Was vermisst Ihr heute im Fernsehen?

  • Viele tolle Programmstrukturen oder andere Dinge, die früher im Fernsehen normal waren, gibt es heute nicht mehr. Was vermisst Ihr heutzutage im Fernsehen? Bei mir ist es sehr vieles, ich fange aber mal klein an:


    - Programmansager
    - Den klassischen ProSieben-Sitcom-Vorabend (ALF, Bill Cosby, Unser lautes Heim, Roseanne usw.)

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Programmansager waren eine sinnvolle Einrichtung, da manche (gerade exotischere) Programme kommentiert und im Vorfeld eingeordnet werden müssen. Natürlich haben die auch manchmal Unsinn verlesen, aber das tut ja nichts zur Sache - sie konnten dem Zuschauer ein zum Teil durchaus hilfreiches Hintergrundwissen in Bezug auf die folgenden Filme und Sendungen vermitteln.

  • Ich habe ja generell nie viel ferngesehen. (Und trotzdem viele Klassiker des 80er/90er Kinderfernsehens mitbekommen. Aber auch ich vermisse Fernseh-ansager.
    Hingegen finde ich, dass es ZU VIEL Kinderprogramm im Fernsehen gibt. Hier stimmt leider das alte Sprichwort "Zu viele Köche verderben den brei". Man sollte die reinen kinder-sender abschaffen und wieder nur zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Tagen Kinderproramm senden. Dann ist es auch wieder etwas besonderes.

  • Eigentlich vermisse ich gar nichts, bis auf diese gemütliche Atmosphäre, die das Fernsehen im Wohnzimmer einst versprühte.
    Natürlich gibt es einige Merkmale, die ich am damaligen Programm schätze, aber ich wünsche mir z.B. keine Ansagen mehr für heute.
    Was vergangen ist, ist aus und vorbei, und das ist auch gut so, wie ich finde. So kann ich mich auf die wesentlichen Programmpunkte beschränken, also ganz bequem Filme oder Dokus einprogrammieren, und zudem bleibt mehr Zeit, mich allem zu widmen, wonach man gemeinhin etwas wehmütig zurückblickt. Davon gibt es zum Glück einen reichhaltigen Fundus, von dem ich lange zehren kann und mir somit aktuell auch nichts fehlt.

  • Das Gemütliche fehlt mir auch. In diesem Zusammenhang auch die hochwertigen Sendungen, die am Samstagabend liefen und heute selten geworden sind. Ansager würde ich immer begrüßen, einfach weil es der Entschleunigung beiträgt und zeigt, dass sich die Programmmacher Mühe geben. Außerdem vermisse ich:


    - Filmabspänne
    - Keine Werbung während die Filme laufen


    Gestern auf ProSieben wurde 1/3 des Bildschirms im laufenden Film (das wird immer mehr und immer größer!) für Werbung für einige Sekunden missbraucht!

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • In diesem Zusammenhang auch die hochwertigen Sendungen, die am Samstagabend liefen und heute selten geworden sind.

    Könntest du gerade mal ein paar Beispiele nennen? Das muss sicherlich schon eine Weile her sein... ;)


    Für die Sitcoms sind heute eher Ableger wie RTL Nitro oder Kabel Eins Classics zuständig. Doch auf dem Hauptsender nur Schrott zu zeigen und annehmbare Sendungen aneinandergereiht auf reine Abspielkanäle auszulagern, ist eben ziemlich lieblos.


    Quote

    Entschleunigung

    ...wäre in der Tat das Gebot der Stunde. Siehe: Hektisches und dusseliges TV-Programm aus der Sicht von Promis


    Respekt wäre ein weiterer Aspekt. Wenn ich sehe, wie höflich die Zuschauer damals angesprochen wurden und welche Umgangsformen heute herrschen, ganz zu schweigen von dem, was einem so vorgesetzt wird: würde mir ein Programmdirektor vor der Kamera seinen blanken Arsch entgegenstrecken, käme es auf dasselbe hinaus.

  • Da fällt mir gleich das nächste ein:


    - Das Siezen


    Es wird immer mehr geduzt im Fernsehen, was nicht gerade von Respekt zeugt.


