Das Glück auf dem Lande (1938)

  • Dank den öffentlich-rechtlichen Sendern wird auch heute den Freunden der Trachten eine Plattform im Fernsehen dafür geboten. Ich behaupte sogar täglich. Allein schon im BR auf Bayern Alpha und im ORF. Mit den alten deutschen Filmen vor 1945 ist das leider nicht der Fall. Ich habe schon lange keine Ausstrahlung eines alten deutschen Filmes in der TV-Zeitschrift mehr gefunden (sicher schon 2-4 Wochen). US-Filme aus den 30er und 40er Jahren findet man dafür mehrfach wöchentlich, zumindest im Moment.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • US-Filme aus den 30er und 40er Jahren findet man dafür mehrfach wöchentlich, zumindest im Moment.

    Hab ich auch schon öfter hier moniert. Besonders auf US-Kriegsfilme haben sich die ÖR eingeschossen - Das Urteil von Nürnberg lüft mindestens 10 mal im Jahr.
    Auf meine Frage, ob sie nicht auch mal "Stukas" bringen könnten, kam die automatische Antwort: "Dieser Film ist zur Zeit nicht vorgesehen".
    Was bedeutet, das sich niemand für die Anfragen interessiert.


    Mich nervt auch schon seit über 30 Jahren der Titel von "Waterloo und Robinson" - "Das war Hollywood von gestern".
    Wahrscheinlich hat dieser schmalzige und nervige Titel die ÖR inspiriert.
    Alleine wegen diesem Titel habe ich keine einzige Aufnahme dieser Gruppe, die sich so manche musikalische Fehlpässe erlaubt hat.

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • ALEXA :
    Es tut mir leid, wenn mein Urteil zu pauschal und abschätzig geklungen hat.
    Ich kenne ganz hervorragende Filme aus der Zeit, die ich auch sehr schätze, aber bei anderen ist es eben so, dass sich viele Motive wiederholen, mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann und deren Unterhaltungswert mir auch sehr gering zu sein scheint. Es liegt aber auf keinen Fall in meiner Absicht, die deutsche Filmproduktion der 30er/40er Jahre schlechtzumachen.


    Hab ich auch schon öfter hier moniert. Besonders auf US-Kriegsfilme haben sich die ÖR eingeschossen - Das Urteil von Nürnberg lüft mindestens 10 mal im Jahr.
    Auf meine Frage, ob sie nicht auch mal "Stukas" bringen könnten, kam die automatische Antwort: "Dieser Film ist zur Zeit nicht vorgesehen".
    Was bedeutet, das sich niemand für die Anfragen interessiert.

    Du hast ja Nerven :thumbsup:

  • Aber ich glaube eben auch, dass sich das Interesse immer nur auf bestimmte Filme richten wird, die meisten der damaligen Produktionen heute aber als ziemlich uninteressant angesehen werden.


    Ich darf mal etwas Ketzerisches sagen:
    Die meisten dieser Filme sind auch ziemlich uninteressant, allein diese ganzen Liebeskomödien und Eifersuchtsgeschichten.
    GÄHN! :thumbdown:

    Ich bin da durchaus deiner Meinung, und auch wieder nicht. Ob etwas eine Liebeskomödie, Eifersuchtsgeschichte oder Tonfilmoperette ist oder nicht hat mit der Qualität eines Films erstmal gar nichts zu tun. Ich liebe diese Genres z.B. sehr, wohingegen ich mit Kriminalfilmen oder Kriegsfilmen eher weniger anfangen kann, das ist einfach eine Geschmacksfrage. Aber du hast natürlich recht, wenn du sagst, daß sehr viele dieser Filme vom künstlerischen Standpunkt eher nicht so bedeutsam sind. Bloß sollte man das nicht pauschal für die gesamte Zeit 1930-1945 sagen, denn die 'leichten' Filme der Weimarer Zeit sind auch heute durchaus noch geeignet, ein jüngeres Publikum anzusprechen: ich habe diversen Freunden und Bekannten, allesamt jünger als 40, "Ich bei Tag und du bei Nacht" gezeigt, und alle waren von diesem Film ausgesprochen angetan. Ähnliches gilt auch für andere Weimarer Komödienklassiker. Auch auf Willi Forst-Filme wie "Maskerade", "Bel ami" oder "Wiener Mädeln" habe ich sehr positive Rückmeldungen von Leuten erhalten, die sich sonst eher nicht so stark für ältere Tonfilme interessieren.


