Das Fenster zum Hof (USA, 1954)

  • Ich habe heute das erste Mal "Das Fenster zum Hof" gesehen. Nachdem der Film in "ALF", "Simpsons" und vielen anderen Serien parodiert wurde, war das für mich endlich mal Pflichtprogramm. Der Anfang zieht sich ein wenig, aber in der zweiten Hälfte steigt die Spannung sehr an. Er ist wirklich gut gemacht. Wobei ich aber vom Ende sehr enttäuscht war.


    SPOILER


    Denn in den Parodien endete es immer so, dass der Verdacht falsch war. NUR so hat die Geschichte einen Sinn bzw. eine Aussage.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Die Szenerie an sich finde ich großartig, die Umsetzung hingegen ein wenig unausgegoren.
    Darüber, dass die Geschichte so ausgeht, war ich mir relativ früh sicher, aber interessant wäre derselbe Film auch mit einer umgekehrten Auflösung.
    Leider sind mir die Parodien nicht bekannt.


    Besser gefiel mir James Stewart in Cocktail für eine Leiche, ein reichlich morbides Werk, das meiner Meinung nach ein reales Phänomen offenlegt (Mord als Kunstwerk). Das ist einer der wenigen Hollywood-Streifen, dem ich das Prädikat "perfekt" verleihen würde.


    Auch gut fand ich Der zerrissene Vorhang mit Günter Strack als zwielichtiger Professor und Wolfgang Kieling als abgebrühter Stasi-Agent, der ein sehr grauenvolles Ende findet, sowie den spannenden und unheimlichen Thriller Der Mann, der zuviel wusste.

  • Cocktail für eine Leiche ist handwerklich ein hervorragend gemachter Film (Kameraführung und Schnitt). Inhaltlich fand ich ihn aber sehr vorhersehbar.


    Der zerrissene Vorhang ist m. E. ein super-blöder Propagandafilm. (Auch wenn der Zweikampf mit dem Stasi-Agenten schon sehr gelungen ist...)


    Das Fenster zum Hof kenne ich nicht.

  • Der zerrissene Vorhang ist m. E. ein super-blöder Propagandafilm. (Auch wenn der Zweikampf mit dem Stasi-Agenten schon sehr gelungen ist...)

    Gut, das haben Agentenfilme eben so an sich, und dieses Genre ist auch nicht das, wofür Hitchcock steht. Propagandistischer fand ich allerdings Topas.
    Hin und wieder ziehe ich mir auch gerne bescheuerte Filme rein.

  • Klar gibt es propagandistischere Vertreter des Genres ... aber diese Busfahrt am Schluss war schon unfreiwillig komisch :) oder wie die Helden am Schluss "abgetaucht" sind... Na ja, ich war jedenfalls schwer enttäuscht, weil ich die angenommen hatte, es wäre ein ernstzunehmender Film!

  • Jetzt, wo du's erwähnst: Der Film hat besser begonnen als er geendet hat. Und Das Fenster zum Hof ist eigentlich Gold dagegen.
    Anders als die Story, fand ich die Leistungen der drei deutschen Schauspieler jedoch überzeugend.

  • Er gehört nicht zu meinen Lieblingsfilmen, im Gegensatz zu "Rebecca", der "Fremde im Zug" oder "Sabotage".
    Auch ich halte "Der zerrissene Vorhang" für einen üblen Propagandafilm.
    Als Jugendlicher sah ich das anders.


    Schade, das bei "Fenster zum Hof" nur noch die 1984er Synchronfassung existiert - die erste Synchronisation von 1954 war unter anderem mit Paul Klinger und Siegfried Schürenberg.
    Die Schuld daran wird dem langen Verschluß dieser Filme (Das Fenster zum Hof, Vertigo und Cocktail für eine Leiche) in die Schuhe geschoben, denn nach der Freigabe wurden all diese Filme neu synchronisiert.
    Es ist aber wohl eher der deutschen Gründlichkeit zu verdanken, daß alle Kopien der Erstsynchronisation vernichtet wurden.


    Die ARTE-Version, die zur Zeit läuft, beinhaltet nicht nur die 1984er Synchronisation, sondern verzichtet auch auf die deutsche "Schriftsynchronisation"
    Der Vor-und Abspann ist also nur in englisch

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • Ich fand die deutsche Stimme des Hauptdarstellers in der Neufassung nicht so gut. Mich würde die originale deutsche Stimme mal interessieren.

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    André Gide

  • Darsteller u. Sprecher (1954/1984):


    L.B. "Jeff" Jeffries
    JAMES STEWART
    Siegmar Schneider/ Siegmar Schneider


    Lisa Carol Freemont
    GRACE KELLY
    Eleonore Noelle/ Monica Bielenstein


    Lt. Thomas Doyle
    WENDELL COREY
    Paul Klinger / Horst Schön


    Stella
    THELMA RITTER
    Ursula Krieg/ Ingeborg Wellmann


    Lars Thorwald
    RAYMOND BURR
    Walter Süssenguth / Joachim Nottke


    Telefonstimme Gunnison
    Siegfried Schürenberg / Heinz Petruo


    Die Stimme von James Steward wurde auch in der 2.Synchronisation verwendet - halt nur 30 Jahre älter

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    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • Ich hab mir letztens nochmal die Alf-Folge "Das Fenster zum Garten" angeschaut und fand sie sehr sehr gut, gerade jetzt wo ich den Originalfilm dazu kenne, ist es besonders interessant.

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    André Gide

  • Das höre ich zum ersten Mal. Aus welcher Stadt war der Tatort und ungefähr aus welcher Zeit? Interessant, wie oft das Thema des Films übernommen wurde.

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    André Gide


  • Das wär mal ein Grund einen modernen Tatort anzuschauen, irgendwie habe ich mich bisher schwer mit der Reihe getan - aber das scheint witzig umgesetzt worden zu sein :)

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    André Gide

  • Bruno
    Ist bekannt, weshalb Alfred Hitchcock den Film "Das Fenster zum Hof" (1954) für 30 Jahre sperren ließ?


    Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich etwas falsch verstanden habe. So wie ich das verstanden habe, muss Alfred Hitchcock den Film demnach 1984 wieder entsperrt und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht haben. 1984 war Alfred Hitchcock jedoch schon verstorben, und konnte den Film somit nicht mehr freigeben?

  • Bruno
    Ist bekannt, weshalb Alfred Hitchcock den Film "Das Fenster zum Hof" (1954) für 30 Jahre sperren ließ?


    Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich etwas falsch verstanden habe. So wie ich das verstanden habe, muss Alfred Hitchcock den Film demnach 1984 wieder entsperrt und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht haben. 1984 war Alfred Hitchcock jedoch schon verstorben, und konnte den Film somit nicht mehr freigeben?


    Also, Hitchcock war ein Schlitzohr. Nach Vertragsbeginn mit der Paramount handelte er einen Vertrag aus, daß die gedrehten Filme wieder in seinem Besitz übergehen.
    Eine Art Lebensversicherung für sich, seine Frau und seine Tochter.
    So schlummerten 5 seiner Filme für über 20 Jahre in seinem Privatarchiv in der Hoffnung, daß sie irgendwann im Wert steigen werden - eben die Lebensversicherung.


    Es betraf folgende Filme:


    Vertigo - Aus dem Reich der Toten
    Das Fenster zum Hof
    Der Mann, der zuviel wußte
    Immer Ärger mit Harry
    Cocktail für eine Leiche


    4 Jahre nach Hitchcocks Tod, 1984 wurden die Filme wieder freigegeben und hatten - wie erwartet wieder einen großen Erfolg.
    Ich war 1984 selbst in den Kinos, um mir diese Filme wieder anzuschauen.


    Wie ich schon schrieb, blieb die Synchronisation bei einigen Filmen auf der Strecke, weil diese zurückgegeben werden mußten.
    1984 wurden sie dann neu synchronisiert.


    Einige alte Synchronisationen tauchten überraschend wieder auf - so die erste von "Cocktail für eine Leiche" mit Agnes Windeck

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    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • Spannende Sache. Das wusste ich noch gar nicht. Das ist, denke ich mal, ein eigenes Thema wert.


    Interessant finde ich auch, dass der Film "Das Fenster zum Hof" (1954), wie Du bereits geschrieben hast, 30 Jahre gesperrt wurde. Ist Dir bekannt, warum der Film noch für weitere 10 Jahre gesperrt wurde?

  • Spannende Sache. Das wusste ich noch gar nicht. Das ist, denke ich mal, ein eigenes Thema wert.


    Interessant finde ich auch, dass der Film "Das Fenster zum Hof" (1954), wie Du bereits geschrieben hast, 30 Jahre gesperrt wurde. Ist Dir bekannt, warum der Film noch für weitere 10 Jahre gesperrt wurde?


    das er für weitere 10 Jahre gesperrt wurde, ist mir nicht bekannt, denn ich sah ihn in den 80er Jahren.

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    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker