Django Unchained (USA, 2012)

  • In diesen Tagen kommt "Django Unchained", der neue Film von Quentin Tarantino, in die Lichtspielhäuser. Ich bin immer recht unsicher, was Tarantino angeht. Einerseits ist es immer das Gleiche und oftmals sehr gewaltverherrlichend, doch irgendwie haben seine Filme etwas faszinierendes. "Kill Bill" sah ich vor fast 10 Jahren und fand ihn gut. "Pulp Fiction" vor noch längerer Zeit und fand ihn in Ordnung, wunderte mich aber, woher die der Hype kommt, was den Film betrifft. "Inglourious Basterds" habe ich im Kino gesehen. Geschichtlich ein unterirdischer Film, aber ansonsten doch sehr unterhaltsam. Was mich sehr störte, waren die Gewaltdarstellungen (man muss nicht alles zeigen, wenn es nicht gerade ein Splatterfilm ist).


    Django Unchained interessiert mich sehr, weil mich die Geschichte der USA sehr faszinierend finde. Auch was das Thema "deutsche Einwanderer" betrifft. Zwar darf man hier sicher nicht von historischer Korrektheit ausgehen, doch allein schon Christoph Waltz würde mich schon sehr interessieren. DiCaprio mag ich in solchen Rollen auch sehr. Ggf. gehe ich mir den Film ansehen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Dieses Mal müssen die Südstaatler daran glauben und nicht die Deutschen.
    Er hat sich dabei auch an dem Horrorfilm "Das Kettensägen-Massaker" orientiert, was seine Perversität dokumentiert.
    Es gilt eine Horde degenerierter weißer Südstaaten-​Landeier zu überwältigen, Menschen werden an Haken in düsteren Bretterschuppen aufgehenkt oder durch den Schlag mit Hämmern aus der Werkzeugkiste auf den Hinterkopf getötet, und vor dem Showdown gibt es ein gruseliges Abendessen im Herrenhaus mit Totenschädel am Esstisch.
    Tarantino bleibt sich treu: Es spritzt viel Blut, Gedärme und Hautfetzen - Töten mit Maschinengewehren genügt Tarantino nicht.
    Deutschlands Primitivzuschauer werden vor Vergnügen quicken.
    Es wird versucht - wenn auch hilflos - amerikanische Tugenden als Rechtfertigung für diesen Film zu erklären - wie langweilig: Freiheit und Befreiung.


    Und Deutsche dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ausnahmsweise wurde mal kein "Nazischurke" gebraucht, sondern ein guter Deutscher (Christoph Waltz hat das Privileg), der zwar mit der Selbstjustiz keine Probleme hat, aber mit der Sklaverei überhaupt nicht einverstanden ist.
    Letzteres dürfte ideologisch wohl den Grünen schmecken, die es auf ihre Art auslegen und verwenden können.

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • Ich bin ja mal gespannt, was Detlef dazu sagt, er mag ja das Genre mit der "primitiven Gewalt" sehr, soweit ich das bislang aufgefasst habe. In meiner Jugend fand ich das auch faszinierend, was ich heute nur noch bedingt nachvollziehen kann. Die übertriebenen Gewaltdarstellungen sind ein Minuspunkt für mich, was den Film betrifft. Der Rest interessiert mich sehr. Wie die Geschichte dargestellt, eventuell verdreht wurde, kann ich nicht beurteilen, da ich den Film nicht gesehen habe und die US-Geschichte mir bislang nur grob bewusst ist.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich bin ja mal gespannt, was Detlef dazu sagt, er mag ja das Genre mit der "primitiven Gewalt" sehr, soweit ich das bislang aufgefasst habe.

    Eine Formulierung, die fast danach klingt, als solle sie zum Widerspruch herausfordern ;)
    Ich würde sagen, dass es im Film drei Arten von Gewalt gibt:
    1. die lüsterne Gewaltdarstellung - wenn z.B. Dämonen, Untote, Psychopathen barbusige Sexsternchen jagen, um sie zu killen oder mit ihnen Sauereien anzustellen, oder wenn Romero den Savini rauslässt,
    2. die sinnhafte Gewaltdarstellung - Gewalt als Gegenstand intellektueller und künstlerischer Auseinandersetzung,
    3. die penetrant-ätzende Gewaltdarstellung - zu realistisch, um Spaß zu machen, aber ohne jeden geistigen Hintergrund, der sie dramaturgisch rechtfertigen könnte.


    Leicht zu erkennen, dass ich mit den Varianten 1 und 2 kein Problem habe. Gewalt im Film muss entweder Spaß machen oder einen tieferen Sinn zum Ausdruck bringen. Beides liegt weitgehend im subjektiven Urteil des Betrachters - es sind also keine Kategorien, die ein gemeingültiges Urteil erlauben.


    Die Tarantino-Filme, soweit ich sie kenne, changieren nach meinem Empfinden zwischen allen drei Kategorien.
    Die Gewalt in Reservoir Dogs dient der Aussage des Films, der ja sowas wie eine Studie über die zerfallenden Loyalitäten in einer Männergruppe darstellt. (Das habe ich jetzt aber gut gesagt!) ;)
    Die Gewalt in Kill Bill macht Spaß und soll Spaß machen!
    Den Basterds-Film fand ich doof und habe daher auch die Gewaltdarstellungen nicht goutiert.


    Mein Lieblingsfilm von Tarantino ist Jacky Brown. Ich glaube, das ist auch sein am wenigsten gewalttätiger.


    Zuletzt noch ein Wort zum Blutgericht in Texas (Texas Chainsaw Massacre), weil Bruno darauf angespielt hat. Auch wenn solche Vergleich sich aufgrund der Verschiedenartigkeit verbieten, steht der Originalfilm von Tobe Hooper meiner Meinung nach künstlerisch weit über 90 Prozent der deutschen Filme aus der Ufa-Ära.
    Das musste gesagt werden. :)

  • [quote='Sebastian',index.php?page=Thread&postID=132952#post132952]Ich bin ja mal gespannt, was Detlef dazu sagt, er mag ja das Genre mit der "primitiven Gewalt" sehr, soweit ich das bislang aufgefasst habe.


    Zuletzt noch ein Wort zum Blutgericht in Texas (Texas Chainsaw Massacre), weil Bruno darauf angespielt hat. Auch wenn solche Vergleich sich aufgrund der Verschiedenartigkeit verbieten, steht der Originalfilm von Tobe Hooper meiner Meinung nach künstlerisch weit über 90 Prozent der deutschen Filme aus der Ufa-Ära.
    Das musste gesagt werden. :)


    Was den Horrorfilm von Hooper betrifft, muß ich dir leider widersprechen.
    Ich habe sämtliche Horrorfilme ungeschnitten aus dieser Anfang 80er Serie - nicht aus Überzeugung - sondern eher aus Sammlerleidenschaft.
    Künstlerisches kann ich aber bei allen Filmen nicht erkennen - bis vielleicht auf eine Ausnahme:


    "Freitag der 13." von 1979
    Dieser Film, wenn auch durchsetzt mit primitiven Schlachtszenen, hat wenigstens eine Handlung und versucht den Grund für das Camp-Massaker filmisch rüberzubringen - darum gab es auch wohl mehrere Fortsetzungen.
    Das aber konnte ich beim "Kettensägen-Massaker" (Blutgericht in Texas) nicht erkennen.

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • Quote


    Künstlerisches kann ich aber bei allen Filmen nicht erkennen - bis vielleicht auf eine Ausnahme:


    "Freitag der 13." von 1979
    Dieser Film, wenn auch durchsetzt mit primitiven Schlachtszenen, hat wenigstens eine Handlung und versucht den Grund für das Camp-Massaker filmisch rüberzubringen - darum gab es auch wohl mehrere Fortsetzungen.
    Das aber konnte ich beim "Kettensägen-Massaker" (Blutgericht in Texas) nicht erkennen.

    Da sieht man, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind ;)
    Gerade Freitag der 13. gehört, finde ich, zu den stupidesten und primitivsten Streifen, die jemals das Etickett "Horror-Klassiker" aufgedrückt bekommen haben.

  • Aus "künstlerischer" Sicht würde ich "Halloween" besser finden. Und die "Tanz der Teufel"-Reihe. Beide Filme bzw. Filmreihe haben in diesem Bereich neue Wege eröffnet, auch wenn das, was danach kam, ostmals kaum noch einen künstlerischen Wert hatte.


    Mal abgesehen von der Gewalt, der "eigenen Sichtweise der Geschichte" und der damit verbundenen erneuten Stigmatisierung der Deutschen bzw. Deutschlands fand ich den "Basterds"-Film sehr sehr gut. Aber ich schätze dass genau das die Punkte sind die die Kritiken an den Film nicht mögen? Denn handwerklich macht Tarantino gute Filme, von daher freue ich mich auf den "Western".

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide


  • Mal abgesehen von der Gewalt, der "eigenen Sichtweise der Geschichte" und der damit verbundenen erneuten Stigmatisierung der Deutschen bzw. Deutschlands fand ich den "Basterds"-Film sehr sehr gut. Aber ich schätze dass genau das die Punkte sind die die Kritiken an den Film nicht mögen?

    Es hat sicherlich dazu beigetragen, dass der Film von konservativer Seite entschieden abgelehnt wurde. Andererseits hat kaum ein anderer Film über den Zweiten Weltkrieg so deutlich gemacht, dass er in einer cinematographischen Illusion spielt - siehe den Schluß von Inglorious Basterds!


    Also ich fand den einfach doof. War wirklich sehr enttäuscht. Alles, was in den früheren Tarantino-Filmen wunderbar funktioniert hat, funktionierte in Inglorious Basterds überhaupt nicht. Sehr schade - denn die Ansätze waren ja da...

  • Hat jemand schon "Django Unchained" gesehen? Wie ist er denn so? Ich war noch nicht im Kino - eigentlich hatte ich mir vorgenommen bei der aktuellen Abzocke nicht mehr ins Kino zu gehen. Aber ein 3D-Film ist es ja sicher in dem Fall nicht.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich war gestern spontan im Kino und war wirklich begeistert. Die Brutalität ist leider mal wieder extrem, bei dem Sklaven-Thema passte es aber ggf. ganz gut um manchen diese Problematik mal vor Augen zu führen, ohne natürlich zu vergessen dass der Fil selbst fiktiv ist. Waltz war großartig, das Drehbuch war sehr gut geschrieben. Und es ist faszinierend, dass eine deutsche Figur in einem US-Film mal nicht der Bösewicht ist.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich kann nur zustimmen. Der Film ist einfach super geworden! Vom Drehbuch bis zum Soundtrack - es ist einfach alles gelungen. Und die Besetzung ist auch perfekt - DiCaprio habe ich noch nie so abstoßend gesehen, und Waltz hat mir in Django viel mehr gefallen, als in Bastards.
    Also, ich kann den Film wirklich nur herzlichst empfehlen, es sei denn man stört sich an der vielen Gewalt, denn da bleibt sich Tarantino treu.

  • Ja die Gewalt ist schon extrem, das hätte man auch anders arrangieren können. Und ich gebe Dir recht: Waltz gefällt mir in der Rolle viel viel besser als in Basterds - die ist ihm halt auch auf den Leib geschrieben worden.


    Willkommen in unserem Forum übrigens! :) Auf ne gute Zeit!

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich kann mich da Sebastian nur anschließen. Ich finde den Film einfach klasse gemacht! Vorher war ich ja zugegebenermaßen ein wenig skeptisch, ob er mir gefallen würde, aber dann wurde ich doch positiv überrascht und würde ihn mir auch ein weiteres Mal ansehen. :)

  • Ich habe lang bei ebay geschaut ob man den Film mal günstig kriegen kann. Da ich einen Amazon Gutschein hatte und ich den Film gerne noch sehr oft sehen möchte, habe ich nun den Gutschein eingelöst und u.a. diesen Film auf DVD bestellt :) Dein Beitrag hat mich gerade auf das Theam wieder gebracht. Ein toller Film, auch wenn die sichtbare und unsichtbare Gewalt schon sehr hart ist.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich lasse den Film nachts in den letzten Tagen öfters mal laufen und er gefällt mir ncoh immer sehr. Was mir im Kino gar nicht so aufgefallen ist: Die Musik des Films ist wirklich großartig!

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Vorgestern lief Django Unchained auf Pro7 in einer wahrscheinlich gekürzten Fassung - die jedenfalls keine extreme Gewalt und erst recht keine "Perversitäten" enthalten hat, von einer überflüssigen, dann aber auch abgebrochenen Folterung des Helden abgesehen.


    Na ja, ich hab ihn mir jedenfalls angeschaut und fühlte mich so lange gut unterhalten, bis die Charaktere von Waltz und DiCaprio das Zeitliche gesegnet hatten. Danach war die Luft raus. Dramaturgisch war das Ganze sowieso schwach und wurde gegen Ende immer schwächer. Dass das Ganze dann auch noch komplett auf Comic-Niveau absteigt (Abrechnung, explodierende Villa und Musik aus Die rechte und die linke Hand des Teufels), ist für mich ein Zeichen dafür, dass Tarantino seit Kill Bill das Augenmaß für ironische Brechungen verloren hat. Was in den früheren Filmen geistreich wirkte, weil es in einem ernsthaften Kontext dargeboten wurde, wirkt heute nur noch abgeschmackt und dämlich. Die Diskussion der Kukluxklan-Anhänger über ihre misslungenen Kapuzen war übrigens ebenfalls ein völliger Tiefpunkt, den ich eher bei Monthy Python denn bei Tarantino erwartet hätte.
    Wegen der gräßlichen Rap-"Musik" musste ich mehrfach den Ton stumm schalten.


    Waltz und DiCaprio waren trotzdem gut!