    Mit den hochwertigen Sendungen meine ich diverse Schaus, die es früher gab. Als Jahrgang 1984 habe ich das nur noch am Rande miterlebt, aber mir wurde gesagt, dass ich z.B. als Kind gesehen habe:


    - Donnerlippchen
    - 4 gegen Willi


    Woran ich mich noch ohne Wertung erinnere:


    - Nase Vorn


    Was ich sehr positiv (aber wohl auch aus der Sicht eines Kindes) in Erinnerung habe:


    - Verstehen Sie Spaß (da finde ich die Version mit Cantz erstaunlich gut gemacht)
    - Die Rudi Carrell Show ( Rudi Carrell Show / Lass Dich überraschen (ARD, 1988 - 1992) - hab da erst letztens eine ganze Folge geschaut und würde mir das auch heute noch gerne anschauen)
    - Herzblatt (zwar Freitagabend aber auch ganz nette Unterhaltung - passend zum Thema "Entschleunigung")


    Was ich erst nachträglich kennengelernt habe:


    - Am laufenden Band
    - Die Peter Alexander Show
    - Melodien für Millionen (und viele andere Sendungen mit klassischen Schlager und Operettenleidern, viel in Verbindung mit historischen Rückschauen auf die Geschichte)


    Was mich positiv überrascht ist das Ratespielprogramm im SWR mit "Dings vom Dach", "Helden des Alltags" (?) und die Sendung wo rausgefunden werden muss, wer lügt.


    Wenn man das heutige Nachmittagsprogramm betrachtet, vermisst man sogar die Ratesendungen aus den 90er Jahren ("Familienduell", "Der Preis ist heiß", "Geh aufs Ganz",...)


    Und etwas aktueller: Harald Schmidt auf Sat.1

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ja, Sebastian, daß wären auch meine Favoriten, die Du hier aufgezählt hast.


    Aber in dieser Qualität, wie es die Altmeister wie Peter Alexander, Rudi Carrell, Peter Frankenfeld, D.T. Heck, Hans Rosenthal, Heinz Erhard...u.s.w.....wie es nie mehr geben. Leider ist der Zug abgefahren :(


    Mir bleibt immer nur die Hoffnung bzw. die Möglichkeit, daß solche Sendungen hier und da wiederholt werden, mehr aber auch nicht. Ist leider so!!!

  • Achja, zum Thema "Fernsehansager"


    Bei einer Fernsehshow sehe ich kein Problem, indem man den/die Ansager/in in den ersten Sekunden der Sendung mit einbaut. Dass kann doch eine Dame vom TV-Team sein, die vor Beginn der Show den kleinen Text mit Aufzählungen der Mitwirkenden "ansagt". Das ganze dauert 20 bis 30 sec, das reicht völlig aus.

  • Ich kann mir schon vorstellen, dass bestimmte Richtungen wiederkehren. Silbereisen greift z.B. sehr auf die alten Showkonzepte zurück, nur er vermischt es sehr mit Volksmusik was nicht so mein Geschmack ist. Aber besser als nichts! Willkommen bei carmen Nebel geht mehr richtung alte Gala/Schlagersendungen. Und Cantz hat es geschafft, "Verstehen Sie spaß?" wieder ähnlich zu verpacken wie es ursprünglich mal war.
    Auch Ansager kann ich mir wieder vorstellen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Hast auch wieder recht :) das ist so ne Sache mit dem live singen


    Aber ist das nicht unfair dem Puplikum gegenüber?!

    Da gebe ich Dir recht. Aber wahrscheinlich will man das Publikum vor Enttäuschungen bewahren. Ich habe schon so viele Auftritte von "Künstlern" gesehen, deren Alben ich sehr schätze, deren "Live-Performances" aber so schlecht waren (zum Teil erbärmlich), dass ich sofort meine Wertschätzung nach unten korrigiert habe. Das Gruseligste allerdings waren misslungene Playback-Gesangseinsätzer :D

  • @ Sebastian


    Gut, die Sternstunden der Abendunterhaltung habe ich nicht mehr miterlebt, wenn ich mir die Liste anschaue. An die Ausläufer, die bis in die 90er hinein liefen, wie Rudi Carrell, Verstehen sie Spaß? und Der Preis ist heiß mit Harry Wijnvoord erinnere ich mich dennoch.
    Wetten, dass? und Geld oder Liebe waren früher auch noch ganz nett. Einer meiner Höhepunkte war bestimmt die Mini Playback Show, die ich heute selbstverständlich auch kritisch betrachte. Daneben lief aber damals schon viel Mist, den sich meine Eltern angeschaut haben, wie Traumhochzeit, Die 100.000 Mark Show und alles mit Kai Pflaume.


    Nicht teilen kann ich jedoch deine Sympathien für Lanz & Cantz und wie sie alle heißen, die halte ich nämlich allesamt für Pfeifen.
    Moderatoren, die wirklich etwas darstellen, gibt es eben nur sehr wenige. Ich halte die "Großen" für Naturtalente.

  • Was ich in den 90er Jahren von den hier genannten Sendungen noch selbst gesehen habe, z.B.
    Der Preis ist heiß
    Mini Playback Show
    Wetten, dass?
    Familienduell
    Geh aufs Ganze
    Harald Schmidt

    das fand ich damals alles so gruselig, es ist gar nicht in Worte zu fassen ;) (Ich weiß, dass ich mir jetzt wieder viele Freunde mache *g*)
    Ob ich es aus dem Rückblick besser finden würde? - Weiß ich nicht! Vom heutigen Standpunkt aus finde ich die Informations- und Nachrichtensendungen, Tagesschau und historische Dokumentarfilme wesentlich besser, das kann ich sagen.
    Da ist der Niveau-Verfall schon sehr spürbar.


    Um noch einmal ganz ehrlich zu sein:
    Der Verdummungs- und Verkitschungseffekt, der mit den Heimatfilmen der 50er Jahre ja schon einsetzte, zieht sich mit zersetzender Wirkung auch durch die Geschichte des bundesdeutschen Fernsehens. Aus meiner Sicht sind wir seit 1949 auf dem Weg zur verdummten Spaßgesellschaft.


    Das imponiert mir alles überhaupt nicht, was das bundesdeutsche Unterhaltungsangebot zu bieten hat.

  • Lanz mag ich auch überhaupt nicht. Cantz habe ich gehasst und ich habe mich unendlich geärgert, als er "Verstehen Sie Spaß?" übernommen hat, weil er vorher der "Comedian-Clown" war und nur albern war, aber nicht lustig. Als Moderator hat er mich aber absolut überzeugt. Man merkt, dass er das mit viel "Liebe zum Produkt" macht und auch versucht die ganze Familie anzusprechen und hochwertig zu unterhalten. Es ist natürlich keine "Peter Alexander Show" von der Qualität her, aber sehr solide Sa-Abend-unterhaltung. Neben "Schlag den Raab" und - soweit man Lanz erträgt - "Wetten, dass..?" die letzte klassische Samstagabendunterhaltung, wenn man mal die Musiksendungen im Schlager- und Volksmusikbereich weg lässt.


    "Der Preis ist heiß" würde ich auf jeden Fall NICHT in die Liste der hochwertigen Themen einordnen. Aber es war in jeden Fall viel angenehmer und unterhaltsamer als das, was heute nachmittags bei den Privaten läuft.


    Geld oder Liebe habe ich zwar selten geschaut, aber heute würde ich mir ein solches Format zurück wünschen.


    Traumhochzeit ist für meinen heutigen Geschmack zu sehr verkitscht gewesen, damals habe ich es geschaut und gemocht. Die "100.000 Mark Show" habe ich damals geliebt, heute wäre mir das 100 mal lieber als "Supertalent" und der Ganze M.....


    Die "Großen" sind entweder Naturtalente (Peter Alexander) und / oder hart arbeitende Leute (Carrell, Frankenfeld). Wobei ein gewisses Talent immer dazu gehört.


    Die letzten "Großen", die noch nicht im Greisen-Alter sind, sind für mich Kerkeling, Schmidt, Jauch und vielleicht noch Gottschalk. Pflaume war vielversprechend, aber seine Zeit ist vorbei. Raab ist kein Moderator und kein Showmaster, aber das was er macht, ist nicht schlecht und manchmal sogar genial. Der Erfolg gibt ihm recht und er spielt in ner anderen Liga als die RTL-Mannen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Um noch einmal ganz ehrlich zu sein:
    Der Verdummungs- und Verkitschungseffekt, der mit den Heimatfilmen der 50er Jahre ja schon einsetzte, zieht sich mit zersetzender Wirkung auch durch die Geschichte des bundesdeutschen Fernsehens. Aus meiner Sicht sind wir seit 1949 auf dem Weg zur verdummten Spaßgesellschaft.


    Das imponiert mir alles überhaupt nicht, was das bundesdeutsche Unterhaltungsangebot zu bieten hat.


    Dem kann ich im Grunde zustimmen. Trotzdem muss ich sagen, dass gerade im Unterhaltungsbereich bis in die 70er und 80er Jahre noch ein ungeheuer hohes Niveau aufgefahren werden konnte. Ich habe vor ca. 2 Jahren einen Karton Video 2000 Kassetten bekommen mit TV-Sendungen aus den 80er Jahren. Meist Operette und Volksmusik, aber auch "Melodien für Millionen" und diverse Galas, wo eben dann auch alte Größen wie Rühmann, Gustav Fröhlich, Ilse Werner usw usw aufgetreten sind. Da habe ich allein von der Machart und der Qualität der Sendungen eine große Erfurcht vor den TV-Leistungen bis in diesen Jahren bekommen. Das war wirklich großartig, was da produziert wurde.
    Andererseits war ich erschrocken, wie sehr die Leute politisch damals schon auf Linie gebracht wurden. Einerseits gab es die Nostalgie-Themen, wo man feranb von Politik die Kunst und die Künstler der 20er bis 40er Jahre sehr würdevoll geehrt hat (Die entsprechende Generation war schließlich noch am Leben). Dann habe ich aber z.B. die Sendung gesehen "Noten, die verboten wurden", die passenderweise von Hans Rosenthal präsentiert wurde (der ist ein Thema für sich. Miterlebt habe ich ihn nie, in der Rückschau wird er und seine Sendungen sehr geehrt, als ich ihn dann aber in den alten Aufnahmen direkt gesehen habe, wirkte er ein wenig wie ein gemäßiger Friedman. Nur eben dass er diverse Theman nicht anspricht.). Für das Buch war der unvergessene Curth Flatow verantwortlich - den ich sehr verehre. Die Sendung war zwar hochwertig aufgebaut, wirkte aber im Unterton so, als wäre Knopp dafür verantwortlich gewesen. Das war zumindest vor 2 Jahren mein Eindruck, ggf. würde ich das bei einer weiteren Betrachtung anders einordnen.

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    André Gide

  • Sebastian, so differenziert wie du das beurteilen kannst, kann ich mich dazu gar nicht äußern. Du studierst dieses Thema ja richtig ;) Die von Dir genannten Beispiele habe ich nie gesehen.
    Ich will auch niemandem seine Lieblings-Sendungen schlecht reden.
    Was die Behandlung der deutschen Geschichte angeht - da war natürlich immer eine gewisse Unfreiheit zu bemerken und natürlich auch ein staatlich verordneter Antifaschismus, das ist ganz klar. Vielleicht war es in den 60er Jahren noch anders, das kann ich nicht beurteilen.

  • Bruno hat das mal ganz gut geschildert. Als Zeitzeuge der Zeit (60er Jahre usw) meinte er mal, dass er früher glaubte, dass sich das bessert. Es wurde aber im Gegenteil nur immer schlimmer. Ich schätze man hat den Druck bewusst nach und nach erhöht. Wenn man da zu früh zu harte Bandagen angesetzt hätte, wäre das ggf. im Aufstand übergegangen. Nachdem die Zeitzeugen immer mehr ruhig gestellt wurden und weg gestorben sind konnte man den Nachkommen von klein auf das alles immer mehr eintrichtern. Die 60er Jahre und die 68er haben das Ganze dann noch einfacher gemacht.


    Dass Du die von Dir aufgelisteten Sendungen nicht gemocht hast finde ich verwunderlich, schließlich war man als Kind noch nciht so kritisch wie man es heute sein sollte. Nachvollziehen kann ich es aus objektiver Sicht überall, nur nicht bei Harald Schmidt. Wobei er auch erst im neuen Jahrtausend auf Hochtouren kam.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide