pauli-Besuch.
    Sie wurden sofort erkannt, denn in der Herbertstraße rief man ihnen nach, ob sie schon ihre Kühe gemolken hätten.


    Das Landleben in den 60ern - hart aber sehr herzig.

  • Witzig, nachdem ich mal kurz in den Film geschaut habe als Bruno ihn letztens verlinkte und als ich dann Deinen Text, JTVR, gelesen habe, habe ich direkt an "Das weiße Band" ein wenig denken müssen... und dann erwähnt Du Haneke... Ja das passt.


    Ansonsten kann ich Brunos Schilderungen gut verstehen. Ich komme auch eher vom Land, zwar aus späteren Zeiten, aber die Menschentypen hat man da teilweise auch noch so miterleben können.

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    Konfizius

  • Vor fast 24 Stunden saß ich hier in meinem Büro und habe wegen einer Windows-Aktualisierung die noch lief einige Tagebücher grob durchgeblättert, die ich noch nicht katalogisiert habe. Darunter einige eines Berliners, der in der Zeit der 50er bis 70er/80er(?) Jahre mehrere hundert Tagebücher geschrieben hat. Hinten mit Register für Opernbesuche, klassische Konzerte und Theater. Ganz selten mal Kinofilme. Und siehe da, er hat "Jagdszenen aus Niederbayern" 1969 in Berlin geschaut und schreibt auch einiges darüber. interessant finde ich, dass das Kino sehr voll war. Er hat vorher schon die Theaterfassung gesehen, hat sich deshalb vom Film viel erhofft, wurde aber enttäuscht. Er schreibt auch, dass es sehr brutal zugeht, die Leute teilweise als Dorftrottel dargestellt werden, es z.B. eine Schalchtszene gibt die sehr detailreich gezeigt wird. Und anstatt Handlung zu zeigen, zeigt man immer wieder "Typen", sodass der Film eigentlich "Typen aus Niederbayern" genannt werden müsste. Außerdem schreibt er, dass es um den zetigenössischen deutschen Film schlecht stheen muss, wenn der Film schon den 2. Bundesfilmpreis in einem Jahr bekommen hat. Fazit: "Ich habe den Film schnell vergessen". Genaueres zitiere ich ggf. bei Gelegenheit mal auf geschriebene-geschichte.de und/oder deutsche-filme.com
    Von diesem Autoren stammen auch die Texte bei deutsche-filme.com zu "Kolberg" und "Tanz auf dem Vulkan". Auch hier zu lesen: http://www.geschriebene-geschi…-1969/1950-1959-filme.htm

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    Konfizius

  • Ein Film, der mich sehr beeindruckt hat. Sicher absolut sehenswert, aber kein Film für mich den man sich immer wieder mal anschaut.


    Derzeit ist der Film ungekürzt auf youtube zu finden...


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    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • Als Ergänzung...


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