Abrißwahn in München

  • und schon wieder wurde im Stadtteil Lehel ein Stück Geschichte vernichtet, dieses Wohnhaus stand von 1860 -2011 und wurde inzwischen durch ein potthäßliches Bürogebäude ersetzt. :thumbdown:



    Quelle:http://www.monacomedia.de/muen…weibrueckenstr112011a.jpg


    OB Thomas Wimmer würd sich im Grabe umdrehen wenn er wüßte wie seine Stadt, welche er so liebevoll zu erhalten suchte verschandelt wird. :(

  • Unter der Amtszeit vom Wimmer ist dieses tolle Eckhaus (rechts im Bild) abgerissen worden, was den Krieg mehr oder weniger unbeschadet überstanden hat. Dummerweise war rechts daneben nach dem Krieg eine friee FLäche was wohl den Abriss "gerechtfertigt hat". Da frage ich mich, wo sich Wimmer für den erhalt der lieben Stadt eingesetzt hat. Schließlich ist der Marienplatz nicht unbedingt ein Münchner Vorort.


    Ein ähnliches Thema haben wir hier: Architektur: Bauwerke, Wiederaufbauten, Neubauten,...


    Hier gibts noch weitere Beispiele, wenn man denkt was für ein tolles Gebäude dort mal stand, wo man in den 70er Jahre den Kaufhof in München am Marienplatz (!) hingeknallt hat. http://www.tz-online.de/aktuel…t-geburtstag-2322242.html

  • Wobei ich den Eindruck habe, dass die Architektur sich zum Positiven entwickelt. Der Stil ähnelt dem Stil der 20er Jahre, was mir ganz gut gefällt. Wenn ich z.B. mit der S-Bahn in der Gegend Donnersberger Brücke entlang fahre erfreue ich mich immer wieder am Arnulfpark, der streckenweise super ausschaut, hier auf dem Bild wirkt es nicht ganz so gut wie es in Echt ist. Es gibt da auch einen schönen "Bogen" der auf dem Bild nicht mit drauf ist: http://www.mvd-plan.de/uploads/pics/mvd_aip_muenchen2.jpg


    In Berlin gabs auch solche Beispiele, aber mir ist der Name entfallen.


    Ich verschiebe das Thema mal aus der Plauderecke in Politik & Geschichte, ich finde da passt es besser hin.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ja, der Arnulfpark ist architektonisch recht gelungen, es geht also auch anders - nun ist auf diesem Areal aber auch nichts groß historisches gestanden, das war ja im Grunde genommen Industriegelände.


    In Berlin ist zur 750 Jahrfeier das Nikolaivirtel wieder weitesgehends orginal wiederaufgebaut worden, welches völlig zerstört war. In der Friedrichstraße hingegen scheint man seit Beginn der 90iger Jahre auf die Architektur Albert Speers zurückgegriffen zu haben.


    Der neue Berliner Hauptbahnhof ist allerdings in der Tat keine Schönheit.

  • Wobei ich Speers Architektur nicht gerade hässlich finde. Das Nikolaiviertel kannte ich bisher nicht, das scheint aber wirklich ein tolles Beispiel zu sein.


    Der Arnulfpark ist weitestgehend ein schönes Beispiel. Rosenheimerstraße / Kellerstraße finde ich in Haidhausen z.B. durchwachsen, einerseits gehts, andererseits zum Teil sehr hässliche Gebäude, wenn man dann aber vergleicht und überlegt dass dort früher nur hässliche Brauereigebäude standen, ist es dann doch besser geworden.
    Ein weiteres positives Beispiel in München ist die Preysingsstraße, kennt man durch Pumuckl sehr gut. Dort wurde viel erhalten und sehr schön wieder hergerichtet. Aber auch bei vielen alten Gebäuden werden oftmals wieder Türme oder Erker ran gemacht, die im Krieg weggekommen sind. Vieles schaut aber noch immer aus wie schnell in den 50er Jahren wieder aufgerichtet, wie z.B. am Platzl das Gebäude bei dem das "Platzl" drin war, heute Hard Rock Cafe.


    In Schwabing wurde dagegen dieses schöne Gebäude (siehe anhang) abgerissen. Bin gespannt wie der Neubau aussehen wird. Hier in Beitrag Nr. 5 ein weiteres Beispiel: Architektur: Bauwerke, Wiederaufbauten, Neubauten,...

  • Das sind die altbekannten Widersprüche in der Politik. Es ist ja altbekannt, dass hierzulande die Wirtschaft mehr Macht hat als die Politik. Und das macht sich gerade auch in den Stadtbildern hierzulande bemerkbar. Nicht umsonst verlieren die deutschen Städte seit 1945 ihre Charakterzüge, der Bombenterror war natürlich auch beteiligt, aber wie wir in den Städten sehen können liegt es nicht nur daran.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Es ist die Wirtschaft. Da fließen dann mal ein paar Millionen mehr und dann darf man es plötzlich... anders kann ich mir das nicht erklären. In München gibt es schließlich viele Grundstücke / Lagen für die viel gezahlt werden.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Das Problem ist dass es bei solchen Sachen oftmals weniger um die Wirtschaft der Stadt oder der Region geht, sondern um die "Wirtschaft" diverser Privatpersonen die sich Denkmäler setzen möchten oder sich daran finanziell bereichern. Ist natürlich nicht immer so aber das spielt oft mit rein.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Es sind sicherlich vorwiegend Privat "investoren", welche jedoch mit wohlwollender Zustimmung entsprechender Stadtväter ihr greissliches Werk vollbringen, frei nach dem Motto "neue Bürotürme schaffen Arbeitsplätze". Stimmt schon theoretisch, gesetzt den Fall es bestünde dringender Bedarf an Büro und Gewerbeflächen - den Compaq Bürobetonklotz in Johanniskirchen hat man inzwischen wieder abgerissen, weil ihn keiner haben will, bzw sich damit keine lukrativen Gewerbemieten erzielen lassen.


    Nehmen wir mal die Versicherungskammer Bayern - wenn es nach denen gegangen wäre, hätten sie das ganze Areal in der Wiedemayerstr. (Standort der ehemaligen Pumuclwerkstatt) weggerissen, sehr zur Freude gewisser Politiker welche dorten gern die Verbindung zum mittleren Ring gesehen hätten.


    Was mich noch nebenher wundert: etliche Häuser in der Leopoldstraße stehen unter Denkmalschutz: http://de.wikipedia.org/wiki/L…nkm%C3%A4ler_in_Schwabing
    Die 2010 weggerissene Nr 59 wohl nicht - ich frage mich welches Kriterium das Haus nicht erfüllte?


    Im Gegensatz da zu mal ein Altbaubestand dessen Erhaltung sich wahrlich nicht mehr lohnt, da es wohl schon um etwa nach 1900 ein schmuckloser Billigbau war (siehe unterenVerweis), welcher in den 60iger Jahren zudem arg verschlimmbessert wurde. Jener Besitzer sucht alles daran das Haus zu erhalten - hier wäre m.E. ein Neubau sinnvoller. Naja, mitunter haben die falschen Besitzer die falschen Häuser :D


  • In Berlin ist zur 750 Jahrfeier das Nikolaivirtel wieder weitesgehends orginal wiederaufgebaut worden, welches völlig zerstört war. In der Friedrichstraße hingegen scheint man seit Beginn der 90iger Jahre auf die Architektur Albert Speers zurückgegriffen zu haben.


    Kannst du das an einem Beispiel fest machen? Mir fällt da kein Haus ein. Und das Nikolaiviertel ist nicht original, sondern originalgetreu, ob nach historischen Vorlagen, weiß ich nicht. Wer näher rangeht, erkennt den gutan alten Plattenbau an vielen Häusern wieder.


    Quote

    Der neue Berliner Hauptbahnhof ist allerdings in der Tat keine Schönheit.


    Vielleicht eine Frage der Zeit. Ich bin sicher, dass die nachfolgenden Generationen ihn lieben werden. Ich hätte ihn auch so ähnlich gebaut, aber den alten Lehrter Bahnhof mit einbezogen, anstatt ihn abzureißen. Das wäre allerdings schweineteuer geworden. Da hätten sich wohl auch wieder einige beschwert. :D

  • Ich muss immer wieder an ein großes Einkaufszentrum (?) in Berlin denken, das ich geliebt habe, es war ein Neubau und sah aus wie aus den 20er Jahren... mir fällt der Name aber nicht ein. Ich hab damals in der Ecke Tempelhof/Kreuzberg/Schöneberg gewohnt...

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Kannst du das an einem Beispiel fest machen? Mir fällt da kein Haus ein. Und das Nikolaiviertel ist nicht original, sondern originalgetreu, ob nach historischen Vorlagen, weiß ich nicht. Wer näher rangeht, erkennt den gutan alten Plattenbau an vielen Häusern wieder.


    Kann ich machen, wenn ich wieder in Berlin war - dann lichte ich entsprechende Bauten ab und stell sie hier rein.


    Natürlich sind im Nikolaiviertel auch Plattenbauten zwischengebaut worden, in einem allerdings recht einfügsamen Stile - die DDR hatte doch überhaupt nicht die Gelder alles wieder originalgetreu wieder aufzubauen. Jedoch sind dort so einige markante Gebäude wieder original aufgebaut worden, wie beispielsweise die Gaststätte zum Nußbaum. Es macht natürlich den Eindruck das diese Gebäude noch aus alter Zeit stammen - ich kenne allerdings das Nikolaiviertel noch vor dem Wiederaufbau...da stand so gut wie gar nichts mehr, nur eine einsame Kirchenruine.

  • Ich muss immer wieder an ein großes Einkaufszentrum (?) in Berlin denken, das ich geliebt habe, es war ein Neubau und sah aus wie aus den 20er Jahren... mir fällt der Name aber nicht ein. Ich hab damals in der Ecke Tempelhof/Kreuzberg/Schöneberg gewohnt...


    Du hast in Berlin gewohnt??? :huh: Da guck ich aber jetzt! In welcher Zeit war denn das? Vielleicht hast du noch irgendwelche Straßennamen parat.


    Spontan fällt mir nur die Kaiser-Wilhelm-Passage ein. Ein richtiges Einkaufszentrum ist es nicht unbedingt, hatte aber einen direkten Übergang zum Karstadt-Kaufhaus, was aber inzwischen lange schon geschlossen hat.

  • Ich hab in der Dudenstraße gewohnt für ein halbes Jahr. Die Kaiser-Wilhelm-Passage kenne ich, die fand ich damals schon hässlich, dieses Glaszeug... grausam ;)

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Dann weiß ich aber nicht, welches Einkaufszentrum du meinen könntest, mir ist auch keins im Stil der 1920er bekannt, was aber bei der Fülle von Einkaufszentren nichts sagen muss. :D