    Den Niedergang des Genres in Deutschland würde ich Mitte der 30er ansiedeln, obwohl es auch danach noch gelegentlich Filme gab, die locker mit Hollywood-Produktionen ähnlicher Art mithalten können: ich nenne mal "Glückskinder" oder "In Flagranti" (und der ist richtig spät, von 1943). Aber es sind glaube ich vor allem die frühen Tonfilmproduktionen, die heute auf Interesse eines jüngeren Publikums treffen könnten. Auch das ist beim amerikanischen Kino nicht anders: jüngere Filmfans interessieren sich da auch eher für Pre-Code-Filme als für den harmloseren Stil des 'Classic Hollywood Cinema' nach 1934.


    Und um dein Beispiel "Hitlerjunge Quex" aufzugreifen: kann schon sein, daß sich der gut verkaufen würde, aber wohl vor allem aus Neugier auf diesen 'verbotenen' Film. Denn künstlerisch halte ich persönlich diesen Film für ziemlich vergessbar. Schwaches, vorhersehbares Skript, wenn auch mit George hochkarätig besetzt. "Hans Westmar" ist da ein viel interessanterer Film, rauher und perfider (wenn ich an Wegeners Rolle denke), auch zeitgeschichtlich aufschlußreicher. Aber ganz allgemein würde ich sagen: wenn irgendjemand Filme aus dieser Zeit veröffentlicht, dann sollten solche Überlegungen hinsichtlich eines möglichen 'Skandalerfolgs' oder - vice versa - politisch wertvollem 'Widerstand' a la Käutner (gegen den ich gar nichts habe) keine Rolle spielen, sondern allein filmische Werteinschätzungen, die natürlich immer subjektiv sind. Aber ich glaube dann wären wir sicherlich nicht bei Veröffentlichungen von "Quex" oder "Leinen aus Irland", sondern eben bei "Ein blonder Traum", "Operette", "Opfergang", und ja, auch bei "Jud Süß".

  • Carry Klips :
    Ich stimme Dir wiederum in vielen Punkten zu. Natürlich kann man auch "junge Leute" für deutsche Tonfilmperlen begeistern, sofern sie aufgeschlossen sind und sich in die Mentalität einfinden wollen (diese Kriterien schließen die breite Masse schon einmal aus). Aber nach meiner Erfahrung ist das zeitgeschichtliche Interesse größer als das Interesse für die damalige Filmproduktion. Was Quex und Westmar angeht, sind wir ebenfalls einer Meinung - auch ich fand den Westmar immer besser, wenn Quex auch in der Kategorie Unfreiwillige Komik die Nase vorne hat ...
    Ich sage nur: "Dynamit, Ulla! Dynamit!!"
    :D
    Nicht zustimmen kann ich allerdings deiner Forderung, allein die filmische Qualität solle den Ausschlag für die Wieder-Veröffentlichung geben. Filmische Qualität ist nun mal viel stärker von den Seherfahrungen, den Erwartungen und dem subjektiven Empfinden des Betrachters abhängig als zum Beispiel das Kriterium der zeitgeschichtlichen Signifikanz, das eben die Kriegs- und Propagandafilme kennzeichnet.
    Eine Episode zur Veranschaulichung: Erst vorletztes Wochenende habe ich in Gesellschaft Tarkowskijs Nostalghia gesehen - und meine Gesellschaft fand den Film vollkommen unverständlich, Kommentar: "Vielleicht ist Tarkowskij einfach nur verrückt gewesen?" .... *Seufz* :rolleyes:

  • Ich denke, zeitgeschichtliche Bedeutung und filmische Relevanz können ja durchaus zusammenkommen, deswegen habe ich ja gerade "Jud Süß" und "Opfergang" genannt. Das Problem sehe ich eher, wenn filmisch tolle Komödien erstmal ausgeblendet werden, weil man aus denen zumeist ja nur wenig zeitgeschichtliches Kapital schlagen kann.


    Was Tarkovskij angeht: ich habe vor nicht allzu langer Zeit jungen Menschen seinen "Spiegel" gezeigt, der auf vollkommenes Unverständnis stieß. Zitat: "Und dafür kriegt man also einen Preis in Cannes...". Was mich daran stört ist weniger, daß die entsprechende Person den Film nicht kapiert hat - das ist ja auch eine harte Nuss, und ich habe ihn auch erst nach mehrmaligem Sehen halbwegs verstanden -, sondern die sich darin äußernde Grundhaltung. Es wäre doch viel schöner, wenn man in einem solchen Fall erstmal konstatieren könnte, daß da ein Film ist, der anders ist als das was man kennt. Und das dann als Anreiz empfindet, sich zu fragen, warum und wieso. Anstatt den Film abzulehnen, weil die eigenen Erwartungshaltungen nicht erfüllt worden sind und man sich vielleicht sogar gelangweilt hat.

  • Was Tarkovskij angeht: ich habe vor nicht allzu langer Zeit jungen Menschen seinen "Spiegel" gezeigt, der auf vollkommenes Unverständnis stieß. Zitat: "Und dafür kriegt man also einen Preis in Cannes...". Was mich daran stört ist weniger, daß die entsprechende Person den Film nicht kapiert hat - das ist ja auch eine harte Nuss, und ich habe ihn auch erst nach mehrmaligem Sehen halbwegs verstanden -, sondern die sich darin äußernde Grundhaltung. Es wäre doch viel schöner, wenn man in einem solchen Fall erstmal konstatieren könnte, daß da ein Film ist, der anders ist als das was man kennt. Und das dann als Anreiz empfindet, sich zu fragen, warum und wieso. Anstatt den Film abzulehnen, weil die eigenen Erwartungshaltungen nicht erfüllt worden sind und man sich vielleicht sogar gelangweilt hat.

    Jetzt sind wir aufgrund der Tarkowskij-Anekdote natürlich hoffnungslos OT und werden wohl auch auf Steputat & Co nicht mehr zurückkommen ;)
    Ich kann mir trotzdem eine Antwort nicht verkneifen:
    Auch mich stört die mangelnde Bereitschaft, sich in einen Film einfühlen zu wollen, wenn er der eigenen Erwartungshaltung zuwiderläuft. Wir alle kennen vermutlich das Misstrauen, das sich einstellt, wenn man mit (Kunst-)Werken konfrontiert wird, die einem suspekt sind. Ich kann auch verstehen, dass man für sich selbst eine Grenze zieht und sagt: Nein, darauf habe ich keine Lust. Das ist mir zu abgehoben.
    Aber ich finde es schade, wenn man den Gehalt eines solchen Films überhaupt nicht diskutieren kann, weil die "Gegenseite" gleich so eine Verweigerungshaltung einnimmt, die die Dikussion unmöglich macht.


    Andererseits erwartet man vielleicht auch ein bißchen viel und fühlt sich im Zweifelsfall persönlich gekränkt. Es gibt auch genügend Filme, denen ich aus Prinzip keine Chance geben würde, weil sie mich annerven und ich sie nicht verstehe.
    Kennst Du Nicht versöhnt oder es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht (1965) von Straub-Huillet?
    Da hab ich aber auch aufgegeben!!! 8|

  • Nein, kenn ich nicht. Generell würde ich aber sagen: wenn mich etwas annervt, versuche ich zumindest, einen 'analytischen' Zugang zu finden, mir zu überlegen, ob das, was der Regisseur da macht, zumindest in sich stimmig und handwerklich gekonnt ist. Wenn es dann für mich immer noch nichts ist: na gut, dann kann ich's auch nicht ändern. Stören tut mich eigentlich nur Dilettantismus, der sich als 'Kunst' oder 'Rebellion' verkauft. Da gibt es z.B. diesen sogenannten Science-Fiction-Film von Alexander Kluge aus den frühen 70ern, dessen Titel ich zurecht vergessen habe... (ich gehe schon mal in Deckung, vermutlich gibt es sogar hier Kluge-Anhänger... ;) ).

  • Oh Gott, Alexander Kluge :thumbdown:


    Den Namen habe ich jetzt ganz bewusst nicht genannt, weil ich anfange zu geifern, wenn ich an seine abartigen "TV-Formate" denke. Das ist für mich Volksverdummung auf Akademikerniveau, und jeder vernünftige Mensch müsste Kluge mit Tomaten und faulen Eiern bewerfen.


    Nein nein, dann lieber eine seichte Ehekomödie aus den 30er Jahren :D